Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Dürre

  • Wetterwechsel?

    Endlich ist der Wetterwechsel da! Satte 10 Grad weniger als gestern zur gleichen Zeit. Zumindest bei den Temperaturen nähern wir uns wieder der Normalität. Heute Morgen gab es auch schon etwas Regen, weiterer ist gemeldet. Viel dürfte allerdings nicht zusammenkommen – vermutlich kaum mehr, als nötig ist, um den Staub auf der Straße zu binden.

     

     

    Für die Weinberge bedeutet die Abkühlung trotzdem eine gewisse Entspannung. Durch die niedrigeren Temperaturen wird die Verdunstung des ohnehin kaum noch vorhandenen Wassers deutlich verringert.

     

     

    Die Rieslingreben sehen teilweise sehr leidend aus. Wassermangel und die hohe Strahlungsbelastung haben vor allem auf der Sonnenseite der Rebzeilen zu Blattaufhellungen und Vergilbungen geführt. Je weniger Wasser der Rebe zur Verfügung steht, desto heller wird das Laub und desto stärker die Vergilbungen.

    Die sehr hohen Temperaturen und die enorme Strahlungsintensität der vergangenen Tage haben außerdem an einigen Trauben zu Sonnenbrandschäden geführt.

     

     

    Für die es gerne wissenschaftlicher haben möchten, ein Zitat von Dr. Edgar Müller (Weinbauberatung) zu diesem Thema:

     

     

    „Die trockene Luft „saugt“ regelrecht das Wasser aus der Pflanze. Diese schließt zwar die Spaltöffnungen um die stomatäre Verdunstung zu minimieren, aber die cutikuläre Verdunstung (auf Beeren jetzt ohnehin dominierend) geht weiter. Wir können nach der Hitzewelle… zwar von einer gewissen „Abhärtung“ im Sinne von dickerer Kutikula ausgehen, aber die wachsartige Substanz ändert bei extremen Temperaturen ihre Konsistenz und wird durchlässiger. Das Problem ist dann, dass die Saugspannung im Leitbahnsystem extreme Werte erreicht. Es kommt zu Kavitationseffekten und dem Abreißen von Wasserfäden. Damit kollabiert dann auch die Wasserkühlung und die Beerentemperaturen schießen nach oben. Es bilden sich Sauerstoffradikale, die zu einer Schädigung von Eiweißstrukturen beitragen. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass die Wasseraufnahme aus dem Boden aus dem Boden aus verständlichen Gründen erschwert ist und nur noch mit hoher Saugspannung erfolgen kann. Die UV-Strahlung spielt zusätzlich eine Rolle.“

    Seltsamerweise gibt es bei uns immer noch zwei Stellen in den Weinbergen, an denen am Mauerfuß noch Wasser aus dem Fels läuft.

    Auch die Auswirkungen der Waldbrände im Hürtgenwald und im Hohen Venn sind seit einigen Tagen bei uns deutlich zu spüren. Teilweise lag starker Brandgeruch über dem Moseltal, dazu Qualm und eine merkliche Trübung der Luft. Und das, obwohl die Brandherde rund 90 Kilometer Luftlinie von uns entfernt sind.

    Bild: Archiv

    Während die Mosel aufgrund der Staustufen noch gut gefüllt ist und sich mittlerweile als quasi stehendes Gewässer durch Blaualgen grünlich verfärbt hat,

    sieht der Rhein zurzeit ziemlich mickrig aus. Das Bacharacher Werth, eine Insel im Rhein, ist mittlerweile sogar zu Fuß erreichbar. Auf der Insel wird übrigens auch Weinbau betrieben – die dortigen Weinberge liegen normalerweise mitten im Rhein und sind nur mit dem Boot zu erreichen.

     

     

    Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist aufgrund des niedrigen Wasserstands inzwischen eingestellt. In der Mosel wäre zwar noch genügend Wasser für die Schifffahrt vorhanden, doch vom Rhein her gibt es kein Durchkommen mehr zur Mosel. Damit ist auch der Schiffsverkehr auf der Mosel weitgehend zum Erliegen gekommen. Unterwegs sind lediglich noch die kleinen Ausflugsdampfer und die Hotelschiffe, die bereits auf der Mosel „gefangen“ sind und nicht mehr in den Rhein fahren können.

  • Zum dritten Mal

    Zum dritten Mal in diesem Jahr erleben wir eine Hitzewelle mit Temperaturen von über 30 °C. Die Auswirkungen auf die Weinberge werden immer deutlicher. Der bislang im Juli gefallene Regen ist nahezu wirkungslos verdunstet, und die Weinbergsbegrünungen sind weiterhin vollständig vertrocknet.

    Die extreme Verdunstung bei dieser Hitze und der kräftigen Luftbewegung ist enorm. In manchen Weinbergen gelingt es den Wurzeln der Rebstöcke nicht mehr, ausreichend Wasser aus dem Boden zu den Blättern zu transportieren. Erste Welkeerscheinungen werden sichtbar.

    Das Wachstum der Reben ist inzwischen größtenteils zum Stillstand gekommen. Gerade aufgerichtete Triebspitzen zeigen den Wachstumsstopp an. An einigen Reben sind die Triebspitzen bereits vertrocknet – Trockenstress in seiner deutlichsten Form.

    Die Folgen zeigen sich auch an den Trauben von Rebstöcken, die schon länger unter Wassermangel leiden. Die Trauben bleiben kleinbeerig, die unteren Blätter sind bereits abgefallen und die Beeren verfärben sich leicht grünlich-blau. Dies sind Anzeichen dafür, dass die Rebe vermehrt Bitterstoffe in die Beeren einlagert. Damit schützt sie ihre Nachkommen – die Beerenkerne – vor den Folgen der Trockenheit und sichert so ihr Überleben. Für den Winzer sind das keine guten Aussichten. Dünne, Aromalose und bittere Weine sind die Folge. Bei der Weinlese werden wir deshalb besonders sorgfältig sortieren und verwerfen müssen.

    Zum Vergleich die Trauben bei noch einigermaßen versorgten Rebstöcken.

    Foto: Azienda Agricola Fiorana

     

    Ein lang anhaltender Landregen wird gesucht. Und bitte in flüssiger Form! Die ersten Hagelunwetter, z.B. in Würtemberg und der Pfalz haben schon etliche Weinberge geschädigt, bzw. zu Totalschäden geführt. Auch in Italien, in der Region um Ascoli Piceno in den Marken, gingen riesige Hagelkörner nieder, die Weinberge und Olivenhaine massiv beschädigten.

     

    Für die Statistik: Im Juni hatten wir 43 Liter Regen, demgegenüber 127 Liter Verdunstung. Im Juli 26 Liter und 129 Liter Verdunstung. Die fehlenden 187 Liter müssten im Idealfall aus den Bodenwasservorräten stammen – doch diese sind inzwischen weitgehend aufgebraucht. Wer sich unsere Wetterstation und die statistischen Werte einmal näher anschauen will, bitte hier klicken.

  • Trockenheit

    Die Bodenwasservorräte sind knapp – sehr knapp. Es wird höchste Zeit, dass es regnet. Die zunehmende Trockenheit entwickelt sich durch den Klimawandel immer mehr zu einer großen Herausforderung im Weinbau. Die Begrünungen sind nahezu vollständig vertrocknet. Nur die Reben selbst präsentieren sich größtenteils noch in einem erstaunlich satten Grün.

     

    In den meisten Weinbergen sind die Triebspitzen der Rieslingreben noch leicht gebogen – ein Zeichen dafür, dass die Reben trotz der widrigen Bedingungen vital sind und weiter wachsen wollen. Allerdings ist dieses Wachstum nur noch sehr gering. Die Dürre ist inzwischen ausgeprägt.

     

    Die Weinrebe gilt traditionell als eine Kulturpflanze, die Trockenheit vergleichsweise gut verträgt. Diese Fähigkeit verdankt sie ihrem tief reichenden und weit verzweigten Wurzelsystem, mit dem sie Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen kann. Hinzu kommt, dass ihr Wasserbedarf im Vergleich zu vielen anderen Kulturpflanzen vergleichsweise gering ist.

    Doch auch die Widerstandskraft der Rebe hat ihre Grenzen. Vor allem bei jüngeren Reben oder an Standorten mit flach anstehendem Fels treten zunehmend Blattvergilbungen auf. Dort setzen Wassermangel, Extremhitze und intensive Sonneneinstrahlung den Rieslingreben erheblich zu. Erste Blattvergilbungen sind zu sehen.

     

    Um die geschwächten Pflanzen zu entlasten, schneiden wir in solchen Anlagen die Fruchtruten mitsamt den Trauben ab. Das schmerzt die Seele eines Winzers. Doch bevor die Reben dauerhaften Schaden nehmen, ist dieser Schritt die verantwortungsvollste Entscheidung.

    Hinzu gesellen sich noch phytotoxische Reaktionen an ebendiesen Reben, die durch unsere Pflanzenstärkungsmittel hervorgerufen wurden. Bei den außergewöhnlich hohen Temperaturen von bis zu 40 Grad waren solche Reaktionen leider kaum zu vermeiden.

     

    Bislang ist die jetzige Trockenheit für uns noch nicht wirklich besorgniserregend. 2022 war es deutlich dramatischer. Ein Blick auf die langfristige Wettervorhersage stimmt jedoch wenig optimistisch: Regen oder nennenswerter Niederschlag sind derzeit nicht in Sicht.

     

    An diese Möglichkeit hatte ich ebenfalls schon gedacht. Vor einigen Jahren hat sie bereits einmal funktioniert. Ich werde Kontakt zu Hanneke aufnehmen…