Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Trockenheit

  • Wetterwechsel

    Vor einigen Tagen endeten die sehr kalten und trockenen Frühlingsmonate mit stellenweisem Bodenfrost. Die Eisheiligen kamen sehr spät. In Moselnähe kamen in sogenannten Frostlöchern leider einige Weinberge zu Schaden. Wir sind nicht betroffen! Erinnerungen an letztes Jahr mit seinen massiven Frostschäden im April wurden wach.

    Der Wetterwechsel brachte auch einige Regenfälle, die die akute Trockenheit beendeten. Insgesamt sind es bis heute am Weingut ca. 40 l Niederschlag. Von langsamem Landregen bis hin zu leichten Gewittern, die keinen Schaden anrichteten, war alles dabei. Eine echte Entspannung für den Wasserhaushalt des Bodens. Im Jahresvergleich sind wir jedoch noch weit vom langjährigen Niederschlagsdurchschnitt entfernt.

    Weitere Regenfälle sind gemeldet und die Temperaturen erreichen allmählich sommerliches Niveau. Das zögerliche Wachstum der Reben in den vergangenen Wochen ist somit beendet. „Nicht zu warm und nicht zu kalt”, sagen die Meteorologen. Genau das richtige Winzerwunschwetter, damit wir die kommenden sommerlichen Laubarbeiten rechtzeitig erledigen können.

    Den ganzen Tag bergauf und bergab laufen und die Rebtriebe in den Drahtrahmen einschlaufen, damit die Rieslingreben die optimale Belichtung und Besonnung bekommen. Eine anstrengende Arbeit, die jedoch mit Blick auf das gemeldete Wetter in diesem Jahr weniger anstrengend sein dürfte. Angenehme, nicht zu hohe Temperaturen und ein gemäßigtes Wachstum erleichtert voraussichtlich die Arbeitserledigung.

  • ein sehr guter Start

    Bis jetzt haben wir einen sehr guten Start in die Vegetationsperiode. Aus jeder Rebknospe ist ein Trieb gekommen. Es gab keine Schäden durch Knospenschädlinge. Auch gab es keinen desaströsen Spätfrost und Hagelschlag wie im letzten Jahr.

    Das Wetter zeigt sich derzeit von seiner typischen, eher kühlen Mai-Seite. Von den Auswirkungen des Klimawandels ist bei den Temperaturen momentan wenig zu spüren – wohl aber beim Niederschlag. Seit März hat es, abgesehen von ein paar Tropfen, praktisch nicht geregnet. Den tief wurzelnden Reben macht die Trockenheit noch nichts aus. Lediglich bei einigen Begrünungspflanzen sieht man leichte Welkeerscheinungen, und in der Landwirtschaft gibt es die ersten Probleme.Bild: Archiv

    Noch sehe ich die Wetterbedingungen für uns positiv. Im Gegensatz zu den beiden letzten Jahren sind Pilzkrankheiten weit und breit nicht zu sehen und auch momentan nicht zu erwarten.

    Die Befahrbarkeit unserer Steillagen ist ausgezeichnet. Es gibt kein nerviges Rumgerutsche mit dem Kettenschlepper im Steilhang wie in den letzten Jahren. Jede Steigung wird problemlos bergauf bewältigt.

    Trotzdem wünsche ich mir bald Regen!

     

     

  • knapp

    Die Bodenwasservorräte sind knapp, sehr knapp. Es wird langsam Zeit, dass es regnet. Aber ich vermute, es wird ähnlich wie letztes Jahr. Die Trockenheit wird durch den Klimawandel immer mehr zum Problem. In den meisten Weinbergen sind die Triebspitzen der Rieslingreben noch gebogen, vital und auf Wachstum ausgerichtet. Auch wenn das Wachstum sehr gering ist.In den bekannten Weinbergen, d.h. in einigen jüngeren Anlagen und einem Weinberg mit hohem Fels, wo die Rebwurzeln kein Wasser finden, sind erste Trockenstresssymptome sichtbar. Die Triebspitze wird gerade und hört auf zu wachsen. Später stirbt sie ab und vertrocknet.Die Rebe befindet sich nun im Überlebensmodus. In der Folge werden die Rebblätter von der Sonne weggedreht, um weniger Wasser zu verdunsten. Bei anhaltender Trockenheit beginnen dann die untersten Rebblätter zu vergilben.Wir haben begonnen, die betroffenen Rebstöcke zu entlasten, damit die Reben keinen dauerhaften Schaden nehmen.

    In den betroffenen Weinbergen – im Moment sind es nur „wenige“ Reben – haben wir ganze Fruchtruten mit Blättern und Trauben abgeschnitten. Diese Entlastung verhindert, dass die Rebstöcke kollabieren oder längerfristig Schaden nehmen.

    In diesem Jahr habe ich das ungute Gefühl, dass wir diese Entlastung wie im letzten Jahr ausdehnen müssen.

    Bis auf die oben beschriebenen trockengestressten Einzelreben sehen die Weinberge noch sehr gut aus. Saftig grün, mit vielen Trauben behangen.  Wie es mit der Qualität und Quantität weitergeht, entscheidet allein das Wetter. Wir hoffen, dass es bald ausreichend regnet. Wir nehmen alles!

  • The same procedure as every year

    The same procedure as every year. Beim „Dinner for one“ normal. Im Weinberg leider nicht. Durch den Klimawandel wiederholen sich die sommerliche Trockenperioden immer häufiger.

    Noch vor sieben Wochen hatte ich mit dem Raupenschlepper große Probleme, bergauf und bergab zu fahren. Die Böden waren maximal wassergesättigt. Seitdem hat es kaum nennenswert geregnet. Inzwischen sehen wir nur noch verbrannte Erde. Die Begrünung am Hang ist größtenteils vertrocknet. Die Reben sehen noch gut aus und zeigen bis auf wenige Ausnahmen keine Trockenschäden. Mit ihren langen Wurzeln finden sie noch Wasser im Untergrund. Nur in drei Weinbergen haben wir Rebstöcke, die aufgrund ihres jungen Alters und/oder des hoch anstehenden Felsens kein Wasser mehr bekommen und unter Trockenstress leiden. Dort müssen wir in den nächsten Tagen die Reben entlasten, damit sie überleben können.

    Regen ist willkommen. Möglichst bald und reichlich. Heute sind Gewitter gemeldet. Hoffentlich ohne Hagel, mit reichlich Regen, der über Stunden fällt, ohne Erosion zu verursachen.

  • Extrem heimtükisch

    Man denkt an nichts Schlimmes: Bestes Sommerwetter, warm, fast keine Luftfeuchtigkeit, kein Tau und sehr wenig Regen. Und dann das: Extrem heimtückisch zeigt sich dieses Jahr der Peronosporapilz. Am vergangenen Montag staunte ich ungläubig, als ich die gelblichen Flecken auf der Blattoberseite sah. Aus der Inkubationszeit konnte ich das Datum der Infektion berechnen. Das kleine Gewitter an Fronleichnam hatte zu Infektion geführt. Trotz Pflanzenschutzmaßnahmen mit unseren ökologischen Pflanzenpflegemitteln einen Tag vorher wurden die Reben infiziert. Ein größerer Weinberg im Burger Hahnenschrittchen war stärker betroffen. Andere nur leicht oder gar nicht. Infektionen sind überall in der Gemarkung zu finden. Konventionell oder ökologisch arbeitend spielt keine Rolle. Der eine etwas mehr, der andere Weinberg weniger.

    Einen Tag später, es hatte etwas über Nacht geregnet, sah man den Pilzrasen auf der Unterseite der Blätter. Der Pilz hatte durch die Feuchtigkeit begonnen zu sporulieren, d.h. seine Sporen in die Reben zu schleudern.

    Jetzt haben wir ein kleines Problem. Normalerweise reifen die Pilzsporen auf dem Boden, wenn es feucht genug ist . Sie werden dann durch Regen und Wind auf die Blätter geweht und der Infektionszyklus beginnt. Mit jeden Zyklus ohne Bekämpfung steigt das Gefahrenpotential. Jetzt haben wir die Sporenbildner in den Reben, die bei Feuchtigkeit, Blattnässe, Dunkelheit und anderen Faktoren den Vermehrungszyklus massiv forcieren. Dort sind dann nach der Rebblüte der vergangenen Tage, die jungen, sehr empfindlichen Träubchen. Jetzt heißt es aufpassen mit den Pflanzenschutzmaßnahmen. In kurzen Abständen müssen unsere ökologischen Präparate nun auf die Beerchen aufgebracht werden. Bei dem schnellen Beerenwachstum muss immer eine Schutzschicht auf der Beerenhaut und den Blättern sein, damit der Pilz nicht eindringen kann. Das angekündigte trockene Wetter spielt uns dabei in die Hände. Niedrige Luftfeuchtigkeit und kein Regen in den nächsten Tagen ist für uns vorteilhaft. Wir werden uns heftig wehren! In den Peronosporajahren 2009 und 2016 haben wir es auch geschafft und die Lage war weitaus schlimmer als dieses Jahr.

  • Rebblüte

    Eine der ganz wenigen Ereignisse über die ich mit schöner Regelmäßigkeit berichte, ist neben dem obligatorischen Weihnachtsgruß die Rebblüte. Die sommerlichen Temperaturen beschleunigen die Blüte rasant. Die Rahmenbedingen sind hervorragend. Wir erwarten eine hohe Bestäubungsrate.

    Rasend schnell ist auch das Wachstum der Reben. Im Unterboden ist noch genügend Wasser vorhanden, um das Triebwachstum der Rieslingreben zu beschleunigen. Das Einschlaufen der schnell wachsenden Rieslingtriebe hält uns im Weinberg auf Trab.

    Gänzlich anders sieht es bei den Weinbergsbegrünungen aus. Hier macht sich der Wassermangel im Oberboden bemerkbar. Am Wegesrand sind die Begrünungspflanzen bereits vertrocknet und gelb. Sommerliche Temperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit und ein ständig wehender Wind haben an der Feuchte gezehrt. Vor nicht einmal vier Wochen hatten wir große Probleme mit den nassen Böden. Jetzt warten wir sehnsüchtig auf Regen. Mitte nächster Woche soll er kommen, sagen die Wetterfrösche. Gewitter sind angesagt! Die Gefahr dabei ist, vor allem wegen des Klimawandels, dass zu viel in kurzer Zeit und im schlimmsten Fall in fester Form als Hagel fällt.

  • startklar

    Wie jedes Jahr vor beginn der Sommerarbeiten im Weinberg, werden die Außenanlagen in unserem Weingut auf Vordermann gebracht. Baum- und Heckenrückschnitt, kehren, fegen und aufräumen. Das Verbundpflaster kärchern, Fenster, Türen und Tore abwaschen und einiges mehr. Die Kübelpflanzen wie Oleander, Lorbeer, Zitronenbaum und andere sind schon länger aus dem Winterquartier geholt und mittlerweile verteilt. Dazu kommen noch viele Topfpflanzen zur Verschönerung unseres Innenhofes. Beliebt sind bei uns die Hauswurzen, die pflegeleicht sind. Vorteilhaft bei diesen Dickblattgewächsen ist der geringe Wasserverbrauch. Sie brauchen fast nicht gegossen zu werden und ersparen dem Winzer das tägliche Gießen. Ein Blickfang, wenn sie am Blühen sind. Die ideale Topfpflanze in den Zeiten des Klimawandels mit vermehrt trockenen Vegetationsperioden.

    Wir sind startklar für den Sommer! Die Terrassensaison ist hiermit eröffnet.

  • Weinernte 2022: Alles im Fluss

    Die erst Erntewoche liegt hinter uns. Mit kleiner Mannschaft wurde selektiv geerntet. Wie bei Aschenputtel: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen auf den Boden.

    Etliche Rebstöcke wurden erst gar nicht abgeerntet. Die sommerliche Trockenheit mit Blattfall führte zu starker Bitterkeit, wenig Aroma und sehr geringer Zuckereinlagerung. Für die Weinbereitung sind diese Trauben leider nicht zu gebrauchen.

    Jetzt hängen nur noch gesunde Rieslingtrauben in unseren Weinbergen. Bis auf einige kleine Regenschauer hat auch das Wetter bisher gepasst. Nur gestern vertrieb uns ein kräftiger Regenschauer aus dem Weinberg. Ab morgen ist dann bestes, trockenes Erntewetter vorhergesagt.Die Maschinen im Weinkeller laufen mittlerweile auch alle reibungslos. Das ausgefallene Kühlaggregat konnte kurzfristig repariert werden. Das benötigte Ersatzteil war beim Händler auf Lager. Die Reparatur der Pressmembran der Weinpresse wurde auch noch nebenbei erledigt, nachdem ein Druckabfall beim Pressen festgestellt wurde. Die Suche nach dem Loch in der Membran gestaltete sich etwas schwieriger …

  • Weinernte 2022: Wetterwechsel

    Ein kräftiger Wetterwechsel mit ausgiebigen Regenfällen hat die extreme Trockenheit beendet. Die Begrünungen und die Reben profitieren davon. Während die Weinbergsbegrünung, wie der Name schon sagt, wieder ergrünt, sehen die Reben erfrischt aus. Anfängliche Befürchtungen, dass die Trauben sich durch die Niederschläge mit Wasser vollsaugen und aufplatzen, haben sich bisher nicht bestätigt.

    Fäulnis an den Rieslingtrauben ist selten zu sehen. Die Trauben sind ausnahmslos sehr gesund. Der Beereninhalt wird so langsam saftig und die Pressausbeute wird zunehmen. Die analytischen Eckdaten sind auch in Ordnung. Das für die nächsten Tage gemeldete Wetter mit kühlen Nächten ist ideal, um Fruchtaromen in der Traube einzulagern. Der Riesling als „cool climate“ Pflanze braucht diese kühlen Nächte, um sein volles Aromenspektrum zu bilden.Die Vorbereitungen für die Weinernte sind fast abgeschlossen. Im Weinkeller kann man vom „Boden essen“, die Holzfässer liegen mittlerweile in Reih und Glied und in den Edelstahltanks kann man sich spiegeln. Die Erntehelfer sind informiert, erntefreundliches Wetter ist bestellt und dann kann die Weinernte 2022 starten.

    Erntebeginn ist am Montag, dem 26. September um 9,00 Uhr!

  • Schwitzwasser

    Frisch aus dem Haushaltskühlschrank! Gut gekühlter Riesling Sekt bei circa 5 Grad. Ein herrliches Trinkvergnügen bei warmem Wetter.

    Das Schwitzwasser, die kondensierte Feuchtigkeit, die sich bei kühlen Getränken am Glas niederschlägt, fehlt dieses Jahr größtenteils. Die Luftfeuchtigkeit ist dermaßen gering, dass an kalten Gegenständen sich keine (bzw. fast keine) Feuchtigkeit und Kondenswasser bildet. Ein Nebeneffekt der derzeit extremen Trockenheit. Morgendlicher Tau findet man aus den gleichen Gründen nicht. Auch der Boden in unserem kalten Holzfasskeller, der in einem normalen Sommer immer durch auskondensierte Feuchtigkeit nass ist, ist trocken.

    Etwas Entspannung kommt beim Blick auf die Wettervorhersage. Die Temperaturen sinken und etwas Regen ist gemeldet. Wir hoffen, dass er im richtigen Maß kommt. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Die Rieslingtrauben sind in der Reifephase und die Beerenschalen werden so langsam dünn. Es wäre fatal, wenn sich die Beeren mit Wasser vollsaugen und dann aufplatzen würden. Wir befinden uns auf der Zielgeraden zur Weinernte 2022. Wie jedes Jahr wird es spannend. Wir sind voller Erwartung auf die kommende Weinlese.