Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Rund ums Weingut

  • Zu Besuch auf der Intervitis

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    Messebesuch auf der Intervitis, die alle drei jahre stattfindente Technologiemesse für Weinbau und Kellerwirtschaft.

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    Vor drei Jahren noch auf dem Killesberg inmitten Stuttgarts, nun im Neuen Messegelände beim Flughafen. Statt der alten engen und verwinkelten Hallen nun modern gestylte, sehr großzügige Hallen, die das Durchkommen im Messegewühl erleichtern und für mehr Übersicht sorgen.

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    Wie die Messehallen, nur noch stylischer, die  Fahrerkabinen einiger Weinbautraktoren. Quadratisch, praktisch, gut war gestern, nun ist modernstes Design á la Luigi Colani angesagt.

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    Schwerpunktmässig schaute ich mich natürlich bei der Steillagenweinbautechnik um.  Nett gemacht! Auf dem Kunstrasen sind 50 % und mehr Steigung kein Problem. Aber bergauf, auf nasser Begrünung im reellen Leben, reichen 30% Neigung aus und der Traktor geht ab wie Schmidts Katze, allerdings den Berg runter. Richtigerweise wäre die Aussage: Wir kommen jede Steigung runter!

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    Innovativer schon diese Lösung. Anstatt Räder Kettenantriebe, die die Zugkraft im Steilhang erheblich erhöhen. Zwar alles schön und gut, aber unsere Steigungen sind zu groß und unterhalb des Weinberges haben wir eine Mauer mit einem kleinen Vorgewende, welches für diese großen Maschinen zu klein ist.

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    Eine echte Weiterentwicklung gab es beim Hersteller des von mir verwendeten Raupenschleppers. Neben einem neuen Design wurde die Hydraulikanlage überarbeitet. Pumpen und Motoren wurden größer ausgelegt und bei Belastung enstehen dadurch geringere Drücke in der Hydraulikanlage, was die Lebensdauer der einzelnen Komponenten erhöht.

    Besonders gefreut hat es mich, das die Steuerung nun „Frauenfreundlich“ ist. Bisher gab es bei der Joysticklenkung keinerlei mechanische Unterstützung, so das des öfteren nach getaner Arbeit ein Muskelkater einsetzte, der Bizeps des rechten Armes nach der Arbeitssaison muskulöser war als der linke und Frauen mangels Kraft nach kurzer Zeit den Fahrspaß verloren. Nun gibt es, vergleichbar mit einer Autolenkung, eine Servounterstützung zum Lenken und Fahren.

    Dann fange ich mal an zu sparen…

  • Hieroglyphen

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    Der übliche Schwachsinn der aus Brüssel kommt.  Nachden das alte EG Biosiegel fast keinerlei Zuspruch bei der Etikettierung von ökologischen Produkte gefunden hatte, soll nun ein neues Logo entworfen werden. Grafik Studenten haben 3393 Entwürf eingereicht, eine Jury hat ausgewählt und nun erst wird der Souverän gefragt. Ich frage mich, was diese Hieroglyphen denn mit ökologischem Land-, bzw. Weinbau zu tun haben?

    Wenn ich RA Hanspeter Schmidt zitieren darf:

    „Warum dieser weitere Versuch der Logoentwicklung noch nicht zu einem guten Erfolg führte, versteht besser, wer die Sichtweise der Kommission nachvollzieht. „Seit Jahrzehnten klagt die Kommission über das soziale Legitimationsdefizit“, das sie in der zutreffend beobachteten Tatsache erkennt, dass sich die europäischen Bürger nicht so sehr für „ihre“ Union interessieren und zumeist Negatives mit Brüssel assoziieren. Klärte man sie nur ausreichend auf, so ein verbreiteter Glaube in der Kommission, würde sich dies ändern“ (Ulrich Haltern, Europarecht Dogmatik im Kontext; Tübingern 2007, unter Hinweis auf das Weißbuch Europäisches Regieren“, S. 63, Rn. 114 ) Die Kommssion sieht die Lösung für dieses Wahrnehmungsdefizit in der Entwicklung eines Erscheinungsbildes der Gemeinschaft im Sinne einer Corporate Identity. 1997 führte diese Sichtweise zu einem ungeeigneten Konzept der europaweit einheitlichen Kennzeichnung von Bioprodukten.

    Im Dezember 2009 wiederholt die Kommission das gleiche Drama aus dem unverändert falschen Glauben, das werbewirksame Auftreten der Gemeinschaft sei wichtiger, als die wirklich professionelle Entwicklung eines tauglichen EU-Öko-Logos. Außer den Studenten durfte niemand Entwürfe einreichen. Der Wettbewerb zielte eher auf die Förderung der Grafikausbildung und das gute Ansehen der Kommission an den Designhochschulen, als darauf, ein ökologisches Prüfzeichen zu entwerfen, das eindeutig als solches erkennbar sein würde.

    Solche Zeichen werden professionell in der interdisziplinären Zusammenarbeit von Kognitionspsychologen, Textern, Grafikern und Markenrechtlern entworfen. NESTLE oder BMW würden ihre Markenentwicklung keinem Designwettbewerb überlassen.

    Ich möchte nicht abstimmen, ebenso Joachim Ott vom Portat bestebioweine. Haben die nichts besseres zu tun? Wie wäre es mit Entbürokratisierung oder anderen sinnvollen Tätigkeiten oder vielleicht einfach mal nichts tun anstatt sinnfreie Politik zu betreiben.

  • Ausmisten

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    Heute war Ausmisten angesagt. Die große Fledermauskolonie in der Reiler Pfarrkirche, ich berichtete hier und hier, ist in ihr Winterquartier übergesiedelt und der Weg war frei um den Dachstuhl vom Fledermausguano zu befreien. Unter Federführung des Naturschutzbundes ging es an die Arbeit. Zuerst mussten die Arbeitsgerätschaften nebst Stromkabeln und Leuchten über enge Wendeltreppen und Leitern in den Dachstuhl geschafft werden.

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    Mit Besen und Schippe ging es dann dem Fledermausschiss an den Kragen.

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    Der Dung wurde eimerweise aus dem engen Dachfester in ein Rohr geschüttet und verstopfte direkt heute Morgen das Rohr. Nachdem wir es mühsam wieder durchgängig gemacht hatten, änderten wir die Arbeitstechnik beim Einfüllen des Rohres und konnten fast problemlos weiter arbeiten.

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    Zu meinem Leidwesen musste ich den Guano auf dem Anhänger verteilen und mit Rüttel- und Schüttelbewegungen am Rohr dafür sorgen, das der Dung, ohne das Rohr zu verstopfen, auf dem Hänger landete. Entsprechend sah ich nach beendeter Aktion aus und roch auch danach.

    Nun haben wir einen wertvollen Humusdünger auf dem Anhänger liegen, der nächstes Jahr die Vitalität der Reben fördern soll.

  • Steigeisenketten

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    Als wir vor einigen Jahren unsere derzeitige Raupe kauften, waren wir froh, das es nun endlich Stahlketten für diesen Raupentyp gab. Die bis dahin gebräuchlichen Gummiketten hatten nicht den richtigen Gripp um gesichert in unseren Steillagen die Raupe bergauf zu bewegen. Mit „Vater unser“ den Berg runter und mit „Ave Maria“ wieder rauf, das ganze verbunden mit viel Angstschweiß. Für die neuen Eisenketten war das alles kein Problem mehr, sie klebten förmlich auf dem Boden.

    Die Nachteile zeigten sich jedoch nach kurzer Zeit. Da es keinerlei Dämpfung im Fahrwerk gab, vibrierte das ganze Gerät extrem und des Fahrers Wirbelsäule, also meine, wurde auch nicht besser davon. Zudem war der Verschleiß an den Kettengliedern dermassen stark, das alle zwei Jahre neue Ketten hermußten. Schreckensblicke beim Öffnen der Rechnung…

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    Die allerneueste Entwicklung sind sogenannte Steigeisenketten, profillose Gummiketten auf denen Eisenprofile aufgeschraubt sind. Nachdem ich die Vibrationsrisse in Chassis geschweißt, Rost gekratzt, Farbe verpinselt und die neuen Ketten aufgezogen hatte, wurde die erste Probefahrt im Hof gemacht. Erwartungsgemäß dämpfte der Gummi sehr gut und die Form der Stahlprofile veringerte das Vibrieren zusätzlich noch sehr stark. Ich war sehr angenehm überrascht und hatte sogar den Eindruck, dass durch das spezielle Profil der Eisen Teerwege befahren werden können, ohne das es zu Schäden kommt.

    Die Lebensdauer müsste sich theoretisch mindestens verdoppeln und dadurch das Portemonaie entlasten. Der Spaßfaktor beim Fahren dürfte auch höher sein und zu guter Letzt ist meine körperliche Belastung stark verringert.

  • Das Fernsehen war da

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    Im Rahmen der Sendereihe „Weinherbst Rheinland-Pfalz“ besuchte uns heute ein Kamerateam des SWR Fernsehens. Vom 02. Oktober bis 09. Oktober berichtet diese Sendereihe über den Wein und Weinanbau in Rheinland-Pfalz. In der morgigen Sendung „Im Grünen“, ab 18.15 Uhr, sollen die heute gemachten Aufnahmen ausgestrahlt werden.

    Axel Weiss von der Umweltredaktion des SWR plant für die morgige Sendung einen Beitrag zur Problematik von weinbaulichen Pilzkrankheiten unter dem Gesichtspunkt der Klimaänderung. Ich wurde zu den Bekämpfungsstrategien gegen diese Krankheiten im ökologischen Weinbau interviewt. Ich lasse mich mal überraschen, wie viel von dem heute gedrehten Material gesendet wird und hoffe, dass meine Aussagen unverfälscht bzw. ungeschnitten wiedergegeben werden.

    Nachtrag vom 06.10.2009:

    Die Sendung ist auf Donnerstag, den 08. Oktober verschoben worden. 18.45 Uhr Landesschau

  • Erinaceus europaeus

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    Schon wieder ein verirrtes Tierchen bei uns im Weingut. Der Igel hatte sich unter einer Gitterbox im Hof zum Schlafen niedergelegt. Fast hätte ich ihn mit dem Spapler überrollt und ins Jenseits befördert. Soll zwar essbar sein, aber ich habe den nützlichen Insektenfresser in den Garten befördert, wo er dann schnell die Flucht ergriff.

  • Das Bild zum Text und andere Fundsachen aus dem Bildarchiv

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    Das Bild zum Text über die Schaulustigen beim Kettenschlepperfahren.

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    Leere Weinflaschen findet man immer wieder im Weinberg. Leider meistens erst, wenn man mit dem Mähgerät drübergefahren ist. Getränkedosen, die man vor Einführung des Dosenpfandes sehr oft im Weinberg gefunden hat, sind mittlerweile gänzlich ausgestorben.

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    Peinlicher schon der Fund obigen Schreibens.

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    Diese Natter begegnete uns bei einer Wanderung.

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    Die Arbeit im Weinberg wird im Moment weniger und Maschinenpflege ist angesagt. Durch unsere gut ausgestattete Werkstatt können wir die meisten Reparaturen, wie hier der Wechsel der Ketten am Schlepper, selbst durchführen.

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    Es ist jetzt auch Zeit, einige Tage Urlaub zu machen und die Sonnenuntergänge von einem anderen Flecken dieser Erde zu beobachten.

    Bitte vormerken:

    Betriebsferien vom 12. August bis 21 August!

  • Neulich bei der Weinbergswanderung

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    Eigentlich ist diese Kühlmanschette zum Flaschenkühlen gedacht. Hier zweckentfremdet zum Kühlen einer Verstauchung des Knöchels. Oder steckt in der Manschette auch eine Flasche?

  • Unsere wilden Haustiere

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    Immer wieder verirren sich Tiere in unser Weingut.  Dieses mal hatte es einen jungen Vogel erwischt. Im Verkaufslager hörte ich ein verdächtiges Rascheln. Kurz bevor ich das Tier geortet hatte, verstummte das Geräusch. Als es wieder anfing zu rascheln und scharren wiederholte sich das Spielchen. Geortet wurde der Vogel in einem Stapel leerer Weinkartons, die daraufhin vorsichtig durchsucht wurden um unserem Gast die Freiheit wieder zu geben.

    Nach Kröte, Salamander und Molch im Weinkeller, einer Fledermaus als Übernachtungsgast im Wohnzimmer, der Siebenschläfer und die Marder unterm Dach, nun ein gefiedertes Tier als Irrläufer in unserem Weingut. Über die Mäusejagd vor einigen Jahren möchte ich hier allerdings nicht berichten. War fast so komisch wie der gleichnamige Film.

  • Kacken für den Biowinzer

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    Unsere Düngerproduzenten sind eifrig bei der Arbeit. Wie ich hier berichtete, bekam ich Ende des letzten Jahres Fledermauskacke zum Düngen. Heute besuchte ich mit dem obersten Naturschützer der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord , kurz SGD-Nord ( hieß früher ganz einfach Bezirksregierung), die Wochenstube der Fledermäuse im Speicher der Reiler Pfarrkirche.

    Nützliche Information des Naturschützers über das Große Mausohr und die Reiler Kolonie gab es beim Aufstieg über enge Treppen und Leitern in den Dachstuhl. Da es sich um eine der größten ihrer Art in Deutschland handelt (z.Zt. ca. 5000 Exemplare), wurde die Reiler Kirche in das europäische NATURA-2000 Schutzgebietsnetz aufgenommen. Es ist sehr erfreulich, das im Gegensatz zu letztem Jahr, noch mehr Fledermäuse den Weg in die Kirche gefunden haben. Zu einem gut für Ökologie und Natur, zum anderen für mich, da ich mit dem Nabu Ende des Jahres die Kirche ausmiste und den Dünger für meine Weinberge verwende.

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    Große Aktivitäten gab und gibt es noch rund um die Reiler Fledermäuse. Heute wurde mit Verbandsgemeindebürgermeister, dem Pfarrer, der Präsidentin der SGD-Nord und unserem Bürgermeister eine Informationstafel enthüllt. Neben einigen Vorträgen, die geplant sind, soll am 01. August eine Live Cam das Fledermausleben aus dem Dachstuhl auf eine Großleinwand im Altarraum der Kirche übertragen.

    Das ganze heißt dann Fledermausfestival und bei einem Glas Wein kann dann bei einbrechender Dämmerung beobachtet werden, wenn die Tiere zu ihren nächtlichen Jagdflügen  ausfliegen.