Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wetter

  • mentale Vorbereitungen

    2016-06-29 Peronospora2

    Der heimtückische Peronosporapilz (falscher Mehltau), ich berichtete hier und hier, hat auch bei uns zugeschlagen. Seit Anfang der Woche sieht man auf der Blattoberseite vermehrt den sogenannten Ölfleck, eine gelbliche Aufhellung.2016-06-29 PeronosporaAuf der Blattunterseite dann der Pilzrasen von dem weitere Infektionen ausgehen. Bis jetzt sind wenige Blätter befallen. 2016-07-01 Pero2

    Im Rebstock sieht es einiges übler aus. Bei stark wüchsigen Reben mit dichtem Blätterwerk finden wir viele vertrocknete Trauben, die schon vor der Blüte befallen waren und mittlerweile, ohne sichtbaren Pilzbefall, eingetrocknet sind.2016-07-01 PeroJunge Beeren, mit einem Pilzrasen überzogen habe ich beim Riesling noch nicht gesehen, in unserem kleinen Rivanerweinberg jedoch leicht zu finden.

    Zurzeit treffen wir mentale Vorbereitungen für die kommende Ernte: Jetzt schon geistig auf eine nicht so üppige, vielleicht kleine, oder sogar sehr kleine Ernte vorbereiten.

    Seit zwei Tagen sind die Weinbergsböden, nach wochenlanger Regenperiode, endlich wieder abgetrocknet und problemlos befahrbar. Das Wetter hat sich auch verbessert. Trotzdem heißt es aufgepasst. Durch die vielen infizierten Blätter und Trauben ist ein gewaltiges Sporenpotenzial in den Weinbergen.  In den letzten Tagen habe ich mit dem Laubsauger die Rebblätter aus der Traubenzone gezupft, damit diese besser durchlüftet wird und Feuchtigkeit besser verdunsten kann. Zudem können dann die junge Träubchen optimaler mit unseren Pflanzenpflegemitteln benetzt werden, um weiteren Pilzbefall (hoffentlich) zu verhindern.

  • Alarmstufe rot – lagenweise dunkelrot!!!

    2016-06-24 Tau

    Alarmstufe rot – lagenweise dunkelrot!!! So die Warnmeldungen der Agrarberatung in der Pfalz. Lagenweise ist dort schon ein massiver Traubenbefall erfolgt. An der Mosel ist es noch etwas ruhiger. Bislang konnte ich zwar immer noch keinen Befall unserer Rieslingreben mit dem falschen Mehltau feststellen, aber wir sind immer noch sehr angespannt. Beim Rivaner sieht es anders aus. Erste befallene Rebblätter habe ich schon gefunden. Der Sommer ist noch nicht vorbei und jetzt, kurz nach der Rebblüte, sind die jungen Beerchen in ihrer anfälligsten Phase. Sehr empfindlich und durch das sehr starke Wachstum wird der Spritzmittelbelag ganz schnell verdünnt und muss in sehr kurzen Abständen erneuert werden. Einen sehr guten Beitrag zu diesem Thema finden Sie im Blog vom Weingut St. Antony, Rheinhessen.

    Leider spielt das Wetter auch nicht mit. Ein stabiles Hoch ist nicht in Sicht. Extreme Luftfeuchte verhinderte letzte Woche tagelang das Etikettieren. Minimalste Temperaturunterschiede lies die Flaschen beschlagen und durch die extreme Sättigung der Luft mit Feuchtigkeit trockneten diese tagelang nicht. 2016-06-20 Hagel

    Etwas Hagel gab es auch schon. Gott sei Dank wurden nur etliche Rebblätter durchlöchert. 2016-06-24 Quelle

    Mittlerweile sind wir im Besitz einer eigenen Quelle. In einem Weinberg im Burger Hahnenschrittchen hat sich im Vorgewende ein „kleiner“ Bach gebildet. Ärgerlich nur, dass in diesem Bereich die Befahrbarkeit mit der Weinbergsraupe nicht mehr gegeben ist. Aber das ist das kleinste Problem, das wir im Moment haben.

  • Etwas Entspannung

    2016-06-16 Blüte

    Mittlerweile sind wir etwas entspannter – aber nur etwas – was die Pilzkrankheiten im Weinberg betrifft. Ich berichtete hier. Nächste Woche ist weitestgehend trockenes, sommerliches Wetter gemeldet. Unsere Weinberge sind bisher immer noch befallsfrei. Ob der Pilz in den letzten Tagen in die Rebe eindringen konnte, wissen wir noch nicht, da er erst sichtbar wird, wenn die Inkubationszeit abgelaufen ist. Noch bin ich guter Dinge. Vielleicht hatte ich bisher Dummenglück, unsere Weinberge stehen an der richtigen Stelle oder unser Weinbergsmanagment hat mit einem Quäntchen Glück zur bisherigen Befallsfreiheit geführt.

    Jetzt muss noch die Rebblüte gut überstanden werden. Trocken soll es werden, also eine geringere Gefahr, dass die extrem empfindlichen Beerchen vom Peronosporapilz befallen werden. Die Temperaturen sollen steigen und die Wasserversorgung der Reben ist ja bekanntermaßen auch optimal. Das müsste eigentlich gut gehen.

  • Übelst

    2016-06-15 Regen

    Übelst spielt uns das Wetter mit. Seit über zwei Wochen Regen, Regen, Regen. Täglich immer wieder massive Regenschauer, die uns Schutz im Auto suchen lassen. Die Böden aufgeweicht bis zum geht nicht mehr, beim Fahren mit dem Kettenschlepper gib es eine Schlammschlacht und die Mosel hat auch schon wieder den unter unserem Haus gelegenen Parkplatz überschwemmt. Von der zeitweisen 100%igen Luftfeuchtigkeit ganz zu schweigen.

    So langsam bekomme ich Muffensausen.  Die gefürchtete Pilzkrankheit Peronospora, auch falscher Mehltau genannt, bedroht uns. Vielleicht noch schlimmer als vor einigen Jahren, als es vereinzelt Totalschäden gab.

    Die ersten Schreckensmeldungen laufen bereits über den Ticker:

    „Die Situation ist zum Teil dramatisch. Am schlimmsten betroffen sind die Gebiete entlang des Rheins in Rheinhessen, Südliches Wonnegau, Zellertal, Worms und rund um Grünstadt. Desweiteren in Pfälzer Lagen in der Ebene, weniger am Haardtrand. An der Mosel und im nördlichen Rheinhessen zeigen sich erste Infektionen….
    In den beschriebenen Extremgebieten überlagern sich die Infektionen und seit gestern sporulieren die vorhandenen Ölflecke. Teilweise sind komplette Blätter weiß, was so bisher noch nicht beobachtet wurde. Gescheine sind teilweise getroffen, manche Anlagen zeigen bereits jetzt Totalausfall. In dieser Woche ist keine Entspannung in Sicht, da es weiter nass bleibt.“

    so unsere Ökoberaterin Beate Fader Anfang der Woche in ihrem Rundschreiben. Von den konventionell arbeitenden Winzern hört man ähnliches.

    Etliche Kollegen sind von Totalausfall der Ernte bedroht. Auch an der Mosel gibt es schlechte Nachrichten. Unsere Reben sehen zwar „noch“ sehr gut aus. Bis jetzt habe ich erst ganz wenige befallene Blätter gesehen, aber ich gehe davon aus, dass es bedeutend mehr werden wird. Wenn es nicht aufhört zu regnen, könnte es auch bei uns katastrophal werden.

  • „Es regnet gerne, wo es schon nass ist“

    2016-06-01 Krobach

    „Es regnet gern, wo es schon nass ist.“ besagt eine althergebrachtes Sprichwort. Der Anfang war letztes Wochenende mit 100l Regen über Nacht und einem wild gewordenen „Bach“. Die Erosionsschäden sind gewaltig. Die Wasserrinne, die eigentlich das Wasser unbeschadet zur Mosel leiten sollte, hängt frei in der Luft. Daneben das „Neue Bachbett“, das sich Metertief in den Nachbarweinberg eingegraben hat. Die Weinbergserde teilweise in die Mosel gespült, der Rest versperrt zwei Weinbergswege, die noch unpassierbar sind.

    2016-06-02 HochwasserWeitere Unwetter, insbesondere in der Eifel, haben die Mosel über die Ufer treten lassen. Bootsstege sind nicht nutzbar, die Terrassenwirtschaft (links im Bild) hat auch geschlossen. Nach ersten Prognosen vor zwei Tagen, die sich doch nicht bewahrheiteten, sollte die Mosel sogar die Uferstraße überfluten.

    In den Weinbergen sind die Böden extrem nass. Überall läuft noch Wasser aus den Weinbergen in Richtung Mosel. In einem meiner Weinberge gibt es sogar eine kleine Quelle..

    Zumindest gehen wir mit maximal wassergesättigten Böden in die Sommermonate. Das Rebenwachstum wird bei den gemeldeten warmen Temperaturen ungebremst verlaufen und uns jede Menge Arbeit im Weinberg verschaffen.

  • Fast 100 Liter über Nacht

     20016-05-30 ErosionReichlich, überreichlich kommt es vom Himmel runter. Subtropische Schwüle, die Böden trocknen nicht mehr ab und seit gestern Abend die ersten Probleme. Es ist zwar nichts gegenüber den Unwettern in Baden-Württemberg letzte Nacht, aber auch nicht gut.

    Vorab zuerst: In unseren Weinbergen – bei den Nachbarn ebenfalls – gab es keinerlei Schäden durch den massiven Regen (knapp 100l je qm über Nacht an der Wetterstation im benachbarten Briedel).

    An einem, ansonsten nur bei Starkregen Wasser führenden Bach, neben der Reiler Goldlay, ist durch den massiven Regen ein Entwässerungsrohr unter einem Wirtschaftsweg verstopft worden.

    20016-05-30 Erosion1Das Wasser hat sich dann seinen eigenen Weg gesucht und direkt neben der Wasserrinne einen neuen Bachlauf gegraben. Ca. 2,50 Meter tief und die alte Wasserrinne unterspült.

    Heute Morgen war schon eine Ortbesichtigung mit Winzerverband, Bürgermeister und örtlichem Tiefbauunternehmer, der nur noch meinte: „Wie soll ich denn dieses Loch wieder zu machen.“

    Jetzt regnet es schon wieder massiv…

  • warten

    2016-05-07 SpiegelungWir warten auf wärmere Temperaturen, damit die Terrassensaison dauerhaft eröffnet werden kann.

    Die Eisheiligen bringen zurzeit kalte Polarluft an die Mosel. Nicht ganz so kalt wie vor zwei Wochen, als es schwere Schäden durch Spätfrost in Europas Weingärten gab. Dazwischen eine sehr warme Woche, die die Reben schnell wachsen ließ und uns die Terrassensaison schon einmal antesten ließ.

    Wir warten auch auf das Weiterwachsen der Reben. Bis auf den Vegetationsfortschritt, der einige Tage hinter dem Durchschnitt der Jahre ist und leichte Knospenfraßschäden durch den Rhombenspanner, sieht alles sehr gut für die kommende Wachstumsperiode der Rieslingreben aus.

  • pflanzen

    2016-05-10

    Bei besten Bodenverhältnissen wurden gestern die jungen Rieslingreben gepflanzt. Über  das Abräumen der alten Rebanlage und die Vorbereitungen für diese Neupflanzung berichtete ich hier.

    Die künftigen Rebzeilen wurden von mir eingemessen, 65 cm daneben ein Draht gespannt, an der dann der Kettenschlepper des Lohnunternehmers mit der Pflanzmaschine entlang fuhr. Mit dem eingespieltem Team von Carsten Müller erfolgte die Pflanzung binnen kürzester Zeit.

    Zeitgleich setze leichter Regen ein, der sich nach der Pflanzung verstärkte und den jungen Rebwurzeln zusätzlichen Wurzelschluss mit dem Boden brachte.

    Morgen werden die Pflanzstäbe zu den Reben gestellt und dann hoffen wir, dass die Rieslingreben gut anwachsen und in einigen Jahren den ersten Ertrag bringen.

  • Wetterkapriolen die 3te: Aus seltenen Bildern werden Schreckensbilder

    Übelste Nachrichten gibt es seit heute Morgen in den sozialen Medien. Aus seltenen Bilder über die ich hier berichtete sind Schreckensbilder und Schreckensnachrichten geworden. Fast in ganz Europa gab es eine sehr kalte Nacht mit Minustemperaturen und Schäden an den Weinreben.

    Doch lesen sie selbst, was die Winzerkollegen schreiben und fotografieren:2016-04-26 Schnee Andres Schwarz internetFoto: www.weingutschwarz.ch

    „Böses erwachen. Eisiger Frost überzog den Rebberg. Heute Morgen war alles weiss, bis -3 Grad wurde es in der Nacht. Hoffentlich ist den jungen Reben nichts passiert.!“ Andreas Schwarz, nähe Winterthur, Schweiz

    2016-04-28 FiedlerFoto: Bernhard Fiedler

    „Den Spätfrost vom Dienstag hätten wir ja noch so mitgenommen, aber nach der vergangenen Nacht schaut´s echt bescheiden aus.

    Nach einer ersten groben Schätzung muß ich davon ausgehen, dass rund ein Drittel unserer Fläche nahe am Totalschaden ist, ein weiteres Drittel deutliche Schäden aufweist und nur rund ein Drittel halbwegs unversehrt.

    Nicht nur die Weingärten in der Ebene zum Neusiedlersee hin sind betroffen, sondern auch einige unserer besten Hanglagen.“  Bernhard Fiedler, Neusiedler See, Österreich

    „Die Temperaturen sind in den tiefsten Lagen auf -2 Grad gefallen, durch die (Paraffin-) Kerzen konnten wir die Temperatur auf 0 Grad erheben. Es sieht danach aus wie wir mit einem blauen Auge davon gekommen sind. Sicher sehen wir aber erst am Nachmittag, ob alle Schosse überlebt haben. Aber wir denken positiv und glauben, dass wir Glück gehabt haben.“ Martin Donatsch, Malas, Schweiz

    „Die Welt spielt verrückt. Zur aktuellen Lage:
    Montag hatten wir etwas Frost, sind aber relativ glimpflich davon gekommen (ca. 20 % der Weingärten sind hinüber). Für heute hat man -3 Grad angesagt. Jetzt hat es geschneit. Wir haben bereits 20 cm Schnee in Kitzeck. Der Schnee könnte ein Schutz vor dem Frost sein, kann aber auch alle Triebe durch sein Gewicht abreissen. Wir können nur zuschauen, warten und hoffen.

    Keiner weiß, ob morgen noch was drauf is. Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich wünsche uns und allen Winzerkollegen viel Glück.“  Michi Lorenz, Steiermark, ÖsterreichDomaine Müller Internet Domaine Müller2 InternetFotos: www.domaene-mueller.com

    Beindruckende Schneebilder in der Domaine Müller, Steiermark

    Spätfroste hat es auch in Südtirol, Italien, in Frankreich im Burgund, Chablis, Loiretal und dem Languedoc mit den entsprechenden Schäden gegeben. Sogar aus den südlich in Italien gelegenen Abruzzen gibt es Schadensmeldungen.

    Hier gibt es noch einen Bericht vom Fallstaff Magazin nebst weiteren beeindruckenden Bildern. Lesenswert!

    Die nächste Nacht soll nochmals kalt werden. Die Zitterpartie für die Kollegen geht weiter und die Eisheiligen sind auch noch im Anmarsch.

    An der Mosel gibt es nur vereinzelt Meldungen, dass einige junge Triebe erfroren sind. Also fast alles im grünen Bereich.

  • Wetterkapriolen, die 2te: Seltene Bilder

    2016-04-26 Schnee
    Foto: www.schalkstein.de

    Die derzeitigen Wetterkapriolen bereiten den Winzern derzeit viele Sorgen. Während in Südtirol und Österreich schon teilweise massive Frostschäden entstanden sind, wie mein Kollege Bernhard Fiedler berichtet, sind wir bisher an der Mosel mit einem blauen Auge davon gekommen.

    Ein Bild mit Seltenheitswert schickte mir gestern Eberhard Klein vom Weingut Schalkstein am Neckar. Ausgetriebene Reben mit Schnee bedeckt. Ich habe es in meinem, doch schon etwas längeren Berufsleben, erst einmal gesehen.

    Im Gegensatz zu einem Strahlungsfrost oder Kaltluft, die sich in Bodensenken sammelt, in der Regel harmlos für den Weinberg.