Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Man könnte auch darauf verzichten…

    Nach den starken Regenfällen der vergangenen Tage ist die Mosel innerhalb weniger Stunden stark angestiegen. Die Moselstraße wurde heute Morgen überflutet. Unser Weingut ist nur noch über den Hintereingang trockenen Fußes erreichbar.

    Ein sogenanntes zweijährliches Hochwasser. Es läuft seit heute Mittag in den Keller und steigt. Im Video etwa 6 Meter über dem Normalpegel. Nichts Dramatisches, außer ein paar Stunden Arbeit, um den Keller hochwassersicher zu machen. Das Aufräumen danach braucht auch noch etwas Zeit. Aber das wird noch ein paar Tage dauern. Im Moment regnet es stark und es wird noch viel Wasser die Mosel hinunterfließen, bis die Pegel wieder sinken.

    Man könnte auch darauf verzichten…

    Zum Nachlesen: Hochwasser in unserem Weinberg in den letzten Jahren.

  • Frohe Weihnachten – Merry Christmas – Buon Natale – Feliz Navidad

    Wir wünschen ein fröhliches Weihnachtsfest – Wishing you a wonderful Christmas – Vi auguriamo buon Natale – Le deseamos una Feliz Navidad

    Harald Steffens, Marita Keß und Familie

  • Dankeschön!

    Die Bio-Glühwei(h)n-Nacht am vergangenen Samstag war ein voller Erfolg. Pünktlich zu Beginn der Veranstaltung trafen die ersten Gäste ein. Unser Verkaufslager war den ganzen Nachmittag und Abend gut mit Gästen gefüllt. Glühwein, Kinderpunsch, Waffeln und Kürbissuppe fanden reißenden Absatz: alles weg!

    Nach alter Pfadfindermanier (ich war auch mal dabei🙂): jeden Tag eine gute Tat! Da das Jahr so viele Tage hat, machen wir es einmal richtig und sponsern seit Jahren für diese Glühweinnacht den Glühwein, natürlich Riesling, Kinderpunsch und Kleinigkeiten zum Essen.

    Vielen Dank an alle, die dabei waren und nun mit den reichlich eingenommenen Spenden den Verein Somero unterstützen, der ein Bildungsprojekt in Uganda betreibt.

  • Bio-Glühwei(h)n-Nacht

    Gemütliches Beisammensein bei leckerem Bio-Glühwein – natürlich aus Riesling –  Infos und Gespräche zum Öko-Landbau.

    Am 1. Adventswochenende, Samstag, den 02. Dezember, ab 16.00 Uhr, findet zum x-ten Mal die Bio-Glühwei(h)n-Nacht in unseren Kellerräumen statt.

    Wie gehabt spenden wir den Glühwein und Ihr ins Spendenschwein. Der Erlös geht an eine wohltätige Organisation.

    Für alle, die von weiter her kommen und auch Durst haben: An- und Abreise stündlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Alternativ zu Fuß!

  • Wir fühlen uns geschmeichelt

    Obwohl wir den verschiedenen Weinwettbewerben und Verkostungen kritisch gegenüberstehen, können wir nicht darauf verzichten und nehmen an einigen teil.

    Wir freuen uns immer, wenn wir bei Verkostungen sehr gut abschneiden und fühlen uns geschmeichelt. Neben kleineren Weinwettbewerben wie der Steillagenweinprämierung in Aosta, Italien und der Verkostung unseres Verbandes ECOVIN gab es auch großes Lob im Eichelmann Weinführer. Sagenhafte dreieinhalb Sterne für unsere ausschließlich trockenen Weine. Auch andere Weinführer wie der VINUM Weinführer zählen uns zu den besten deutschen Weingütern und lobten unsere 2022er Weinkollektion.

    Gerhard Eichelmann vom gleichnamigen Weinführer fand dieses Jahr sehr schöne Worte für unseren Basisriesling in der Literflasche: „Harald Steffens stellt sich auf die Besonderheiten des jeweiligen Jahrgangs besser ein als die meisten seiner Kollegen. … In jedem Jahrgang ist der trockene Literriesling eine Art Visitenkarte des Hauses, auch in 2022 wird dies deutlich. Der Wein ist duftig mit attraktiven kühlen Kernobstnoten, ist im Mund rassig mit animierender Frucht. Gewiss ist dies einer der besten Literweine der Mosel.“

  • Weinernte 2023: Ernte in Zeiten des Klimawandels

    Der Weinbau verwandelt sich durch den Klimawandel immer schneller. Am Anfang meines langjährigen Berufslebens war ich froh, wenn der Riesling spät im Oktober reif wurde. Man zögerte die Weinernte lange hinaus, um die nötige Traubenreife zu bekommen. Tiefe Temperaturen, mit Frost, waren keine Seltenheit. Mit Winterbekleidung und klammen Fingern wurde dann geerntet. Des Öfteren waren unsere Erntekisten aneinander gefroren.

    Mittlerweile reicht morgens ein leichtes Jäckchen gegen die Morgenkühle und Mittags sind T-Shirt und kurze Hose angesagt.  Weitere Nebenwirkungen der hohen Temperaturen haben wir dieses Jahr schmerzlich gespürt. Das erste, heiße Oktoberwochenende, setzte den Rieslingtrauben stark zu. Rasant breitete sich Essigfäule aus. Die rosa gefärbten Essigfäulebeeren waren leicht zu erkennen und schnell aussortiert. Der gleichzeitig beginnende Befall mit dem Edelfäulepilz Botrytis ist in anderen Jahren kein Problem. Dieser Pilz durchlöchert die Beerenhaut, Wasser verdunstet aus der Beere und der Rest konzentriert sich. Dazu kommen noch Stoffwechselprodukte des Botrytispilzes, die eine honigartige Aromatik haben. Ein Muss für hochwertigste Rieslingweine und ohne diesen Pilz nicht machbar.

    Aber leider waren dieses Jahr die überall vorhandenen Essigbakterien durch die durchlöcherte Beerenhaut in die Beeren eingedrungen. Bei den hohen Temperaturen konnten sie sich rasend schnell vermehren. So wurde aus der Edelfäule schlicht und einfach Essigfäule, die wir mit hohen Verlusten aussortieren mussten.

    In einem Weinberg, der penibel vorselektiert worden war, wurden am letzten Erntetag wunderschöne, lockerbeerige Trauben geerntet.  Dazu noch frischer, optimaler Befall mit dem Edelfäulepilz, ohne einen Hauch von Essigfäule. Voraussetzung für einen großen Wein!

    Die Traubenqualitäten, die in der Weinpresse landeten, waren sehr gut. Wir waren aber nicht die einzigen, denen unsere Trauben schmeckten. In einem Weinberg hatten auch die Vögel unsere guten Beeren entdeckt und sich reichlich bedient. In diesem Weinberg müssen wir nächstes Jahr die Ernte früher terminieren, damit für den Winzer mehr übrig bleibt.

    Die jungen Weine befinden sich noch größtenteils in der Gärung. Sie werden fast täglich probiert, um die Geschmacksentwicklung zu verfolgen. Und das macht so richtig Spaß. Man schmeckt beim Probieren die vollreifen Rieslingtrauben.

    Eine alte Handwerkskunst: Der Winzer muss ein Maximum an Geschmack in der Traube konzentrieren und der Kellermeister soll diese verlustfrei in die Weinflasche abfüllen.

  • Weinernte 2023: alles unter einen Hut bringen

    Weinernte bedeutet nicht nur Trauben abschneiden, im Weinberg selektieren und abends stundenlang im Kelterhaus und Keller Trauben und Most verarbeiten. Es bedeutet einiges mehr! Im Hintergrund läuft immer auch eine logistische Herausforderung für unser kleines Weingut. Planen, wann die Lese ungefähr beginnt, die unverzichtbaren Erntehelfer organisieren und im Weinkeller alles vorbereiten.

    Foto: Lena Everding

    Wichtig ist auch die Frage, ob es unter den Helfern schon „Mehrfachtäter“ gibt, die neue Erntehelfer anleiten können und im Team die Arbeitsabläufe unterstützen und beschleunigen. Im Idealfall ein Dreamteam, wie bei den meisten vergangenen Weinernten.

    Foto: Lena Everding

    Da die Weinernte auch sehr körperlich belastend ist, werden die körperlich anstrengenden Arbeiten auf mehrere Köpfe verteilt. Auch das hat dieses Jahr sehr gut geklappt. Ex-Azubi Ken kümmerte sich um den Transport der Erntekisten aus dem Weinberg auf den Anhänger.

    Foto: Lena Everding

    Junior Felix war für das Abladen der Kisten auf die Weinpresse zuständig, ich für die abendliche Trauben- und Mostverarbeitung.Eine ganz wichtige Rolle und auch eine der größten Herausforderungen spielt das leibliche Wohl und die Unterkunft. Alles muss organisiert werden. Betten haben wir genug in unserem Haus und diejenigen, die bei uns Quartier bezogen haben, helfen tatkräftig mit. Es ist sozusagen wie in einer großen Wohngemeinschaft. In der Regel sind 7 bis ca. 15 Personen zu versorgen. Das ist noch kein Problem. Aber wir hatten auch schon Erntetage mit 30 Leuten. Dann wird es spannend. Haben wir genug Porzellan? Besteck? Erntescheren? Wie kommen die ganzen Leute in den Weinberg? Chefin Marita hat diese Herausforderungen bisher bestens gemeistert.

    Foto: Archiv

    Unsere niederländischen Helfer bringen auch immer etwas zum Naschen mit. Sei es der selbst gebackene Kuchen oder schon traditionell seit Jahren die Großpackung Kruidnoten, die binnen kürzester Zeit aufgegessen sind.

    Auf die Essenswünsche unserer Gäste gehen wir gerne ein. Vegan, vegetarisch oder ein ordentliches Steak vom Grill: alles kein Problem. Auch mitkochen ist erlaubt. Unsere am weitesten angereiste Erntehelferin, Greysi Quiroz aus Pozuzo, Peru, hat uns bei der Weinlese mit einem typisch peruanischen Gericht bekocht: frittierte Kochbananenknödel, marinierte Zwiebeln mit frittiertem Rauchfleisch. Schmeckte sehr gut, sättigte ungemein und unser Riesling passte perfekt dazu.

    Bisher hat es immer geklappt, alles unter einen Hut zu bringen.

    Danke an Lena Everding für die Fotos.

  • Weinernte 2023: Wir haben fertig!

    Nachdem der Kampf um die letzten Rieslingtrauben in der letzten Rebzeile ohne gegenseitige Schnittverletzung beendet war, kann ich jetzt verkünden: „Wir haben fertig!“

    Wie jedes Jahr ein dickes Lob und ein Dankeschön an unsere Erntemannschaft, die wie immer ihr bestes beim Ernten gab. Rasant schnell, einsame Spitze im Selektieren und immer gut drauf: Azubi Nils, Ken, Felix, Valentin, Chefin Marita und Margit (v.l.n.r.) und die heute nicht dabei gewesenen Vani, Soffel, Rosi, Britta, Werner, Lino, Alexander, Marlene, Friedrich, Pia, Lena, Margit, Michael, Greysi, Hans, Peter, Paul und Sanne.

    Wie immer: Rasend schnell, einsame Spitze im Selektieren und trotz der Ernteumstände immer gut drauf. Klasse Mannschaft!

  • Weinernte 2023: Tag drei

    Seit drei Tagen sind wir nun am Ernten. Morgens bei dichtem Nebel und wärmer angezogen.

    Mittags bei hochsommerlichen Temperaturen im T-Shirt. Fast zu warm um zu ernten, etwas kühler wäre angenehmer.

    Lockerbeerig, gesund und sehr schön präsentieren sich größtenteils die Rieslingtrauben.  Die Saftqualitäten sind analytisch im optimalen Bereich und sie schmecken sehr gut.

    Die Wärme hat aber auch Ihre Schattenseiten. Überall findet man mittlerweile Essigfäule, die sich rasch ausbreitet. Normalerweise kein Problem. Diese rosa schimmernden Beeren findet jeder Erntehelfer schnell und kann sie aussortieren. Beeren, deren Schale vorgeschädigt ist, wie z.B. bei der Edelfäule, werden ebenfalls durch die Essigfäule infiziert. Dann wird aus der Edelfäule schlicht und einfach Essigfäule.

    Das beschert uns zusätzlichen Selektionsaufwand mit Mengenverlusten, um einwandfreie Trauben in die Weinpresse zu bekommen. Gut, dass wir eine große Erntemannschaft haben, die morgen noch um fünf Köpfe anwachsen wird.

    Ab Morgen soll es kühler werden und immer noch trocken bleiben. Wir werden uns beeilen müssen, damit wir alle Trauben in bestmöglicher Gesundheit ins Weingut bekommen.

    „Klimawandel sei dank“ Der wärmste September seit Messbeginn.🙁