Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Riesling

  • Weinernte 2020: vorläufiges Resümee

    Ein vorläufiges Resümee zur Weinernte 2020, während im Moseltal trotz tristem, regnerischen Wetter so etwas wie ein Goldener Oktober stattfindet.

    Es fängt nicht mit der Ernte an und hört auch nicht damit auf. Die Ernte ist eigentlich nur das Ergebnis der Arbeit des Winzers im vergangenen Jahr und der Witterung.

    Sehr früh, schon Mitte April, ergrünten die Rieslingweinberge. Nach einer ausgeprägten Frühjahrstrockenheit ließen im letzten Moment ausgiebige Niederschläge die Reben gut wachsen. Haarscharf entgingen wir Spätfrostschäden Mitte Mai. Wie in den letzten beiden Jahren machte uns die Trockenheit zunehmend Sorgen. Im letzten Moment kam jedoch immer wieder Regen, der uns über die Runden half, jedoch die chronische Trockenheit nicht beendete. Die eher kühlen, typisch deutschen Sommertemperaturen erleichterten uns die Arbeit im Weinberg. Die Rebblüte verlief sehr gut und es war schon früh abzusehen, dass wir viele Trauben ernten würden.

    Eine erste Hitzewelle Anfang August führte zu Sonnenbrandschäden an den Trauben. Die beschädigten Beeren trockneten ein und beeinflussten so die Weinqualität nicht. Ein Hagelunwetter Mitte August verschonte unsere Weinberge knapp, brachte aber reichlich Regen.

    Eine zweite Hitzewelle Mitte September führte wieder zu Sonnenbrandschäden an den Trauben, die unvollständig eintrockneten und bei der Ernte selektiv entfernt werden mussten.

    Ausgiebige Niederschläge in der ersten Erntewoche ließen uns schlimmes befürchten. Jedoch setzte aufgrund der niedrigen Temperaturen nur unwesentliche Fäulnis ein, die aussortiert wurde.

    Eine Herausforderung war die überaus große Erntemannschaft. Angefangen von der zu organisierenden Wetterschutzbekleidung, die Umsetzung der Coronaverhaltensregeln bis hin zu Verpflegung. Da aber alles Hand in Hand ging, die Helfer motiviert und teamfähig waren, wurde dies alles sehr gut bewerkstelligt.

    Der schon länger geplante Erntetermin am 05. Oktober erwies sich als genau passend. Die Traubenreife war durch das Zuwarten genau passend, der Beereninhalt verflüssigt und gut auspressbar. Sie waren reif, hocharomatisch und sehr gesund. Neben den guten Qualitäten sind die Erntemengen ausreichend.

    Die ersten vergorenen Weine probieren sich vielversprechend.

  • Weinernte 2020: Eingetütet

    Nachdem der Kampf um den letzten Rebstock, bedingt durch die Corona Abstandregelungen, etwas weniger heftig wie in den Vorjahren ausfiel, ist die  Weinernte  beendet worden.

    Wie jedes Jahr ein dickes Lob und ein Dankeschön an unsere Erntemannschaft, die wie immer ihr bestes beim Ernten gab. Rasant schnell, einsame Spitze im Selektieren und immer gut drauf: Ex Azubi Ken, Ruth, Freddy, Chefin Marita, Azubine Selina, Sandra, Mätthi, Felix, Maria, Vani (hinten v.l.n.re im Bild), Dexter, Vali und Thimothy (vorne v.l.n.re) sowie die heute nicht dabei gewesenen Alice, Sophie, Christian, Peter, Charly, die beiden Maries, Moritz, Sebi, Soffel, Marlene, Linda, Jonas, Fabi, Lukas, Hennes, Willem, Uli, Judith, Andrea, Stefan, Andre, Alex, Tom, Margit, Theresa, Niels, Adrian, Ülo und Lisa.

  • Weinernte 2020: Unzählige Erntehelfer

    Unzählige Erntehelfer kamen gestern, um mit uns Riesling in der Reiler Goldlay zu ernten. Zu unserer Stammmannschaft gesellten sich noch viele Freunde als Verstärkung. Tage vorher war die Logistik besprochen worden, da wir nicht auf solch große Traubenmengen eingerichtet sind. Perfekt klappte dann jedoch der Abtransport der Trauben ins Weingut und das Auspressen dieser.

    Auch die Versorgung der über 25 Helfer (Ich habe nicht genau gezählt…) war eine Herausforderung, aber der abendliche Umtrunk war dann kein Problem mehr.  Gläser, Korkenzieher und Wein sind in einem Weingut genügend vorhanden. 🙂

    Bestes Sonnenwetter und schöne Rieslingtrauben versüßten diesen Großkampftag. Morgen geht es in der Reiler Goldlay weiter. Evtl. wird in einen Weinberg noch selektiv geerntet.

    Bislang eine entspannte Weinlese und wir freuen uns auf das gemeldete ruhige, kühle und trockene Herbstwetter. Wir hoffen auf einen weiteren Qualitätsschub.

  • Weinernte 2020: Es passt!

    Seit Montag ernten wir Riesling. Es passt! Der Saft für unseren Rieslingsekt liegt im Weinkeller und dürfte in den nächsten Tagen anfangen zu gären. Die analytischen Eckdaten sind gut. Wir haben mit der selektiven Ernte angefangen, bei der schadhafte Trauben geerntet werden. Dabei werden die nicht verwendbaren Teile mit Sonnenbrand und Fäulnis verworfen.

    Unsere Erntemannschaft zeigt sich trotz zwischenzeitlichen Regens überaus motiviert!

    Es läuft! Jede Menge helfende Hände, der Winzer ist ausgelastet und hat soviel zu tun, das fast keine Zeit ist, hier in den Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß zu berichten. Später mehr, wenn es etwas ruhiger wird…

  • Weinernte 2020: Traubenreife

    Der angesetzte Erntebeginn in zwei Tagen scheint sich zu lohnen. Während vor 10 Tagen der Traubeninhalt noch sehr markig und die Traubenkerne noch grün waren,

    verflüssigt sich das Mark mittlerweile durch traubeneigene Enzyme und die Kerne sind braun verfärbt. Zeichen für die sogenannte „physiologische Reife“ oder Geschmacksreife. Mehr Aroma und eine höhere Pressausbeute beim Keltern sind die Folge. Zu diesem Thema können Sie bei meinen Kollegen Bernhard Fiedler mehr nachlesen.

    Die Rieslingtrauben sind bis auf wenige Sonnenbrandschäden in bester Verfassung. Große und dennoch lockerbeerige Trauben, die den einen oder anderen Regenguss unbeschadet überstehen können.

    Die Ertragserwartungen sind in diesem Jahr sehr gut und wir hoffen, dass viele Fässer im Weinkeller gefüllt werden.

  • Weinernte 2020: Ein Fingerzeig von oben

    Ein Lichtstrahl, der durch das Lüftungsloch in den Weinkeller scheint und  durch den Wasserdunst vom Reinigen aufleuchtet.

    Ein Fingerzeig von oben? Bislang alles richtig gemacht? Stimmen unsere Planungen für den Erntebeginn?

    Während einige Kollegen schon Riesling ernten, steht bei uns immer noch als Erntebeginn der 05. Oktober.

    Die Bedingungen an der Mosel sind recht unterschiedlich. Während wir im August in Reil 80 Liter Regen hatten, gab es zwei Kilometer weiter bei der Wetterstation Briedel 120 Liter. Jedoch einiges in fester Form als Hagel und mit entsprechenden Schäden an den Trauben. Andere Orte an der Mosel hatten seit Mitte Juli keinerlei oder weniger Regen und die Reben sehen entsprechend vertrocknet aus.

    Groß sind auch die Reifeunterschiede. Die Reifemesswerte der Agrarberatung, ich berichtete hier, die sonst sehr verlässlich und interpretierbar sind, kann ich dieses Jahr nur eingeschränkt nutzen.

    In den letzten Tagen haben wir eigene Reifemessungen durchgeführt. Die Analytik, insbesondere der Zuckergehalt passt für unsere leichten Weine und insbesondere für den Sekt, der auch nicht zu alkoholisch werden darf.

    Noch nicht ganz braun gefärbte Traubenkerne und ein markiger Traubeninhalt sind Zeichen einer nicht vollständigen Reife. Unsere Rieslingtrauben dürfen noch einige Tage reifen.

    Mittlerweile sind die Temperaturen kräftig gesunken. Das sogenannte Langeunterhosenwetter, dass für den letzten Schliff der Rieslingqualität förderlich ist.

    Zeitgleich mit dem kühlen Wetter setzte Regen ein, der dringend gebraucht wird. Weitere Niederschläge sollen diese Woche noch fallen. Ich gehe davon aus, das diese den Trauben nicht schaden und keine Fäulnis einsetzt.

  • Weinernte 2020: Montag, den 05. Oktober um 8.30 Uhr

    Am Montag, den 05. Oktober um  8.30 Uhr fangen wir mit der Ernte des Rieslings an. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung und unterstützt durch den kellerwirtschaftlichen Informationsservice  unserer Agrarberatung in Rheinland-Pfalz kann ich dieses Datum als Erntebeginn festlegen.

    Der Vegetationsverlauf mit Blütebeginn, Wachstumsverlauf, Niederschlägen, Temperatur und andere Faktoren geben erste Hinweise auf den Erntebeginn. Unsere Agrarberatung analysiert wöchentlich einige Parameter aus denen wir weitere Erkenntnisse zur Festlegung des Beginns der Weinlese bekommen.

    Es wird so langsam Zeit, das wir mit den Herbstvorbereitungen beginnen. Erntehelfer sind reichlich vorhanden und über den ungefähren Einsatztermin schon seit längerem Informiert. Seit gestern auf den Tag genau mit Uhrzeit.

    Der Weinkeller und die Maschinen werden in den nächsten Wochen gereinigt und auf Funktionsfähigkeit überprüft.

    Etwas Zeitreserve ist eingeplant. Sollten die Witterungsverhältnisse für unseren Riesling ungünstig werden und vorzeitige Fäulnis droht, können wir durchaus einige Tage früher anfangen.

  • spuren

    Der gestrige Tag mit Temperaturen über 35 Grad hat erwartungsgemäß seine spuren im Weinberg hinterlassen. Wenige Rieslingtrauben haben Symptome von Sonnenbrand, einem Hitzeschaden. Er zeigt sich an einzelnen Beeren in Form eines runden Flecks mit verbrannter Haut. Einige Beeren sind sogar komplett am Eintrocknen.

    Die Kühlung der Beerenoberfläche durch Verdunstung ist bei den hohen Temperaturen zusammen gebrochen. Die Beerentemperatur wurde zu hoch, sie sind regelrecht verkocht und trocknen ein.

    Es sind nur wenige Trauben betroffen. Von einem Schaden wie im letzten Jahr kann man nicht sprechen und in den nächsten Tagen werden die Temperaturen sinken.

    Die Ausgangslage im Weinberg ist übrigens bestens. Die Rebstöcke hängen recht voll und wenn die eine oder andere Rieslingtraube durch Sonnenbrand ausfällt, bleibt für den Winzer immer noch sehr viel übrig.  🙂

  • Tourguide

    Auf Anfrage einer Gruppe Weinliebhaber, die zudem auch die Mosellandschaft erleben wollten, spielte ich für einen Tag den Tourguide. Natürlich zeigte ich die Mosel von ihrer Schokoladenseite. Dazu zählt natürlich der Calmont Klettersteig bei Bremm.

    Ein einzigartiger Weg mitten durch den steilsten Weinberg Europas.

    Etliche Abschnitte sind hoch über der Mosel nur mithilfe von Stahlseilen, Trittstiften oder mittels Leitern zu überwinden.

    Unterwegs Haltepunkte mit Bänken und sogar kleinen Tischen, an denen man rasten und ausruhen kann. Pause für ein kleines Vesper oder vielleicht ein Gläschen Riesling, der in diesem Hang gewachsen ist.

    Da auch alle paar Meter die Perspektive wechselt, ist die Kamera oder ein Handy Pflicht um Bilder zu machen. Sei es die gegenüber auf der anderen Seite liegende Klosterruine Stuben, der Schiffsverkehr auf dem Fluss, der Blick auf Ediger oder Bremm oder die einzigartige Fauna und Flora in diesem Steilhang. Besonders der Buchsbaum ist zu erwähnen. An der Mosel ist das größte natürliche Vorkommen dieser wärmeliebenden Pflanze in Deutschland. Sogar richtige „Urwälder“ sind zu finden und einige Wanderwege sind dem Buchsbaum gewidmet.

  • erbsengroß

    Sehr schnell sind in den vergangenen Tagen die jungen Rieslingbeerchen gewachsen. Sie sind erbsengroß.  Nach ausreichendem Regen können die Rieslingreben nun wieder aus dem Vollen schöpfen. Die Trockenheit zum Anfang der Vegetationsperiode ist Geschichte und die Reben sind ungebremst am wachsen. Eine ganz andere Dimension wie in den letzten drei sehr trockenen Jahren.

    Die Weinbergsarbeit ist diesen Sommer bisher sehr gut gelaufen: keinerlei Zeitdruck durch zu schnelles Rebwachstum und normale, „kühlere“ Sommertemperaturen, die das Arbeiten nicht zur Qual werden lassen. Drumherum alles im grünen Bereich, die Maschinen funktionieren wie sie sollen (bis auf kleine Ausnahmen…),  der Fruchtansatz der Reben ist sehr gut und und und…

    Der 2020er könnte Wein vom glücklichen Winzer werden, falls nichts dazwischen kommt.