Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wetter

  • Rasend schnell

    Rasend schnell wachsen die Reben. Zwei Wochen Sommerwetter haben den Vegetationsrückstand gegenüber letztem Jahr schrumpfen gelassen. Die Reben sind wieder saftig grün und morgen beginnen wir mit den Laubarbeiten. Zur Unterstützung kommen morgen noch zwei Helfer, da wir bei diesem enormen Wachstum nicht mit der Arbeit hinterherkommen würden,

    Unser Hausrebstock im Weingut ist in der Blüte. In einigen Tagen müsste auch der Riesling am Blühen sein. Beste Bedingungen herrschen im Weinberg für die Reben. Der Bodenwassergehalt ist für diese Jahreszeit immens hoch, trockenes und sehr warmes Wetter gemeldet. Sogenanntes Winzerwunschwetter, auch als Kaiserwetter bekannt

  • Montag, den 11. Oktober, morgens um 8.30 Uhr

    Endlich Sommer! Es wurde so langsam Zeit. In der letzten Woche noch Langeunterhosenwetter und nun Kurzehosenwetter. Wir sind gegenüber dem letzten Jahr ca. drei Wochen später mit der Vegetation.

    Die Rebblätter sind kältebedingt gelblich geworden. Nährstoffe konnten wetterbedingt nicht von der Rebe aufgenommen werden und ein Chlorophyllmangel entsteht. Chlorose sagt der Winzer dazu. Das dürfte aber kein Problem sein. Reichlich Regen hat den Bodenwassergehalt bis ans Maximum aufgefüllt. Weitere Regenfälle sind prognostiziert. Wenn jetzt die Temperaturen sommerlich warm bleiben, verschwindet die Chlorose, setzt rasantes Rebwachstum ein und der Wachstumsrückstand wird verkleinert.

    Eine etwas spätere Weinernte ist auch nicht schlecht. Langsame Rieslingreife bei kühleren Temperaturen fördert die Aromatik und hemmt unerwünschte Fäulnis.

    Ich bin jetzt einmal etwas mutig: Montag, den 11. Oktober, morgens um 8.30 Uhr Erntebeginn Riesling. Wird natürlich ein Jahrhundertjahrgang… 🙂

  • kalt

    Es ist kalt in Deutschland. Die Reben kommen nicht in die Puschen. Die Rebknopspen sind dick geworden und einige öffnen sich schon. Von wachsen kann aber keine Rede sein. Gegenüber letztem Jahr liegen wir ca. drei Wochen zurück.

    Ohne Rebwachstum gibt es keine Arbeit im Weinberg. Zeit für einen Rundumschlag im Weingut. Der jährliche Frühjahrsputz wurde ausgedehnt. Baumrückschnitt, Hofbepflanzung, Kärchern des Pflasters und und und… Der Hof erstrahlt jetzt wie neu und leider – Coronabedingt – keine Besucher.

    Bevor die Laubarbeiten beginnen, die unsere Arbeitszeit fast gänzlich in Anspruch nehmen werden, wurde ausreichend Wein etikettiert. Azubine kann mittlerweile unsere Etikettiermaschine selbstständig bedienen und alleine etikettieren.

  • Der Stand der Dinge

    Die kühlen Tage verzögern den Austrieb der Reben um etliche Tage. In den letzten Jahren waren wir mindestens eine Woche früher.

    Was mich im Moment am meisten freut, sind die ausgiebigen Regenfälle in den letzten Tagen. Satte 44 Liter je qm binnen weniger Tage. Das ist ein guter Start in die Vegetationsperiode. Nach drei trockenen Jahren ein Lichtblick. Die Bodenwasservorräte dürften aufgefüllt sein.Peribatodes rhomboidaria, auch Rhombenspanner genannt ist auch schon in den Weinbergen unterwegs. Einige Rebknospen sind ausgefressen. Die Temperaturen hemmen ihn jedoch bei seiner Fraßtätigkeit. Warmes Wetter mit schnellem Austrieb der Reben wäre jetzt gut, da der Rhombenspanner nur die dicken Knospen ausfrisst. Mit frischem Grün kann er nichts anfangen.

    Ich berichtete schon einmal über die Schäden, die diese Raupe verursacht.

  • Dann werde ich wohl während der Weinernte Urlaub haben…

    Foto: Markus Schür

    „Dann werde ich wohl während der Weinernte Urlaub haben“ (sinngemäß übersetzt), schrieb ein Winzer heute im französischen Winzerforum.

    Drei kalte Nächte mit Spätfrost haben den Reben stark zugesetzt. Große Rebflächen sind in verschiedenen französischen Weinbaugebieten bei Temperaturen bis zu -6 Grad in erfroren. Totalschaden!

    Einige Presseberichte mit Bildern und Videos finden Sie hier:

    le Repulicain, franceinfo, Vitishere und le journal mit Videos

    In Deutschland gibt es im Vergleich nur leichte Schäden. Obiges Bild zeigt erfrorene Reben am Kaiserstuhl. Foto: Raphael Schmidt

    Die bekannten Frostlagen sind betroffen und natürlich Rebsorten, die vorzeitig austreiben. Kollege Raphael Schmidt (Mosel) musste in einer Rebanlage mit dem früh ergrünenden Goldmuskateller „heizen“, damit die Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes bleiben.

    Frostbekämpfung ist nicht einfach, insbesondere über drei Tage hinweg. Als Möglichkeiten wären z.B. zu nennen:

    Bei Kaltluftfrösten die Vermischung von eiskalter Bodenluft mit darüber liegenden wärmeren Luftschichten, in der Regel mittels Hubschrauber oder mobilen Windmaschinen. Strahlungsfröste bei klaren Himmel werden mittels Rauchbildung bekämpft. Z.B. nasse Heuballen verbrennen, damit genügend Qualm entsteht, der die Strahlung mit der Kälte abhält.

    Feuerchen wie im obigen Bild mit Holz o.ä. oder speziellen großvolumigen Kerzen, sogenannte Frostkerzen. Sehr gut ist die Überkronenberegnung mit Wasser. Solange Wasser gefriert, sinkt die Temperatur nicht unter 0 Grad.

    Jede Art der Frostschutzbekämpfung hat sein für und wider. Aber es gibt auch Grenzen, wie z.B. Verfügbarkeit von Wasser, Brennstoffen, Finanzmittel und richtig kalte Fröste.

    Zu Nachlesen hier ein Artikel in Wikipedia.

    Nachtrag 11.04.2021

    Laut einigen berichten soll in Frankreich nach Angaben von Branchenverbänden derzeit 80 Prozent der französischen Weinbaugebiete mehr oder minder von Frost betroffen sein. Es zeichnet sich eine sehr geringe Weinernte ab. Desaströs…

    Weitere starke Frostschäden gab es im Schweizer Wallis und in Norditalien.

  • Aprilwetter

    Letzte Woche bei sehr warmem Wetter über die kurze Hose nachgedacht und nun ist Winterwetter. Morgens Minusgrade, über Nacht leichter Schneefall und heute hat es mich richtig erwischt. Im Weinberg bei der Bodenbearbeitung eisiger Wind und dann heftiges Schneetreiben, dass mich in einen Schneemann verwandelte. Zu Hause noch schnell den Kettenschlepper abgeladen und dem Geschehen vom trockenen aus zugeschaut.

    Die Rieslingreben sind noch nicht ausgetrieben. Die Knospen beginnen jetzt langsam zu „schieben“ und werden dick. Die Frostgefährdung nimmt zwar zu aber bei diesen wenigen Minusgraden passiert noch nichts.

    Noch eine frostige Nacht und dann soll es wärmer werden.

    Zum Nachlesen über Spätfrost und andere üble Bilder bitte hier entlang.

  • Frühlingsstart

    Der Frühling hat in den letzten Tagen so richtig Fahrt aufgenommen. Morgens noch bitterkalt im Weinberg und Nachmittags schon sommerliche Temperaturen. Viele Blüten sind in der Weinbergsbegrünung schon zu sehen. In Blau der Persische Ehrenpreis,die Purpurne Taubnessel oder die Traubenhyazinthen sind die Hingucker am Boden. In luftiger Höhe blühen natürlich unsere Weinbergpfirsiche. Etliche Bäume stehen bei uns in den Weinbergen und einige kommen erstmalig in den Ertrag. Wenn im Sommer zur rechten Zeit Regen fällt wird es sicherlich eine reichhaltige Ernte geben. Im letzten Jahr waren die Pfirsiche durch die Trockenheit recht mickrig geblieben mit wenig Aroma.

    Die Wasserversorgung der Böden mit Winterniederschlägen würde ich als ausreichend bezeichnen. Wir nehmen aber gerne noch weiteres Wasser, das vom Himmel fällt. Nach drei trockenen Jahren hätte ich gerne einen Sommer mit mehr Regen wie in den vergangenen Jahren.

  • Wolle mer’n eroilosse?

    Wolle mer’n eroilosse?“ („Wollen wir ihn hereinlassen?“). Bei der Kappensitzung im Karneval keine Frage. Darf immer rein.

    Jedoch ein striktes Nein meinerseits beim diesjährigen Moselhochwasser. Am vorletzten Wochenende hatte es nicht ganz gereicht, um in den Keller  zu kommen. Am Mittwoch hat sie dann den zweiten Anlauf genommen und es fast bis in den Keller geschafft. Den Moselpegel beobachtend war ich der Meinung, dass es sich für die paar Zentimeter nicht lohnt, das Hochwasser und den Dreck in den Keller zu lassen. Also eine Decke gesucht und den Weinkeller abgedichtet. Die Sache mit der Decke! Können Sie hier nachlesen.

    Letzte Nacht ein letztes Aufbäumen der Mosel. Jetzt ist sie am fallen. Morgen sind wir wieder über die Moselstraße erreichbar.

  • so sicher wie das Amen in der Kirche…

    Ergiebige Niederschläge, steigende Temperaturen mit der damit verbundenen Schneeschmelze auf den Höhen von Hunsrück, Eifel und Vogesen: Die Mixtur für ein Moselhochwasser, so sicher wie das Amen in der Kirche. Dass die Mosel ansteigt, war letzte Woche klar, wie hoch, nicht! Die letzten Tage war es ein Wechselspiel zwischen Regen, abtauendem Schnee und kühleren Temperaturen, die den Regen als Schnee fallen ließen. Die Prognosen des Hochwassermeldezentrum waren situationsbedingt ungenau. Bei normalen Niederschlägen kein Problem und relativ genau was den Hochwasserpegel betrifft.

    Vorsorglich wurden die ersten Vorbereitungen für die Flutung des Weinkellers gemacht. Der Höchststand des Moselhochwassers fiel geringer aus als erwartet. Es fehlten einige Zentimeter, der Weinkeller blieb  trocken und wir ersparten uns die Reinigung.

    Allerdings kommt noch jede Menge Wasser die Mosel runter. Die Moselstraße wird ihren Namen im wahrsten Sinne des Wortes gerecht und die nächsten Tage noch überflutet sein. Gut, dass wir einen Hintereingang haben 🙂

    Zu Nachlesen hier unsere bisherigen Berichte zum Thema Hochwasser.

  • Nebelspiele und Lichtmalerei

    So trist und grau wie der Winter ist, bietet er doch ab und zu etwas fürs Auge. In den letzten Tagen waren die Nebelspiele sehr reizvoll.  Morgens dichter Nebel der durch die einstrahlende Sonne eine ganz andere optische Dimension erfuhr.

    Kurzes Aufreißen der Nebelschwaden und unsere Kirche auf der anderen Moselseite war für einige Momente als Schattenriss zu sehen.

    Spannend wurde es, als der Nebel sich in der Dämmerung senkte. Strahlend blauer Himmel wurde sichtbar und eine scharfe Abgrenzung erfolgte. Anstatt ein Moseltal ein Nebeltal. 🙂