Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Weinernte 2026

  • Weinernte 2026: Wir haben fertig!

    Nachdem der Kampf um die letzten wunderschönen Rieslingtrauben in der letzten Rebzeile ohne gegenseitige Schnittverletzungen beendet war, kann ich nun verkünden:

     

    Der 2026er ist eingetütet!

     

    Eine angenehme und ausgesprochen entspannte Weinernte liegt hinter uns.

     

    Wie jedes Jahr ein dickes Lob und ein herzliches Dankeschön an unsere Erntemannschaft, die auch in diesem Jahr wieder ihr Bestes beim Ernten gegeben hat. Viele motivierte Helfer, gute Stimmung und gesunde Trauben – so macht Weinlese Spaß.

     

    Ausnahmsweise gibt es in diesem Jahr kein Gruppenbild. Die Mannschaft war einfach schneller verschwunden, als ich den Fotoapparat zücken konnte. 😉

     

    Leider konnte ich während der Erntetage nicht zeitnah im Blog berichten. Das werde ich nachholen und in den nächsten Tagen auf die Weinlese 2026 zurückblicken.

  • Weinernte 2026: Trauben wie aus dem Bilderbuch

    Endlich mal wieder Trauben wie aus dem Bilderbuch.  Perfekte, gesunde Trauben wie wir seit Jahren nicht mehr hatten. Bis auf einige Trauben mit Sonnenbrandschäden gibt es keinerlei Selektionsbedarf. Die Ernteleistung unserer Helfer ist entsprechend hoch. Kein Zeitaufwendiges sortieren in Gut und Böse – so macht ernten Spaß.

     

     

    Die Beerenhäute sind im Gegensatz zu den vorherigen reifen Jahrgängen noch nicht goldgelb gefärbt. Stattdessen liegt ein leichter Grauschleier auf den Trauben. Eine Folge der hohen Sommertemperaturen und der intensiven UV-Strahlung. Die Reben haben als Schutzreaktion unter anderem Phenole und Gerbstoffe eingelagert, die für den späteren Weingeschmack keine Rolle spielen.

    Während der Traubeninhalt vor einigen Tagen noch fest war und die Kerne grün, verflüssigt sich das Mark nun langsam durch traubeneigene Enzyme. Die Kerne sind braun verfärbt. Das ist ein Zeichen für die sogenannte „physiologische Reife“. Die Folge sind mehr Aroma und eine höhere Pressausbeute beim Keltern.  Zu diesem Thema können Sie bei meinen Kollegen Bernhard Fiedler mehr nachlesen.

     

     

    Wir sind qualitativ auf der Zielgeraden. Auch die analytischen Werte passen perfekt. Die noch kommenden kühleren Nächte sind jetzt sehr wichtig für die weitere Aromaausbildung. Der bislang ausbleibende Regen ist dagegen für die Traubengesundheit geradezu ideal. Je länger die Trauben trocken bleiben, desto geringer ist das Risiko, dass sich jetzt kurz vor der Ernte noch Fäulnis entwickelt.

    Am vergangenen Wochenende haben wir bereits den Rieslingsektgrundwein mit perfekten analytischen Daten geerntet. Ein sehr guter Auftakt für die diesjährige Weinernte.

     

     

    Heute ist Ruhetag. Meine Nachfolger vom Weingut von Vielen werden heute entscheiden, wo es morgen weitergeht. Für die anstehende Lese stehen jedenfalls genügend fleißige Hände bereit: Viele freiwillige, motivierte Erntehelfer sind in diesem Jahr wieder mit dabei. Bei solchen Trauben macht die Weinlese natürlich besonders viel Spaß.

     

     

    Viele Hände, schnelles Ende …

  • Weinernte 2026: So früh wie noch nie

    Nachdem ich einige entspannte Tage in Südtirol verbracht, mir dort die Weinberge angesehen, viele Weine probiert und einige Kollegen besucht hatte, wurde es langsam Zeit für die Rückkehr an die Mosel. Der Plan war, dort einige Tage bei der Ernte zu helfen. Aber so einfach ist das in Italien offenbar nicht. Bei einer solchen Tätigkeit soll es vorher ziemlich bürokratisch zugehen und das hat dieses Jahr etwas abgeschreckt. Aber das ist eine andere Geschichte …

     

     

    In Südtirol hatte die Weinernte bereits in der letzten Augustwoche begonnen – so früh wie noch nie. Auch bei uns an der Mosel rückt die Weinlese inzwischen immer schneller näher. Die Klimaänderung mit ihren deutlich höheren Temperaturen verschiebt den Erntebeginn Jahr für Jahr weiter in Richtung Sommer.

     

    Dort gab es zwei verregnete Urlaubstage – und an der Mosel war es nicht anders. Genug, dass der Trockenstress etwas abgemildert wurde, aber nicht so viel, dass bereits frühzeitig Fäulnis einsetzt.

     

     

    Die völlig vertrockneten Begrünungen in den Weinbergen wurden innerhalb weniger Tage wieder grün.

     

     

    Für die nächsten Tage sind freundliche Temperaturen angesagt – also nicht zu heiß und nicht zu kalt. Genau das, was wir jetzt brauchen. Besonders wichtig ist für uns allerdings, dass es weitestgehend trocken bleibt. Die Rieslingtrauben befinden sich in der Reifephase und reagieren jetzt zunehmend empfindlich auf Feuchtigkeit, bzw. größere Regenmengen. Kommt in dieser Phase zu viel Regen, kann sich schnell massive Fäulnis entwickeln.

     

     

    Gegenwärtig sieht es ziemlich gut aus: Die Reben haben wieder etwas Wasser, die Trauben entwickeln sich weiter und wenn das Wetter mitspielt, könnte die Ernte unter guten Bedingungen bei guter Qualität starten. Erntebeginn beim Riesling ist der 18. September! So früh wie noch nie!

    Die Vorbereitungen im Weingut sind inzwischen fast vollständig abgeschlossen. Lediglich die Holzfässer müssen kommende Woche noch für die neue Ernte vorbereitet werden.

     

     

    Damit das Kellermeister-Geheimwissen – sprich mein über viele Jahre angesammelter Erfahrungsschatz – nicht einfach mit mir in den Ruhestand verschwindet, ist bei diesen Arbeiten immer einer meiner Nachfolger mit dabei. So kann ich mein Wissen weitergeben und gleichzeitig dafür sorgen, dass auch die kleinen Tricks und Kniffe, die in keinem Lehrbuch stehen, erhalten bleiben.

     

     

    Besonders viel Spaß gemacht hat die Arbeit mit Leon (ganz unten auf der verlinkten Seite). Rasend schnell, teamfähig und äußerst wissbegierig. Als studierter Önologe bringt er zudem eine große Menge an Fachkompetenz mit. Da merkt man schnell: Das Wissen muss nicht nur in eine Richtung fließen.

    Die Wünsche meiner Nachfolger hinsichtlich des zukünftigen Weinsortiments und deren Umsetzung im Weinberg und im Weinkeller werden bis ins Detail mit Leon diskutiert und sollen anschließend umgesetzt werden. Die Sortimentsstruktur hatte sich bereits mit der letzten Ernte verändert. Das trockene Weinsortiment wurde um einen feinherben und einen milden Riesling ergänzt, dazu kam noch ein Secco.

     

     

    In diesem Jahr wird ein Spätburgunder-Rosé das Weinsortiment abrunden. Vorgestern wurden die sehr gesunden Trauben aus dem neuen Spätburgunder-Weinberg geerntet.

     

     

    Nun bin ich natürlich gespannt, ob ich als alter Rieslingwinzer auch einen vernünftigen Rosé vinifizieren kann. Ein bisschen Neuland, das mit der rosa Farbe, aber eines ist klar: Auch beim Rosé gilt die Grundvoraussetzung höchster Qualität – schließlich waren meine Kunden aus der Vergangenheit nichts anderes gewohnt.