Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Kettenschlepper

  • zum Erfolg verdammt

    Die Landschaft ist ergrünt und die Reben fangen mit dem Hauptwachstum an. Die Sommerarbeiten stehen unmittelbar bevor und werden uns voll in Anspruch nehmen. Damit in den kommenden Wochen alles reibungslos läuft, haben wir uns in den letzten Tagen intensiv um unsere Maschinen gekümmert. Neben den üblichen Wartungsarbeiten wie Öl- und Filterwechsel, Schmierung der Lager und allgemeinen Durchsicht der Geräte wurden auch notwendige Reparaturen durchgeführt.
    Besonders anspruchsvoll war die Reparatur ausgefranster Innengewinde in einer Lagerbuchse des Mähgeräts – etwas, das ich vorher noch nie gemacht hatte. Theoretisch ganz einfach und nachdem ein Freund mir weitere Tipps gegeben hatte, schritt ich zur Tat. Das beschädigte Gewinde ausbohren, ein neues, größeres Gewinde einschneiden und dann einen sogenannten Helicoil, einen Gewindeeinsatz einschrauben. Es klappte erstaunlich gut, und ich war richtig stolz auf mich. Ob es denn letztendlich eine erfolgreiche Reparatur war, wird sich zeigen, wenn in den nächsten Tagen mit dem Mähen der Begrünungen beginne.

    Eigentlich bin ich zum Erfolg verdammt, da der Mulcher schon etliche Jahre auf dem Buckel hat und Ersatzteile teilweise nicht mehr käuflich erwerbbar sind. Einige Ersatzteile liegen bei uns noch auf Lager, aber die Endlichkeit ist absehbar.

  • Capreolus capreolus

    Capreolus capreolus, das europäische Reh. Eine eher seltene Begegnung im Weinberg. Fuchs, Hase, Wildschwein und weitere Tiere sind im Weinberg häufiger zu sehen. Ein Rehkitz ist da schon seltener. Unterwegs mit dem Raupenschlepper erschrak ich, als aus der benachbarten Rebzeile lautes Fiepen zu hören war. Es war der Angstschrei eines Kitzes.

    Als ich es fotografierte, verwechselte es mich wohl mit seiner Mutter und lief mir hinterher. Ich machte mich „aus dem Staub“, damit das Kitz keinen Menschengeruch annehmen konnte. Es kann passieren, dass die Ricke ihr Kitz bei ihrer Rückkehr verstößt, da der menschliche Geruch den Eigengeruch des Jungtieres überdeckt und das Muttertier ihr „Kind“ nicht mehr erkennt.

  • Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel

    Durch die maximal gefüllten Bodenwasservorräte sind unsere Weinbergsbegrünungen extrem üppig gewachsen. Stellenweise hüfthoch. Das Mulchgerät hatte Schwierigkeiten, den dichten Bewuchs zu mähen.

    Morgendlicher Tau und leichte Regenfälle in den letzten Tagen sorgten für ein angespanntes Fahren im Steilhang. Des Öfteren rutschte ich, verschärft durch die nasse Begrünung, auf den feuchten Böden mit dem Raupenschlepper ab. Allerdings war das relativ ungefährlich, da der Schwerpunkt sehr tief liegt und die Kippgefahr gering ist.

    Trotz meiner Fahrkünste und jahrzehntelanger Erfahrung gab es dann aber doch noch ein größeres Problem. In einer Rebzeile rutschte ich zur Seite und landete im Drahtrahmen. Bergauf ging nichts mehr. Bergab auch nicht, der Unterstockmulcher hatte sich hinter einem Rebstock verhakt.

    Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel. Daher musste ich einen Kollegen anrufen, der nach kurzer Zeit erschien und mich mit der Seilwinde aus meiner misslichen Lage befreite.

  • Mit einem hässlichen Geräusch…

    Mit einem hässlichen Geräusch machte sich heute Morgen das Mähgerät bemerkbar. Beim Nachsehen stellte ich fest, dass eine Keilriemenscheibe locker auf der Welle saß und sich schon weitestgehend am Verabschieden war.

    Soll ich oder soll ich nicht die restlichen Weinberge weiter mähen gehen? So die Frage an mich selbst. Das Material wird die wenigen Stunden noch durchhalten…

    Aber die Vernunft siegte. Den Mulchmesserhalter mit der Keilriemenscheibe ausgebaut und zum Landmaschinenmechaniker gefahren. Die gute Nachricht von ihm war, dass die Welle noch in Ordnung ist. Die schlechte Nachricht: Neben der Keilriemenscheibe sind noch einige Kugellager zu erneuern und die Reparatur wird voraussichtlich erst in einer Woche erledigt sein. Dann müssen die restlichen Weinberge halt noch etwas warten bis sie gemäht werden.

  • rauf und runter

    Das Runter ist immer einfach. In normalen Jahren ist das Rauf auch kein Problem.

    Die Rede ist vom Aufhängen der Pheromone, der Sexualduftstoffe, die  für die Bekämpfung des Traubenwicklers in den Weinbergen wichtig ist.

    In normalen Jahren laufen bei dieser Winzergemeinschaftsaktion Horden von Helfern den Berg hinab und hängen die Duftstoffampullen an den Reben auf. Der Transport nach oben wird mittels Kleinbussen erledigt.

    Coronabedingt geht es dieses Jahr nicht. „Social distancing“ ist angesagt.

    Da das Hoch sehr anstrengend und mühsam ist, habe ich mir den Karton mit den Dispensern auf die Raupe geschnallt. Im Standgas hoch- und runterfahren und dabei die Sexualduftstoffe aufhängen. Ganz bequem, man ist abends nicht müde vom laufen und der übliche Muskelkater vom bergab laufen entfällt ebenfalls.

    Mehr über die Wirkungsweise der Sexualduftstoffe im Weinbau können sie hier lesen: „Schluss mit lustig“

  • Mit „Vater unser“ und „Ave Maria“

    Mit „Vater unser“ den Berg runter und mit „Ave Maria“ rauf, verbunden mit viel Angstschweiß. So war das in den Anfangsjahren, als mit kleinen Raupenschleppern der Steillagenweinbau mechanisiert wurde.

    Verbesserungen bei der Steigfähigkeit wurden mit Winkeleisen erzielt, die in den Gummiketten festgeschraubt waren. Die Steigfähigkeit stieg rasant, das Gefährt vibrierte stark, des Fahrers Wirbel meldeten sich und Asphaltwege waren ein Tabu.

    Eine Verbesserung waren Ganzeisenketten. Vibrierten auch und waren für Asphalt und Rückenwirbel ebenfalls weniger geeignet. Trotzdem das der Kettenschlepper am Steilhang nur so klebte, wurde auf die sogenannte Steigeisenkette gewechselt. Der Verschleiß und die dazugehörenden Rechnungen waren nicht zu vernachlässigen.

    Auch bei diesen Ketten wurde an der Steigfähigkeit gearbeitet. Aufgeschweißte Vierkanteisen erhöhten die Steilhangtauglichkeit, jedoch wieder Vibrationen…

    Dazu der Klimawandel. Wenn Wetter da ist, ist es immer gleich. Also lange Feucht- oder Trockenphasen. In Feuchtphasen verschmierte die Kette und reinigte sich nicht selbst, in Trockenphasen wurde der Boden hart und gab es keinen Bodenschluss.

    Da die Welt nicht stillsteht und die Technik fortschreitet, nun die neuesten Lösungen für unser Steigfähigkeitsproblem.

    Zu einem ist bei unseren beiden steilsten Weinberge der Pachtvertrag abgelaufen, zum anderen gibt es jetzt seit wenigen Jahren eine neue Generation von Raupenketten. Mit seinem extra hohen Traktorprofil und ausgeprägten Profilstollen soll eine exzellente Traktion gegeben sein. Kollegen, die diese bereits verwenden, berichteten mir darüber. Zudem sollen sensible Untergründe geschont werden.

    Schonung der Weinbergsbegrünungen, der Asphaltwege und, sehr wichtig: Schonung meiner Rückenwirbel!

  • Binnen weniger Tage

    Binnen weniger Tage hat ein gewaltiger Wachstumsschub im Weinberg stattgefunden. In der letzten Woche waren die Rieslingreben noch am blühen und jetzt sind die kleinen Beeren schon gut gewachsen.

    Die dafür förderlichen hochsommerlichen Temperaturen erschweren jedoch auch das Arbeiten von Mensch und Maschine im Weinberg. In der Mittagshitze geht nichts mehr. Der Mensch schwitzt das Wasser schneller aus, wie er es trinken kann, beim Kettenschlepper wird das Hydrauliköl heiß und Arbeitspause ist angesagt.

    Die händisch zu machenden Laubarbeiten sind größtenteils erledigt. Vorerst wird nur noch Maschinenarbeit gemacht. Aktuell Laubschnitt und das entfernen der Blätter in der Traubenzone.

    Jetzt noch ein ausgiebiger Landregen damit die etwas knappen Bodenwasservorräte aufgefüllt werden. Das wäre dann kurz vor perfekt!

  • Das alte Teil

    Gestern den Mulcher an die Raupe angebaut und heute fing ich an, unsere Begrünungen zu mähen. Klappte alles Prima. Das alte Teil mit den vielen Schweißnähten und Verstärkungseisen funktionierte wie am ersten Tag, der schon über 20 Jahre zurückliegt. Zwischendurch mal einen der vier Antriebskeilriemen gewechselt, ganz normaler Verschleiß. Dann jedoch kam die Stelle in unseren Weinbergen, in denen das Reiler Goldlayschwein im Winter sein Unwesen getrieben hatte.

    Ich schrieb schon damals, dass das Mulchgerät sich „freuen“ wird. Die Mulchmesser hatten durch die Wühlarbeiten der Wildschweine des Öfteren Bodenkontakt und eine sogenannte Reibscheibe, die größere Beschädigungen am Antrieb verhindern soll, musste mehrfach ausgetauscht werden. Lästig, das Teil zu wechseln und die Rebzeile, die nur teilweise gemäht war, nochmals zu mulchen. Zudem in kurzer Zeit mehr Reibscheiben verschlissen, wie ich sonst im ganzen Jahr benötige.

  • Gute Landluft

    2017-04-15 Fledermausguano streuenDa saß ich nun gestern in der Pritsche der Raupe, auf dem Fledermausguano sitzend, mit dem grünen Schippchen in der Hand. Eine Duftwolke zog hinter uns her – es roch beschissen richtig schlecht -, während mein Sohn den Kettenschlepper fuhr und ich die Fledermauskacke in den Weinberg streute.

    Leider war dieser Naturdünger beim aufkehren im Reiler Kirchendach etwas feuchter als in den letzten Jahren und wurde beim Lagern durch Regen zusätzlich angefeuchtet. Ammoniak bildete sich aus dem im Guano enthaltenen Stickstoff und sorgte für eine entsprechende Duftwolke. Trotz Schutzanzug dauerte die Körperwäsche ein bisschen länger..

  • Die Sekretärin hatte gesagt…

    2016-07-19 Hydraulik

    Die Betätigungsstößel Ventile der Joysticksteuerung unserer Raupe waren undicht und Hydrauliköl tropfte heraus. Also kurzerhand den Hersteller der Raupe angerufen und um Rat bzw. um Ersatzteile gebeten.  

    Nach kurzer Zeit kam der Rückruf von den Bürodamen. Man hatte sich beim Techniker sachkundig gemacht, die Ersatzteile kommen und es wäre ganz einfach, kann jeder.

    Die Sekretärin hatte gesagt… ja richtig, es war ganz einfach diese Ventile zu wechseln. Aber!

    Die hinteren Hydraulikschläuche zu demontieren war noch das Einfachste, die Lenkeinheit auszubauen, eine andere Nummer. Zuerst verstehen, wie diese Komponente eingebaut ist und welche Schrauben zu lösen sind. Dann, bei der sehr kompakten, ganz engen Bauweise des Kettenschleppers, dass passende Werkzeug anzusetzen um die Schrauben zu lösen, weitere Teile abschrauben, weil der gedachte und mutmaßliche Lösungsweg doch der falsche war. Dann noch Schrauben suchen, die im Eifer des Gefechts herunter gefallen waren..

    Nach zwei Stunden war es endlich geschafft! Ich konnte die Ventile wechseln, dauerte keine zehn Minuten. Der Zusammenbau ging dann schneller, ebenfalls vom suchen nach heruntergefallenen Schrauben unterbrochen.

    Die Steuerung ist wieder dicht und ich weiß jetzt, wie es geht, falls es noch einmal zu Undichtigkeiten kommt.