Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Mosel

  • „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

    „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, schrieb Hermann Hesse einst in einem Gedicht. Auch für uns Winzer hat der Beginn der Vegetationsperiode immer wieder etwas Zauberhaftes. Die Natur wird grün, die ersten Blüten in der Weinbergsbegrünung und an unseren Weinbergspfirsichen sind zu sehen.Die Knospen der Reben beginnen anzuschwellen – im Zuge des Klimawandels inzwischen oft einige Tage früher als im langjährigen Durchschnitt. Angekündigte kühleren Temperaturen in den nächsten Tagen werden diesen Prozess wohl nur geringfügig verzögern.

    Die Rebe „weint“ – von den alten Gelehrten auch Aqua Vitis oder Lachryma Vitis genannt. Die Wurzeln drücken Wasser und Nährstoffe in die Leitbahnen, die an den Schnittstellen austreten, bis diese die Saftleitbanen verschließen. Für uns markiert dieses Phänomen den Beginn einer neuen Vegetationsperiode und den Start eines neuen Lebenszyklus. Der Frühling ist da!

    Wir sind gespannt, was uns die kommende Vegetationsperiode bringt. Dürre oder Dauerregen mit nie dagewesenem Hochwasser und Pilzbefall wie vor einigen Jahren, oder vielleicht doch ein normaler Sommer ohne Wetterextreme?

    Wünsche an das Wetter hätten wir genug.

  • Weinernte 2025: Eingetütet

    Nachdem der Kampf um die letzten Rieslingtrauben in der letzten Rebzeile ohne gegenseitige Schnittverletzung beendet war, kann ich jetzt verkünden: „Der 2025er ist eingetütet“

    Eine sehr anstrengende Weinlese liegt hinter uns. Zeitbedingt gab es während der Ernte keine Berichte hier im Blog. Wir werden im Nachhinein berichten.

    Wie jedes Jahr ein dickes Lob und ein Dankeschön an unsere Erntemannschaft, die wie immer ihr bestes beim Ernten gab. Rasant schnell, einsame Spitze im Selektieren und immer gut drauf:  Marita, Felix, Hendrik, Jil, Max, Vali, Britta, Ole, Paul (v.l.n.r.) und die heute nicht dabei gewesenen Sophie, Lino, Vani, Alice, Freddy, Leon, Karl, Mirko, Verena, Margit, Michael, Rosi, Christian, Helene, Stefan, Pia, Clara, Phillip, Mia, Nele, Florian, Andreas, die beiden Heikes, Georg, Susann, Sören, Jonte, Daniel und Sabrina.

  • zum Erfolg verdammt

    Die Landschaft ist ergrünt und die Reben fangen mit dem Hauptwachstum an. Die Sommerarbeiten stehen unmittelbar bevor und werden uns voll in Anspruch nehmen. Damit in den kommenden Wochen alles reibungslos läuft, haben wir uns in den letzten Tagen intensiv um unsere Maschinen gekümmert. Neben den üblichen Wartungsarbeiten wie Öl- und Filterwechsel, Schmierung der Lager und allgemeinen Durchsicht der Geräte wurden auch notwendige Reparaturen durchgeführt.
    Besonders anspruchsvoll war die Reparatur ausgefranster Innengewinde in einer Lagerbuchse des Mähgeräts – etwas, das ich vorher noch nie gemacht hatte. Theoretisch ganz einfach und nachdem ein Freund mir weitere Tipps gegeben hatte, schritt ich zur Tat. Das beschädigte Gewinde ausbohren, ein neues, größeres Gewinde einschneiden und dann einen sogenannten Helicoil, einen Gewindeeinsatz einschrauben. Es klappte erstaunlich gut, und ich war richtig stolz auf mich. Ob es denn letztendlich eine erfolgreiche Reparatur war, wird sich zeigen, wenn in den nächsten Tagen mit dem Mähen der Begrünungen beginne.

    Eigentlich bin ich zum Erfolg verdammt, da der Mulcher schon etliche Jahre auf dem Buckel hat und Ersatzteile teilweise nicht mehr käuflich erwerbbar sind. Einige Ersatzteile liegen bei uns noch auf Lager, aber die Endlichkeit ist absehbar.

  • Über Stock und Stein

    Über Stock und Stein ging es letzte Woche bei unserem traditionellen Winterwandertag. Wie immer an der Mosel, Berge erklimmend und jede Menge Höhenmeter absolvierend. Im Rucksack neben der Marschverpflegung einige Flaschen Rieslingwein, um an den Rastpunkten in den steilen Hängen der mühevollen Weinbergsarbeit zu gedenken.

    Mit der Bahn ging es nach Ediger-Eller. Der berühmte Calmont Klettersteig war der Startpunkt. Über Stock und Stein durchquerten wir den steilsten Weinberg Europa. Die Kragstufentreppe war noch leicht zu bewältigen.

    Andere Passagen erforderten mehr Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit.

    Für die Anstrengung wurden wir mit grandiosen Ausblicken ins Moseltal belohnt. Unterwegs immer wieder Rastplätze zum Ausruhen und Verweilen. Pause für einen kleinen Imbiss und ein Gläschen Riesling.

    Dabei in die Landschaft schauen, mit der gegenüber auf der anderen Seite liegenden Klosterruine Stuben, der Schiffsverkehr auf dem Fluss, der Blick auf Ediger oder Bremm oder die einzigartige Fauna und Flora in diesem Steilhang. Besonders der Buchsbaum ist zu erwähnen. An der Mosel ist das größte natürliche Vorkommen dieser wärmeliebenden Pflanze in Deutschland. Sogar richtige „Urwälder“ sind zu finden und einige Wanderwege sind dem Buchsbaum gewidmet. Dieses Jahr besonders grün und üppig. Der letzte regnerische Sommer hatte den Buchsbäumen gutgetan, nach den vergangenen sehr trockenen Jahren.

    Der weitere Weg nach Hause war etwas gemütlicher. Mit zunehmender Müdigkeit und Erschöpfung nicht weniger anstrengend als der Klettersteig. Nachdem die Letzte, etwas heftige Steigung bei Alf geschafft war, sahen wir Reil im Tal liegen und freuten uns auf den Abstieg.

    Zum Nachwandern hier die Streckenführung bei Google Maps. Je nach Lust, Laune und körperlicher Kondition kann auch die Wanderstrecke abgekürzt werden und die Heimreise mit Bus, Bahn oder Schiff angetreten werden.

  • Der Videotipp: Lingo Vino

    Aus unserem Blogarchiv wieder hervorgeholt, damit mehr Menschen diesen wunderschönen Kurzfilm anschauen können.

    Schöne Bilder, schräge Dialoge, klasse Darsteller und viel Moselwein. Das muss man sehen!

    Die Tragikkomödie “Lingo Vino“ wurde im Jahr 2007 unter der Regie von Daniel Texter gedreht und spielt größtenteils in den Luxemburger Weinbergen, die an der Mosel liegen. Preisgekrönt beim „Festival international de la Vigne et du Vin“ und Kurzfilmfestival in Montecatini.

    „LEO und JAKOB sind zwei Winzer. Leo schwört auf seinen Weißwein, den er beinahe streng wissenschaftlich anbaut. Jakob ist in seinen Rotwein verliebt und vertraut vom Schneiden der Reben bis zum Keltern rein auf sein Gefühl. Jeder hält seinen Wein für den besseren, und so zechen sie jeden Abend miteinander, um ihre Winzerkunst schon fanatisch zu messen. Es sind zwei alte kauzige Knacker, verschroben, einander Spinnefeind und doch die besten Freunde. Sie brauchen insgeheim auch einander, weil sie sonst niemanden mehr haben, mit dem sie sich kabbeln könnten. Eigentlich leben sie ganz glücklich hier oben in den Weinbergen miteinander, wenn da nicht die Wunden der Vergangenheit und die zerrütteten Familienverhältnisse wären.“

    so der Anfang der Kurzzusammenfassung der Produktionsfirma dieses Filmes.

  • Traumträubchen

    Endlich sommerliche Temperaturen und man kann den Trauben beim Wachsen zusehen. Durch die reichliche Bodenfeuchtigkeit dürften die Beeren überaus groß werden. In einigen Weinbergen sind es Traumträubchen, in den vom Frost geschädigten eher Alptraumträubchen…🙁

    Der Wetterbericht für die nächsten Tage sieht sehr gut aus. Endlich kein weiterer Regen gemeldet! Ich hoffe, dass es eine trockene, stabile Wetterlage ist.

    Nach der Dauerfeuchte der letzten Wochen finden wir erwartungsgemäß vermehrt leichten Blattbefall mit dem Peronosporapilz. Schäden an den Trauben konnte ich nur selten feststellen. Mit zunehmender Beerengröße steigt die Unempfindlichkeit gegenüber diesem Schadpilz. Eine Infektion ist zurzeit nur noch über die Beerenstiele möglich. Die kritische Phase mit der Gefahr von Pilzinfektionen dürfte vorüber sein.

    Endlich dürften die Böden auch dauerhaft abtrocknen, sodass sich die Befahrbarkeit mit dem Kettenschlepper verbessert. Ich bin so langsam genervt vom schlittern und rutschen beim Fahren. Manche Rebzeilen gleichen eher einem Panzerübungsplatz als einem gepflegten Weinberg.

    Ein krasser Unterschied zu den Vorjahren, als wir von Trockenheit geplagt waren.

    Was bleibt ist die Erkenntnis in Zeiten der Klimaänderung, dass, wenn wir eine Wetterlage haben, diese über einen längeren Zeitraum stabil ist. Zudem nehmen Extremwetterereignisse wie Starkregen oder extreme Hitze zu.

  • Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

    Glück beim Fotografieren! Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein Naturspektakel in der grauen Winterlandschaft.

    Im Winter gab es reichlich Niederschläge. Mehrmals wurde der Parkplatz vor unserem Weingut von der Mosel überflutet. Einmal besuchte sie uns im Weinkeller. Die Bodenwasservorräte dürften nach mehreren trockenen Jahren wieder aufgefüllt sein. Für uns gute Vorzeichen zum Beginn der Vegetationsperiode in einigen Wochen. Was danach kommt, ist ungewiss.

    In Zeiten des Klimawandels kann alles oder nichts passieren. Und dieses Jahr? Extreme Sommertrockenheit wie 2022 oder 2023? Oder gemischt wie im letzten Jahr mit extremer Frühjahrsnässe, gefolgt von Trockenheit, heimtückischem Pilzbefall und einer Weinlese bei hohen Temperaturen mit starkem Essigfäulebefall der Trauben?

    Es ist wie ein Überraschungsei. Keiner weiß was passiert. Jedes Jahr neue klimatische Rahmenbedingungen. Die Klimaänderung wird herausfordernd für uns Winzer und Landwirte.

    Der „Winter“ war bis auf wenige Tage mit Minustemperaturen sehr warm. Januar und Februar gehören mit zu den wärmsten Monaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das einzig Positive daran ist, dass der Rebschnitt schon weit fortgeschritten ist. Nur noch wenige Tage..

  • prächtig

    Besser geht’s nicht! Wassergefüllte Böden, fast alle Rebknospen sind ausgetrieben und an den jungen Reben hängen große, gut ausgebildete Blütenstände. Diese so genannten Gescheine sind voll entwickelt und die einzelnen Blüten werden sich in den nächsten Tagen auseinander spreizen. Und dann beginnt in wenigen Tagen die Rebblüte.

    Die Weinbergsböden sind in den Steillagen wieder gut befahrbar. Inzwischen hat der Sommer mit angenehmen Temperaturen Einzug gehalten und die angekündigten sommerlichen Temperaturen werden das Wachstum der Reben weiter beschleunigen. Zudem haben Pilzkrankheiten (echter und falscher Mehltau) bei dieser trockenen Witterung keine Chance, die Reben zu schädigen. Nächste Woche können wir dann mit der Laubarbeit, d.h. das Einflechten der Rebtriebe in die Drahtrahmen, beginnen.

    Bis jetzt sieht alles prächtig aus!

  • Felssturz

    Foto: Rudi Bucher

    Das mit dem respektablen Mittelgebirge hatte ich schon hier geschrieben. Gestern die Überraschung als ich im Weinberg am Mähen war. Der Gemeindearbeiter sperrte sämtlich Weinbergswege. Gegenüber von Reil, oberhalb der Burger Weinberge, hatten sich große Felsbrocken gelöst. Sie waren zum Glück auf einem Weg liegen geblieben. Ein wenig weiter und sie hätten zunehmend Schwung bekommen. Der Weg bis in die Mosel wäre ein Klacks gewesen. Nicht auszudenken, was beim Runterrollen durch die Weinberge, der Überquerung von vier Wirtschaftswegen und der Bundesstraße hätte alles passieren können. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass rollende Steine, auch wenn sie nur Faust- oder Pflastersteingroß sind, gravierende Wirkungen auf Autos und Scheunentüren haben. Von Menschen ganz zu schweigen

    Der alarmierte Bauunternehmer zerkleinerte die Felsen in kurzer Zeit und die Gefahr war gebannt.

  • Eingenetzt

    Die Mosel hat sich ihr Tal in einem respektablen Mittelgebirge gegraben. An ihren Flanken die steilen Rieslingweinberge und noch steilere Felsformationen.

    Eine Felsnase bei Reil ist sehr morbide. Industriekletterer sichern schon seit Monaten den Fels. Der Bewuchs und lose Felsbrocken wurden komplett entfernt. Mit einer kleinen Sprengung wurde nachgeholfen. Mittlerweile sind etliche Felsanker gebohrt und der Fels ist teilweise eingenetzt. Felsbrocken können nun nicht mehr auf die darunterliegenden Schienen der Moselweinbahn und die Straße fallen.

    Eine mühsame Arbeit der Berufskletterer, die diese am Seil hängend verrichten müssen. Respekt!