Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Riesling

  • Weinernte 2021: Alles etwas kompliziert

    Es ist etwas kompliziert. Der 2021er Jahrgang hat es in sich und ist sehr anspruchsvoll. Gerne hätte ich schon darüber berichtet, aber dieser Herbst ist noch ein wenig stressiger, als es eine „normale“ Weinlese schon ist. Bisher liegen sechs Erntetage hinter uns und der Riesling füllt, leider sehr langsam, unsere Fässer.

    In Kürze berichten wir mehr, hier in den „Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß“.

  • Weinernte 2021: Mal mehr, mal weniger

    Wir sind bei den ersten Vorbereitungen für die Weinernte. Es wird eine späte Weinernte geben. In den letzten Jahren begannen wir Klimawandel bedingt meistens in der ersten Oktoberwoche mit der Ernte. Dieses Jahr war es eher ein kühler Sommer, von den wenigen heißen Tagen im Juni einmal abgesehen. Der Vegetationsrückstand gegenüber den letzten Jahren war groß. Der bisher warme September hat die Reife der Rieslingtrauben beschleunigt und die weiteren Wetterprognosen sind positiv. Kühle Nächte und warme Tage sind sehr förderlich für das Rieslingaroma!

    Ich hatte schon im Juni den Erntebeginn auf den 11. Oktober terminiert. Da meine hellseherischen Fähigkeiten doch etwas begrenzt sind, muss ich etwas korrigieren:

    Erntebeginn ist am Samstag, dem 16. Oktober um 9,00 Uhr! Sollte jedoch Fäulnis auftreten, stehen eine Woche vorher schon Lesehelfer bereit um mit der selektiven Ernte zu beginnen.

    Bedingt durch den Klimawandel werden wir dieses Jahr federn lassen müssen. Kräftig! Die extremen, bisher nie dagewesenen massiven Niederschläge im Sommer, haben Ihre Spuren in den Weinbergen hinterlassen. Teilweise massiver Befall mit Peronospora und Schwarzfäule haben die Trauben dezimiert. Mal mehr, mal weniger. Leider ist das weniger sehr häufig im Weinberg zu sehen. Wir rechnen mit einer weit unterdurchschnittlichen Erntemenge.

  • „Es regnet gerne, wo es schon nass ist“

    „Es regnet gerne, wo es schon nass ist.“ besagt ein althergebrachtes Sprichwort.

    Ein übler Nebeneffekt der Regenfälle, die zum sehr hohen Moselhochwasser vor zwei Wochen geführt hatten, sehen wir seit einigen Tagen im Weinberg. Zur Peronospora hat sich noch die Schwarzfäule gesellt. Viele Beeren sind befallen. Diese trocknen jetzt ein und fehlen bei der Weinernte.

    Ein anstrengendes Weinjahr! Die Infektionen mit dem falschen Mehltau vor vier Wochen hatten wir glimpflich überstanden. Nun ein massiverer Befall durch diesen Pilz, der aus Nordamerika stammt und erst seit 2004 eine wesentliche Rebkrankheit darstellt.

    Nach der Rebblüte hatte alles sehr gut ausgesehen. Es sah mengenmäßig nach einer guten Ernte aus. Wir werden allerdings Abstriche machen müssen. Wie groß diese sind weiß ich noch nicht. Es sind noch einige Wochen bis dahin. Es kann noch viel passieren oder gar nichts. Ich ziehe das „gar nichts“ vor und bitte keinen Regen mehr!

  • blitzschnell

    Blitzschnell sind die Reben in den letzten Tagen gewachsen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es in meiner Winzerlaufbahn ein ähnliches Rebenwachstum gegeben hat. Vorausschauend hatte ich noch weitere Helfer für die Laubarbeiten engagiert. Ich wäre sonst nicht mit der Arbeit hinterhergekommen.

    Temperaturen über 30 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit und strahlender Sonnenschein erschwerten die Arbeit. Mit viel Mineralwasser und vielen kleinen Pausen war es noch erträglich. Heute wieder „normale“, kühlere  Sommertemperaturen, die den Spaßfaktor und die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhen.

    Der Riesling ist mit rasender Geschwindigkeit am Blühen. Vor drei Tagen waren erst wenige am Blühen, heute die sogenannte Vollblüte. In einigen Tagen ist die Rebblüte 2021 schon Geschichte. Die Wetterbedingungen sind für die Rieslingblüte perfekt. Ich gehe davon aus, dass eine sehr gute Bestäubung stattgefunden hat.

    Auf dem Bild sieht man die Details. Sobald das Blütenkäppchen abgeworfen ist, erscheint der Fruchtknoten mit Narbe und den Staubgefäßen. Und dann ist es auch schon passiert und die Bestäubung ist erfolgt. Da die Reben ein Selbstbestäuber ist, werden keine Insekten benötigt.

  • Rasend schnell

    Rasend schnell wachsen die Reben. Zwei Wochen Sommerwetter haben den Vegetationsrückstand gegenüber letztem Jahr schrumpfen gelassen. Die Reben sind wieder saftig grün und morgen beginnen wir mit den Laubarbeiten. Zur Unterstützung kommen morgen noch zwei Helfer, da wir bei diesem enormen Wachstum nicht mit der Arbeit hinterherkommen würden,

    Unser Hausrebstock im Weingut ist in der Blüte. In einigen Tagen müsste auch der Riesling am Blühen sein. Beste Bedingungen herrschen im Weinberg für die Reben. Der Bodenwassergehalt ist für diese Jahreszeit immens hoch, trockenes und sehr warmes Wetter gemeldet. Sogenanntes Winzerwunschwetter, auch als Kaiserwetter bekannt

  • Montag, den 11. Oktober, morgens um 8.30 Uhr

    Endlich Sommer! Es wurde so langsam Zeit. In der letzten Woche noch Langeunterhosenwetter und nun Kurzehosenwetter. Wir sind gegenüber dem letzten Jahr ca. drei Wochen später mit der Vegetation.

    Die Rebblätter sind kältebedingt gelblich geworden. Nährstoffe konnten wetterbedingt nicht von der Rebe aufgenommen werden und ein Chlorophyllmangel entsteht. Chlorose sagt der Winzer dazu. Das dürfte aber kein Problem sein. Reichlich Regen hat den Bodenwassergehalt bis ans Maximum aufgefüllt. Weitere Regenfälle sind prognostiziert. Wenn jetzt die Temperaturen sommerlich warm bleiben, verschwindet die Chlorose, setzt rasantes Rebwachstum ein und der Wachstumsrückstand wird verkleinert.

    Eine etwas spätere Weinernte ist auch nicht schlecht. Langsame Rieslingreife bei kühleren Temperaturen fördert die Aromatik und hemmt unerwünschte Fäulnis.

    Ich bin jetzt einmal etwas mutig: Montag, den 11. Oktober, morgens um 8.30 Uhr Erntebeginn Riesling. Wird natürlich ein Jahrhundertjahrgang… 🙂

  • abfüllen

    Letzte Woche wurden die ersten 2020er Rieslingweine abgefüllt. Vor Tagen haben wir mit den Planungen begonnen. Verlässlich lieferte der Flaschenhändler und der Verschlusslieferant auf den Tag genau nach Absprache. Die Etiketten sind schon da und müssen nur noch auf die frisch gefüllten Flaschen geklebt werden. 2015-03-09 Gitterbox Noch zwei Abfülltage und etliche Gitterboxpaletten füllen, dann wäre die diesjährige Abfüllsaison Vergangenheit.

    Unser Onlineshop ist aktualisiert und wird am Mittwoch freigeschaltet. Die Preisliste per Briefpost braucht einige Tage länger und der Verkaufsstart der 2020er Rieslingweine kann beginnen.

    Apropos neuer Jahrgang: Die Weine zeigen sich von der besten Seite. Delikate Rieslingduft mit feingliedriger Aromatik. Alles schmeckt extrem klar und balanciert mit einer angenehmen Säure, die sehr gut eingebunden ist.

  • „Finalpröbchen“

    Coronabedingt mussten wir auf die große Finalprobe der neuen Weine mit dem Steffens-Keß Verkosterteam verzichten. Leider… Als Ersatz gab es mehrere „Finalpröbchen“ im kleinen Kreis.

    Zuerst ein grobes vorsortieren unsererseits. Bei einigen Weinen war schon im Vorfeld klar, wie sie verwendet werden. So konnten die zu probierenden Weine und auch die Verweildauer der Verkoster in der Probierstube verringert werden.

    Zuerst kam der Oberkellermeister und wir sortierten die Weine nach Qualität. Zu späterer Stunde, die Weine waren auf Zimmertemperatur und hatten etwas Luftsauerstoff bekommen, probierten wir nach. Zwei Tage danach die nächste Weinprobe mit zwei weiteren Freunden.

    Die 2020er Rieslinge konnten sehr schnell in eine qualitative Reihenfolge gestellt werden. Bis auf den Wein, der für den Rieslingsekt bestimmt war, gab es keinerlei Diskussionen über die qualitative Einordnung.  Ein guter Jahrgang, filigran und elegant. Die Qualität ist sehr gut, frische Frucht, elegant und saftig. Die Alkoholgehalte wie immer moderat, sodass diese wieder als Spaßweine bezeichnet werden können. Wir sind zufrieden!

    Anfang März beginnen wir mit dem Abfüllen. Kurz danach ist der 2020er Riesling käuflich hier im Shop erwerbbar und Sie können sich selbst ein Bild über den neuen Jahrgang machen.

  • Filtration

    Letzte Woche konnte endlich mit der Filtration der 2020er Rieslinge begonnen werden. Unserem alten Filter, ich berichtete hier, wurde bei der Durchsicht in der Werkstatt noch weiterer Reparaturbedarf attestiert. Ein Totalschaden, der mich und meinen Mitbesitzer zu einer Neuinvestition zwang. Die Verrohrung gänzlich anders, einige Absperrventile mehr (13 im gesamten bei der Filtration!) ließen zuerst den Kopf rauchen, damit das Funktionsschema gelernt und bei der Filtration umgesetzt werden konnte.

    Nach den ersten Partien klappte die Handhabung ganz gut. Sogar die Azubine begriff schnell, wie der Filter bedient werden musste und verkostete den vorher/nachher Effekt der Filtration.

    Deutlich schmeckbar nach dem Filter die Freisetzung des Bouquets, dass durch die vorher vorhandene Trübung gehemmt war. Die Jungweine präsentieren sich dadurch viel klarer und bedeutend fruchtiger. In alten Zeiten mussten diese Trübstoffe durch langsame Sedimentation und mehrere Abstiche abgetrennt werden. Unten ein Auszug aus einem aktuellen Fachartikel einer Fachzeitschrift:

    „…Aufwendig lange Lagerungen sorgten jahrhundertelang dafür, dass die Fermentationsprozesse mikrobiologisch weitgehend abgeschlossen waren und unlösliche Bestandteile sedimentieren konnten. Die Fest/Flüssig-Trennung wurde vor Einführung der Filtration lediglich durch lange Absetzzeiten erreicht. Eine Sedimentation war in den liegenden Fässern über lange Zeitspannen ohne Zentrifugen oder Filter möglich…

    …Trübungen im Getränk waren oft mit negativem Geschmack behaftet, blanke Produkte meist die wohlschmeckenderen. Schon vor dem Kauf oder dem Trinken waren durch zu kurze Lagerung schlecht geklärte oder mikrobiell belastete Weine und Biere also visuell zu erkennen. Die Fortschritte in der Mikrobiologie zeigten auch zu dieser Zeit bereits, dass viele Trübungen nicht nur von der Lagerzeit abhängig waren. Hefen und vor allem Bakterien verursachten Trübung sowie Geruchs- und Geschmacksveränderungen. Das war Grund genug, um fortan Biere und Weine wie auch Öle, Essige, Säfte, Wässer und sogar Spirituosen zu filtrieren….““

    Prof. Mark Strobl, Das Deutsche Weinmagazin 06,02,2021J. Neßler, 1872

    In alten Zeiten dauerte dies sehr lange, wie man einer Fachpublikation von 1872 entnehmen kann. Es entstanden Weine, die mit den heutigen nicht vergleichbar sind. Durch die lange Lagerzeit in Fass ging die Frische verloren und die Weine wurden durch die Sauerstoffdiffusion beim Holzfass oxidativ und hochfarbig (gelb/goldgelb). Nicht umsonst wurde der Wein früher als goldener Rheinwein besungen. Davon würden heute die wenigsten gerne trinken. Zeiten ändern sich und die Geschmäcker…

  • Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

    Geplant war die schonende Kieselgurfiltration unserer Jungweine, aber dann kam es anders als wir dachten. An der Dosierpumpe für das Filtrationshilfsmittel tropfte es. Also neue Dichtungen eingebaut. Tropfte weiter… Verschleiß am Pumpenkolben, wie ich feststellte. Der Kolbenhub war auch eingeschränkt. Wahrscheinlich eine in der Pumpe verbaute Feder, die gebrochen war.

    Ok, mit diesen Einschränkungen hätte die Filtration dieses Jahr noch geklappt, bevor der Filter in Reparatur geht, aber beim Reinigen des Gerätes plötzlich Störgeräusche, ein Geruch nach verbranntem Gummi und Wasseraustritt an der Weinpumpe. Die Dichtung der Pumpenwelle hatte sich verabschiedet!

    Jetzt steht der Kieselgurfilter bei Händler und ich warte auf Ersatzteile. Gut, das sich die Mechanik beim Reinigen und nicht bei der Weinfiltration verabschiedet hatte.

    Zwei kleinere Weinpartien wurden dennoch mit dem im Weingut vorhandenen Kleinfilter filtriert. Man konnte nach der Filtration die ganze Bandbreite der Aromen Riechen und Schmecken. Die vor der Filtration noch vorhandene leichte Hefetrübung behindert das Freisetzen des Bouquets. Jetzt präsentieren sich die beiden Jungweine noch viel klarer und bedeutend fruchtiger. Ich freue schon darauf, wenn die restlichen Rieslingweine filtriert werden können und ich die ganze geschmackliche Bandbreite des 2020er wahrnehmen kann.