Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Weingut

  • Neustart & Durchstarten

    Der Neustart des Lebens nach der Betriebsübergabe an meine Nachfolger vom Weingut von Vielen ist gelungen. Mittlerweile beim dritten Lebensabschnitt angekommen läuft das Leben stressfreier als in den Jahrzehnten der Selbstständigkeit vorher. Ohne Wecker morgens aufstehen und von unserer neuen Behausung aus die Landschaft genießen. Der Weitblick bis zur nächsten Moselschleife, Sonnenaufgänge und -untergänge oder Blick auf die Spiegelung der Bäume am Moselufer auf die Mosel (weitere Bilder folgen).

     

    Wie ich hier schon früher geschrieben habe, hatten wir bereits vor Jahren versucht, unser Weingut zu verkaufen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit der vermittelnden Agentur war das Loslassen vom eigenen Weingut. Die Rolle des Beobachters einzunehmen fällt zwar manchmal schwer, ist bei einer Betriebsübergabe aber enorm wichtig. Damit wird das größte Konfliktpotenzial schon einmal deutlich reduziert.

     

    Natürlich gebe ich weiterhin meinen „Senf“ zum Geschehen im Weingut dazu. Ob dieser berücksichtigt wird oder nicht, muss mir letztlich egal sein. Meine Beratung ist jedoch meistens erwünscht, damit ich meine über viele Jahre erworbene Sachkompetenz zum Nutzen des neuen Weinguts weitergeben kann. Daneben spiele ich den Knecht im Weinberg und Keller, bin jederzeit abrufbar, behalte grob den Überblick und vermittle weiterhin das Handwerk des Winzers und Kellermeisters.

     

    Das Formelle der Betriebsübertragung ging erstaunlich schnell vonstatten. Bei Landwirtschaftskammer, Agrarverwaltung und Ökokontrolle reichten einige Telefonate, Unterlagen und Unterschriften aus. Auch die Neuanmeldungen und Registrierungen bei Finanzamt und Zoll verliefen problemlos. Selbst die Änderungen der Mitgliedschaften bei Berufsverbänden waren unkompliziert.

     

    Die kleineren Dinge bereiteten dagegen die größten Schwierigkeiten. Teilweise wurde schlicht verweigert, die neuen Inhaber in bestehende Verträge aufzunehmen. Also blieb nur die Kündigung meinerseits und der anschließende Neuabschluss der Verträge. Das war teilweise reiner Irrsinn.

     

    Der Höhepunkt war unser verschlafener Versicherungsvertreter – ein absolutes Desaster. Erst mit massivem Druck über die Versicherungsgesellschaft und die übergeordnete Generalagentur kam es zu den gewünschten Vertragsänderungen. Immerhin ergaben sich dadurch neue Tarife und letztlich sogar eine beträchtliche Ersparnis.

     

    Auch hier ich werde wieder durchstarten. Dieser Blog hat seine Wurzeln im Jahr 2003. Gestartet unter dem Namen „Die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß“ war er ursprünglich als Informationsportal für Kunden und Freunde gedacht – mit vielen Einblicken in den Alltag des Winzers. Im Laufe der Jahre wurde daraus der meistgelesene Winzerblog in deutscher Sprache.

     

    Unsere Nachfolger möchten/können/wollen/…/…/…/ dieses Online-Tagebuch nicht weiterführen. Da mir das Schreiben und Fotografieren weiterhin große Freude bereitet und die Blogeinträge der vergangenen 23 Jahre nicht im Nirwana des Internets verschwinden sollen, werde ich den Blog fortführen.

     

    Nach einer kurzen Pause bin ich ab heute in einer neuen Rolle unterwegs: vom Weingutsbesitzer zum „Weinbergsknecht“ bei unseren Nachfolgern. Vielleicht mit einer etwas anderen Sichtweise – aber es geht weiter.

     

    Die Internetadresse hat sich inzwischen in bioriesling.de geändert. Aus den „Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß“ werden nun die „Bildergeschichten vom Weinbergsknecht“.

  • den Mantel nehmen…

    Symbolfoto

    Wie im vorletzten Eintrag hier im Blog schon angedeutet, haben wir Nachfolger für unser Weingut gefunden. Schon vor Jahren versuchten wir schon einmal Nachfolger bzw. Käufer zu finden. Aber Pustekuchen. Einige Interessenten kamen vorbei, der Chinese mit seiner Entourage war sogar zweimal im Weingut. Dann kam Corona dazwischen…

     

    Vor zwei Jahren dann die Überraschung: Die eigenen Kinder, Schwiegerkinder und ein langjähriger Freund der Familie wollen das Weingut übernehmen. Eine gelungene Überraschung an Weihnachten! Die Lebensinteressen waren schnell geklärt. Übernahmedatum durch die Kinder, Ausscheiden unsererseits passte bestens zusammen. Die Übernahmebedingungen waren schnell klar. Die wichtigste Bedingung der Übernehmer an die sogenannten Altenteiler (also wir, Marita Keß und Harald Steffens) war, dass wir eine neue Behausung suchen müssen, die so weit weg vom Weingut entfernt ist, dass wir „den Mantel nehmen“ müssen, um nach Hause zu kommen.

     

    Das ist vor einigen Wochen schon geschehen und wir wohnen jetzt in Ortsrandlage mit einem herrlichen Blick auf die Mosel und die Weinberge. Auch wenn wir für den Weg zum Weingut nun einen Mantel anziehen – den Hut werden wir noch nicht nehmen. Dies ist auch von unseren Nachfolgern erwünscht!

     

    Es gibt noch viel zu tun: Wissen über Weinbau, Kellerwirtschaft und Betriebsführung muss weitergegeben werden. Wir bleiben aktiv dabei, unterstützen mit unserer Erfahrung und unserer Arbeitskraft. Im Verkauf bleiben wir weiterhin die Ansprechpartner für unsere treuen Kunden.

     

    Was sich verändern wird? Das Weinsortiment wird sich ein wenig weiterentwickeln und diverser werden. Bleiben wird die hohe Qualität, der ökologische Anbau und die von uns gewohnte Stilistik. Eine direkt spürbare Veränderung ist der Name des Weinguts. Ab sofort heißt es:

     

    „Weingut von Vielen“

    Felix Keß-Krüger, Vanessa Krüger, Sophie Keß, Lino Keß und Leon Heimes.

     

    Wir freuen uns auf alles, was kommt – und darauf, weiterhin ein Teil dieses Projekts zu sein.

     

     

  • Sciurus vulgaris

    Es ist immer wieder spannend, welche „wilden“ Tiere sich in unserem Hof einfinden. Vögel sind alltäglich, Kröte, Salamander und Molch im Weinkeller, eine Fledermaus als Übernachtungsgast im Wohnzimmer, Siebenschläfer, Marder, Igel und weitere.

    In den beiden letzten Jahren diente unser Walnussbaum an der Terrasse einem Spatzenschwarm als abendlicher Spielplatz. Eine entsprechende Lärmkulisse war ab Nachmittags bis in die Dämmerung vorhanden. Lästig war nur, dass der Sonnenschirm zum Spatzenkackeschutz umfunktioniert werden musste. Der Schwarm blieb in diesem Jahr aus.

    Stattdessen als neuer Gast im Weingut: Sciurus vulgaris, das eurasische Eichhörnchen. Ein wunderschönes Tier, aber sehr schwer zu fotografieren, da es immer in Bewegung ist oder sich im Laub versteckt. Mit großem Appetit erntet es unsere Nüsse, frisst sie in kürzester Zeit auf oder versteckt sie als Wintervorrat.

    Heute habe ich beim Laubfegen nur eine Nuss gefunden. Das Eichhörnchen hat in den letzten Wochen ganze Arbeit geleistet.🙂

  • kalt

    Es ist kalt in Deutschland. Die Reben kommen nicht in die Puschen. Die Rebknopspen sind dick geworden und einige öffnen sich schon. Von wachsen kann aber keine Rede sein. Gegenüber letztem Jahr liegen wir ca. drei Wochen zurück.

    Ohne Rebwachstum gibt es keine Arbeit im Weinberg. Zeit für einen Rundumschlag im Weingut. Der jährliche Frühjahrsputz wurde ausgedehnt. Baumrückschnitt, Hofbepflanzung, Kärchern des Pflasters und und und… Der Hof erstrahlt jetzt wie neu und leider – Coronabedingt – keine Besucher.

    Bevor die Laubarbeiten beginnen, die unsere Arbeitszeit fast gänzlich in Anspruch nehmen werden, wurde ausreichend Wein etikettiert. Azubine kann mittlerweile unsere Etikettiermaschine selbstständig bedienen und alleine etikettieren.

  • im Wandel der Zeiten

    Unser Haus im Wandel der Zeiten. Als Fachwerkhaus vor über 300 Jahren erbaut, gab es um die vorletzte Jahrhundertwende zwei größere Umbau- bzw. Renovierungsarbeiten an unserem historischen Bürgerhaus. Die Vorbesitzer, die Familie Müller-Lentz, bauten den Speicher zu Wohnzwecken um und das Erdgeschoss wurde neu gestaltet. Ein großes Tonnengewölbe mit Nebenräumen wurde angebaut. Zudem wurde die Fassade verputzt um dem Haus ein „städtisches“ Aussehen zu geben.

    Obige Aufnahme entstand vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Schön zu sehen noch die ursprüngliche Terrasse, die später vergrößert wurde und eine Sandsteinbalustrade erhielt.

    Auf der Terrasse die Herrschaften, Moselriesling trinkend, und neben dem Kellereingang die Kellerarbeiter.

    Die Fassade soll 1924 freigelegt worden sein. Zuerst wurde das Fachwerk Moselseitig freigelegt, wie dieses Bild von einem Werbeprospekt der Ortsgemeinde Reil aus den 30er Jahren zeigt. Zu einem späteren Zeitpunkt dann das seitliche Fachwerk zu Hof hin.

  • Kleckerkram

    2017-01-11 SchweißenDer Winter hat uns in den letzten Tagen wetterbedingt zum Innendienst im Weingut vergattert und der ganze Kleckerkram konnte im Weingut erledigt werden. Ich schrieb vor einigen Tagen darüber.

    So wurde auch die Werkstatt aufgeräumt – wurde auch langsam Zeit – und nebenbei bekam der Azubi eine Lehrlingsunterweisung: Gebrauch des Winkelschleifers und anschließendes  verschweißen der zurecht geschnittenen Eisenstücke.

    Die kritischen Schweißnähte machte ich selbst und dann war Azubi an der Reihe. Er machte sich ganz gut, die Schweißnähte sahen so ähnlich wie meine aus, also nicht sehr schön. Eher nach brutzeln und braten, aber ich denke, das sie ihren Zweck erfüllen.