Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Trockenheit

  • sehr vital und saftig grün

    Die Weinberge sehen zurzeit sehr vital und saftig grün aus.  Die bisherigen Sommerregenfälle kamen immer zu rechter Zeit und so langsam dürfte müsste es wieder regnen. In zwei jüngeren Rebanlagen mit geringerer Bodenmächtigkeit sieht man etwas Kümmerwuchs als Folge des Wassermangels. Extrem wird es bei Rebstöcken, die direkt auf Fels stehen, wie im obigen Bild. Dort hat die Rieslingrebe schon in den extremen Wassersparmodus geschaltet und die Triebspitze ist vertrocknet (gesehen bei einem Kollegen).

    Vom Regen würden auch die jungen Rieslingträubchen profitieren, die dieses Jahr reichlich in den Weinbergen hängen. Vermehrtes Dickenwachstum wäre die Folge und damit auch höhere Erträge, die nach dem mageren letzten Jahr die Fässer im Keller füllen würden.

    Die sonstigen Rahmenbedingungen sind bis jetzt ausgezeichnet. Besonders gefällt uns das typisch deutsche Sommerwetter mit angenehmen Temperaturen. Wir sind frohen Mutes, was die kommende Weinernte betrifft.

  • …ein gutes Gefühl

    Die Rebblüte ist seit einigen Tagen abgeschlossen. Trotz kühlem Wetter sind viele Rieslingbeerchen bestäubt worden. Das kommende, warme Wetter wird das Dickenwachstum der jungen Rieslingtrauben fördern.

    Mittlerweile gab es weitere reichliche Regenfälle, die den Wassergehalt der Böden aufgefüllt haben.

    Den Rieslingreben sieht man an, das es reichlich geregnet hat. Die Triebspitzen, die sich durch die Trockenheit schon stellenweise aufgerichtet hatten, sind wieder gekrümmt und im Wachstumsmodus. Weitere Bilder finden Sie hier.

    Bislang sieht es gut für den 2020er Jahrgang aus. Bis auf einige Fraßschäden an den jungen Rebknospen durch den Rhombenspanner  im April, ich berichtete schon einmal darüber, ist die Vegetation für uns bis jetzt zufrieden gelaufen. Die Trockenheit ist vorläufig kein Thema mehr, Unwetter mit Hagel, Sturm usw. haben uns auch bis jetzt verschont.

    Ich habe da so ein gutes Gefühl, wenn ich an die kommende Ernte denke…

  • Haarscharf vorbei

    Haarscharf sind wir am Spätfrost in den letzten Tagen vorbeigekommen. Lediglich einige Blätter zeigen teilweise leichte Frostschäden. Die Eisheiligen haben zugeschlagen! In anderen Weinbaugebieten sieht es anders aus. In Franken, Württemberg und Sachsen wird stellenweise von einer Vollkatastrophe gesprochen. Aus den restlichen Weinbaugebieten hört man von leichten Spätfrostschäden, die fast keinen wirtschaftlichen Schaden bewirken.

    Spätfröste hat es immer gegeben, die Häufung in den letzten Jahren und andere zunehmende Wetterkapriolen weisen immer mehr auf die Klimaänderung hin.

    Freund Siegfried Perini, der der Wärme wegen seit einiger Zeit in Gandia, Valencia, Spanien lebt, – ich hoffe, das er seine Entscheidung nicht bereut – schreibt auf Facebook, dass in Nordspanien bisher innerhalb 12 Monaten 1000 l Regen gefallen sind.

    „Wir sind wieder dabei Regenrekorde im neuen Jahr aufzustellen. Seit Wochen Wetter, wie ich es auch aus Deutschland kannte: mehr Regen- als Sonnentage. Wir sind nicht nur Anbaugebiet für Orangen, Zitrusfrüchte und Wein in unserer Region. Sogar das einzige Anbaugebiet von Reis…“

    Ähnliche Nachrichten höre ich von Kollegen aus Südfrankreich. Regen ohne Ende bis die Weinberge aussehen wie die Mecklenburgische Seenplatte. Dazu Bilder in den französischen Winzerforen mit Traktoren, die bis über die Achsen in den Boden eingesunken sind.

    In anderen Ländern sieht es anders aus. Winzerkollege Bernhard Fiedler aus Mörbisch am Neusiedler See in Österreich berichtet folgendes:

    „Die 45 Liter Regen seit Jahresbeginn, wir haben eine Wetterstation des Weinbauvereines in einem unserer Weingärten stehen, da kann ich online fast in Echtzeit nachschauen und auch Wochen- und Jahresstatistiken abrufen. Am Freitag könnten laut Prognose 5 bis 15 Liter dazukommen. Der Wunsch wäre halt ein nasser Mai wie im Vorjahr, wenn es eine ganze Woche gemütlich durchregnen würde hätte ich die größte Freude….Von den 45 Litern waren außerdem wahrscheinlich 15 oder mehr völlig nutzlos auf Einzelmengen von Nullkommairgendwas bis Zwei- oder Dreikommairgendwas verteilt…“.

  • Wir sind wieder entspannt

    Gemütlicher Regen hat in den letzten Tagen die Trockenheit vorerst beendet. Die ersten Regenfälle hatten nur den Staub gebunden und seit gestern regnet es richtig!  Wasser, das sicherlich bis zu den Rebwurzeln vordringt und bitter notwendig ist.  Beim Mähen der Begrünungen hatte ich gestern die ersten, im letzten Jahr nachgepflanzten, Reben entdeckt, die am verdorren waren.  Für diese Reben kam der Regen zu spät.

    Wir sind wieder entspannt, zumindest was die Wasserversorgung unserer Rieslingreben angeht.

  • Mickrig

    Mickrig, wie sich zurzeit die Begrünungen in unseren Weinbergen präsentieren. Schwach wachsend, durch die Trockenheit schon aufgehellt und gelblich werdend.  Seit über vier Wochen gab es keinerlei Regen, eine gegenüber dem langjährigen Mittel höhere Durchschnittstemperatur, doppelt so viele Sonnenscheinstunden und ein austrocknender Wind. Es bahnt sich wieder ein trockenes Jahr an.

    Während die Landwirtschaft schon stark am Klagen ist, haben die Rieslingreben im Untergrund noch genügend Wasser.  Nachschub von oben ist baldigst willkommen.

    Bedingt durch den Klimawandel ist das Hoch über Mitteleuropa sehr stabil und dürfte uns noch einige Zeit „erfreuen“, bis ein Wetterwechsel einsetzt. Der Jetstream, die sogenannten Starkwindbänder in der Troposphäre, funktioniert nicht mehr richtig. So ist das Wetter über längere Phasen immer gleichbleibend stabil. Lange Trocken- oder Nässephasen.  Nichts mehr mit der kühl gemäßigten Klimazone mit öfter wechselndem Wetter. Die Extreme nehmen zu.

  • Bilderbuchwetter

    Ein stabiles Hochdruckgebiet bescherte uns in den letzten Wochen fantastisches Bilderbuchwetter, auch Kaiserwetter genannt.

    Zu Beginn des Hochdruckeinflusses noch mit knackigen Minustemperaturen am Morgen, dann immer wärmer werdend mit sommerlichen Temperaturen am Nachmittag.

    Der Himmel im strahlenden Blau, ohne Wolken oder Kondensstreifen von Flugzeugen.

    Der zu warme Winter und die letzten warmen Tage haben bei den Rieslingreben zum Austrieb geführt. Ganze drei Wochen zu früh! Eigentlich ein Bilderbuchstart in die neue Vegetationsperiode. Aber nur eigentlich! Wir Winzer haben noch große Angst vor Spätfrösten, die den jungen Rebtrieben gefährlich werden können. In unseren Steillagen ist die Gefahr zwar etwas geringer als in flachen Weinbergen, aber einiges Unwohlsein habe ich trotzdem.

    Wichtiger als Sonnenschein und Wärme ist zur Zeit der Regen, der bisher ausblieb. Durch den Wassermangel wachsen die Begrünungen in unseren Steillagen sehr langsam.

    Die spannendste Zeit des Winzerjahres fängt an: Mit der Natur arbeiten, täglich von dieser abhängig zu sein, allen Wetterkapriolen strotzend und in einigen Monaten, wenn alles klappt, wie ich es mir vorstelle,  gesunde, vollreife Rieslingtrauben ernten.

  • Weinernte 2019: Ein Rückblick und ein kleines Prognöschen

     

    Wir blicken mit Vorfreude auf die kommende Ernte. Schöne gesunde Rieslingtrauben hängen in den Weinbergen. Wenige kompakte Trauben haben Fäulnisbefall, der nicht dramatisch ist und sich durch die gemeldeten kühlen Temperaturen nicht weiter ausbreiten dürfte. Obwohl es im Boden wieder sehr trocken ist, wünschen wir uns keine größeren Niederschläge, die die dünnen Beerenhäute des Rieslings zum Aufplatzen bringen würden. Fäulnis mit den verbundenen Problemen wäre die Folge.

    Unsere Vorfreude wird durch die Auswirkungen der  Trockenheit und Hitze des vergangenen Sommers getrübt. An einigen Stellen in den Weinbergen, wo die Bodenauflage über dem Schiefergestein geringer ist, blieben die Trauben trockenheitsbedingt klein. Die Hitzewelle Ende Juli mit Temperaturen um 40 Grad (im Schatten!) verursachte massive Sonnenbrandschäden . Geschätzte 25 % der Trauben waren betroffen und sind mittlerweile eingetrocknet.

    Glück im Unglück hatten wir, als kurz nach den Rekordtemperaturen ausreichend Regen fiel. So konnten die Beeren bei der darauf folgenden Wachstumsphase noch einiges an Gewicht zulegen und die Verluste durch den Sonnenbrand etwas ausgleichen. Wir erwarten einen unterdurchschnittlichen Ertrag.

    Qualitativ sieht es gut aus. Die kühlen Nächte sind ideal, damit der Riesling Fruchtaromen bildet. Als „cool climate“ Pflanze braucht er diese Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, um sein volles Aromenspektrum zu bilden.

    Am 4. Oktober wissen wir mehr, Erntebeginn für die Weinernte 2019.

  • Als wäre nichts gewesen

    Als wäre nichts gewesen präsentieren sich die Begrünungen in den Weinbergen. Keinerlei Spuren sind von der extremen Trockenheit zu sehen, die bis vor zweieinhalb Wochen in den Weinbergen zu verdorrten Begrünungen und anderen Problemen geführt hat.

    Die Spuren der Trockenheit sieht man den Reben, bzw. den Trauben an. An Stellen, an denen die Reben nicht genügend Wasser aus dem Boden ziehen konnten, sind die Trauben klein geblieben. Im Extremfall wurden sie von uns abgeschnitten, damit diese Rebstöcke entlastet und überleben konnten. Größere Sorgen bereiten die Verluste durch Sonnenbrand, die etwas hoch sind. Es wird sicherlich bestimmt eine unterdurchschnittliche Erntemenge.

    Gut, dass die für die Reben ausreichenden Niederschläge zur rechten Zeit kamen. Die Beeren und Trauben können noch etwas wachsen. Es ist genügend Wasser da, damit in der kommenden Reifephase Zucker und Geschmacksstoffe optimal gebildet und in den Trauben eingelagert werden können.

  • Danke!

    Danke! Der vergangene Freitag machte mit zwei kurzen, heftigen Gewittern und 21 Liter je qm den Anfang. Letzte Nacht kamen noch geschätzte 40 Liter hinzu. Der Regenmesser ist fast gefüllt.

    Die Sorgen durch die zunehmende Trockenheit haben sich vorerst erledigt.

  • Sonnenbrand

    Die letzten drei Tage hatten es in sich. Neue Temperaturrekorde in Deutschland und sehr hohe UV Strahlungswerte, die auch für die Winzer Auswirkungen haben. Auf der Sonnenseite der Rebzeilen gibt es durch die Hitzewelle hohe Schäden durch den Sonnenbrand. Ganze Trauben sind am verwelken.

    Die Kühlung der Beerenoberfläche durch Verdunstung ist bei den hohen Temperaturen zusammen gebrochen. Die Reben konnten aus dem trockenen Boden nicht genügend Wasser nach oben pumpen, so das die Beerentemperatur zu hoch wurde und diese regelrecht verkochten und mittlerweile am eintrocknen sind.

    In den letzten Jahren waren wir vor diesen Schäden weitestgehend verschont geblieben, da wir entsprechende kulturtechnische Maßnahmen wie z. B. das Entblättern der Traubenzone durchführen.

    Für die es gerne wissenschaftlicher haben möchten, ein Zitat von Dr. Edgar Müller (Weinbauberatung) zu diesem Thema:

    „Die trockene Luft „saugt“ regelrecht das Wasser aus der Pflanze. Diese schließt zwar die Spaltöffnungen um die stomatäre Verdunstung zu minimieren, aber die cutikuläre Verdunstung (auf Beeren jetzt ohnehin dominierend) geht weiter. Wir können nach der Hitzewelle Ende Juni zwar von einer gewissen „Abhärtung“ im Sinne von dickerer Kutikula ausgehen, aber die wachsartige Substanz ändert bei extremen Temperaturen ihre Konsistenz und wird durchlässiger. Das Problem ist dann, dass die Saugspannung im Leitbahnsystem extreme Werte erreicht. Es kommt zu Kavitationseffekten und dem Abreißen von Wasserfäden. Damit kollabiert dann auch die Wasserkühlung und die Beerentemperaturen schießen nach oben. Es bilden sich Sauerstoffradikale, die zu einer Schädigung von Eiweißstrukturen beitragen. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass die Wasseraufnahme aus dem Boden aus dem Boden aus verständlichen Gründen erschwert ist und nur noch mit hoher Saugspannung erfolgen kann. Die UV-Strahlung spielt zusätzlich eine Rolle.“

    Das nebenbei auch etliche Blätter Strahlungsschäden aufweisen sei nur am Rande bemerkt.

    Mittlerweile oder besser Gott sei Dank, ist die Hitzewelle vor einigen Stunden durch zwei kurze, heftige Gewitter beendet worden. Im Regenmesser befinden sich nun 21 Liter Regen je qm und für morgen sind weitere Niederschläge vorausgesagt. Zudem sollen die Temperaturen stark sinken. In der Summe kann man zwar nicht von völliger Entspannung sprechen aber es beruhigt schon etwas.