Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Ökologie

  • Terrassensaison

    Jetzt kommt Schwung in die Natur. Die Knospen der Bäume werden dick und fangen an zu treiben. Das allgemeine Ergrünen der Landschaft wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Weinbergspfirsichbäume haben mit ihrer wunderschönen Blüte den Anfang gemacht. Die anderen Obstbäume werden binnen weniger Tagen folgen.

    Bei den Weinreben schwellen so langsam die Knospen an und es fängt ein neuer Lebenszyklus an, der sich schon durch das Bluten der Rieslingreben bemerkbar gemacht hat.

    Da die Temperaturen wärmer werden, eröffne ich nun die Terrassensaison und freue mich auf ein Gläschen Riesling auf unserer Terrasse.

  • Kacken für den Biowinzer

    Wie seit Jahren schon wurde der Dachboden der Reiler Kirche entmistet. Die große Fledermauskolonie in der Reiler Pfarrkirche war in ihr Winterquartier übergesiedelt und der Weg frei um den Dachstuhl vom Fledermausguano zu befreien. Die neue Bodenkonstruktion, die letztes Jahr eingebaut wurde, erleichterte das Zusammenkehren des für uns wertvollen Düngers.

    Leider war die Ausbeute sehr gering. In Spitzenzeiten, als noch fast 5000 Fledermäuse im Dachstuhl lebten – es soll die größte Kolonie des Großen Mausohrs in Deutschland sein – gab es reichlich Dünger für den Biowinzer. Anhand der diesjährig zusammengekehrten Mistmenge gehe ich von einer weniger als halb so großen Sommerkolonie an Fledermäusen aus.

    Insektensterben? Veränderte Lebens-, Umwelt- oder/und Standortbedingungen? Oder eine ganz natürliche Schwankung in der Population? Schwierig zu sagen. Ich werde die Spezialisten vom Naturschutzbund (Nabu) Südeifel nach den Ursachen fragen und hoffen, das die Fledermauspopulation sich in den nächsten Jahren wieder erhöht.

  • Hoffnung in den Zeiten der Dürre

    Die Trockenheit nimmt zu. Ein kräftiges Gewitter letzte Woche hat keine Entspannung bei der Wasserversorgung der Rieslingreben gebracht. Seit fast sechs Wochen hat es bis auf diese Ausnahme nicht geregnet. Bei einigen jungen Rieslingreben sieht man schon vergilbte Blätter und Kümmerwuchs.

     

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    Ein Beitrag geteilt von Weingut Schönhals (@weingutschoenhals)

    Wir haben es schon mit Fenster putzen und Auto waschen versucht – sie wissen schon, sobald eines der beiden sauber ist, regnet es auch prompt – , hat aber meistens nix geholfen. Die Jungwinzerinnen vom Weingut Schönhals in Rheinhessen, versuchen es mit einem Regentanz auf Ihrer Instagrammseite. Auch einmal einen Versuch wert!

    Hoffnung in den Zeiten der Dürre…

  • Helix pomatia und der Liebespfeil des Amor

    Über Helix pomatia, die Weinbergsschnecke, berichtete ich schon vor einigen Jahren hier im Blog.

    In den letzten Tagen begegnete sie mir mehrfach im Weinberg ins Liebesspiel vertieft. Also habe ich mich einmal sachkundig gemacht und war sehr erstaunt über das Liebesleben der Weinbergsschnecke.

    Anders als beim Menschen, bei dem ca. 50% der Bevölkerung als Vermehrungspartner ausfallen, kann jede Schnecke mit einer beliebig anderen, da sie Zwitter sind. Phänomenal ist die Dauer des kompletten Liebesakts, der von der ersten Berührung bis zur Trennung der Partner, selten weniger als 12 Stunden, oft 24 Stunden und länger dauert.

    Und dann kommt noch der Liebespfeil (bitte dem Link folgen) zum Einsatz, der ähnlich wie die Pfeile des Gottes Amor, der ganzen Sache noch etwas Schwung gibt und aphrodisierende Wirkung hat.

    Da staunt der Mensch und wundert sich.

  • Wir haben Mai

    Wir haben Mai und der Riesling ist am blühen! Ungefähr drei Wochen vor der normalen Zeit. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Rieslingblüte jemals so früh erfolgte.

    Der Klimawandel lässt grüßen.

    Die Rahmenbedingungen sind sehr gut. Warme Tage und Nächte dürften sich positiv auf eine optimale Bestäubung auswirken. Zusammen mit der sehr hohen Anzahl an Blütenständen könnte eine quantitativ große Ernte bevorstehen.

  • Die erste Hürde ist überstanden

    Die erste Hürde ist überstanden. Dank des hochsommerlichen Wetters letzter Woche ist das Rebwachstum rasant fortgeschritten. Vor einer Woche war noch nichts grünes zu sehen und jetzt sind schon die ersten Blättchen entfaltet. Aus allen Knospen wachsen Rebtriebe.

    Es gibt fast keine Verluste durch Austriebsschädlinge, die die Knospen ausfressen. Auch kein Frost in Sicht, der bittere Gedanken an das letzte Jahr aufkeimen lässt.

    Bisher gefällt mir das aktuelle Weinjahr. Noch ist alles im grünen Bereich und ich hätte nichts dagegen, dass es so weitergeht. Vielleicht einmal eine Normalernte mit vielen gefüllten Weinfässern? Dann hoffe ich einmal, dass uns dieses Jahr die Witterung freundlich gesonnen ist.

  • Lepus europaeus

    Foto: Valentin Heimes

    Als meine Aushilfe Valentin heute morgen aus dem Weinberg zurück kam, berichtete er über den Streichelhasen, Lepus europaeus, den er im Weinberg beim Rebschnitt getroffen hatte. Blieb brav sitzen, ignorierte meinen Helfer und lies sich ausgiebigst fotografieren. Als mein Helfer ihn streicheln wollte und bis auf wenige Zentimeter an ihn heran kam, trollte er sich, ganz langsam.

    Ich gehe davon aus, das der Hase krank war. Das wird sich ökologisch regeln. Beute für Vulpes vulpes, der gemeine Rotfuchs. Fressen und gefressen werden.

  • Das Reiler Goldlayschwein hat wieder zugeschlagen

    Die Wühlschäden werden immer mehr und die Wildschweine sind mittlerweile eine Landplage. In einem Weinberg gehen mittlerweile zwei Wildwechsel durch, ein Jahr vorher war es nur einer. Das Vorhandensein eines mobilen Jägerhochsitzes bei einem unserer Weinberge im letzten Herbst war für die Schweine abschreckend und der Anlass, dort keine Trauben zu naschen und keine Wühlschäden zu verursachen. Ich berichtete hier.

    Statt dessen großflächige Wühlarbeiten in einem entfernteren Rieslingweinberg. Das Mähgerät wird sich freuen, wenn die Mulchmesser mit dem Boden in Kontakt kommen und der Verschleiß zunimmt. Ich denke, dass ich beim Jäger mal wieder ein Reiler Goldlayschwein bestellen muss, denn diese Spezies habe ich lieber im Backofen als im Weinberg.

    Ich lasse mich überraschen, was die Zukunft bringt. Die Wildschweinpopulation ist seit Jahren am steigen. Veränderungen in der Landwirtschaft mit erhöhtem Maisanbau oder die Verbuschung nicht mehr genutzter Land- bzw. Weinbaufläche, die mehr Rückzugsräume für die Tiere schafft, ein erhöhtes Nahrungsangebot und auch die Klimaänderung sind neben weiteren Faktoren dafür verantwortlich.

  • Frühlingsgefühle

    Immer öfter wärmenden Sonnenschein beim Rebschnitt, die Tage werden auch länger und

    erste Korbblüter, die irritiert durch den bisher warmen Winter, schon oder immer noch ihre Blütenpracht zeigen. Vorboten des Frühlings, wären da nicht die Meterologen, die einen Kälteeinbruch für die nächsten Tagen vorhersagen.

    Es wird nächste Woche frühmorgens beim Rebschnitt eiskalte Finger geben, die hoffentlich durch die aufgehende Sonne wieder gewärmt werden.

  • Reben schneiden

     Wir sind fleissig am Reben schneiden. Diese Woche kam auch endlich der Winter mit kalten Temperaturen und ein wenig Schnee. Was uns am meisten erfreute, war die Sonne, die sich endlich am Himmel zeigte. Schon beim Rebschnitt sieht man die Klimaänderung. Immer mehr Rebstöcke sind mit der Viruskrankheit Esca oder der Schwarzholzkrankheit befallen. Klimaerwärmung und Klimastreß, insbesondere die beiden letzten Jahre mit ihrer extremen Witterung (Trockenheits- und Nässephasen), fördern diese Schaderreger.

    Als  alleinige Maßnahme bleibt nur der Weg, die Rebe bis auf einen kleinen Stammrest zurück zu schneiden. Sozusagen das von Schaderregern befallene Rebholz komplett zu entfernen. Aus den im kommenden Frühjahr sich neu bildenden Trieben kann der Rebstock dann wieder aufgebaut werden. Leider gibt es ein Jahr keine Ernte von diesen Rebstöcken und es sind viele Reben, die stark zurück geschnitten werden.