Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Riesling

  • Abfüllvorbereitungen

    Dieser Tage wurden die jungen Weine schonend mittels Kieselgurfiltration filtriert. Deutlich schmeckbar nach dem Filter die Freisetzung des Bouquets, das durch die vorher vorhandene Trübung gehemmt war. Die Jungweine präsentieren sich dadurch viel klarer und bedeutend fruchtiger. Jetzt sind die jungen Rieslingweine viel besser qualitativ zu beurteilen.

    Uns gefallen sie sehr gut. Frische Frucht, elegant und saftig. Die Alkoholgehalte moderat, sodass der 2022er als Spaßwein bezeichnet werden kann. Witterungsbedingt haben wir keine Auslesen.

    Die finale Beurteilung des 2022er Jahrgangs erfolgt nächsten Tage mit den Freunden vom Steffens-Keß Verkosterteam. Sie wissen ja, vorbeugen vor der eigenen Betriebsblindheit und im Team lässt sich besser probieren. Wir freuen uns auf die Verkostung und die Meinung unserer Freunde.

    In weiser Voraussicht haben wir durch eine gesunde Vorratshaltung und rechtzeitige Bestellung alle benötigten Flaschen, Korken und andere Verbrauchsmaterialien auf Lager oder im Zulauf. Es wird so langsam eng in unserem Lager.

    Im Bild wird das verbrauchte Filtrationshilfsmaterial von den Filtrationsplatten geschabt, danach erfolgt die Reinigung des Filters. Zum Nachlesen: Warum filtriert wird und wie die Technik funktioniert.

  • Fasswechsel

    Fasswechsel

    In den letzten Tagen wurden die jungen Weine von der Grobhefe, die sich am Fassboden abgesetzt hat, abgezogen. Der Bodensatz im Fass, allgemein als Hefe bezeichnet, besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden. Diese könnten evtl. zu mikrobiologischen Problemen führen.

    Auch nach dem Grobabstich verbleibt noch genug Feinhefe im Wein.  Die jungen Weine können so noch von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.

    Beachtenswert war der sehr hohe Weinsteinausfall im neuen Wein. In einem Jahr als feine längliche Gebilde, in anderen als filigrane Kristallformation. Meistens jedoch als grobkörnige Kristallablagerung, wie in diesem Jahr.

    Weinsteinausfall heißt auch immer Säureminderung. Die Weinsäure des Weines verbindet sich mit dem im Wein vorhandenem Kalium und fällt aus. Chemisch gesehen Kaliumhydrogentartrat (Summenformel KC4H5O6). Ein begehrtes Produkt, z. B. für die Backmittelindustrie als Backpulver. Sehr wichtig für die Kellerarbeiter in großen Weinkellereien, die ihn auf eigene Rechnung verkaufen können. Dann heißt er Küfergold. Diese Geschichte können hier nachlesen.

    Natürlich wurden auch alle Weine probiert. Wir können zufrieden sein. Die Rieslingweine machen schon viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines bei jeder Menge Trinkspaß.

  • Dickes Lob!

    Wir freuen wir uns immer wieder, wenn wir bei Weinverkostungen sehr gut abschneiden und ein dickes Lob bekommen. Sehr großes Lob gab es dieses Jahr wieder beim Eichelmann Weinführer. Auch der VINUM Weinführers zählt uns zu den besten Weingütern.

    Gerhard Eichelmann vom gleichnamigen Weinführer fand dieses Jahr sehr schöne Worte für unsere Rieslinge: „Wie fast immer, so wurden auch diesmal ausschließlich trockene Rieslinge vorgestellt. Das Weingut nimmt mit dieser Politik eine Ausnahmestellung an der Mosel ein – und das schon seit vielen Jahren. Der Goldlay-Riesling ohne Prädikat zeigt eine offene, fast süße Frucht, wie sie bei den Weinen dieser Lage und bei diesem Weingut so oft zu beobachten ist: ein straffer, saftiger Einstieg. Beim Goldlay-Kabinett ist die Frucht etwas kräuteriger, der Wein ist saftig und würzig, gefällt ausgezeichnet. Der Wein aus dem Wendelstück ist frisch, mit Kräuter- und Mirabellenanklängen, auch etwas Apfel ist zu spüren, im Mund handelt es sich um einen festen, saftigen Wein mit viel Spiel, während die Goldlay-Spätlese offener ist, etwas reifer wirkt, im Mund zupackend mit Schmelz und enormer Saftigkeit.“

  • Weinernte 2022: Ein kleiner Rückblick

    Ein trockenes Frühjahr und extremer, trockener Sommer prägten das Jahr 2022. Nur im Juni gab es durchschnittliche Niederschläge.
    Die Rieslingreben zeigten im Juli die ersten, stärkeren Trockenstresssymptome. In den ersten Weinbergen wurde ganze Fruchtruten mit Trauben abgeschnitten, damit durch dieses Entlasten die Reben nicht kollabierten und/oder langfristige Schädigungen unterblieben. Diese Arbeit wurde im August in weiteren Weinbergen durchgeführt. Es betraf einige junge Rebflächen.  Die Reben wurzeln noch nicht so tief im Untergrund und eine Fläche, in der Fels hoch ansteht.
    Die ersten Reifemessungen der Agrarberatung waren zuversichtlich. Endlich fiel Mitte September der sehnlichst erwartete Regen. Reichlich! Die durstigen Rieslingreben saugten sich mit Wasser voll und an eine weitere Geschmackskonzentration war nicht zu denken. Trauben, die „gut“ mit Wasser versorgt waren und kompakte Trauben gebildet hatten, bereiteten leichte Probleme. In den kompakten Trauben platzen die mit Wasser gesättigten Beeren. Beginnende Fäulnis war die Folge.
    Sehr früh starteten wir mit der Weinlese. In der ersten Woche wurde selektiv geerntet. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen auf den Boden. Es waren wenige Trauben, die verworfen werden mussten.
    Es machte viel Spaß, die reichlich am Rebstock hängenden, gesunden Trauben zu ernten. Bei ruhigem und schönem Oktoberwetter nahm die Reife der Trauben nur sehr langsam wieder Fahrt auf. Nach zwei Erntewochen wieder reichlich Regen. Es war etwas zu viel. Leider wurde das Stielgerüst der Trauben bröselig. Viele Trauben und Beeren fielen auf den Boden. Ganze Trauben haben wir natürlich aufgehoben, aber einzelne Beeren?
    So wichtig wie in diesem Jahr habe ich das Probieren der Trauben noch nie empfunden. Bei der selektiven Ernte war das Traubenessen ein extrem wichtiges analytisches Instrument. Offensichtlich unter Trockenstress leidende Reben oder Rieslingtrauben, die gräulich bis hin zu opalisierend violett/blau aussahen, wurden probiert.
    Die Rieslingtrauben, die minderwertig schmeckten, blieben hängen. Es waren Trauben, die einen pelzigen Geschmack mit wenig Zuckergehalt und noch weniger Geschmack hatten. Die Pelzigkeit wurde durch die Trockenheit mit starker UV Bestrahlung durch die Sonne verursacht. Dadurch wurden sehr viele Bitterstoffe (Phenole) in die Traube eingelagert. Diese Phenole wirken konservierend auf die Trauben. Da geht noch nicht mal der Botrytispilz dran, mit dem ich in einer Hassliebe verbunden bin.  Obige Traube, heute Morgen im Nebel fotografiert, ist noch gesund.  Beim Probieren extrem pelzig und bitter. Dazu wenig Süße und gar kein Aroma. Gut, dass wir diese Trauben nicht zu Wein verarbeitet haben.
    Der Weinkeller ist gut gefüllt. Wir sind zufrieden. Wie die Weine schmecken, kann ich noch nicht abschließend beurteilen. Die meisten sind noch in der Gärung.
  • Weinernte 2022: Helfende Hände

    Viele helfende Hände werden für die Handlese im Steilhang benötigt. Unterstützung bekamen wir einen Tag lang von der 12. Klasse des Landesmusikgymnasiums in Montabauer. Die hoch motivierten Schüler arbeiteten einige Stunden im Weinberg und schauten bei der Traubenverarbeitung zu.

    Viele Trauben hängen in den Weinbergen und die Schüler waren eine willkommene Hilfe. Eine der längsten Weinernten bei uns im Weingut. Noch einige Tage, dann sind wir mit der Weinernte 2022 fertig.

  • Weinernte 2022: Alles im Fluss

    Die erst Erntewoche liegt hinter uns. Mit kleiner Mannschaft wurde selektiv geerntet. Wie bei Aschenputtel: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen auf den Boden.

    Etliche Rebstöcke wurden erst gar nicht abgeerntet. Die sommerliche Trockenheit mit Blattfall führte zu starker Bitterkeit, wenig Aroma und sehr geringer Zuckereinlagerung. Für die Weinbereitung sind diese Trauben leider nicht zu gebrauchen.

    Jetzt hängen nur noch gesunde Rieslingtrauben in unseren Weinbergen. Bis auf einige kleine Regenschauer hat auch das Wetter bisher gepasst. Nur gestern vertrieb uns ein kräftiger Regenschauer aus dem Weinberg. Ab morgen ist dann bestes, trockenes Erntewetter vorhergesagt.Die Maschinen im Weinkeller laufen mittlerweile auch alle reibungslos. Das ausgefallene Kühlaggregat konnte kurzfristig repariert werden. Das benötigte Ersatzteil war beim Händler auf Lager. Die Reparatur der Pressmembran der Weinpresse wurde auch noch nebenbei erledigt, nachdem ein Druckabfall beim Pressen festgestellt wurde. Die Suche nach dem Loch in der Membran gestaltete sich etwas schwieriger …

  • Weinernte 2022: Die Planungen stehen

    Die Weinberge haben wir in den letzten Tagen intensivst begutachtet. Die Trauben sind bisher noch weitestgehend gesund. Der Traubenbehang ist sehr gut. Das gemeldete Wetter wurde auch berücksichtigt. Die vorläufigen Ernteplanungen stehen.

    Dort, wo der Behang etwas niedriger ist und die Beerenstruktur aufgelockerter, ist an der Beerenfarbe schon die sehr gute Qualität der Rieslingtrauben ersichtlich.

    Der Wetterwechsel mit Regen hat natürlich seine Spuren hinterlassen. Rebstöcke, die im Sommer gut mit Wasser versorgt waren und kompakte Trauben gebildet hatten, bereiten leichte Probleme.  In den kompakten Trauben platzen die mit Wasser gesättigten Beeren. Beginnende Fäulnis (im Bild bräunlich) ist die Folge. Das sind die ersten Trauben, die wir in den kommenden Tagen ernten werden. Danach der Sektgrundwein, die Basisqualitäten usw. Der Reihe nach, wenn es das Wetter und die Traubengesundheit zulässt.

    Fragen werfen die extrem vom Trockenstress geplagten Trauben auf. Es sind nicht sehr viele, da wir in den betroffenen Arealen die meisten Trauben und Fruchtruten abgeschnitten hatten, damit die Reben bei der extremen Trockenheit überleben konnten. Die Trauben schmecken aromalos, bitter durch die Notreife und eine stark verminderte Zuckereinlagerung ist feststellbar. Sie werden wahrscheinlich verworfen, damit wir unser Qualitätsniveau bewahren.

  • Weinernte 2022: Wetterwechsel

    Ein kräftiger Wetterwechsel mit ausgiebigen Regenfällen hat die extreme Trockenheit beendet. Die Begrünungen und die Reben profitieren davon. Während die Weinbergsbegrünung, wie der Name schon sagt, wieder ergrünt, sehen die Reben erfrischt aus. Anfängliche Befürchtungen, dass die Trauben sich durch die Niederschläge mit Wasser vollsaugen und aufplatzen, haben sich bisher nicht bestätigt.

    Fäulnis an den Rieslingtrauben ist selten zu sehen. Die Trauben sind ausnahmslos sehr gesund. Der Beereninhalt wird so langsam saftig und die Pressausbeute wird zunehmen. Die analytischen Eckdaten sind auch in Ordnung. Das für die nächsten Tage gemeldete Wetter mit kühlen Nächten ist ideal, um Fruchtaromen in der Traube einzulagern. Der Riesling als „cool climate“ Pflanze braucht diese kühlen Nächte, um sein volles Aromenspektrum zu bilden.Die Vorbereitungen für die Weinernte sind fast abgeschlossen. Im Weinkeller kann man vom „Boden essen“, die Holzfässer liegen mittlerweile in Reih und Glied und in den Edelstahltanks kann man sich spiegeln. Die Erntehelfer sind informiert, erntefreundliches Wetter ist bestellt und dann kann die Weinernte 2022 starten.

    Erntebeginn ist am Montag, dem 26. September um 9,00 Uhr!

  • Schwitzwasser

    Frisch aus dem Haushaltskühlschrank! Gut gekühlter Riesling Sekt bei circa 5 Grad. Ein herrliches Trinkvergnügen bei warmem Wetter.

    Das Schwitzwasser, die kondensierte Feuchtigkeit, die sich bei kühlen Getränken am Glas niederschlägt, fehlt dieses Jahr größtenteils. Die Luftfeuchtigkeit ist dermaßen gering, dass an kalten Gegenständen sich keine (bzw. fast keine) Feuchtigkeit und Kondenswasser bildet. Ein Nebeneffekt der derzeit extremen Trockenheit. Morgendlicher Tau findet man aus den gleichen Gründen nicht. Auch der Boden in unserem kalten Holzfasskeller, der in einem normalen Sommer immer durch auskondensierte Feuchtigkeit nass ist, ist trocken.

    Etwas Entspannung kommt beim Blick auf die Wettervorhersage. Die Temperaturen sinken und etwas Regen ist gemeldet. Wir hoffen, dass er im richtigen Maß kommt. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Die Rieslingtrauben sind in der Reifephase und die Beerenschalen werden so langsam dünn. Es wäre fatal, wenn sich die Beeren mit Wasser vollsaugen und dann aufplatzen würden. Wir befinden uns auf der Zielgeraden zur Weinernte 2022. Wie jedes Jahr wird es spannend. Wir sind voller Erwartung auf die kommende Weinlese.

  • Der Stand der Dinge

    Es ist ein spannendes Weinjahr. Im Vorjahr eine sehr geringe Erntemenge durch Pilzbefall nach Dauerregen. Dieses Jahr extreme Trockenheit. Jedes Jahr anders. Der Klimawandel lässt grüßen.

    Bei Rieslingreben, die schon seit der Blüte unter Wassermangel leiden, wird die Quantität unterdurchschnittlich sein. Die Beeren sind klein geblieben, zudem Blattvergilbungen und vorzeitiger Blattfall. Zudem noch die Weinbergsareale wo wir die Fruchtruten und Trauben abschneiden mussten, damit die Reben überlebten. Dort, wo noch länger Wasser zur Verfügung stand, sieht es bedeutend besser aus. Die Trauben sind größer, jedoch fehlte in der entscheidenden Beerenwachstumsphase wieder Wasser. Eine Mengenprognose für die kommende Ernte kann ich jetzt noch nicht abgeben. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die das noch gravierend beeinflussen können, z. B. die Saftausbeute beim pressen, Regenfälle vor der Ernte (???) usw.

    Das Gleiche gilt für die Qualität.  Auch hier kann noch keine allgemeine Aussage getroffen werden. Ok, durch den Klimawandel sind schlechte Qualitäten abgeschafft. Daher werden die Einstiegsqualitäten schon sehr gut sein. Wie weit es denn qualitativ in den Spätlese- oder Auslesebereich geht oder die Trockenheit sich auf die Qualität auswirkt, wird sich bei der Weinernte zeigen.

    Bis auf die noch grünen Reben überall verbrannte Erde. Die Niederwälder oberhalb der Weinberge sehen verbrannt und braun aus. Viele Bäume sind vertrocknet.

    Die Rieslingreben konnten bisher das zum Überleben notwendige Wasser aus tiefen Gesteinsschichten gewinnen. Keine Tage mit Rekordtemperaturen und „kühlere“ Nächte verlangsamten die Verdunstung gegenüber anderen Trockenjahren.

    Seltsamerweise gibt es immer noch einige Stellen in den Weinbergen, an denen zwischen Mauer und Weg noch Wasser aus dem Fels läuft. Die Quelle der Mosel in den Vogesen ist mittlerweile versiegt, aber ersatzweise kann man ja in Reil fündig werden…😉😉

    So sehen Rebanlagen aus, die eine bessere Wasserversorgung hatten. Guter Traubenbehang und Rebblätter, die sich von der Sonne wegdrehen, um weniger Wasser zu verdunsten.

    Die Farbe der Mosel hat sich der Farbe des Rieslings angepasst. Mehr oder minder ein sattes Grün. Durch die Stauhaltung ist die Mosel ein stehendes Gewässer geworden und Blaualgen haben sich massiv vermehrt. Vom Baden in der Mosel ist abzuraten. Ohne Stauhaltung könnte man sicherlich mit hochgekrempelter Hose problemlos die Mosel queren ohne nass zu werden.