Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Weinernte 2014

  • Fast fertig: Abfüllen zwanzigvierzehn

     2015-03-09 GitterboxEine Flasche nach der anderen wandert nach den Füllen in die Gitterboxpaletten. Die meisten Rieslinge sind gefüllt. Nur noch ein Abfülltag und der komplettte 2014er Jahrgang ist in der Flasche.

    2015-03-09 Marita

    Während draußen schon warmes Frühlingswetter herrscht, ist es im Weinkeller immer noch sehr kalt. Ideale Abfülltemperaturen.

    Aromaschonung ist das Stichwort. Jede Maßnahme am Wein, sei es einfaches umpumpen, filtrieren oder abfüllen,  führt zwangsläufig zu Aroma- und Gärungskohlensäureverlusten.  Um diese Verluste zu minimieren kommt neben dem handwerklichen Geschick auch die winterliche Kälte hinzu.

    Daher hieß es heute beim Abfüllen frieren für die bessere Weinqualität und für spritzige Moselrieslinge.

    Gegen die Kälte hilft ein wärmendes Pudelmützchen auf dem Kopf und Chefin Marita hat sichtlich Spaß beim Abfüllen und bei den Gesprächen mit dem Azubi oder mit mir.

  • Tag eins

    2015-03-04 Alex

    Tag eins des Abfüllens der 14er Weine. Lief fast perfekt, bis auf die Schrecksekunde heute morgen, als ich den Sterilfilter in Betrieb  nehmen wollte. Das gläserne Schauglas vorm Manometer am Filter war zerbrochen. Weiß der Teufel warum! Natürlich kein Ersatzglas in der Ersatzteilkiste.  Auch der Versuch mittels einer Verschlußkappe ohne Manometer und Schauglas auszukommen, scheiterte am nicht passenden Gewinde. Zuschweißen konnte ich das auch nicht, da keine Edelstahlschweißelektroden vorhanden sind.

    Also, als letzte Hoffnung, zu meinem Kollegen gefahren. Ich wusste, dass er nicht zu Hause ist – aber die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt –  und die Tochter angetroffen. War kurz vor knapp, einige Minuten später wäre sie weg gewesen, und so konnte ich am baugleichen Filter des Kollegen das benötigte Ersatzteil „ausleihen“. Danke Thorsten!

    Danach klappte alles bestens. Es lief reibungslos. Heute Nachmittag kam Alex  trinken abfüllen helfen, gegen Feierabend sammelten sich noch einige Nachbarn samt Schwiegervater im Keller, um den jungen Wein zu probieren.

    Wie Sie oben sehen: Er, der junge Wein, erfreut des Menschen Herz!

  • Grobabstich

    2014-10-29 Faßprobe

    Die ersten hefetrüben Jungweine wurden in den letzten Tagen grob von der Hefe getrennt. Der Bodensatz im Faß, allgemein als Hefe bezeichnet,  besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden. Diese könnten evtl. zu mikrobiologischen Problemen führen.

    Auch nach dem Grobabstich verbleibt noch genug Feinhefe im Wein.  Die jungen Weine können so noch von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.

    Die Rieslinge zeigen sich mommentan von der besten Seite. Delikate Rieslingaromatik, für dieses junge Entwicklungsstadium sehr fruchtig und durch den hohen Weinsteinausfall weicher als sonst in der Säure. Ich habe das Gefühl, dass wir bis jetzt alles richtig gemacht haben um einen leckeren Riesling zu produzieren.

    Während der Azubi nach dem Abstich den leeren Tank reinigt, probiere ich schon das nächste Fass das auf den Abstich wartet und der leidige Papierkram, die Weinbuchführung, wird auch noch nebenbei erledigt.

  • Gemütlich, nicht zu schnell und nicht zu langsam

    2014-10-22

    Gemütlich, nicht zu schnell und nicht zu langsam, gären die Neuen Rieslinge im Weinkeller.  2014-10-23 GärungAm Anfang fast keinerlei Kühlbedarf um die Gärung zu bremsen, nach der Hauptgärung auch ohne Erwärmung stetig in den trockenen Bereich vergärend. Energetisch gesehen ökologisch korrekt.

    Mit jedem Tag Gärfortschritt werden die Weine probierfähiger.  Es ist immer wieder spannend die Entwicklung des Weines, das Weinwerden zu erleben und den Lohn eines ganzen Jahres erschmecken zu können.

    Beim täglichen Verkosten unterstützt mich Praktikant Pierre. Er ist übrigens Weinbaustudent in Angers, Frankreich.

    Und Sie schmecken uns, die jungen Weine.

  • Weinernte 2014: Endlich ist er da und er funktioniert!

     

     2014-10-10 Steillagenvollernter

    Endlich ist er da und er funktioniert: Der Steillagenvollernter! Vor sieben jahren der erste Prototyp. Ich schrieb damals darüber, das er nicht funktionieren kann. Wurde auch mittlerweile beerdigt, inklusive einigen hunderttausend Euros staatlicher Forschungsgelder. Der zweite Prototyp, zuerst eine private Innovation eines Landmaschinenhändlers – mittlerweile von der EU gefördert – soll nächstes Jahr in die Serienproduktion gehen.………………………………………………………………………….. 2014-10-10 Steillagenvollernter2

    Jetzt der dritte Versuch des Vollernters für den Steilhang. Carsten Müller, Lohnunternehmer aus unserem Nachbarort Burg, machte sich Gedanken und bastelte baute sich einen zum Aufbau auf seine Steillagenraupe. Vom Praktiker für den Praktiker. Vor ca. vier Wochen der erste Probelauf, etwas nachbessern und das Teil läuft! Die Lesequalität ist wie bei den Flachlagenvollerntern gut. Details, wie z.B. das hohe Gewicht sollen in Zukunft noch optimiert werden.

    Endlich eine funktionsfähige, schlagkräftige und einsatzfähige Maschine für die Ernte am Steilhang. In Verbindung mit einer vorhergegangenen selektiven Handlese die Zukunft für den Steillagenweinbau! Jetzt fehlt nur noch der Ernter, der genauso gut selektieren kann wie der Mensch, aber das ist Zukunftsmusik.

    Die Ernteraupe wurde in dieser Erntesaison auch in Flachlagen eingesetzt um die Technik zu optimieren, wo obige Bilder entstanden.

  • Weinernte 2014: Zum Greifen nah

     2014-10-11 Riesling

    Zum Greifen nah waren die Trauben in diesem Jahr, aber leider machte das Wetter einen dicken Strich unter die Rechnung. Einen ganz dicken!

    „Mein Gott, was hatte der Jahrgang vielversprechend angefangen: Austrieb und Blüte gut 3 Wochen vor dem langjährigen Mittel. Ein Jahrhundertjahrgang könne es werden, raunte es Allerorten, so groß wie 1975 wohlmöglich. Wenn es denn endlich einmal regnen würde. Denn, aus der Perspektive von heute scheint es fast absurd, die Hauptsorge der Winzer bis Anfang/Mitte Juni galt den über Winter ausgetrockneten Böden.

    Dann begann es endlich zu regnen – Erleichterung allerorten –  …und hörte nicht mehr auf. Auf die Erleichterung folge Ernüchterung, auf die Stirnrunzeln und leichte Sorge und auf die schließlich kopfschüttelndes Entsetzen. Der nicht enden wollende Regen verwandelte 2014 Zug um Zug von der potentiellen Jahrhundertausgabe zur Jahrgang gewordenen Enzyklopädie der Rebkrankheiten.“ so Thorsten Goffin in seinem Blog.

    Der Weinkeller wäre uns über gelaufen, wenn wir alle Trauben gesund in den Weinkeller bekommen hätten und die Öchslewaage wäre aus dem Meßzylinder gesprungen, wenn denn das Wetter uns hold gewesen wäre. Aber!

    2014-10-11 Riesling2Die erste Ernüchterung kam nach den ergiebigen Regenfällen vom 20. und 21. September. Viele Beeren saugten sich mit Wasser voll und platzten auf. Die unnatürlich hohen Temperaturen und die extreme Luftfeuchtigkeit – ich laufe jetzt immer noch im T-Shirt rum und die Klimaänderung lässt grüßen – sorgten dafür, das sich rasend schnell Fäulniss breit machte. Nach dem ersten selektivem Erntedurchgang, gab es letzte Woche ( 07. 08. 09. Sept.) nochmals reichlich Wasser vom Himmel. Die bisher gesund gebliebenen Rieslingbeeren platzten auch auf und ein neuer Fäulnisskreislauf begann. Drei Tage später schon wieder Regen. Man konnte den Rieslingtrauben beim faulen zusehen.

    Die Erntemengen wurden von Tag zu Tag weniger. Einen nenneneswerte Aufkonzentrierung in Richtung Auslese fand nicht statt. Eher das Gegenteil!

    Es schmerzte, so viele Trauben wegzuwerfen. Drei Weinberge wurden fast komplett hängen gelassen, da die Trauben nicht für die Produktion unserer glasklaren, fruchtbetonten Weine geeignet waren. Im Vorjahr hatten wir ähnliche Probleme, als uns die Ernte wegfaulte. Nur mit einem kleinen Unterschied! 2013 hatten wir wenige Trauben in den Weinbergen hängen und von dem wenig noch einiges auf den Boden zu werfen, dass tat richtig weh. ………………………………………….2014-10-11 IchDieses Jahr sieht es etwas anders aus. Die erwartete übergroße Weinernte schrumpfte auf eine Normalernte. Die jungen Weine sind am gären und sie sind Dank der intensiven selektiven Ernte auf dem üblichen hohen qualitativem Niveau, wenn ich das mal so behaupten darf.

    Der Winzer ist trotz dieser Schwierigkeiten zufrieden und nächstes Jahr gibt es wieder Wein vom glücklichen Winzer!

  • Weinernte 2014: Eingetütet

    2014-10-15 Erntemannschaft

    Wieder eine Weinernte geschafft. Eine anstrengende und anspruchsvolle Weinernte mit extremen Wettereinflüssen liegt hinter uns. Doch dazu später mehr.

    Bei schönem Herbstwetter konnten gestern die letzten Rieslingtrauben in den Burger Weinbergen geerntet werden.

    An dieser Stelle ein Danke an unsere Lesemannschaft:
    Chefin Marita, Praktikant Pierre aus Frankreich, Azubi Sven, Anne, Alice, Freddy, Sophie und Felix (v.l.n.r. im Uhrzeigersinn) und die heute nicht dabei gewesenen:  Opa Reinhard, Margot, Jana, Sophie, Rosi, Dieter und unsere Gäste aus Brasilien Kelly und Marden.
    Wie immer: Rasend schnell, einsame Spitze im Selektieren und trotz der Ernteumstände immer gut drauf. Klasse Manschaft!

  • Weinernte 2014: Regenzeit

     2014-10-10 FreddyUnsere Erntemannschaft ist hoch motiviert. Kiste für Kiste Riesling wird sauber selektiert.2014-10-09 Frühstück2

    Beim zweiten Frühstück wird sich das passende Brötchen aus der Tupperdose ausgesucht – so ähnlich wie bei der Wundertüte, wenn der Deckel geöffnet wird: Überraschung! 2014-10-11 FrühstückNatürlich noch ein Schwätzchen und sich kurz erholt, bevor es wieder in den Weinberg geht. ……………………………………………………………………………………………………..2014-10-08 Riss1Es wäre alles noch schöner, wenn das Wetter mitspielen würde. Wie beim ersten Starkregen vor einigen Wochen, konnten wir letzten Freitag nach der ergiebigen Niederschlägen vom Mittwoch und Donnerstag wieder aufgeplatzte Beeren sehen. Gestern abend auch wieder ausreichend Wasser vom Himmel. Anne, eine unserer Erntehelferinnen die einige Jahre in der Entwicklungshilfe gearbeitet hatte, meinte nur „Regenzeit“. ………………………………………………………………………………………………………….2014-10-12 Riesling

    Rasent schnell macht sich im Moment wieder frische Fäulnis in den vorselektierten Weinbergen breit oder die Rieslingtrauben kollabieren regelrecht wie im obigen Bild.  Es ist alles andere als erfreulich. Dazu T-Shirtwetter und nahezu 100% Luftfeuchte. Keine idealen Bedingungen für unseren Riesling. Dazu der Regen, der aus den aufgeplatzten Trauben die Inhaltsstoffe auswäscht. Weiterer Regen ist für die Woche vorhergesagt. Wir geben Vollgas!

    Einige Tage noch… und dann ist Bestandsaufnahme beim 2014er.

  • Weinernte 2014: Es stinkt

    2014-10-08 Riesling Rohfäule

    Es stinkt und müffelt teilweise in den Weinbergen. Das kleine Problemchen ist erwachsen geworden und damit hat sich für uns einiges erledigt. Bei stark wachsenden Rebstöcken, also die mit den dicken Trauben und Beeren ist der Gammel so weit fortgeschritten, das teilweise ganze Rebstöcke nicht mehr abgeerntet werden können. Auch nicht mehr selektierbar. Ich habe noch nie so viele essigstichige Trauben beim Riesling gesehen gerochen.

    2014-10-08 Riesling gesund

    Aber nun zur Sonnenseite des Winzerdaseins: Wir haben haben noch viele, sehr viele Rebstöcke, die schwächer wüchsig sind, mit lockerbeerigen Trauben, mit Trauben, die durch den starken Regen von vor drei Wochen nicht aufgeplatzt sind. Dort lohnt sich das selektieren. Befallene Trauben werden geerntet, die negative Fäulnis auf den Boden geschnitten. Die verbleibenden Trauben sehen noch stabil aus, als ob sie noch Wochen hängen könnten zum Weiterreifen.2014-10-08 Erntekisten

    Im Vergleich zum letzten Jahr, als der zu erwartende Ertrag niedrig war und Wetterbedingt täglich weit nach unten korrigiert werden musste, sieht es dieses Jahr ganz anders aus. Die diesjährige Fäulnis hat bisher nur die Trauben betroffen, die durch den Regen Ende September aufgeplatzt sind. Es bleibt noch sehr viel für den Winzer übrig, wenn der in den vergangenen zwei Tagen reichlich gefallene Regen  kein weiteres Unheil für den Riesling bringt.

    Die erwartete Erntemenge ist im Moment immer noch sehr groß. Wir werfen einiges weg, haben nach der Vorlese immer noch vieles am Rebstock hängen und alle Erntekisten auf dem Anhänger sind voll.

  • Weinernte 2014: Eine schöner als die Andere

    2014-10-03 Abladen

    Gestern in der Weinpresse: Die Rieslingtrauben für unseren Sekt. Wir konnten ausschließlich gesunde reife Trauben ernten, ohne viel zu selektieren. Eine schöner als die Andere! Eine schwächer wachsende Rebanlage, die nicht von aufplatzenden Beeren betroffen war.

    In den nächsten Tagen wird ausschließlich in den von Fäulnis stärker befallenen Weinbergen selektiert. Ich habe den Eindruck, dass die nicht von der Fäulnis betroffenen gesunden Trauben, bzw. Weinberge, noch sehr stabil sind und noch länger hängen können, um weiter zu reifen.

    Die Erntemannschaft ist voll motiviert und hilft auch abends im Weinkeller tatkräftig mit. Morgen gibt es noch Verstärkung, die Temperaturen sind Gottseidank zurückgegangen, Regen ist auch nicht in Sicht und meine Zuversicht auf einen Guten Jahrgang ist ungebrochen.