Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Weinrallye 27: Tankstopp

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    „Jeder kennt sie, die Tankstellen, in der heutigen Zeit mehr denn je Dreh- und Angelpunkt rund um unsere Mobilität. Da die Tankstellenbetreiber kaum mehr vom verkauften Kraftstoff leben können, sind moderne Tankstellen längst zu kleinen Supermärkten avanciert an denen es ein Grundsortiment für unser täglich Leben zu kaufen gibt. Zu diesem Grundsortiment gehört natürlich der Wein,…“

    so der Weinrallyervorschlag von Thomas Lippert.

    Gesagt und getan. Da die Tanke bei uns im Dorf ausser Süßigkeiten und gekühlten Getränken nur noch Benzin und Diesel im Angebot hat, habe ich die Tankstelle im berühmten Nachbarstädtchen Zell angefahren. Fast wie ein kleiner Supermarkt, fehlt nur noch die Frischfleischtheke. Die Weinabteilung zwar klein, aber neben den üblichen verdächtigen Weinen und Sekten – vom Anschauen schon fast eine Fremdweinvergiftung bekommen – habe ich ein ganz regionales Gewächs gefunden.

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    Ich war erfreut, einen 2007er Riesling trocken eines Kollegen für knapp 6 Euro erwerben zu können. Das Etikett ist etwas kitschig – vielleicht für Damenkränzchen auf Kaffeefahrt kaufanimierend – aber mir kam es ja auf den Inhalt an.

    Gut gekühlt noch unauffällig, beim wärmer werden doch etwas laff wirkend. Die für einen Moselriesling so typische spritzige Säure vermisste ich etwas. Wirkte irgentwie weichgeschleudert. Sauber vinifiziert, gelbe Früchte in der Nase, weich in der Säure und kraftvoll im Geschmack. Ein idealer Alltagswein der nicht satt macht und zu einem weiteren Glas anregt.

  • Weinernte 2009: Verschoben

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    Da das Wetter in den letzten Tagen winzerfreundlich war und unsere Rivanertrauben sich bester Gesundheit erfreuen, wird die Ernte auf nächste Woche verschoben. Jeder weitere Sonnentag gibt ein bisschen mehr Geschmack.

    Stattdessen haben wir in den letzten Tagen unseren Freunden bei der Weinernte geholfen und das Sammelsurium an Lesescheren bewundert.

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    Den ganzen Tag stressfrei als einfacher Tagelöhner Trauben ernten. Über nichts nachdenken müssen und Mittags leckere Steaks vom Grill.

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    Abends mit einem Glas Wein in der Hand dem Kollegen beim Keltern zuschauen. Ebenfalls streßfrei.  Das wird sich jedoch ändern, wenn die eigenen Trauben geerntet werdern. Dann ist Schluß mit lustig. Es gilt dann die Arbeit eines ganzen Jahres zum optimalen Zeitpunkt zu ernten und diese Traubenqualitäten nach Möglichkeit verlustfrei in die Weinflasche zu bekommen.

  • Brennholzwert

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    Schon seit Jahren wollte ich dieses Holzfaß entsorgen. Es war schon seit längerer Zeit des öfteren undicht gewesen. Mittels Holzfaßdichte (Fasstalg) wurde immer wieder der Dichtigkeit nachgeholfen, damit kein Wein verloren ging. Da mir nun das Risiko zu groß wurde, wandert das über 50 Jahre alte Faß in den Ofen und wird im Winter sicherlich für etliche Stunden die gute Stube wärmen. Die eisernen Reifen werden als Ersatzreifen für die noch vorhandenen Fässer aufs Lager gelegt.

  • Weinernte 2009: Rieslingwetter und erste Ernteplanungen

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    Der Gesundheitszustand unserer Trauben ist zur Zeit noch ausgezeichnet. Der Rivaner, stark gebeutelt und dezimiert durch den falschen Mehltau, wird wahrscheinlich Ende nächster Woche erntereif sein. Die Traubenschalen sind momentan noch sehr dick und die Beeren nicht saftig.

    Vorfreude kommt beim Riesling auf, der fast unbeschadet die sommerlichen Pilzkrankheiten überstanden hat. Lockerbeerige Trauben mit kleinen Beeren, die ein Optimum an  Aroma bringen dürften und zudem beste Wetteraussichten in den nächsten Tagen. Die Tageshöchsttemperaturen sollen so um 20 Grad liegen und Nachts unter 10 Grad fallen. Ideal für den Riesling, der sich bei diesem Temperaturen in der Reifephase am wohlsten fühlt und ein Maximum an Aromen in die Beeren einlagern kann. Zudem verhindert, bzw. verlangsamt das trockene und kühlere Wetter Fäulniss, die uns zwingen würde, die Trauben vor Erreichen der optimalen Aromareife zu ernten.

  • 2008 Wandert

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    Heute fand die jährliche Wanderweinprobe der Reiler Winzer statt. Unter dem Motto „2008 Wandert“ gab es an etlichen Stationen in den Reiler Weinbergen 2008er Weine zu probieren. Die Winzer stellten Ihre Weine und Weinberge vor und standen für intensivere Gespräche mit den Teilnehmern zur Verfügung. Als deftiges Mittagessen gab es Gräwes mit Rieslingbraten.

    Interessanterweise gab es nur Rieslinge zu probieren. Auch Kollegen, die ein Sammelsurium an Moseluntypischen Rebsorten  im Anbau haben, reichten für diese Probe ausschließlich Riesling ein. Finde ich gut, dass der Riesling, der bei uns unvergleichbare Weine hervorbringt, ausschließlich in dieser Probe vertreten war.

    Für nächstes Jahr vormerken: Samstags, am dritten Septemberwochenende.

  • Tag des offenen Denkmals

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    Letzten Sonntag war Tag des offenen Denkmals. Da wir selbst in einem über 300 Jahre alten Denkmal wohnen und vor etlichen Jahren mit Haus- und Kellerführungen an dieser Europaweiten Veranstaltung teilgenommen hatten, Anlaß genug, ein Denkmal zu besichtigen.

    In der Eifelgemeinde Bengel war die vor einigen Jahren renovierte Ölmühle zu besichtigen. Es ist faszienierend, wie mit wenig Wasserkraft die Mühle funktioniert. Über Zahnräder und Transmissionsgetriebe wird die Wasserkraft auf die einzelnen Maschinen weitergeleitet. In dieser Ölmühle wurde auch Traubenkernöl erzeugt, kaltgepresst natürlich. Auch heute noch ein recht großer Aufwand, da die Traubenkerne nur 2-3% Öl enthalten und die Gewinnung der Traubenkerne im Winzerbetrieb in der Hauptarbeitszeit der Weinlese liegt.

    Dieses wertvolle Öl erfährt seit einigen Jahren ein comeback, da es ausgezeichnete Eigenschaften in der kalten Küche hat und zum Braten sehr hoch erhitzbar ist. Die an der Mosel ansässige Vitis AG produziert kaltgepresstes Traubenkernöl und andere Produkte aus den Traubenkernen u. a. aus ölkologischem Weinbau.

  • Internationale Steillagenweinprämierung

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    Heute war die Preisverleihung für den Internationalen Bergweinwettbewerb auf der Marienburg bei Pünderich. Der Organisator ist Cervim, das internatioale Forschungs- und Studienzentrum zur Pflege und Förderung des Steillagenanbaues mit Sitz im Aostatal in Italien.

    Unsere Qualitätsarbeit in den Steillagen wurde mit zwei Ehrendipolmen für unsere beiden 2008er Spätlesen gewürdigt.

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    Nach Grußworten und Preisverleihung konnten wir alle deutschen Siegerweine verkosten und gegenseitig die prämierten Qualitäten vergleichen.

  • Nummern

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    Heute morgen war der Zoll im Weingut. Die übliche jährliche Kontrolle meines Zollagers. Da unser Sekt der Kriegsflottensteuer unterliegt, lagern wir ihn in einem Zollager. Erst bei Entnahme aus diesem Lager wird die Steuer fällig.  Nebem der altbekannten Tatsache, das Steuern für einen bestimmten Zweck geschaffen werden – hier die Anschafffung der Kriegsflotte von Kaiser Wilhelm –  jedoch nie abgeschafft werden, hatte der Zollbeamte Probleme mit meiner Betriebsnummer. Als Mensch oder gar Unternehmer existiert man nicht unter einem Namen und der dazugehörigen Adresse, sondern wird als Nummer geführt.

    Beim Zoll habe ich sogar vier verschiedene Nummern: Die Betriebsnummer, eine Nummer für den Export, eine Verbrauchssteuernummer und sogar eine eigene Nummer, damit der Zoll die Steuerbeträge per Lastschrift einziehen kann. Daneben gibt es vom Finanzamt noch drei Nummern, die Ökokontrolle begnügt sich mit einer, ebenso die Agrarverwaltung des Kreises, die Landwirtschaftskammer und viele andere Instututionen und Behörden vergeben weitere Nummern. Manchmal am Telefon ein Desaster, wenn ich nicht mit meinem Namen zu identifizieren bin und ich meine Nummer nicht finde.

  • Weinernte 2009: Rückblick und Prognöschen

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    Der Versuch der ersten Ernteprognose. Aber zuerst der Rückblick auf das vergangene Jahr:

    Nach einem bitterkalten Winter, die Mosel war zugefroren, fand der Austrieb der Reben schon am 16. April statt. Kühles Wetter verlangsamte die Rebentwicklung stark. Zum Blütezeitpunkt herrschten wieder kalte Temperaturen durch die sich die Rebblüte verzögerte. Zudem wurden nicht alle Blüten bestäubt. Hohe Niederschläge und subtropische Feuchtigkeit im Juni und Juli führten zu einem noch nie dagewesenen Befallsdruck von Pilzkrankheiten (falscher Mehltau). Nach dem sehr trockenen August gab es in einigen Weinbergen schon die ersten Anzeichen von Wassermangel, die letzte Woche durch ergiebige Niederschläge verschwanden.

    Unser Riesling hat dieses Jahr sehr gut überstanden. Im Gegensatz zum Rivaner, der massivst von dem falschen Mehltau geschädigt wurde, sind nur einige Beeren verloren. Die durch die schlechtere Blüte hervorgerufene Lockerbeerigkeit ist von Vorteil. So können die Trauben rasch abtrocknen und weitere Fäulniss (Botrytis) wird hoffentlich nicht oder in einem geringeren Maße die Beeren befallen. Die Reifemessungen der Agrarberatung melden in etwa einen Stand, der den beiden vergangenen Jahren entspricht.

    Man soll den Tag zwar nicht vor dem Abend loben, aber folgendes Prognöschen sei trotzdem erlaubt. Das in den nächsten Tagen gemeldete Wetter entspricht unseren Wünschen. Kühle Nächte und warme Tage. Der Idealfall für die Aromaausbildung der Rieslingrebe.  Langsames Köcheln auf kleiner Flamme. Könnte meinetwegen bis Ende Oktober so weiter gehen. Die Wasserreserven sind seit letztem Wochenende wieder aufgefüllt und weiteren Regen brauchen wir nicht. Wir haben jetzt ca. 10 Tage Vegetationsvorsprung. Da durch die Klimaänderung schlechte Jahre abgeschafft sind, erwarten wir, wie in den letzten Jahren, entsprechend gute bis sehr gute Weine. Der weitere Witterungsverlauf wird entscheiden wie gut das „sehr gut“ werden wird. Es wird spannend…

  • Weinernte 2009: Die ersten Vorbereitungen

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    Während die Kollegen in südlicheren Gefilden bei entsprechenden frühreifen Rebsorten schon am Ernten, bzw. kurz davor sind, ist es bei uns noch ruhiger.  In der letzten Septemberwoche ist die Ernte bei Rivaner geplant, Riesling frühestens zweite/dritte Oktoberwoche. So kann in Ruhe alles für die Ernte vorbereitet werden.

    Gestern wurde der Kellerboden mit dem Hochdruckreiniger gesäubert und nächste Woche steht der Tankkeller und die Kellereimaschinen auf dem Reinigungsplan. Die Holzfässer werden erst kurz vor der Rieslingernte für die Aufnahme des neuen Weines vorbereitet.

    Eine Ernteprognose wird es hier in den nächsten Tagen auch noch geben.