Wie immer wurden zum Jahreswechsel Proben der neuen Rieslingweine und heute zum Weinlabor gebracht. Neben der chemischen Analyse wird unser Wein auch der viel wichtigeren sensorischen Analyse unterzogen. Bei dieser ersten Verkostung, die von neutralen, betriebsfremden Verkostern im Labor durchgeführt wird, geht es vor allen Dingen um die grobe Beurteilung der Qualität.
Neben den wichtigen Inhaltsstoffen Alkohol, Restzucker, Säure und – ganz wichtig – dem pH-Wert, werden weitere chemische Parameter erfasst. Eigentlich braucht man die meisten Analysedaten nicht. Sie sind größtenteils relevant für gesetzliche Vorgaben. Den Geschmack des Weines kann man aus der Analyse bestenfalls orakeln, aber nicht ersehen.
Nur im Kontext mit der sensorischen Probe haben diese Analysedaten eine Aussagekraft. Ich freue mich schon darauf, diesen Kontext nach Erhalt der chemischen Analysen mit der sensorischen Probe zu erforschen.
Die ersten hefetrüben Jungweine wurden grob von der Hefe getrennt. Der Bodensatz im Fass, allgemein als Hefe bezeichnet, besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden und könnten evtl. zu mikrobiologischen und/oder geschmacklichen Problemen führen.
Nach dem Grobabstich verbleibt noch genügend Hefe im Wein. Die jungen Weine können noch von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.
Apropos Weinstein! In der Regel setzt sich dieser an den Behälterwandungen als gröbere Kristalle ab.
Natürlich wurde auch probiert. Wir können sehr zufrieden sein. Die kühleren Nächte während der Reifephase haben zu einer sehr guten Aromaausprägung geführt. Die noch hefetrüben Rieslinge machen schon viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines.
Im Weinkeller ist noch zartes blubbern zu hören. Die Rieslingweine sind fast vergoren.
Im Herbst schmeckten die Trauben, die ersten gärenden Moste und die analytischen Daten stimmten. Jetzt die nahtlose Fortsetzung! Wir freuen uns über die Qualität der Jungweine beim Probieren, die sich im Herbst und während der Hauptgärung der Weine ankündigte.
1012 cm Höchststand 16. Juli am Pegel Zeltingen! Ein außergewöhnliches, bisher nie dagewesenes Sommerhochwasser. Binnen kurzer Zeit extrem schnell angestiegen und auch wieder schnell gefallen. Der Keller ist schon sauber und wieder am Trocknen.
Für uns an der Mosel, am großen Fluss, handhabbar. Wir wissen etliche Stunden, vielleicht auch Tage vorher, wenn die Mosel über das Ufer tritt. Jedoch bei den kleinen Flüssen oder Bächen geht es sehr schnell.
In der Eifel ist die Welt untergegangen. Eine Katastrophe mit apokalyptischem Ausmaß. Schwerpunkt ist die Ahr. Erschütternde Bilder und Berichte gehen durch die Medien. Häuser und Brücken weggespült, die Infrastruktur zerstört und leider viele Tote.
Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern der Hochwasserkatastrophe und wünschen allen Betroffenen viel Kraft!
Die Winzer sind dort in Ihrer Existenz betroffen. „Innerhalb von 5 Minuten wurde unsere Halle von den Wassermassen geflutet“ so ein Kollege. Keine Zeit sich auf das Wasser vorzubereiten, wie wir es an der Mosel können. Nur noch weglaufen vor den Fluten… Hilfsaktionen von Winzern aus anderen Weinbaugebieten sind gestartet.
Folgen einige Bilder und ein Video mit Impressionen vom Moselhochwasser: Wenn die ersten Hochwasserwarnmeldungen eintreffen, wird aus dem Keller alles entfernt was schwimmen kann oder durch das Wasser beschädigt wird. Die Fässer werden mit Wasser befüllt und mit Zurrgurten am Fasslager fixiert. Dann steht der halbe Weinkeller, bzw. die Maschinen auf höherer Ebene auf der Straße oder im Hof. (Weingut Melsheimer)
Die Moselstraße unter Wasser. Noch 1,50m bis zum Höchststand.
Unsere untere Zufahrt ist vom Wasser blockiert.Extrem viel Müll und Unrat kam die Mosel hinab geschwommen. Der plötzliche Anstieg der kleinen Bäche und Flüsschen in der Eifel hat vieles mitgerissen und in die Mosel geschwemmt. Ein blauer Container – ja, Sie haben richtig gelesen, ein großer Seecontainer – war das auffälligste Treibgut.Ufernahe Weinberge standen im Wasser und die Ernte dürfte Schaden nehmen.
Beim Höchststand der Mosel waren die Anglerstiefel etwas zu kurz und so wurde mit dem Boot eine Kontrollfahrt durch den Keller gemacht.dfhjhjMit sinkender Mosel muss der hinterbliebene Schlamm mit viel Wasser weggespült werden.
Am Donnerstagmorgen, den 15. Juli kam die Mosel in den Keller, gegen Mitternacht wurde der Höchststand erreicht. Am Tag danach konnte Mittags mit dem Säubern begonnen werden. Gestern Morgen, Samstag, der 17. Juli war alles sauber. Wir sind wieder betriebsbereit.
Es ist kalt in Deutschland. Die Reben kommen nicht in die Puschen. Die Rebknopspen sind dick geworden und einige öffnen sich schon. Von wachsen kann aber keine Rede sein. Gegenüber letztem Jahr liegen wir ca. drei Wochen zurück.
Ohne Rebwachstum gibt es keine Arbeit im Weinberg. Zeit für einen Rundumschlag im Weingut. Der jährliche Frühjahrsputz wurde ausgedehnt. Baumrückschnitt, Hofbepflanzung, Kärchern des Pflasters und und und… Der Hof erstrahlt jetzt wie neu und leider – Coronabedingt – keine Besucher.
Bevor die Laubarbeiten beginnen, die unsere Arbeitszeit fast gänzlich in Anspruch nehmen werden, wurde ausreichend Wein etikettiert. Azubine kann mittlerweile unsere Etikettiermaschine selbstständig bedienen und alleine etikettieren.
Letzte Woche wurden die ersten 2020er Rieslingweine abgefüllt. Vor Tagen haben wir mit den Planungen begonnen. Verlässlich lieferte der Flaschenhändler und der Verschlusslieferant auf den Tag genau nach Absprache. Die Etiketten sind schon da und müssen nur noch auf die frisch gefüllten Flaschen geklebt werden. Noch zwei Abfülltage und etliche Gitterboxpaletten füllen, dann wäre die diesjährige Abfüllsaison Vergangenheit.
Unser Onlineshop ist aktualisiert und wird am Mittwoch freigeschaltet. Die Preisliste per Briefpost braucht einige Tage länger und der Verkaufsstart der 2020er Rieslingweine kann beginnen.
Apropos neuer Jahrgang: Die Weine zeigen sich von der besten Seite. Delikate Rieslingduft mit feingliedriger Aromatik. Alles schmeckt extrem klar und balanciert mit einer angenehmen Säure, die sehr gut eingebunden ist.
Letzte Woche konnte endlich mit der Filtration der 2020er Rieslinge begonnen werden. Unserem alten Filter, ich berichtete hier, wurde bei der Durchsicht in der Werkstatt noch weiterer Reparaturbedarf attestiert. Ein Totalschaden, der mich und meinen Mitbesitzer zu einer Neuinvestition zwang. Die Verrohrung gänzlich anders, einige Absperrventile mehr (13 im gesamten bei der Filtration!) ließen zuerst den Kopf rauchen, damit das Funktionsschema gelernt und bei der Filtration umgesetzt werden konnte.
Nach den ersten Partien klappte die Handhabung ganz gut. Sogar die Azubine begriff schnell, wie der Filter bedient werden musste und verkostete den vorher/nachher Effekt der Filtration.
Deutlich schmeckbar nach dem Filter die Freisetzung des Bouquets, dass durch die vorher vorhandene Trübung gehemmt war. Die Jungweine präsentieren sich dadurch viel klarer und bedeutend fruchtiger. In alten Zeiten mussten diese Trübstoffe durch langsame Sedimentation und mehrere Abstiche abgetrennt werden. Unten ein Auszug aus einem aktuellen Fachartikel einer Fachzeitschrift:
„…Aufwendig lange Lagerungen sorgten jahrhundertelang dafür, dass die Fermentationsprozesse mikrobiologisch weitgehend abgeschlossen waren und unlösliche Bestandteile sedimentieren konnten. Die Fest/Flüssig-Trennung wurde vor Einführung der Filtration lediglich durch lange Absetzzeiten erreicht. Eine Sedimentation war in den liegenden Fässern über lange Zeitspannen ohne Zentrifugen oder Filter möglich…
…Trübungen im Getränk waren oft mit negativem Geschmack behaftet, blanke Produkte meist die wohlschmeckenderen. Schon vor dem Kauf oder dem Trinken waren durch zu kurze Lagerung schlecht geklärte oder mikrobiell belastete Weine und Biere also visuell zu erkennen. Die Fortschritte in der Mikrobiologie zeigten auch zu dieser Zeit bereits, dass viele Trübungen nicht nur von der Lagerzeit abhängig waren. Hefen und vor allem Bakterien verursachten Trübung sowie Geruchs- und Geschmacksveränderungen. Das war Grund genug, um fortan Biere und Weine wie auch Öle, Essige, Säfte, Wässer und sogar Spirituosen zu filtrieren….““
Prof. Mark Strobl, Das Deutsche Weinmagazin 06,02,2021J. Neßler, 1872
In alten Zeiten dauerte dies sehr lange, wie man einer Fachpublikation von 1872 entnehmen kann. Es entstanden Weine, die mit den heutigen nicht vergleichbar sind. Durch die lange Lagerzeit in Fass ging die Frische verloren und die Weine wurden durch die Sauerstoffdiffusion beim Holzfass oxidativ und hochfarbig (gelb/goldgelb). Nicht umsonst wurde der Wein früher als goldener Rheinwein besungen. Davon würden heute die wenigsten gerne trinken. Zeiten ändern sich und die Geschmäcker…
Geplant war die schonende Kieselgurfiltration unserer Jungweine, aber dann kam es anders als wir dachten. An der Dosierpumpe für das Filtrationshilfsmittel tropfte es. Also neue Dichtungen eingebaut. Tropfte weiter… Verschleiß am Pumpenkolben, wie ich feststellte. Der Kolbenhub war auch eingeschränkt. Wahrscheinlich eine in der Pumpe verbaute Feder, die gebrochen war.
Ok, mit diesen Einschränkungen hätte die Filtration dieses Jahr noch geklappt, bevor der Filter in Reparatur geht, aber beim Reinigen des Gerätes plötzlich Störgeräusche, ein Geruch nach verbranntem Gummi und Wasseraustritt an der Weinpumpe. Die Dichtung der Pumpenwelle hatte sich verabschiedet!
Jetzt steht der Kieselgurfilter bei Händler und ich warte auf Ersatzteile. Gut, das sich die Mechanik beim Reinigen und nicht bei der Weinfiltration verabschiedet hatte.
Zwei kleinere Weinpartien wurden dennoch mit dem im Weingut vorhandenen Kleinfilter filtriert. Man konnte nach der Filtration die ganze Bandbreite der Aromen Riechen und Schmecken. Die vor der Filtration noch vorhandene leichte Hefetrübung behindert das Freisetzen des Bouquets. Jetzt präsentieren sich die beiden Jungweine noch viel klarer und bedeutend fruchtiger. Ich freue schon darauf, wenn die restlichen Rieslingweine filtriert werden können und ich die ganze geschmackliche Bandbreite des 2020er wahrnehmen kann.
Immer wieder reizvoll der Blick ins Fass. Schauen, wie weit es beim Abstich, also den abtrennen der Grobhefe von hefetrüben Wein, schon leer ist.
Wenn dann der Anstichkonus im Zapfenloch zu sehen ist, wird das Weinfass mit der Fasswinde hinten angehoben. Der Jungwein läuft nach vorne und wird abgepumpt.
Spannend anzusehen, welche Form der Weinstein hat, der sich abgelagert hat. In einem Jahr als feine längliche Gebilde, in anderen Jahren als grobkörnige Kristallablagerung und immer noch ein wichtiger Rohstoff z. B. für die Backmittelindustrie als Backpulver. Sehr wichtig für die Kellerarbeiter in großen Weinkellereien, die ihn auf eigene Rechnung verkaufen können. Dann heißt er Küfergold. Diese Geschichte können hier nachlesen.
Die hefetrüben Jungweine werden zurzeit grob von der Hefe getrennt. Abstich genannt. Der Bodensatz im Fass, allgemein als Hefe bezeichnet, besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden.
Ein wichtiges Arbeitsgerät ist dabei die Weinstütze. Ein spezielles Arbeitsgerät des Kellermeisters. Sozusagen eine Art Eimer mit erweiterten Funktionen. 10 Liter Inhalt und einhändig zu bedienen. Als Hilfe beim Umhängen des Weinschlauches von einem Fass zum nächsten, ohne die Pumpe abzustellen. Durch den geringen Durchmesser der Stütze kann man auch problemlos ein Fass durch das nur 5 cm große Spundloch auffüllen ohne das man einen Trichter benötigt. Dazu noch viele weitere Funktionen. Die behalte ich aber mit dem Hinweis auf Kellermeisters Geheimwissen für mich…
Anfangs aus Holz in der Bauart eines Weinfasses hergestellt, später aus Kupfer welches innen verzinnt wurde, dann aus Aluminium und jetzt aus Kunststoff. Ein universelles Handwerksgerät. Im Laufe der Zeit entwickelt und eine Form, die sich, seitdem es nicht mehr aus Holz hergestellt wurde, nicht mehr verändert hat.
Leider wird die Weinkanne auch nicht mehr produziert. Ein Stück Weinkultur wird verschwinden, ebenso das Wissen über die Handhabung dieses alten „Werkzeuges“ des Kellermeisters. Ich bin froh, das ich von diesem Universalgerät noch einige Exemplare mein Eigen nennen darf.