Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Weinberg

  • Regen?

    In den zwei vergangen Tagen gab es die Chance Regen zu bekommen. Man sah ihn aus der Ferne schon kommen, er verfehlte aber unsere Weinberge größtenteils.  Das bisschen das fiel, verdunstete schnell.

    Während die Regenwolken mit dem benötigten Wasser über meinen Kopf hinweg zogen, bewässerte ich unsere jüngeren Reben, die extrem stark unter der Trockenheit leiden, wie ich hier berichtete.

     

    Bild: Weingut Spielmann-Schindler

    Dort wo in den letzten Tagen ausreichend Regen fiel, gab es auch die entsprechenden Nebenwirkungen. Neben kräftigen Überschwemmungen wie z.B. in Trier war sehr oft Hagel mit dabei und schädigte Trauben und Reben. In der Pfalz legte ein Tornado etliche Hektar Weinberge in die waagerechte um.

    Das Thema Wassermangel ist nach dem mittlerweile zweiten, sehr trockenem, Sommer von öffentlichem Interesse, da vor allem die Landwirtschaft und die Trinkwasserversorger (also eigentlich wir alle!) davon abhängig sind. Diese Woche besuchte mich ein Kamerateam der Tagesthemen, um einige Aufnahmen in meiner durch Wassermangel kümmerlich wachsenden jungen Rebanlage zu drehen und mich zum Thema zu interviewen.

  • schnipp schnapp

    Die Trockenheit macht mir zunehmend Sorge. Die letzten zwei Wochen mit den sehr hohen Temperaturen haben sehr stark am Bodenwasservorrat gezehrt.

    Während ältere Weinberge noch tadellos aussehen und noch keine Anzeichen von Wassermangel zeigen, sieht es in jungen Rebanlagen anders aus. Die ersten Rieslingreben sind schon vertrocknet.

    Andere Jungreben haben massive Trockenschäden. Kümmerwuchs, gelbe Blätter, Blattschäden durch die intensive UV-Strahlung der Sonne usw.

    Um die jungen Reben zu entlasten und um sie für die Zukunft vital zu halten, habe ich heute bei den betroffenen Reben Fruchtruten und Trauben abgeschnitten. Schnipp, schnapp!

    Die Trockenheit ist bis jetzt vergleichbar mit dem letzten Jahr. Der kleine Unterschied ist nur, dass die Langfristprognose der Wetterfrösche weder Landregen noch Gewitter vorhersagt. Zumindest sollen die Temperaturen in den nächsten Tagen sinken.

    Es wird spannend!

  • Binnen weniger Tage

    Binnen weniger Tage hat ein gewaltiger Wachstumsschub im Weinberg stattgefunden. In der letzten Woche waren die Rieslingreben noch am blühen und jetzt sind die kleinen Beeren schon gut gewachsen.

    Die dafür förderlichen hochsommerlichen Temperaturen erschweren jedoch auch das Arbeiten von Mensch und Maschine im Weinberg. In der Mittagshitze geht nichts mehr. Der Mensch schwitzt das Wasser schneller aus, wie er es trinken kann, beim Kettenschlepper wird das Hydrauliköl heiß und Arbeitspause ist angesagt.

    Die händisch zu machenden Laubarbeiten sind größtenteils erledigt. Vorerst wird nur noch Maschinenarbeit gemacht. Aktuell Laubschnitt und das entfernen der Blätter in der Traubenzone.

    Jetzt noch ein ausgiebiger Landregen damit die etwas knappen Bodenwasservorräte aufgefüllt werden. Das wäre dann kurz vor perfekt!

  • ratzfatz erledigt

    Eine der  wenigen Ereignisse über die ich mit schöner Regelmäßigkeit berichte, ist die Rebblüte. Dieses Jahr später als in den letzten Jahren. Der kalte Mai verzögerte stark die Entwicklung der Rieslingreben.

    Die Wetterbedingungen waren für die Rieslingblüte perfekt und ratzfatz verblühte der Riesling binnen kürzester Zeit. Ich gehe davon aus, das eine sehr gute Bestäubung stattgefunden hat.

    Auf dem Bild sieht man die Details. Sobald das Blütenkäppchen abgeworfen ist, erscheint der Fruchtknoten mit Narbe und die Staubgefäße. Dann ist es schon passiert und die Bestäubung erfolgt. Da die Reben Selbstbestäuber sind, werden keine Insekten benötigt.

  • Orthoptera

    Man muss nur genauer hinschauen in den kleinen Mikrokosmos des Ökoweinberges. In der Weinbergbegrünung ist die ebenfalls grüne Heuschrecke (Orthoptera) schwer zu finden. Das Fotografieren war die nächste Schwierigkeit. Auch das Bildbearbeitungsprogramm wurde stark bemüht, um die Konturen dieses Insektes sichtbar zu machen.

  • Chance verpasst

    Bei der heutigen Weinbergsarbeit begegnete mir heute ein ausgeschwärmtes Bienenvolk, das sich in einem Rebstock zu einer Schwarmtraube zusammen gefunden hatte.

    Äußerst friedlich ging es zu. Kein hektisches Treiben wie am Bienenstock im  Weingut. Wie im Streichelzoo hätte man die Bienen anfassen und streicheln können.

    Da ausgeschwärmte Bienenvölker als Herrenlos gelten, hatte  der Winzer jedoch andere Gedanken. Schnell noch die Rebzeile fertig machen, dann den Kurzzeitpraktikanten abholen. Die Bienenfangutensilien wären auch schnell zusammen gesucht, aber…

    Leider hatte dann der Bienenschwarm das Weite gesucht und der Traum von einem weiteren Bienenvolk hatte sich erledigt.

  • Gute Startbedingungen

    Nachdem am Wochenende reichlich Regen von Himmel gefallen ist, haben wir beste Startbedingungen für die kommende Vegetationsperiode.

    Bislang ist das Rebwachstum durch die niedrigen Temperaturen zum Stillstand gekommen. In den nächsten Tagen soll es wärmer werden und das Wachstum wird angekurbelt. Nicht zu warm und nicht zu kalt sagen die Meteorologen. Genau das richtige Winzerwunschwetter, damit wir die kommenden sommerlichen Laubarbeiten zeitgerecht erledigen können.

  • Stillstand

    Das Wachstum im Weinberg ist fast zum Stillstand gekommen. Tiefe Temperaturen bis kurz über dem Gefrierpunkt behinderten in den letzten Tagen das Wachstum unserer Reben.

    Der Höhepunkt der aktuellen Kältewelle waren die letzten beiden Tagen mit den Eisheiligen. Wider Erwarten fand ich heute vom Frost geschädigte Rebtriebe. Einige nachgepflanzte Jungreben wiesen erfrorene Blätter und Triebspitzen auf.

    Andere Kollegen sind stärker betroffen. Größere Schäden soll es an der Mittelmosel und der Luxemburger Mosel geben. Auch aus der Schweiz und Frankreich wird von Erfrierungen an den Reben berichtet.

    Kein Vergleich zu den Schäden von  2016 und 2017, als Europaweit eine Kaltluftfront für massivste Ertragseinbußen sorgte.

  • zu früh

    Zuerst dachten wir, dass der Austrieb der Rieslingreben extrem früh erfolgen würde. Kalte Tage bremsten den Austrieb in den vergangenen zwei Wochen etwas. Warme Tage über Ostern beschleunigten das Wachstum massiv. Wir liegen damit ähnlich wie in den beiden vergangenen Jahren: zu früh! In meinen alten Ausbildungsunterlagen – schon lange her – war der 02. Mai als mittlerer Wert des Rebaustriebes beim Riesling an der Mosel notiert.

    Ein früherer Austrieb bedeutet eine verlängerte Vegetationsperiode mit höherer Weinqualität. Schlechte Weinjahrgänge gibt es unter anderem auch dadurch nicht mehr. Es gibt natürlich negative Auswirkungen der Klimaerwärmung. Bei uns im Weinbau bemerkbar mit extremen Wetterereignissen wie Hagel, Starkniederschläge oder extremen Trockenperioden. Spätfröste im April richten nun Schäden an, da das Wachstum gegenüber früher schon bedeutend weiter ist. Weitere Probleme bereiten Viruserkrankungen die durch die Klimaänderung zunehmen, wie ich hier und hier berichtete.

    Folgen der globalen Erwärmung, mit denen wir noch umgehen können und die handhabbar sind.

  • Sedum album

    Sedum album oder weißer Mauerpfeffer genannt. Er ist sehr häufig auf unseren trockenen Schieferböden zu finden.

    Er kann in der Küche verwendet werden. Vor der Blüte geerntete, junge Triebe können roh an Salate oder gekocht zu Gemüsegerichten gegeben werden. Das Kraut, das einen scharfen, pfeffrigen Geschmack besitzt, soll ganz jung als Salatwürze zubereitet werden können.

    Der Weiße Mauerpfeffer ist  eine beliebte Futterpflanze für Schmetterlinge, zum Beispiel für den seltenen Apollofalter.

    Er zählt zu den uralten Arzneipflanzen und schon in den hippokratischen Schriften als Mittel gegen Schwellungen und Entzündungen bezeichnet. Wegen des scharfen Saftes wird der Mauerpfeffer auch zum Vertreiben von Wanzen, Flechten und Hühneraugen gebraucht.

    Sedum album ist aber mit Vorsicht für die menschliche Ernährung zu gebrauchen. Alle Quellen sprechen von einer gewissen Giftigkeit, die zu Erbrechen führt, die aber auch therapeutisch bei Diphtherie und anderen Krankheiten zu Nutzen war. Das Kraut soll sogar gelegentlich benützt worden sein, um plötzliches Erkranken zu simulieren, da schon kleine Gaben, besonders bei jüngeren Personen, leicht Erbrechen hervorrufen können, wie man hier nachlesen kann.