Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Weinkeller

  • Sieht aus wie…

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    Sieht aus wie …, ist es aber nicht. Zur Zeit vermehren wir wieder eine Essigmutter. Ein Teil davon geht morgen nach Österreich zu einem Hobbyessighersteller, dessen eigene Kultur kollabiert ist. Üblich in der Szene der Essigproduzenten: Essigmutter – und Erfahrungsaustausch.
    Aus einer kleinen Anfangmenge wird stufenweise bis zur benötigten Endmenge vermehrt. Etwas alle zwei Wochen kann die Essigmutter verdoppelt werden. Wir füttern natürlich mit Riesling. Bei Erreichen der Endmenge dauert es dann noch einige Zeit, bis der restliche Alkohol zu Essigsäure mittels Acetobacter Orleanensis (Essigmutter/Essigbakterien) vergoren ist.

    Im Vergleich zur alkoholischen Gärung ist das von uns verwendete Orleans Verfahren sehr aufwendig, ergibt aber den besten Essig. Gegenüber den modernen Verfahren (Submersevergärung) haben wir Verdunstungsverluste an Essigsäure und Alkohol, so das wir beim vergorenen Essig bei ca. 7 % Essigsäuregehalt liegen. Bei den modernen Verfahren wird aus 1 % Alkohol ca. 1 % Essigsäure gebildet und da die Säure dann nach Vergärung zu hoch ist, wird auf den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestsäuregehalt von 6% mit Wasser verdünnt. Säure verdünnen ist ja schön, aber das Aroma, der Geschmack, wird dann auch dünner.

  • Filtration

    2008-01-23-kieselgutfilter.jpgDieser Tage wurden die jungen Weine schonend mittels Kieselgurfiltration filtriert. Bernhard Fiedler hat in seinem Blog diese Filtrationsmethode ausführlich erklärt und kann dort nachgelesen werden. Im Bild ist der Filter geöffnet und man kann die einzelnen Filtrationssiebe mit den Filtrationsrückständen sehen.
    Erst jetzt kann man die ganze Bandbreite der Aromen Riechen und Schmecken. Die vor der Filtration noch vorhandene leichte Hefetrübung behinderte das Freisetzen des Bouquets. Jetzt präsentieren sich die Jungweine noch viel klarer und bedeutend fruchtiger.

    Kopfzerbrechen macht uns im Moment nur der Mangel an Weinflaschen. Der Markt ist leergefegt und es ist fraglich, wann wieder Weinflaschen produziert werden. Ich berichtete darüber. Fast wie im Sozialismus…

  • Spundvoll

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    Durch das Holz der Fässer verdunstet Wein, die kalten Temperaturen der letzten Wochen lassen den Wein auch noch „schrumpfen“ und der Winzer probiert noch zusätzlich um die Reifeentwicklung der jungen Weine zu beobachten. Das so entstehende Luftpolster würde der unerwünschten Oxidation Vorschub leisten und das feine Aroma schädigen. Deswegen werden regelmäßig die Fässer mit einer Füllgießkanne beigefüllt bis sie spundvoll sind.

    Eine der vielen kleinen, fast nebensächlich erscheinenden Kellerarbeiten, die, wenn sie nicht gemacht werden, in der Summe negativ für die Qualität unserer Weine wären.

  • Da stehen sie rum…

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    Da stehen sie rum und wir wissen noch nicht, womit wir sie füllen sollen.
    Die Gitterboxen im Flaschenkeller sind alle leer und das Abfüllen der 2007er Rieslinge rückt immer näher. Das große Problem ist, das es im Moment keine Weinflaschen zu kaufen gibt. Eine Produktion der von uns verwendeten 0,75l und 1,0l Schlegelflasche in massongrün ist erst für Ende Januar geplant. Das nach bisherigem Kenntnissstand unser Einkaufspreis um mind. 30 % höher sein wird, ärgert natürlich noch zusätzlich.

    Der Winzerblog berichtete schon einmal ausführlich über dieses Problem: Schließung von Glashütten, Verringerung der Lagerkapazitäten, zusätzlicher Reparaturbedarf und somit Stillegung von Glasschmelzen und ein weiterer Konzentrationsprozeß bei den Herstellern. Kollege Bernhard Fiedler empfahl sogar in leere Weinflaschen zu investieren um binnen kürzester Zeit mit den Preiserhöhungen der Glasindustrie satte Renditen einfahren zu können.

    Lassen wir uns überraschen. Zur Not können wir ja in Gurkengläser abfüllen…

  • Analyse

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    Die ersten Weinanalysen sind die Tage gekommen. Neben den wichtigen Parametern wie Alkohol, Restzucker und Säure wird der Extrakt, das spez. Gewicht und andere chemische Parameter erfasst. Aber eigentlich braucht man die meisten Analysedaten nicht. Aus der Analyse kann man schon gar nicht ersehen, wie der Wein schmeckt. Der Alkohol ist evtl. wichtig als Trunkenheitsfaktor, steht aber später auf dem Weinetikett, beim süßen oder milden Wein wäre die Restsüße noch als Orientierungspunkt wichtig und der Säuregehalt sagt relativ wenig über den Geschmack aus.

    Interessanterweise scheinen etliche Weintrinker ausschließlich nach Analysedaten einkaufen zu wollen. Was jedoch noch interessanter ist, dass diese potentiellen Neukunden, die diese Daten anfordern, zu fast 95 Prozent keinen Wein ordern! Ich würde gerne wissen, wie denn die Eckdaten eines Weines aussehen müssen, damit diese Weintrinker eine Probebestellung tätigen.

    Wie ich schon öfter berichtet habe: Sehen, riechen und schmecken! Das ist die beste Analysemethode und nur damit kann beurteilt werden ob ein Wein gut oder nicht gut ist.

  • Ist der gut…

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    Heute habe ich den neuen Tresterbrand von der Destille geholt. Zu Hause musste ich natürlich sofort probieren. Die nahtlose Fortsetzung der 2007er Qualitäten: Super Trauben, Wein in dem man baden könnte und nun auch der Tresterbrand eine Punktlandung.

  • Abstich

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    In den letzten Tagen wurden die Jungweine von der groben Hefe getrennt oder abgestochen, wie der Winzer sagt. Aufwändig ist nach dem Umpumpen das Reinigen der Holzfässer. Da das klassische Moselholzfaß nur über ein Spund- und Zapfenloch verfügt, ich berichtete hier, wird das Faß mittels einer Faßwinde hinten angehoben und mit dem Hochdruckreiniger über das obere Spundloch gereinigt. Das Reinigungswasser läuft über das Zapfenloch nach aussen. Als kleines Helferlein gibt es noch ein speziell geformtes Röhrchen, welches auch den letzten Rest Reinigungswasser zwischen Faßboden und Faßdauben nach aussen ablaufen läßt.

  • Man könnte darin baden…

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    Nachdem ich heute eine Partie Jungwein von der Hefe getrennt hatte, wurden mal wieder alle Weine durchprobiert. Das fast tägliche Probieren: Morgens, abends, mal so rum, mal andersrum wie Kollege Bernhard Fiedler aus Österreich in seinem Blog beschreibt. Und von Probe zu Probe komme ich immer mehr zu dem Schluß: Man könnte darin baden…