Nachdem ich einige entspannte Tage in Südtirol verbracht, mir dort die Weinberge angesehen, viele Weine probiert und einige Kollegen besucht hatte, wurde es langsam Zeit für die Rückkehr an die Mosel. Der Plan war, dort einige Tage bei der Ernte zu helfen. Aber so einfach ist das in Italien offenbar nicht. Bei einer solchen Tätigkeit soll es vorher ziemlich bürokratisch zugehen und das hat dieses Jahr etwas abgeschreckt. Aber das ist eine andere Geschichte …
In Südtirol hatte die Weinernte bereits in der letzten Augustwoche begonnen – so früh wie noch nie. Auch bei uns an der Mosel rückt die Weinlese inzwischen immer schneller näher. Die Klimaänderung mit ihren deutlich höheren Temperaturen verschiebt den Erntebeginn Jahr für Jahr weiter in Richtung Sommer.
Dort gab es zwei verregnete Urlaubstage – und an der Mosel war es nicht anders. Genug, dass der Trockenstress etwas abgemildert wurde, aber nicht so viel, dass bereits frühzeitig Fäulnis einsetzt.
Die völlig vertrockneten Begrünungen in den Weinbergen wurden innerhalb weniger Tage wieder grün.
Für die nächsten Tage sind freundliche Temperaturen angesagt – also nicht zu heiß und nicht zu kalt. Genau das, was wir jetzt brauchen. Besonders wichtig ist für uns allerdings, dass es weitestgehend trocken bleibt. Die Rieslingtrauben befinden sich in der Reifephase und reagieren jetzt zunehmend empfindlich auf Feuchtigkeit, bzw. größere Regenmengen. Kommt in dieser Phase zu viel Regen, kann sich schnell massive Fäulnis entwickeln.
Gegenwärtig sieht es ziemlich gut aus: Die Reben haben wieder etwas Wasser, die Trauben entwickeln sich weiter und wenn das Wetter mitspielt, könnte die Ernte unter guten Bedingungen bei guter Qualität starten. Erntebeginn beim Riesling ist der 18. September! So früh wie noch nie!

Die Vorbereitungen im Weingut sind inzwischen fast vollständig abgeschlossen. Lediglich die Holzfässer müssen kommende Woche noch für die neue Ernte vorbereitet werden.
Damit das Kellermeister-Geheimwissen – sprich mein über viele Jahre angesammelter Erfahrungsschatz – nicht einfach mit mir in den Ruhestand verschwindet, ist bei diesen Arbeiten immer einer meiner Nachfolger mit dabei. So kann ich mein Wissen weitergeben und gleichzeitig dafür sorgen, dass auch die kleinen Tricks und Kniffe, die in keinem Lehrbuch stehen, erhalten bleiben.
Besonders viel Spaß gemacht hat die Arbeit mit Leon (ganz unten auf der verlinkten Seite). Rasend schnell, teamfähig und äußerst wissbegierig. Als studierter Önologe bringt er zudem eine große Menge an Fachkompetenz mit. Da merkt man schnell: Das Wissen muss nicht nur in eine Richtung fließen.

Die Wünsche meiner Nachfolger hinsichtlich des zukünftigen Weinsortiments und deren Umsetzung im Weinberg und im Weinkeller werden bis ins Detail mit Leon diskutiert und sollen anschließend umgesetzt werden. Die Sortimentsstruktur hatte sich bereits mit der letzten Ernte verändert. Das trockene Weinsortiment wurde um einen feinherben und einen milden Riesling ergänzt, dazu kam noch ein Secco.
In diesem Jahr wird ein Spätburgunder-Rosé das Weinsortiment abrunden. Vorgestern wurden die sehr gesunden Trauben aus dem neuen Spätburgunder-Weinberg geerntet.
Nun bin ich natürlich gespannt, ob ich als alter Rieslingwinzer auch einen vernünftigen Rosé vinifizieren kann. Ein bisschen Neuland, das mit der rosa Farbe, aber eines ist klar: Auch beim Rosé gilt die Grundvoraussetzung höchster Qualität – schließlich waren meine Kunden aus der Vergangenheit nichts anderes gewohnt.






Zum dritten Mal in diesem Jahr erleben wir eine Hitzewelle mit Temperaturen von über 30 °C. Die Auswirkungen auf die Weinberge werden immer deutlicher. Der bislang im Juli gefallene Regen ist nahezu wirkungslos verdunstet, und die Weinbergsbegrünungen sind weiterhin vollständig vertrocknet.





Beispielhaft für meinen Standort Reil die Temperaturkurve von 1980. Wichtig: Dargestellt sind die Tageshöchsttemperaturen!
So, nun im Schnelldurchgang in Kürze die aktuellen Entwicklungen im Weinberg und in der Natur, damit dieser Weinblog nach dem Domainwechsel wieder an Fahrt gewinnt.
Der Mitte Mai einsetzende Regen füllte die Bodenwasservorräte wieder gut auf, und erste Sorgen wegen möglicher Trockenheit waren schnell verflogen.





Bild: Archiv





Der Wettergott war uns zumindest während der Weinernte günstig gesonnen. Es gab nur einen Tag mit Regenpause. Aber nach diesem direkt ein Hochwässerchen. Erste Hochwasserprognosen führte bei mir zu Unbehagen – der Weinkeller wäre abgesoffen – aber der Höchststand blieb doch etwas niedriger.