Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • fast fertig

    Die Winterarbeiten im Weinberg sind fast fertig. Letzte Woche wurde der sehr zeitaufwendige Rebschnitt beendet. Die nach dem Rebschnitt verbliebenen Fruchtruten der Rieslingreben werden nun im Drahtrahmen nach unten gebogen und festgebunden. Ein kleines Helferlein, der Beli Rebenbinder, umschlingt die Rute und den Weinbergsdraht mit einem dünnen Draht und verdrillt diesen.

    Mehr Info über dieses kleine Helferlein finden Sie hier, ein passendes Video hier.

    Endlich eine Arbeit, die viel schneller vonstatten geht, als der Rebschnitt. Einige Tage noch und auch diese Arbeit ist fertig.

    Trotz der sehr kalten Tage zum Monatswechsel, die ein Arbeiten im Weinberg verhinderten, und der Renovierung unseres neuen Betriebsgebäudes, liegen wir sehr gut in der Zeit.

    Jetzt darf muss der Frühling kommen, damit die Natur erwacht und alles ergrünt.

  • Balsam für die Seele

    Im letzten Herbst ist das Buch „die neue mosel“ erschienen. Ich dachte mir, dass es wieder so ein übliches Moselbuch mit den üblichen Bildern und den immer gleichen Winzern ist. Ich wollte es mir einmal anschauen, wenn es mir in einer Buchhandlung begegnet, kaufen sicherlich nicht.

    Bei einem Besuch bei Freunden lag dieses Buch zufälligerweise rum und ich begann darin zu blättern und anschließend zu lesen. Das Buch hatte mich in Kürze in seinen Bann gezogen.

    „..wirft einen überraschenden und ungewohnten Blick auf das Weinanbaugebiet Mosel. Wer die Mosel mit verstaubten Etiketten und schlechter Küche assoziiert, wird in diesem Buch eines Besseren belehrt. Wolfgang Faßbender stellt neue und außergewöhnliche Winzer und Köche vor, führt Interviews mit den wichtigsten Protagonisten und zeigt wie die „Wein-Mosel“ zukünftig aussehen könnte. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise, die an der Obermosel und in Luxemburg beginnt und flussabwärts führt, …“ so der Pressetext des Verlages.

    Dem kann ich voll zustimmen. Frische, gut geschriebene Texte von Wolfgang Faßbender, die dazu führen, das Buch in einem Rutsch durchzulesen. Dazu Bilder von Andreas Durst, die die Mosel aus einem anderen Blickwinkel zeigen.

    Wir soffen uns langsam den Fluß hinab,… und auf jeder dritten Station stiegen wir aus und sahen nach, wie es mit dem Weine wäre. Es war.“ schrieb schon Kurt Tucholsky auf seiner Moselreise 1929. Dies taten auch die beiden Autoren des Buches – zumindest die Mosel hinab reisen – und die große Überraschung für mich konnte ich auf den letzten Seiten des Buches lesen.

    Zu einem war ich erwähnt – neben vielen anderen  Kollegen, die nicht zu den „immer gleichen Winzern“ zählen – , zum anderen kamen sehr lobende Worte über unser Weingut und unsere Weine darin vor.

    „bekannt geworden…für seine klugen Blogberichte… keiner tut es so klug und präzise, unterlegt von kühnen Fotos, wie Harald Steffens…“

    Das war ja schon Balsam für meine Seele, aber Wolfgang Faßbender setzte noch einen obendrauf:

    „Die trockene Spitze, ist weitgehend unabhängig von den Besonderheiten des Jahrgangs, auch von den Großen Gewächsen des Anbaugebietes Mosel kaum zu übertreffen, besitzt eigene, von Kräuterwürze geprägte Klasse, die Preise bleiben ohnehin auf dem Teppich. Dass hier ökologisch gearbeitet wird, hängt niemand an die große Glocke, die Qualität von Steffens hausgemachtem, komplexen Balsamessig ebenfalls nicht.“

    Aber unabhängig, ob mir in diesem Moselbuch geschmeichelt wird: lesenswert! Ein muß für dem Weinliebhaber!

    „die neue mosel – von weinen und winzern“, Wolfgang Faßbender / Andreas Durst

    Mondo Verlag, Heidelberg
    208 Seiten, gebunden, gebunden, vierfarbig, 20,1 x 25,4 cm, ISBN: 978-3-938839-36-2, 34,95 €

  • Raum Nr. 1

    Der in der Archtektenzeichnung als Raum Nr. 1 genannte Kellerraum  ist nun voll betriebsbereit. Mit Abfüllung des neuen Jahrganges ist das neue Verkaufslager – bei größeren Versendern heißt das Logistikzentrum – nun voll im Betrieb. Es ist genügend Platz für alle Weine und die entsprechenden Kartonagen vorhanden. Die Arbeitsabläufe sind gegenüber den alten Räumlichkeiten bedeutend besser geworden.

    Nächste Woche werden die anderen Lagerräume in unserem neuen Betriebsgebäude wahrscheinlich fertiggestellt. Bis auf kleinere Handwerkerarbeiten können dann alle Betriebsräumlichkeiten ohne Einschränkungen genutzt werden. Die Außenarbeiten sind auch schon weit gediehen, ein Ende der Bauarbeiten ist in Sicht.

  • Lepus europaeus

    Foto: Valentin Heimes

    Als meine Aushilfe Valentin heute morgen aus dem Weinberg zurück kam, berichtete er über den Streichelhasen, Lepus europaeus, den er im Weinberg beim Rebschnitt getroffen hatte. Blieb brav sitzen, ignorierte meinen Helfer und lies sich ausgiebigst fotografieren. Als mein Helfer ihn streicheln wollte und bis auf wenige Zentimeter an ihn heran kam, trollte er sich, ganz langsam.

    Ich gehe davon aus, das der Hase krank war. Das wird sich ökologisch regeln. Beute für Vulpes vulpes, der gemeine Rotfuchs. Fressen und gefressen werden.

  • weinsteril

    Morgendlicher Nebel machte sich im Weinkeller durch den Heißdampf breit, mit dem letzte Woche die Füllanlage und der Sterilfilter sterilisiert wurde.

    Wir nennen das weinsteril: Sämtliche Keime (Hefen, Säure abbauende Bakterien usw.), die dem Wein schaden können, müssen durch den Sterilfilter entfernt werden und eine nachfolgende Wiederverkeimung in der Füllanlage muss verhindert werden.

    Der neue Jahrgang ist nun  komplett abgefüllt. Genau passend bei dem sehr kalten Wetter, das ein arbeiten im Weinberg unmöglich machte. Im Weinkeller war es zwar nicht kuschelig warm, aber unser Tagewerk konnte verrichtet werden.

    Jetzt noch Preisliste gestalten, Internetshop aktualisieren, Flaschen etikettieren und einiges mehr. In Kürze ist der 2017er Riesling erhältlich.

  • Gipfelstürmer

    Am vergangenen Samstag starteten wir zur alljährlichen Männer-, bzw. Winterwanderung an die Untermosel. Die Moselberge wollten wir wieder als Gipfelstürmer erklimmen. Der Moselsteig, Etappe 22, zwischen Löf und Kobern-Gondorf an der Untermosel war das Ziel.

    Der erste, kleinere Aufstieg führte uns zur Burg Thurant über Alken. Übrigens eine der schönsten Burgen an der Mosel.

    Nach dem ersten großen Anstieg erreichten wir die Wallfahrtskirche Bleidenberg oberhalb von Niederfell. Zuerst Kirchenbesichtigung, dann eine kleine Rast mit Speis und Trank mit Ausblick ins Moseltal.

    Das kalte Wetter mit dem eisigen Ostwind, der uns schon bei der Zugabfahrt in Reil um die Ohren pfiff, ließ uns warm eingepackt wandern. Die Aufstiege – insgesamt wurden über 500 Höhenmeter überwunden – waren anstrengend. Steil bergauf, dazu auf der Sonnenseite der Moselnebentäler. Also Jacken wieder ausziehen, oben auf dem Berg sofort wieder anziehen, damit man durch den Wind nicht auskühlte.

    Dann auf den Moselbergen eine grandiose Aussicht auf die Mosel, die sich als glitzerndes Mäander präsentierte.

    Im Abendlicht erreichten wir dann Kobern-Gondorf mit der Matthiaskapelle und der Niederburg, um mit der Bahn wieder nach Hause zurückzukehren. Verpflegungstechnisch waren wir gut gerüstet. In jeden Rucksack fand sich etwas für die Pausen. Mein Rucksack war mit italienischen Spezialitäten bestückt.

    Adronaco, ein in Deutschland ansässiger Supermarkt für ital. Spezialitäten, stellte uns einiges an Marschverpflegung und auch Wein zur Verfügung. Bei den Gläschen mit Antipasti gefiel besonders die Kirschtomatencreme. Die Waffelröllchen gefüllt mit feiner Haselnusscreme punkteten beim Gebäck und waren schnell gefuttert. Die sehr guten Vollkornkekse kamen gar nicht erst zur Wanderung mit, da diese bei einer anderen Gelegenheit rasend schnell verspachtelt wurden. Dem Wein, ein weißer aus der Lombardei und sizilianischer Merlot, erging es wie den Waffelröllchen und die Flaschen waren schnell geleert. Sehr sauber vinifiziert, unkompliziert und süffig. Danke Adronaco!

    Ich habe schon des öfteren Produktproben kostenlos zugesendet bekommen. Einige davon wurden hier im Blog besprochen, positiv wie negativ. Daher zur Kenntlichmachung die neue Kategorie Reklame in der rechten Menüleiste.

    Falls noch jemand eine Besprechung eines Produktes haben möchte, meine Adresse steht im Impressum. Ich bräuchte noch und hätte gerne:……

  • Das Reiler Goldlayschwein hat wieder zugeschlagen

    Die Wühlschäden werden immer mehr und die Wildschweine sind mittlerweile eine Landplage. In einem Weinberg gehen mittlerweile zwei Wildwechsel durch, ein Jahr vorher war es nur einer. Das Vorhandensein eines mobilen Jägerhochsitzes bei einem unserer Weinberge im letzten Herbst war für die Schweine abschreckend und der Anlass, dort keine Trauben zu naschen und keine Wühlschäden zu verursachen. Ich berichtete hier.

    Statt dessen großflächige Wühlarbeiten in einem entfernteren Rieslingweinberg. Das Mähgerät wird sich freuen, wenn die Mulchmesser mit dem Boden in Kontakt kommen und der Verschleiß zunimmt. Ich denke, dass ich beim Jäger mal wieder ein Reiler Goldlayschwein bestellen muss, denn diese Spezies habe ich lieber im Backofen als im Weinberg.

    Ich lasse mich überraschen, was die Zukunft bringt. Die Wildschweinpopulation ist seit Jahren am steigen. Veränderungen in der Landwirtschaft mit erhöhtem Maisanbau oder die Verbuschung nicht mehr genutzter Land- bzw. Weinbaufläche, die mehr Rückzugsräume für die Tiere schafft, ein erhöhtes Nahrungsangebot und auch die Klimaänderung sind neben weiteren Faktoren dafür verantwortlich.

  • Frühlingsgefühle

    Immer öfter wärmenden Sonnenschein beim Rebschnitt, die Tage werden auch länger und

    erste Korbblüter, die irritiert durch den bisher warmen Winter, schon oder immer noch ihre Blütenpracht zeigen. Vorboten des Frühlings, wären da nicht die Meterologen, die einen Kälteeinbruch für die nächsten Tagen vorhersagen.

    Es wird nächste Woche frühmorgens beim Rebschnitt eiskalte Finger geben, die hoffentlich durch die aufgehende Sonne wieder gewärmt werden.

  • Reben schneiden

     Wir sind fleissig am Reben schneiden. Diese Woche kam auch endlich der Winter mit kalten Temperaturen und ein wenig Schnee. Was uns am meisten erfreute, war die Sonne, die sich endlich am Himmel zeigte. Schon beim Rebschnitt sieht man die Klimaänderung. Immer mehr Rebstöcke sind mit der Viruskrankheit Esca oder der Schwarzholzkrankheit befallen. Klimaerwärmung und Klimastreß, insbesondere die beiden letzten Jahre mit ihrer extremen Witterung (Trockenheits- und Nässephasen), fördern diese Schaderreger.

    Als  alleinige Maßnahme bleibt nur der Weg, die Rebe bis auf einen kleinen Stammrest zurück zu schneiden. Sozusagen das von Schaderregern befallene Rebholz komplett zu entfernen. Aus den im kommenden Frühjahr sich neu bildenden Trieben kann der Rebstock dann wieder aufgebaut werden. Leider gibt es ein Jahr keine Ernte von diesen Rebstöcken und es sind viele Reben, die stark zurück geschnitten werden.

  • Abfüllplanungen

    Dieser Tage standen wie jedes Jahr alle Jungweine zum Probieren auf den Tisch. Die jährliche Jungweinprobe mit Freunden und Winzerkollegen, um der eigenen Betriebsblindheit vorzubeugen und um unser neues Weinsortiment zu gestalten. Wie jedes Jahr Diskussionen, ob der Wein in der qualitativen Reihenfolge richtig eingereiht war oder nicht und ob er der vorgesehenen Qualitätseinstufung meinerseits entspricht.  Bis auf kleine Abweichungen, die meine Freunde anders sahen als ich, passte es.

    Die Qualität sehr gut, frische Frucht, Eleganz und saftig. Die Alkoholgehalte, bis auf die beiden hochwertigsten Rieslingauslesen, wie immer moderat, so dass diese wieder als Spaßweine bezeichnet werden können.