Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: admin

  • Im Schnelldurchgang

    So, nun im Schnelldurchgang in Kürze die aktuellen Entwicklungen im Weinberg und in der Natur, damit dieser Weinblog nach dem Domainwechsel wieder an Fahrt gewinnt.

     

    Nach einem trocken und teilweise vorwiegend kühlem Frühjahr ergrünten die Reben um den letzten Monatswechsel. Auch Zeit, um den Umgang mit dem Kettenschlepper beim Mähen zu üben. Im „flacheren“ Weinberg angefangen, dann langsam die Steigerung in steilere Weinberge. Wissensvermittlung an meine Tochter Sophie. Mit dem Mulchgerät zu fahren ist etwas anspruchsvoller, als bei der Weinernte die Trauben aus dem Weinberg transportieren. Dennoch klappte alles sehr gut. Mit etwas weiterer Übung kann ich mich künftig auf die Rolle des Beobachters zurückziehen.

    Der Mitte Mai einsetzende Regen füllte die Bodenwasservorräte wieder gut auf, und erste Sorgen wegen möglicher Trockenheit waren schnell verflogen.

     

    Die für einen Mai ungewöhnlich hohen Temperaturen von zeitweise über 30 Grad ließen das Rebwachstum förmlich explodieren. Innerhalb weniger Tage kam es zu einem enormen Längenzuwachs der Triebe. Bereits in der vergangenen Woche wurde zögerlich mit dem Einschlaufen der Rebtriebe in den Drahtrahmen begonnen. Nun ist jedoch Eile geboten, damit diese Arbeit rechtzeitig abgeschlossen werden kann.

    Außergewöhnlich früh beginnt in diesem Jahr auch die Rebblüte – ein weiteres Zeichen des Klimawandels. Im Vergleich zum langjährigen Mittel liegt der Blühbeginn etwa 20 Tage früher.

     

    Auf dem Bild sind die Details gut zu erkennen: Sobald das Blütenkäppchen abgeworfen wird, erscheinen Fruchtknoten, Narbe und Staubgefäße. Kurz darauf erfolgt bereits die Bestäubung. Die für die kommenden Tage vorhergesagten gemäßigten Temperaturen dürften zu einem guten Bestäubungsergebnis beitragen.

  • Neustart & Durchstarten

    Der Neustart des Lebens nach der Betriebsübergabe an meine Nachfolger vom Weingut von Vielen ist gelungen. Mittlerweile beim dritten Lebensabschnitt angekommen läuft das Leben stressfreier als in den Jahrzehnten der Selbstständigkeit vorher. Ohne Wecker morgens aufstehen und von unserer neuen Behausung aus die Landschaft genießen. Der Weitblick bis zur nächsten Moselschleife, Sonnenaufgänge und -untergänge oder Blick auf die Spiegelung der Bäume am Moselufer auf die Mosel (weitere Bilder folgen).

     

    Wie ich hier schon früher geschrieben habe, hatten wir bereits vor Jahren versucht, unser Weingut zu verkaufen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit der vermittelnden Agentur war das Loslassen vom eigenen Weingut. Die Rolle des Beobachters einzunehmen fällt zwar manchmal schwer, ist bei einer Betriebsübergabe aber enorm wichtig. Damit wird das größte Konfliktpotenzial schon einmal deutlich reduziert.

     

    Natürlich gebe ich weiterhin meinen „Senf“ zum Geschehen im Weingut dazu. Ob dieser berücksichtigt wird oder nicht, muss mir letztlich egal sein. Meine Beratung ist jedoch meistens erwünscht, damit ich meine über viele Jahre erworbene Sachkompetenz zum Nutzen des neuen Weinguts weitergeben kann. Daneben spiele ich den Knecht im Weinberg und Keller, bin jederzeit abrufbar, behalte grob den Überblick und vermittle weiterhin das Handwerk des Winzers und Kellermeisters.

     

    Das Formelle der Betriebsübertragung ging erstaunlich schnell vonstatten. Bei Landwirtschaftskammer, Agrarverwaltung und Ökokontrolle reichten einige Telefonate, Unterlagen und Unterschriften aus. Auch die Neuanmeldungen und Registrierungen bei Finanzamt und Zoll verliefen problemlos. Selbst die Änderungen der Mitgliedschaften bei Berufsverbänden waren unkompliziert.

     

    Die kleineren Dinge bereiteten dagegen die größten Schwierigkeiten. Teilweise wurde schlicht verweigert, die neuen Inhaber in bestehende Verträge aufzunehmen. Also blieb nur die Kündigung meinerseits und der anschließende Neuabschluss der Verträge. Das war teilweise reiner Irrsinn.

     

    Der Höhepunkt war unser verschlafener Versicherungsvertreter – ein absolutes Desaster. Erst mit massivem Druck über die Versicherungsgesellschaft und die übergeordnete Generalagentur kam es zu den gewünschten Vertragsänderungen. Immerhin ergaben sich dadurch neue Tarife und letztlich sogar eine beträchtliche Ersparnis.

     

    Auch hier ich werde wieder durchstarten. Dieser Blog hat seine Wurzeln im Jahr 2003. Gestartet unter dem Namen „Die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß“ war er ursprünglich als Informationsportal für Kunden und Freunde gedacht – mit vielen Einblicken in den Alltag des Winzers. Im Laufe der Jahre wurde daraus der meistgelesene Winzerblog in deutscher Sprache.

     

    Unsere Nachfolger möchten/können/wollen/…/…/…/ dieses Online-Tagebuch nicht weiterführen. Da mir das Schreiben und Fotografieren weiterhin große Freude bereitet und die Blogeinträge der vergangenen 23 Jahre nicht im Nirwana des Internets verschwinden sollen, werde ich den Blog fortführen.

     

    Nach einer kurzen Pause bin ich ab heute in einer neuen Rolle unterwegs: vom Weingutsbesitzer zum „Weinbergsknecht“ bei unseren Nachfolgern. Vielleicht mit einer etwas anderen Sichtweise – aber es geht weiter.

     

    Die Internetadresse hat sich inzwischen in bioriesling.de geändert. Aus den „Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß“ werden nun die „Bildergeschichten vom Weinbergsknecht“.

  • Willkommen

    Dieser Blog hat seine Wurzeln im Jahr 2003. Damals startete er als Online-Tagebuch des Bioweingutes Steffens-Kess – mit vielen Einblicken in den Alltag im Weinberg und im Keller.

     

    Mittlerweile haben wir das Weingut aus Altersgründen an unsere Nachfolger übergeben, die jetzt unter dem Namen Weingut von Vielen arbeiten.

     

    Heute bin ich in diesem Blog in einer neuen Rolle unterwegs: vom Weingutsbesitzer zum „Weinbergsknecht“ bei unseren Nachfolgern. Außerdem bin ich weiterhin beratend tätig – rund um Betriebsführung, Weinberg und Keller.

     

    Ein paar Gedanken, Erfahrungen und kleine Geschichten aus dem Winzeralltag – ein lebendiges Archiv zwischen damals und heute.

     

    Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen der Bildergeschichten vom Weinbergsknecht

     

    Harald Steffens

     

    PS: Durch den Wechsel der Domain auf bioriesling.de sind leider einige ältere Beiträge, Bilder, Verlinkungen im Text und etwas Textformatierung verloren gegangen. Wer Fragen oder Anregungen hat, kann mich gerne unter bioriesling(at)gmail.com erreichen oder hier im Blog kommentieren.