Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wetter

  • Feuerteufelchen

    2017-04-08 Waldbrand Reil

    Man glaubt ja gar nicht, wie leichtsinnig manche ein Feuerchen im Weinberg machen. Durch die extreme Trockenheit kann das richtig ins Auge gehen. Vor zehn Tagen gab es vormittags einen Flächenbrand eine Moselschleife weiter, mittags brannte auf der Ortseite von Reil Buschland. Einen Tag später wurde an der Untermosel sogar ein Löschhubschrauber eingesetzt. Irgendwann dazwischen war noch etwas mit einer brennenden Wiese…

    Gestern Mittag geriet ein Feuerchen nahe der Brücke gegenüber Reil außer Kontrolle – war halb so schlimm, die Feuerwehr musste nicht eingreifen – am Nachmittag dann der Höhepunkt, als ein verbuschtes Weinbergsgelände unterhalb des Waldes brannte und die meterhohen Flammen in Richtung Wald steuerten. Die freiwilligen Feuerwehren der umliegenden Dörfer waren am Einsatzort und bekämpften das Feuer schnell und erfolgreich. Großes Spektakel in der  Reiler Goldlay.

    War natürlich keiner gewesen. In der Regel ist das die legendäre Selbstentzündung oder der zufällig bei den Löscharbeiten anwesende Winzer will drei ihm unbekannte Jugendliche weglaufen gesehen haben…

    Ich habe nichts gegen eine kontrollierte Brandrodung oder ein Feuerchen, aber bei der derzeitigen Trockenheit kann es ganz schön gefährlich werden, wenn Hobbypyromanen, bzw. Feuerteufelchen nicht kontrollierbare Feuer anzünden.

    Wird Zeit, dass es regnet. Die Reben brauchen den Regen und das Problem mit den Flächenbränden wäre dann auch erledigt!

  • Das Weinjahr 2017 beginnt spannend: Peribatodes rhomboidaria

     2017-04-05 Rhombenspanner AugenfraßDas Weinjahr 2017 beginnt spannend: Peribatodes rhomboidaria, auch Rhombenspanner genannt, ist massiv in den Weinbergen unterwegs und frisst uns die Rebknospen aus. Ich berichtete hier schon einmal über die Schäden, die diese Raupe verursacht. 2017-04-05 Rhombenspanner beim Abseilen

    Vielleicht doch nicht so schlecht, dass wir zur Zeit immer noch die Fruchtruten im Drahtrahmen befestigen. Als Reaktion auf die Erschütterungen seilen sich die Raupen an einem Seidenfaden ab und sind dadurch leichter zu erkennen. Sie werden dann per Hand abgesammelt eliminiert.2017-04-05 RieslingKnospeWenn die Triebe größer werden, kann die Raupe keine Fraßschäden mehr verursachen. Wir Winzer sagen dann, dass der Trieb dem Rhombenspanner aus dem Maul wächst. Noch einige warme Tage wären nötig.

    Wir sind mit dem Rebwachstum mindestens zwei Wochen vor der Zeit. Warme Tage als Wunsch gegen die Knospenschäden, auf der anderen Seite Muffensausen wegen eventueller Spätfröste, die noch kommen können. Wetterkapriolen, die in den letzten Jahren verstärkt auftraten. Wir hatten bisher meistens Glück, aber ob das von ewiger Dauer ist…

  • Knospenschwellen

    2017-03-29 Riesling Knospe 2

    Die Winterruhe im Weinberg ist vorbei. Das erste Entwicklungsstadium der Rebe im neuen Vegetationsjahr, das Knospenschwellen, beginnt. Trotz kaltem Winter haben die wenigen, sehr warmen, Frühlingstage die Entwicklung der Rieslingreben beschleunigt.

    Beschleunigen muss auch der Winzer die aktuellen Arbeiten, denn beim Rebschnitt und dem darauf folgenden festbinden der Fruchtruten im Drahtrahmen, können die jetzt sehr empfindlichen Knospen beschädigt werden.  Zwei Vormittage noch, dann ist alles geschnitten. Das Festbinden der Fruchtruten ist schon teilweise erfolgt und wird Anfang nächster Woche erledigt sein. Gut, dass nach dem sehr zeitaufwendigem Rebschnitt, das Binden dank eines kleinen Helferleins sehr schnell vonstatten geht.

  • Käfighaltung

    2017-03-15 Wein abfüllen

    Fast alle Neuen Weine sind jetzt abgefüllt. Einige Tage Käfighaltung noch – nein, nicht der Azubi, der die frisch gefüllten Weinflaschen in die Gitterboxen zum lagern legt, sondern die Weinflaschen – und dann werden die ersten Rieslinge für den Verkauf etikettiert.

    Bisher klappte alles sehr gut. Mensch und Maschine funktionierten reibungslos. Wir waren nur neidisch auf das schöne Wetter außerhalb des Weinkellers. Frühlingshaftes T-Shirt Wetter draußen und wir standen im noch sehr kalten Weinkeller bei lange Unterhosen Temperaturen.

    Bis Sonntag soll unser Onlineshop im Internet aktualisiert sein, die Preisliste per Briefpost braucht einige Tage länger und etikettiert muss noch werden. Der Verkaufsstart der 2016er Rieslingweine beginnt in einigen Tagen.

  • Frühlingshaft

    2014-12-08 Ranken Bei frühlingshaften Temperaturen schreitet in den Weinbergen der Rebschnitt voran. Leider beim Riesling sehr zeitaufwendig, da er viele Ranken hat, die mit der Rebschere abgeschnitten werden müssen.

    Kommende Woche soll noch eine Aushilfskraft zusätzlich unsere Mannschaft unterstützen, damit wir zeitig mit dem Rebschnitt fertig werden.

    2017-01-30 Eis

    Letze Woche gab es noch kalte Finger, wenn man sich nachmittags in die Kälte zum Rebschnitt traute. Das Eis auf der Mosel ist mittlerweile talwärts entschwunden. Die nächste Kältewelle – nicht so kalt wie die vergangene – ist schon von den Meteorologen voraus gesagt. Hoffentlich etwas „wärmer“, damit wir, auch wenn es etwas frostig sein sollte, den ganzen Tag draußen arbeiten können.

  • Weinernte 2016: Orakel?

    2016-10-06-kristallkugel

    Foto: Ralf Scholze

    Vor der Ernte noch etwas orakeln, also in die Zukunft blicken. Den Blick in die Kristallkugel brauche ich nicht, dafür habe ich heute intensiv meine Weinberge besichtigt. Eher eine Prognose als ein Orakel.

    Die Trauben erfreuen sich allerbester Gesundheit und sie schmecken hervorragend. Dürfte auch für den Wein gelten, der daraus entsteht. Zudem ist kühles, trockenes Wetter vorher gesagt. Ideal für unseren Riesling. Zudem habe ich in etlichen Weinbergen mehr Trauben gesehen, als ich nach dem sommerlichen Befall mit dem falschen Mehltau (Peronospora) geschätzt habe. Im gesamten erwarten wir eine unterdurchschnittliche Ernte.

    Ganz entspannt werden wir am kommenden Montag, um 8.30 Uhr, mit der Weinernte 2016 anfangen. Wir freuen uns schon darauf!

  • arg gebeutelt

    2016-09-01 UV SchädenSchon wieder werden wir Winzer vom Wetter arg gebeutelt. Die heißen Temperaturen der vergangenen Tage, in Verbindung mit einer sehr hohen UV Strahlenintensität, haben vor allem an Standorten mit Wasserstress zu massiven Sonnenbrandschäden geführt.

    Je nach Wasserversorgung zeigen die Reben auf der Sonne zugewandten Seite der Rebreihe bisweilen massive Vergilbungen der Blätter – im Bild eine extremst betroffene junge Rebanlage eines Kollegen -.2016-09-01 SonnenbrandZusätzlich zeigt sich Sonnenbrand an einzelnen Beeren in Form eines runden Flecks mit verbrannter Haut. Einige Beeren sind sogar komplett am Eintrocknen. Etliche Beeren und Traubenteile welken ohne ersichtlichen Sonnenbrandbefall und sind für uns verloren.

    Sehr hohe Temperaturen + extrem klare Strahlung + niedrige Luftfeuchtigkeit sind eine tödliche Kombination für die Trauben, die in den letzten sechs Wochen sich nicht an solche extremen Witterungsbedingungen gewöhnen konnten, wenn der Winzer nicht mit kulturtechnischen Maßnahmen gegengesteuert hat.

    Da wir kurz nach der Rebblüte die Traubenzone entblättern – für uns eine sehr wichtige kulturtechnische Maßnahme -, wird die junge Beerenhaut durch das Licht abgehärtet und sie ist besser gegen diese Wetterunbilden geschützt. Leider nicht gänzlich.

    Wir müssen die Mengenerwartungen nochmals nach unten korrigieren. Qualitativ ist immer noch alles möglich!

  • Wer hätte das gedacht…

    2016-08-25 Trockenheit

    Foto: Weingut Viermorgenhof

    „Wer hätte vor 6 Wochen gedacht, dass die Bewässerungsanlage in diesem Jahr noch mal in Betrieb genommen werden muss?“ schreibt  Kollege Daniel Molitor vom Weingut Viermorgenhof auf Facebook.

    Während wir im Mai und Juni fast abgesoffen sind, gepeinigt mit großen Erosionsschäden und dem falschen Mehltau, war der Juli und August bisher von Trockenheit geprägt. Die wenigen Liter Regen die fielen, waren nicht der Rede wert.

    Auf einigen, wenigen Standorten, also da, wo eine geringe Bodenmächtigkeit vorhanden ist, die Rieslingreben jung und ihre Wurzeln noch nicht tief gewachsen sind, sieht man Aufhellungen an den unteren Rebblättern.

    Erste Anzeichen von Wasserstreß.2016-08-25 Wasserwagen

    Foto: Weingut Viermorgenhof

    Wer nun die Möglichkeit hat, kann die Reben bewässern. Unser Kollege hat direkt bei der Neupflanzung der Reben eine Tröpfchenbewässerung im Weinberg installiert (oberes Bild, die schwarze Rohrleitung unterhalb der Laubwand). Nun kann er im Bedarfsfall bewässern. Das Wasser muss mit dem Anhänger – leider gibt es keinen Wasseranschluss im Rebberg – den Berg hinauf gefahren werden und läuft über ein verzweigtes Rohrsystem in die Tröpfchenbewässerung.

    Der Klimawandel hält uns Winzer dieses Jahr europaweit in Bewegung, gewaltige Spätfröste im April, Regen ohne Ende im Mai und Juni, Hagelunwetter im August und stellenweise beginnende Trockenheit. Ein Extrem jagt das andere…

  • Wetterkapiolen, die 4te: Weitere Schreckensbilder

    2016-08-07 GoldlayWährend es bei uns in der Reiler Goldlay gut aussieht, hat andernorts das Wetter es nicht gut mit den Winzern und Landwirten gemeint.   2016-08-16 weingut-lorenz-at

    Foto: Michi Lorenz, Weingut Lorenz

    Am vergangenen Montag gab es heftige Hagelunwetter in der Steiermark, Österreich. Bei den ohnehin durch den Spätfrost stark geschädigten Weinbergen, ich berichtete hier und hier darüber, wurde der sehr kleine zu erwartenden Ertrag nochmals stark dezimiert.

    „Ende April hat der Frost 90-95 Prozent vernichtet. Zum Glück trieb wieder was nach und wir konnten zumindest mit 30 Prozent rechnen. Der heutige Hagel hat auf 70 Prozent unserer Flächen zugeschlagen. Fazit: Ziemlich beschissen.“  so Michi Lorenz vom Weingut Lorenz.

    Einen Videobericht zum Hagelereigniss in Östereich finden Sie hier bei der Kleinen Zeitung:

    „20 Minuten Hagel: man war machtlos“
    2016-08-18 Pressetext HagelHier finden sie den ganze Bericht

    Einen Tag später traf es die Kollegen in der  südfranzösischen Region Languedos-Roussillon extrem heftig. Etliche hundert Hektar Rebflächen wurden von Riesenhagelkörnern vernichtet. Die Straßen mussten mit Radladern vom Eis befreit werden. Einen weiteren Bericht über das Hagelunwetter finden Sie hier.

    Das ist sehr bitter für die Kollegen. Da sind unsere wetterbedingten Probleme mit dem falschen Mehltau (Peronospora) im Gegensatz dazu klein. Zumindest kann ich mich dagegen wehren.

  • Licht am Ende des Tunnels

    2016-07-24 Traubenbefall sporulierend aus 2009

    Foto: Archiv, Juli 2009

    Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.  Ich glaube, dass wir es geschafft haben. Den Kampf gegen den falschen Mehltau (Peronospora) haben wir zwar nicht gewonnen, uns aber auch nicht kampflos ergeben.

    Nach den ersten größeren Verlusten durch eine Infektion vor der Blüte, ich berichtete hier, gab es nach der Rebblüte eine weitere Infektion, die zusätzliche Trauben vernichtete. Im obigen Bild zu sehen, wie der Pilz junge Beeren befallen hat.2016-07-21 Lederbeeren

    Mittlerweile haben sich die Spaltöffnungen der Beeren verschlossen. Der Pilz kann diese nicht mehr infizieren, er kann aber auch keinen Pilzrasen mehr bilden. Infizierte Beeren nennt man dann Lederbeeren, da diese lederartig eintrocknen. Zurzeit kann der Pilz nur noch wenig Unheil anrichten.

    Junge Blätter können noch befallen werden und evtl. die Traubenstiele. Gottseidank, dass wir trockenes Wetter haben, das uns in unseren Bemühungen gegen die Peronospora unterstützt.

    2016-07-25 Riesling

    Wie groß der Schaden ist, kann ich noch nicht sagen. Ein zweites Problem ist die wetterbedingt schlecht verlaufene Rebblüte. Erkennbar an den sehr lockerbeerigen Trauben mit jungfernfrüchtigen Beerchen. Ich rechne mit einer unterdurchschnittlichen Erntemenge.

    Bis jetzt haben wir sehr viel Glück gehabt. Auf der anderen Moselseite, in der nächsten Gemeinde, an jeder anderen Windung der Mosel sieht es ganz anders aus. Riesig groß auch die Unterschiede in meinen eigenen Weinbergen. Rebstöcke gänzlich ohne Ertrag, daneben Rebstöcke gänzlich ohne Pilzbefall, Weinberge mit normalen Ertragserwartungen, 50 m weiter ein anderes Bild.

    Kleinste Unterschiede, ein wenig kälter oder wärmer, ein Lüftchen mehr, das die Blätter trocknete, die Ausrichtung zur Sonne, oben oder unten im Moseltal, ein Quentchen mehr oder weniger Regen, bzw.  Luftfeuchtigkeit, Blütezeit und an welchen Tag der Winzer spritzen war, nebst weiteren Faktoren, haben über Erfolg oder Misserfolg entschieden.

    Eine Gratwanderung über Messers Schneide, die wir nicht beeinflussen konnten.

    Mein ruiniertes Nervenkostüm beruhigt sich so langsam wieder. Weitere katastrophale Wetterbedingungen kann ich für dieses Jahr nicht mehr gebrauchen.