Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Klimawandel

  • ungebremst

    Ausreichende Wasservorräte im Boden und hohe Temperaturen lassen die Rieslingreben ungebremst wachsen. Binnen kürzester Zeit mussten die Rebtriebe in den Drahtrahmen eingeschlauft werden. Dank zweier Aushilfen konnten wir diese Arbeit in den beiden vergangenen Wochen zeitnah erledigen.

    Ebenfalls ungebremst erhalten wir laufend Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes. Bisher sind wir verschont geblieben. Die gestrigen Gewitter entluden sich in der Eifel und lösten Kathastrophenalarm aus. Mehr als 900 Rettungskräfte kämpften gegen überflutete Straßen und vollgelaufene Keller. Aus kleinen Bächen wurden reißende Flüsse, wie in diesem Video zu sehen ist.

  • Das Reiler Goldlayschwein hat wieder zugeschlagen

    Die Wühlschäden werden immer mehr und die Wildschweine sind mittlerweile eine Landplage. In einem Weinberg gehen mittlerweile zwei Wildwechsel durch, ein Jahr vorher war es nur einer. Das Vorhandensein eines mobilen Jägerhochsitzes bei einem unserer Weinberge im letzten Herbst war für die Schweine abschreckend und der Anlass, dort keine Trauben zu naschen und keine Wühlschäden zu verursachen. Ich berichtete hier.

    Statt dessen großflächige Wühlarbeiten in einem entfernteren Rieslingweinberg. Das Mähgerät wird sich freuen, wenn die Mulchmesser mit dem Boden in Kontakt kommen und der Verschleiß zunimmt. Ich denke, dass ich beim Jäger mal wieder ein Reiler Goldlayschwein bestellen muss, denn diese Spezies habe ich lieber im Backofen als im Weinberg.

    Ich lasse mich überraschen, was die Zukunft bringt. Die Wildschweinpopulation ist seit Jahren am steigen. Veränderungen in der Landwirtschaft mit erhöhtem Maisanbau oder die Verbuschung nicht mehr genutzter Land- bzw. Weinbaufläche, die mehr Rückzugsräume für die Tiere schafft, ein erhöhtes Nahrungsangebot und auch die Klimaänderung sind neben weiteren Faktoren dafür verantwortlich.

  • Reben schneiden

     Wir sind fleissig am Reben schneiden. Diese Woche kam auch endlich der Winter mit kalten Temperaturen und ein wenig Schnee. Was uns am meisten erfreute, war die Sonne, die sich endlich am Himmel zeigte. Schon beim Rebschnitt sieht man die Klimaänderung. Immer mehr Rebstöcke sind mit der Viruskrankheit Esca oder der Schwarzholzkrankheit befallen. Klimaerwärmung und Klimastreß, insbesondere die beiden letzten Jahre mit ihrer extremen Witterung (Trockenheits- und Nässephasen), fördern diese Schaderreger.

    Als  alleinige Maßnahme bleibt nur der Weg, die Rebe bis auf einen kleinen Stammrest zurück zu schneiden. Sozusagen das von Schaderregern befallene Rebholz komplett zu entfernen. Aus den im kommenden Frühjahr sich neu bildenden Trieben kann der Rebstock dann wieder aufgebaut werden. Leider gibt es ein Jahr keine Ernte von diesen Rebstöcken und es sind viele Reben, die stark zurück geschnitten werden.

  • Weinernte 2017: luftig bekleidet

    2017-09-28 Weinernte oben ohne

    Meine erste Rieslingernte, bei der die Helfer in den letzten Tagen so luftig bekleidet die Rieslingtrauben ernteten. Mir ist das Langeunterhosenwetter mit Pudelmütze und festgefrorenen Erntekisten fürs arbeiten, für das Rieslingaroma und die Traubengesundheit lieber. 2017-09-30 Reife Rieslingtraube Moselriesling

    Die ersten Weinberge sind schon selektiv geerntet. Der Fäulnisbefall, über den ich hier schrieb, war größtenteils sauber eingetrocknet, leider musste auch einiges verworfen werden.

    Noch einige Tage selektive Lese, dann hängen nur noch gesunde Trauben in unseren Weinbergen, die weiter den gemeldeten Sonnenschein bei kühlen Temperaturen genießen dürften.

    Die Qualität ist bisher sehr gut, die Menge zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzbar.

  • Klimaturbulenzen

    2017-08-28 Daniel Molitor Sonnenbrand Riesling

    Foto: Daniel Molitor

    Schon vor einiger Zeit berichtete ich über beginnende Fäulnis beim Riesling. Mittlerweile hat sich noch  Sonnenbrand dazugesellt.

    Durch die schwächere Wüchsigkeit unserer Rieslingreben im Steilhang und unsere Kulturmaßnahmen, die dagegen helfen, ist der Befall mit Fäulnis und Sonnenbrand noch sehr klein.

    Bei wüchsigen Weinbergen auf fruchtbaren Böden in der Ebene sieht die Situation ganz anders aus. Dort wird schon von der Agrarberatung gewarnt, dass evtl. eine Noternte stattfinden muss. Auch wir werden Vorbereitungen für eine schnelle Weinernte treffen, hoffen aber, das diese nicht notwendig sein wird.

    Ein Hagelsturm vor einer Woche in Rheinhessen hat dort etliche Rebflächen verwüstet und die Trauben dermaßen geschädigt, dass eine umgehende Noternte notwenig ist, bzw. schon teilweise durchgeführt wurde.

    Im Bordeaux, Frankreich, vernichtete ein Hagelsturm ebenfalls große Weinbergsareale.2017-08-24 vertrocknete Rebe Marken, Italien

    Ganz anders die Situation im südlicheren Italien. Massive Trockenschäden an den Reben sind schon von Weitem erkennbar. Im Extremfall sind sogar die Reben verdorrt.

    2017-08-28 Armin Kobler SüdtirolAnders die Situation in Südtirol, Norditalien. Mein Kollege Armin Kobler berichtete mir bei einem Gläschen Wein. Wie bei uns an der Mosel übermäßige Niederschläge im Juli und August, die zu einen stärkeren Befall der Blätter mit der Peronospora geführt hatten. Die Trauben, da lockerbeeriger wie unser Riesling, noch sehr gesund, aber vor zwei Wochen leider auch Hagel…

    Die diesjährigen Klimaturbulenzen haben es in sich. Europaweite Spätfröste, extreme Trockenheit, gebietsweise hohe Niederschläge ab der zweiten Jahreshälfte und nun diese Hagelunwetter. Erste europaweite Ernteschätzungen  gehen von erheblichen Mindererträgen im Weinbau aus.

    Das Klima ändert sich und extreme Wetterlagen nehmen zu. Leider gibt es immer noch einige Klimawandel-Skeptiker, die sich trotz der Wetterereignisse – nicht nur in Europa – nicht davon überzeugen lassen, dass der Klimawandel real ist.

    Nachtrag 31.08.2017

    Zum vertiefen in die Materie der Klimaänderung im Weinbau, empfehle ich folgenden Artikel (in Englisch):

    In Italy’s Drought-Hit Vineyards, the Harvest of a Changing Climate

  • Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

    2017-08-08 gequetschte Rieslingbeeren, am faulen

    Vor einigen Wochen habe ich noch gejubelt, dass die sehr gut verlaufene Rebblüte einen gewissen Ausgleich für die im April entstandenen Frost- und Fraßschäden bringen könnte. Ebenfalls jubelte ich, als vor einem Monat endlich die sehnlichst erwarteten Niederschläge fielen, die die latente Trockenheit des ersten Halbjahres beendeten.

    Mittlerweile werde ich zum Bedenkenträger. Die sehr gute Blüte mit der mittlerweile mehr als ausreichenden Wasserversorgung – gegenüber dem langjährigen Mittel fielen im Juli ca. 60% mehr Niederschläge –  hat zu sehr kompakten Rieslingtrauben geführt. Dort findet man immer wieder Beeren, die sich gegenseitig kaputt gedrückt haben und am faulen sind. Es ist noch ein kleines, ein sehr kleines Problem in unseren Weinbergen. Bei trockenem Wetter schrumpfen diese Beeren ein, ohne die gesunden Nachbarbeeren zu infizieren.

    Also hoffen wir jetzt auf trockenes Wetter…

  • Übelst, weitere Bilder

    Einige Stunden nach dem Spätfrost von heute morgen, sieht man die Schäden an den Rebtrieben. Die schon länger gewachsenen Reben haben Totalschaden.Die, die noch nicht soweit waren, haben nur leichte Frostschäden. Die äußeren Blätter sehen etwas „abgebrannt“ aus. Eine Schadenshöhe kann ich noch nicht beziffern.

    Danke an Alex Arns für die Bilder.

  • Das Weinjahr 2017 beginnt spannend: Peribatodes rhomboidaria

     2017-04-05 Rhombenspanner AugenfraßDas Weinjahr 2017 beginnt spannend: Peribatodes rhomboidaria, auch Rhombenspanner genannt, ist massiv in den Weinbergen unterwegs und frisst uns die Rebknospen aus. Ich berichtete hier schon einmal über die Schäden, die diese Raupe verursacht. 2017-04-05 Rhombenspanner beim Abseilen

    Vielleicht doch nicht so schlecht, dass wir zur Zeit immer noch die Fruchtruten im Drahtrahmen befestigen. Als Reaktion auf die Erschütterungen seilen sich die Raupen an einem Seidenfaden ab und sind dadurch leichter zu erkennen. Sie werden dann per Hand abgesammelt eliminiert.2017-04-05 RieslingKnospeWenn die Triebe größer werden, kann die Raupe keine Fraßschäden mehr verursachen. Wir Winzer sagen dann, dass der Trieb dem Rhombenspanner aus dem Maul wächst. Noch einige warme Tage wären nötig.

    Wir sind mit dem Rebwachstum mindestens zwei Wochen vor der Zeit. Warme Tage als Wunsch gegen die Knospenschäden, auf der anderen Seite Muffensausen wegen eventueller Spätfröste, die noch kommen können. Wetterkapriolen, die in den letzten Jahren verstärkt auftraten. Wir hatten bisher meistens Glück, aber ob das von ewiger Dauer ist…

  • Weinernte 2016: sechsmal Riesling

    2016-10-20-trauben

    Sechsmal Riesling, 2016er:

    Traube 1:

    Befall mit falschem Mehltau (Peronospora) nach der Rebblüte. Ernten wir natürlich nicht.

    Traube 2:

    Durch Hitze und hohe UV Strahlung Ende August geschädigte Beeren (Sonnenbrand), die vertrocknet oder eingeschrumpelt sind. Wird ebenso wie Traube 1 auf den Boden geworfen. Sind bei uns Gott sei Dank sehr wenige.

    Traube 3:

    Genau zum falschen Zeitpunkt verblüht. Sehr wenig Fruchtansatz durch Regen bzw. kühles Blütewetter.

    Traube 4:

    Lockerbeerige und reife Rieslingtraube, bei der nicht alle Blüten bestäubt wurden. Sieht man an der Gelbfärbung. Der Idealzustand! Gibt es in zwei Varianten.

    • Variante 1 mit viel Aroma, aber weniger Zuckereinlagerung, da die Weinberge bzw. einzelne Rebstöcke unter Wasserstress gestanden haben. Ich berichtete hier.
    • Variante 2 mit mehr Aroma und im Gegensatz zu Variante 1 mit höherer Zuckereinlagerung (Oechsle) von Weinbergen, bzw. Reben, die besser mit Wasser versorgt waren (wasserhaltigere Böden, tiefere Wurzeln)

    Von der Optik fast nicht zu unterscheiden.

    Traube 5:

    Sehr gut verblühte Rieslingtraube, die extrem kompakt ist und leicht zur Fäulniss neigt. In diesem Jahr trotzdem komplett gesund. Optisch zeigt die grüne Beerenfarbe Unreife, aber beim probieren ist das Aroma viel besser wie die Farbe signalisiert. Aber nicht immer…

    Traube 6:

    Die gleiche Aussage wie bei Traube 5, nur die der Sonne zugewandten Seite. Die Rückseite ist ebenfalls grün, Unreife signalisierend. Die Sonnenseite ist gelblich, also Reife signalisierend. Geschmacklich sind beide Seiten gleich.

    Die beiden letzten Traubenvarianten wurden in einem selektivem Erntevorgang in etlichen Weinbergen separat geerntet.

    Extrem unterschiedlich präsentieren sich die Rieslingtrauben in diesem Jahr. Unterschiedlich „reife“ Trauben an einem Rebstock, ja sogar innerhalb einer Traube. Der Klimawandel lässt grüßen.

  • arg gebeutelt

    2016-09-01 UV SchädenSchon wieder werden wir Winzer vom Wetter arg gebeutelt. Die heißen Temperaturen der vergangenen Tage, in Verbindung mit einer sehr hohen UV Strahlenintensität, haben vor allem an Standorten mit Wasserstress zu massiven Sonnenbrandschäden geführt.

    Je nach Wasserversorgung zeigen die Reben auf der Sonne zugewandten Seite der Rebreihe bisweilen massive Vergilbungen der Blätter – im Bild eine extremst betroffene junge Rebanlage eines Kollegen -.2016-09-01 SonnenbrandZusätzlich zeigt sich Sonnenbrand an einzelnen Beeren in Form eines runden Flecks mit verbrannter Haut. Einige Beeren sind sogar komplett am Eintrocknen. Etliche Beeren und Traubenteile welken ohne ersichtlichen Sonnenbrandbefall und sind für uns verloren.

    Sehr hohe Temperaturen + extrem klare Strahlung + niedrige Luftfeuchtigkeit sind eine tödliche Kombination für die Trauben, die in den letzten sechs Wochen sich nicht an solche extremen Witterungsbedingungen gewöhnen konnten, wenn der Winzer nicht mit kulturtechnischen Maßnahmen gegengesteuert hat.

    Da wir kurz nach der Rebblüte die Traubenzone entblättern – für uns eine sehr wichtige kulturtechnische Maßnahme -, wird die junge Beerenhaut durch das Licht abgehärtet und sie ist besser gegen diese Wetterunbilden geschützt. Leider nicht gänzlich.

    Wir müssen die Mengenerwartungen nochmals nach unten korrigieren. Qualitativ ist immer noch alles möglich!