Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Essen

  • Helix pomatia

    2015-04-27 HelixZwei Regentage und Helix pomatia, auch schwäbische Auster genannt, ist aus dem Trockenschlaf aufgewacht und im Weinberg in der Naturbegrünung (Scharfer  Mauerpfeffer) unterwegs.

    Ein Leckerbissen, der bis vor einigen Jahren noch für den Eigenverbrauch gesammelt werden durfte. Mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Arten und das Sammeln ist natürlich verboten.

    Wer trotzdem kulinarische Gelüste hat, kann sich die Weinbergsschnecken bei heimischen Schneckenzüchtern kaufen. Idealerweise – mit etwas mehr Arbeit verbunden – als Frischware, schockgefrostet oder im Gemüsesud.

    Bei der Zubereitung bevorzuge ich die Variante mit Riesling:

    800g Weinbergschnecken Frischware gereinigt
    Olivenöl (reichlich), 5 Knoblauchzehen ,1 Bund Petersilie ,1 Glas Moselriesling, Salz, Pfeffer nach Geschmack

    Das Öl mit den ganzen Knoblauchzehen und die zerkleinerten Petersilie mit den Schnecken in einen Topf geben. Etwa 3 bis 4 Stunden bei mittlerer Hitze zugedeckt dünsten. Nach der Hälfte der Garzeit den Weißwein zugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig garen und servieren.

    Dazu frisches Baquette und ein Glas vom gleichen Riesling, der auch im Kochtopf gelandet ist. Es müsste ja noch etwas in der Flasche sein.

  • kurz auf ein Gläschen Riesling

    2015-04-14 Tiroler Speck

    Ein Freund kam die Tage kurz auf ein Gläschen Riesling vorbei. Und da ein gutes Glas Wein dazu geeignet ist den Verstand zu wecken und ein leichter Moselriesling zudem kein „Rauschwein“ ist, sondern ein Getränk für lange Nächte; ein Debattier-Tropfen, der Esprit und Phantasie beflügelt, statt sie zu lähmen, wurde das kurz immer länger.

    Das Gläschen mutierte über ein Glas zu einer Flasche und der dazu gereichte Südtiroler Speck passte genau zu unserem Riesling. Der richtige Snack zum Wein! Besser als Käseigel, Salzstangen oder ähnliches.

    Den Riesling gibt es hier, der Speck war ein Mitbringesel eines anderen Freundes, aber einen guten Südtiroler Speck finden sie sicherlich über die Internetsuchmaschine oder fragen Sie bei meinem Südtiroler Kollegen Armin Kobler nach einer guten Einkausquelle.

  • Urtica dioica L.

    2014-11-21 BrennesselSo sehr wie ich Urtica dioica L. hasse – ich berichtete hier schon einmal über die Große Brennessel als Wirtspflanze der Grasflügelzikade -, so vielfältig ist der Nutzen für den Menschen. Die Verwendungsmöglichkeit als Brennesselspinat dürfte den meisten bekannt sein.

    Aber auch heilende Wirkungen in der Medizin sind beschrieben. Brennessel bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, bei Arthritis, bei Harnwegserkrankungen, für die Prostata, zur Stärkung der Abwehrkraft und Blutdruckabsenkung.

    Dieses Zauberpflänzchen kann sogar noch viel mehr. Die Samen der Brennessel bergen die Sensation. Lässt Haare wachsen und soll als Pimpermittel eine aphrodisierende Wirkung haben. „Durch die Samen werden die Körperfunktionen angeregt, außerdem wirken sie tonisierend, was für die Luststeigerung vorteilhaft ist.“ schreibt diese Kräuterseite über den Brennesselsamen.

    Aber machen wir es nicht so kompliziert. Probieren sie einmal den Samen! Mit anderen Kräutern die ideale Zutat für einen pikanten Salat. Um den Geschmack zu verbessern, bei mittlerer Hitze 15 min in den Backofen, bis sie dunkelgrün bis leicht bräunlich geworden sind. Nicht rösten!

  • Boletus edulis

    2014-08-16 Steinpilze

    Boletus edulis, der gemeine Steinpilz.  Reichlich findet man davon im Wald. Ideales Pilzwetter durch den vielen Regen der letzten Tage und Wochen. Gut für die Pilzsammler, schlecht für die Trauben. Man hört immer öfter von Kollegen Klagen über beginnende Fäulnis im Weinberg. Erste Fäulnis habe ich auch schon in einem unserer Weinberge gesehen.

    „Wenn das nicht trocken wird, wird 2014 schlimmer als 2013… Wenn das trocken wird, wird alles gut“ so ein Kollege, dem ich mich voll anschließe und mir wünsche, das es trocken wird.

    Aber zurück zum Steinpilz: Sorgfältig putzen und in dünne Scheiben schneiden. In heißem Olivenöl die Pilze goldbraun braten. Knoblauch dazu, mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit einem Schuss Riesling verfeinern. Der Rest der Flasche Riesling kann dann beim Essen dazu getrunken werden. Mit reichlich geschnittener Petersilie servieren. Ein Scheibchen Brot noch und Guten Appetitt!

    Die Pilze können Sie sich selbst suchen, Öl und Riesling gibt es hier.

  • Der Fisch will schwimmen

    2014-06-06 Ente Fisch

    Da wäre ich jetzt gerne! Bei den jetzt herrschenden, hochsommerlichen Temperaturen mit den Eifelforellen im kühlen Teich plantschen und ebendiese, 2014-06-06 Forelle

    der kurzen Wege halber, als Räucherforelle mit Sahnemeerrettich und Eifeler Landbrot verspeisen.…………………………………………………………………………………………………….2010-09-04 Forelle

    Alternativ natürlich als Forelle Müllerin und auf jeden Fall einen leichten, trockenen und gut gekühlten Moselriesling dazu. Denn der Fisch will dreimal schwimmen: In Wasser, Schmalz und Wein, wie ein altes Sprichwort sagt.

    Oder, vielleicht geht jetzt meine Phantasie zu weit – ich warte aufs Mittagessen und bin hungrig – einen leckeren Entenbraten..

  • Curiosa iuris vini

     2014-06-28 DuesiCuriosa iuris vini – Kuriositäten des Weinrechts – so der Vortrag von Matthias Düsi vom duesiblog.de auf dem am diesem Wochenende stattgefundenen Vinocamp. Mittlerweile das vierte vinophile Barcamp in der Weinuni in Geisenheim am Rhein. 2014-06-28 Weinglas

    Der Wein spielte naturgegeben ein große Rolle und so begleiteten Weingläser die Teilnehmer den ganzen Tag. Wein gab es fast bei jedem Vortrag in den Hörsälen der Weinuni zu probieren.

    2014-06-28 HörsaalAuch beim Marketingvortrag der Medienagenten gab es die von dieser Agentur geschaffenen Markenweine zum probieren.

    2014-06-28 WurstDa das Motto für das Vinocmap 2014 “Speis & Trank” war, gab es sehr viele Verkostungen zu diesem Thema. Es wäre zu viel, über alle hier zu schreiben. Ich machte bei der Verkostung „Wein und Wurst mit, die von Thorsten Goffin organisiert wurde. Über 20 Teilnehmer, gefühlte 30 verschiedene Wurstsorten und Weine.

    2014-06-28 SpeckSehr spannend, wie die mitgebrachten Weine mit den verschiedenen Salami-, Blut-, Leber-, Fleischwürsten, Trockenfleisch von der Ziege, grüner gesalzener Speck usw. harmonisierten. Höchste handwerkliche Fleischqualität der Fleischwaren stand auf den Tischen. Ich brachte die legendäre luftgetrocknete Blutwurst und die Sommersalami meines Lieblingsmetzgers mit, die zum ebenfalls mitgebrachten Riesling Kabinett gut passten.

    2014-06-28 Abstimmung

    Samstag abend wurde auf dem Vinocamp der “Wein-Online-Award 2014″ vergeben. Die Jury hatte eine Vorauswahl getroffen und auch wir waren in den Kategorien Text und Bild nominiert.  Die Teilnehmer des Vinocamps durften dann per Stimmzettel entscheiden. Gewonnen haben wir zwar nicht, aber wir waren dabei gewesen. Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner weinlagen.info, Christoph Raffelt und Kilian Franzen.

    Und natürlich ein Dankeschön an das Organisationsteam und an die Sponsoren, die diese Veranstaltung ermöglicht haben.

  • Das Reiler Goldlayschwein

     

      2014-06-01 Schwein1Fressen und gefressen werden, das Grundprinzip in der Natur. Jetzt bin ich beim Fressen dran! Das Reiler Goldlayschwein, zumindest ein Exemplar der Wildschweine die mir des öfteren den Boden aufwühlen, wurde letzte Woche vom Jäger erwischt.…………………………………………..

    Mit Hilfe eines Freundes wurde es gestern zerlegt. …………………………………………..2014-06-01 Soße

    Heute die Weiterverarbeitung, also Fleisch parieren, portionieren und einfrieren. Die braune Sauce aus den Knochen und Fleischresten, nebst Verwendung von Wurzelgemüse, Zwiebeln, Kräutern und reichlich Rotwein, köchelt momentan noch auf dem Herd.

    Jetzt noch genügend Mitesser finden – die halbe Familie isst vegetarisch und fällt daher aus -, eine der beiden Keulen aus der Tiefkühltruhe nehmen, diese drei Tage in unserem Riesling-Weinessig und einer Flasche Reiler Goldlay beizen baden. Das Bad mit den üblichen Zutaten von Zwiebeln, Möhren, Lorbeer und einigem mehr verfeinern. Scharf anbraten und bei Niedertemperatur garen.

  • Eine Handvoll

    2014-05-17 Kräuter

    Eine Handvoll Kräuter aus dem Kräutergarten, alternativ ergänzt durch im Weinberg wachsende Kräuter wie Allium vineale, Pfefferminze, Oregano oder Zitronenmelisse. Nach Belieben Knoblauch. Das ganze mit einem scharfen Messer klein hacken. Kräftig Salz und Pfeffer dazu, mit Riesling-Weinessig ansäuern. Mit einem halben Pfund Butter vermischen und fertig ist die Kräuterbutter.

    Auf ein frisches Baguette gestrichen, ein Glas Riesling dazu und der Sommer kann kommen, behaupten zumindest die Meteorologen für nächste Woche.

  • Genussreise: Tafelrunde und Bacchanal

    2014-02-07 Ulrike

    Ulrike Laun hatte am vergangenen Wochenende zur Tafelrunde in die Landlust Körzin in Brandenburg eingeladen. Ein sechsgängiges Menü, dazu meine Weine, die die Speisen begleiten sollten.

    „Sie möchten Lebensmittel, die nicht tausende von Kilometern hinter sich gebracht haben. Sie wissen, dass es Jahreszeiten gibt. Sie akzeptieren, dass das Frühjahr Rhabarber, Erdbeeren und Spargel gedeihen lässt. Sie wissen, dass dem Herbst das Reifen der Äpfel und Birnen vorbehalten ist.“

    so in der Homepage dieses kleinen Landgasthofes. Dazu nach Möglichkeit alles aus regionaler Erzeugung.

    2014-02-07 Speisekarte

    Die Speisenfolge hörte sich gut an. Aber überall trockenen Riesling dazu? Konnte ich mir nicht vorstellen. Also ließ ich mich von Ulrike überraschen, die selbst am Herd stand. Ich fungierte als Mundschenk und erklärte den Gästen die Welt des Weines und im speziellen unseren Bioriesling.  2014-02-07 Dessert

    Das Essen eine Wucht! Erste Sahne! Könnte mein Lieblingsrestaurant werden, wenn es denn um die Ecke bei Reil wäre! Jeder Gang eine neuer kulinarischer Höhepunkt! Kreative Regionalküche auf hohem Niveau.2014-02-07 Birne im Käsemantel

    Und interessanterweise, unsere trockenen Rieslinge passten! Der Sekt zum Empfang und zur Vorspeise bis hin zur Auslese zum Törtchen, welches zum Schluss gereicht wurde. Für mich am spannendsten war der vorletzte Gang. Birne im Käsemantel mit Zabaglione vom Mosto Cotto.  Meine Vorstellungskraft konnte sich das im Vorfeld überhaupt nicht vorstellen. Jetzt weiß ich aber wie gut so etwas schmecken kann. Ich hoffe, dass ich noch das Rezept dafür bekomme. Werde ich natürlich dann hier veröffentlichen.

    Das war einfach passend zum Riesling gekocht, auf höchstem Niveau.

    Am zweiten Tag meiner Genussreise war ich vom Polit- und Weinjournalisten Rainer Balcerowiak nach Berlin eingeladen worden.

    „Natürlich gibt es was zu essen, ich habe schließlich einen Ruf zu verteidigen. Ich dachte da an eine kleine Tofu-Lachsterrine mit Washabi-Ingwer-Vinaigrette (Dazu würde ein halbtrockener Riesling oder Muskateller passen) Und dann noch Gulasch vom Brandenburger Wildschwein mit hausgemachten Spätzle (klingt nach kräftigem Spätburgunder mit unaufdringlichem Holz. Blaufränkisch/Lemberger geht natürlich auch, aber AUF KEINEN FALL DORNFELDER!!).“

    Ich durfte die Weine mitbringen. Nicht die Eigenen, die kennt Rainer schon. Also auf gut Glück einen Spätburgunder vom Kollegen Richard Arns fürs Wildschwein und für die Vorspeise vom Staatsweingut in Bernkastel einen Riesling feinherb eingepackt und zum Essen geöffnet. Auch hier Riesenglück! Die beiden Weine passten hervorragend zum Essen. Kann gut kochen, der Herr Journalist. Natürlich blieb es nicht bei den von mir mitgebrachten Flaschen. Weitere wurde geöffnet und bis spät in die Nacht probiert. Rainer schreibt auf seinem Blog über diesen Abend zwar von einem mittelschwerem Gelage, da bin ich aber anderer Meinung. Eher ein Bacchanal, so in Richtung ausschweifendes Fest.

  • Crème brûlée auf Teppich

    2013-09-25 Winzer

    Nach der letzten gemeinsamen Touristenweinprobe der Reiler Winzer war die Kasse gut gefüllt. Da auf dem Winzerverbandskonto noch genügend Reserve ist, wurde der Gewinn zur Wirtschaftsförderung eingesetzt. Als Förderziel wurde der Reiler Hof erkoren. Der Etat wurde dem jungen Küchenchef genannt. Davon sollte das Korkgeld für die mitgebrachten Weine bezahlt werden und ein 3-Gänge Menü, welches er nach seinem Gusto zusammenstellen konnte.

    Die mitgebrachten Weine wurden kunterbunt durcheinander probiert. Jeder teilnehmende Winzer sollte eine Flasche mitbringen. Die einzige Bedingung war, dass er nicht aus dem eigenen Weingut stammte. So gab es beim Menü eine breite Palette Weine zu probieren. Als Aperitif gab es einen 2010er Gewürztraiminer von meinem bloggenden Kollegen Armin Kobler, gefolgt von verschiedenen Rieslingen u.a. aus Rheinhessen und Mosel, Sauvignion blanc aus Chile, Riesling Sekt, Silvaner aus Franken, einige Rotweine und weiß der Teufel noch welche Weine auf dem Tisch standen.

    2013-09-25 Möhren IngwersuppeDie Suppe am Anfang begeisterte schon! Karotten-Ingwer Suppe vom feinsten. Hervorragend dekoriert und noch besser im Geschmack! Ich müsste nochmals einen Kochkurs im Reiler Hof belegen, damit Küchenchef Christoph mir das Rezept verrät.

    Der Hauptgang – leider ist keines der Bilder etwas geworden – die Überraschung: Hirschfilet auf Spitzkohl mit Pfifferlingen und weiteres drumherum. Spitzenküche wie ich es von diesem Restaurant erwarte!

    2013-09-25 Dessert

    Zum Dessert Crème brûlée auf Teppich auf Schälchen. Optisch nicht so aufgemotzt wie die zwei Gänge vorher, aber geschmacklich auf dem gewohnten Niveau.

    Gut gegessen und gut getrunken machten wir Winzer uns zu später Stunde auf den Nachhauseweg, nicht ohne den Vorsatz gefasst zu haben, nach der nächsten gemeinsamen Winzeraktion noch einmal Wirtschaftsförderung zu betreiben.