Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Trockenheit

  • Wer hätte das gedacht…

    2016-08-25 Trockenheit

    Foto: Weingut Viermorgenhof

    „Wer hätte vor 6 Wochen gedacht, dass die Bewässerungsanlage in diesem Jahr noch mal in Betrieb genommen werden muss?“ schreibt  Kollege Daniel Molitor vom Weingut Viermorgenhof auf Facebook.

    Während wir im Mai und Juni fast abgesoffen sind, gepeinigt mit großen Erosionsschäden und dem falschen Mehltau, war der Juli und August bisher von Trockenheit geprägt. Die wenigen Liter Regen die fielen, waren nicht der Rede wert.

    Auf einigen, wenigen Standorten, also da, wo eine geringe Bodenmächtigkeit vorhanden ist, die Rieslingreben jung und ihre Wurzeln noch nicht tief gewachsen sind, sieht man Aufhellungen an den unteren Rebblättern.

    Erste Anzeichen von Wasserstreß.2016-08-25 Wasserwagen

    Foto: Weingut Viermorgenhof

    Wer nun die Möglichkeit hat, kann die Reben bewässern. Unser Kollege hat direkt bei der Neupflanzung der Reben eine Tröpfchenbewässerung im Weinberg installiert (oberes Bild, die schwarze Rohrleitung unterhalb der Laubwand). Nun kann er im Bedarfsfall bewässern. Das Wasser muss mit dem Anhänger – leider gibt es keinen Wasseranschluss im Rebberg – den Berg hinauf gefahren werden und läuft über ein verzweigtes Rohrsystem in die Tröpfchenbewässerung.

    Der Klimawandel hält uns Winzer dieses Jahr europaweit in Bewegung, gewaltige Spätfröste im April, Regen ohne Ende im Mai und Juni, Hagelunwetter im August und stellenweise beginnende Trockenheit. Ein Extrem jagt das andere…

  • Hoffnung in den Zeiten der Dürre

    2015-08-27 Unwetterwarnung

    Bisher hatten wir im Wochenrhythmus immer etwas Regen. Es reichte jedoch vorne und hinten nicht. Der Regen verhinderte gerade, dass die Reben massive Trockenstressanzeichen zeigten und beginnende Notreife erkennen ließen. Auch in älteren Weinbergen sieht man mittlerweile immer öfter den Reben die Trockenheit an. Die Rebblätter drehen sich zunehmend von der Sonne weg, um weniger Wasser zu verdunsten.

    Letzte Woche, während unserer Wanderung über den Moselsteig an der Terassenmosel, haben wir schon Weinberge gesehen, in denen mit einer Notreife der Trauben zu rechnen ist: vergilbte bzw. abgefallene Blätter sowie ins bläuliche verfärbte Rieslingtrauben. Qualitative und quantitative Probleme sind garantiert.

    Obige „Unwetterwarnung“ des Deutschen Wetterdienstes gibt Hoffnung, dass die jetzigen Trockenheitsprobleme kleiner werden.

    Im Moment regnet es, Landregen!

    Morgen nach dem Aufstehen werde ich als erstes meinen Regenmesser begutachten. Drücken Sie uns die Daumen!

    Nachtrag 28.08.2015.

    Über Nacht kamen zwar nicht die prognostizierten 35 Liter Regen, aber mit den 23 Litern, die ich heute Morgen im Regenmesser gefunden habe, sind wir auch schon sehr zufrieden. Am Wochenende noch einmal hochsommerliche Temperaturen, dann soll es kühler werden. Etwas Entspannung in Sachen Trockenheit.

  • Wasser!

    2015-08-08 HoffestAm Samstag habe ich als Gastwinzer beim Hoffest meines Kollegen Reinhard Schäfer unsere Moselrieslinge präsentiert.  Der Hof des Weingutes war sehr gut gefüllt, Speis und Trank gab es reichlich und die Liveband machte ausgezeichnete Musik. Zwar brütend heiß und etwas schwierig die Weine gekühlt zu halten, aber ein sehr schöner Abend.

    Auch in Württemberg ist die extreme Trockenheit ein allgegenwärtiges Thema. Die kleineren Regenschauer, die wir in den letzten Wochen an der Mosel hatten, fehlten dort komplett. Gestern kam allerdings die Erlösung für den Kollegen. Abends erreichte mich die freudige Nachricht per Mail:

    „Hallo Harald,

    innerhalb einer Stunde 50 Liter Wasser. Halle schwimmt. Alle Regenwasser-Tanks laufen über. Mussten am Haus die Hochwasser-Sperre anbringen!

    Gruß

    Reinhard“

    Wie unser Weingut, liegt auch das Weingut Schäfer nahe am Fluss (Bottwar). Als Moselanlieger würde ich eher Bach sagen. Und wie das nun mal bei Flussanliegern ist, die zudem direkt im Talgrund liegen, gibt es mal leichte Überschwemmungen. Nicht meterhoch wie wir es an der Mosel gewohnt sind, aber plötzlich 15 cm Wasser in Hof und Halle sind ja auch schon was.

    Für Reinhard ist auf jeden Fall die Sorge um die Trockenheit im Weinberg sehr schnell und ausreichend erledigt. Da nimmt er gerne die kleine Überschwemmung in Kauf.

    Für uns ist das Problem mittlerweile auch kleiner geworden. Letzte Nacht gab es fast 20 Liter/qm Regen, kommende Nacht soll es auch noch regnen. Etwas Entspannung!

    Ich hoffe und wünsche, dass genügend Regen für alle Winzer fällt, da die extreme Hitze und Trockenheit die Wasserreserven in ganz Europa schwinden lässt. Beispielsweise schreibt auch unser Kollege Bernhard Fiedler in Österreich über die Auswirkungen des Wassermangels.

  • mangels Masse

    2015-08-07 Laubschnitt

    Der zweite Laubschnitt mit dem Laubschneider fällt mangels Masse fast ganz aus. Durch die fehlenden Niederschläge sind die meisten Reben nach dem ersten Laubschnitt nicht mehr weiter gewachsen. Lediglich bei einem Drittel unserer Weinbergsfläche lohnt der Einsatz der Maschine. Bei den anderen Weinbergen sind lediglich einige Rebtriebe per Hand mit der Rebschere abzuschneiden.  Zu Fuß und per Hand schneller als jede Maschine. Ich wünschte, es wäre anders rum.

  • Murphys Gesetz

    2015-08-03 Kellerkatze

    Murphys Gesetz„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Nicht ganz so schlimm wie vor einigen Jahren, aber es nervt trotzdem.

    Gestern Morgen signalisierte das Armaturenbrett des Kettenschleppers eine fehlerhafte Funktion der Lichtmaschine. Ich dachte mir, dass der Keilriemen des Antriebes abgesprungen ist, aber nein, dass war es nicht. Also zur Tankstellenwerkstatt gefahren und um Ratschlag gebeten. Die Stromlieferung der Lichtmaschine schwächelte etwas. Kein Grund zur Sorge. Nervig nur, dass die optische Meldung auf dem Display mit einer kleineren Sirene verbunden ist, die alle paar Sekunden Warnsignale von sich gibt.

    Beim Nachfüllen des Wassers für die dritte Runde der Bewässerung einer Junganlage, war unser hauseigener Brunnen leer und Trinkwasser musste genommen werden. Wasser alle, wie in den Weinbergen.

    Die Heimfahrt nach getaner Arbeit endete mit einem riesigen Knall. Plattfuß am Anhänger! Ein Stein war während der Fahrt hochgewirbelt worden und hatte sich zwischen Reifen und Anhängestell verkantet und die Flanke des Reifens aufgeschlitzt. Also Raupe abladen, Hänger an den Wegrand stellen, mit dem Traktor nach Hause, Werkzeug und Wagenheber ins Auto, Reifen abbauen und schon wieder zur Tankstellenwerkstatt. Gottseidank war ein Ersatzreifen vorhanden. Und das Ganze wieder rückwärts: Mit dem Auto in den Weinberg fahren und Reifen montieren, Auto nach Hause und anschließend mit dem Traktor Anhänger und Raupe holen.

    Die Kellerkatze beim Ausruhen in der sommerlichen Hitze unter dem Walnussbaum. Mit den häufigen Hofdurchfahrten meinerseits, laufend gestört. War mir aber auch egal.

    Heute Morgen dann keinen Strom an der 12v Bordsteckdose gehabt. Erst nach einer längeren Fehlersuche habe ich als Ursache eine geschmolzene Sicherung gefunden. Kurze Zeit später das Gleiche noch einmal. Das „Warum“ aber nicht gefunden.

    Mittlerweile etwas genervt durch die sich immer wieder meldende Sirene beim „Support“ des Kettenschlepperherstellers angerufen. Die Lichtmaschine dürfte der Verursacher sein. Liefert nicht genug Stromspannung. Es reicht für die Batterieladung, aber nicht fürs Abschalten der Sirene, vermutlich auch Stromschwankungen, die das Schmelzen der Sicherungen bewirkt haben.

    Eine Neue ist bestellt und ich hoffe, dass es die Lösung für einen Teil der gestrigen und heutigen Probleme ist.

  • Angespannt, sehr angespannt

    2015-07-22 Riesling

    In den guten Lagen, also den frühen, sind die Trauben sehr gut verblüht. Man sieht nur wenige kleine Beerchen, die von nicht bestäubten Blüten stammen.2015-07-22 Verrieselt

    Vollkommen gegensätzlich die Trauben in den späteren Lagen. Zwei Tage Kälteeinbruch während der Blüte sind deutlich zu sehen. Ganz extrem – wie im obigen Bild – ist das Blüteergebnis bei Rebstöcken, die zum Zeitpunkt der Blüte schon unter Wassermangel gelitten haben. Der Riesling ist sehr empfindlich in der Blütephase.

    2015-07-2 Triebspitze

    In einer jungen Rebanlage mit sehr vielen nachgepflanzten Rieslingreben haben wir das Wachstum wieder angekurbelt. Nach zweimaliger Wassergabe sind die kurz vor den vertrocknen stehenden Triebspitzen wieder ergrünt und das Längenwachstum hat wieder eingesetzt.

    Die Reben sehen besser aus, als aufgrund der hohen Temperaturen erwartet. Wir haben Weinberge, die immer noch ausreichend Wasser im Boden finden und an denen man die Trockenheit nicht ansieht, bis hin zu sehr stark trockengestressten Rebstöcken, bei denen die Triebspitzen und die unteren Blätter schon verdorrt sind. Leider auch schon Trauben, die ins bläuliche verfärben. Nicht so gut für die Qualität.

    Jetzt wäre es an der richtigen Zeit, die Reben zu bewässern. Leider haben wir diese Möglichkeit nicht. Da beneide ich Kollege Armin, der die Möglichkeit zum Bewässern hat.

    Uns bleibt nur die Möglichkeit zu warten. Die Lage ist leider angespannt, sehr angespannt.

    Letzte Woche gab es etwas Regen. Kommende Woche sind weitere Niederschläge gemeldet. Es wird ein hangeln von Regen zu Regen, jeweils ein Tropfen auf den heißen Stein.

  • knapp, sehr knapp

    2015-07-11 Triebspitze

    Die Bodenwasservorräte sind knapp, sehr knapp. Die Hitze der vergangenen Woche hat viel Wasser verbraucht. In vielen Weinbergen sieht man schon die ersten Anzeichen von Trockenstress. Die Triebspitzen richten sich gerade auf und ein Ende des Rebwachstums ist in Sicht.2015-07-10 UV Schäden

    Dort wo die Bodenmächtigkeit gering ist, der Fels hoch ansteht und die Reben schon seit längerem unter Wassermangel leiden, sieht man Blattaufhellungen aufgrund der übermässigen UV Strahlung der Sonne.2015-07-10 KurztriebStellenweise sind dort die Reben nur bis zum obersten Draht der Unterstützungsvorrichtung gewachsen. 2015-07-10 Trockenheit

    Zunehmend drehen sich die Blätter von der Sonne weg, um weniger Wasser zu verdunsten.

    Es wird allerhöchste Eisenbahn, dass es regnet. Die Trauben sind jetzt in der Phase des Dickenwachstums.

    Es wäre jetzt die richtige Zeit, um die Reben zu bewässern. Die ganz jungen Reben kann ich ja noch wässern, aber die Anderen? Die Mosel anzapfen? So einfach ist das nun auch wieder nicht. Mal abgesehen davon das mir die benötigten Wasserrechte nicht gehören, die Mosel hat nicht genügend Wasser. Durch die Stauhaltung sieht es so aus, als ob genügend drin wäre, aber es kommt einfach nichts nach, um die Rebflächen an der Mosel zu bewässern.

    Es wird wie jedes Jahr: Spannend!

  • hitzefrei

    2015-07-01 entlaubenSeit vorgestern gibt es täglich hitzefrei. Mittags im Schatten fast vierzig Grad, in der prallen Sonne im Weinberg einiges darüber. Sobald morgens die Sonne aufgeht, wird es ungemütlich. Beim entlauben der Traubenzone mit dem Raupenschlepper – eine der wichtigsten kulturtechnischen Massnahmen –  kommt zudem die Abwärme der Maschine dazu.

    Schon vor der Mittagsstunde sind Mensch und Maschine von der Hitze weich gekocht. Der Mensch kann nicht so schnell trinken wie er die Flüssigkeit wieder ausschwitzt. Das Hydrauliköl der Maschine ist, trotz zusätzlichem Ölkühler, überhitzt und die Leistung geht stark zurück.

    So halte ich in der Mittagshitze eine etwas längere Siesta oder suche Arbeit im immer noch sehr kühlen Weinkeller.

    Die Hitzewelle soll noch einige Tage andauern. Hoffentlich wird sie nicht mit einem massivem Gewitter beendet. Regen wäre schon sehr willkommen, da die Bodenwasserreserven sehr gering sind. Wenn Gewitter, dann aber bitteschön ohne die üblichen Begleiterscheinungen eines Gewitters, also die feste Form des Wassers.

  • Gut und sehr gut

    2015-06-22 Regen

    Gut, sehr gut! Es regnet! Ein schöner Landregen, den ganzen Tag lang. Die Nacht soll es auch durchregnen. Zusammen mit den in den vergangenen Tagen gefallenen Regenschauern dürfte unser Trockenheitsproblem in den Weinbergen vorerst behoben sein. Zwar keine Luxusversorgung der Rieslingreben, aber es reicht vorerst. Nun noch wärmere Temperaturen, damit die letzten Rebblüten auch noch bestäubt werden und der Winzer schon Vorfreude auf die kommende Weinernte hat, falls nicht etwas anderes schief läuft. Aber daran denke ich noch nicht.

  • Laubarbeiten

    2015-06-18 HeftenWir schlaufen die Rebtriebe zurzeit in den Drahtrahmen, damit kein Windbruch entsteht.  Die Reben haben dadurch eine optimale Belichtung und Besonnung. Der erste Durchgang erfolgte letzte Woche, nun sind wir bei der zweiten und letzten Runde.

     

    Das Ganze dazu noch ganz gemütlich und stressfrei. Leider!

     

    Die anhaltende Trockenheit bremst das Wachstum der Rieslingreben stark. Es gab zwar im Wochenrhythmus 15, 10 und heute 11 Liter Regen, aber das hilft nur einige Tage. Nicht wirklich befriedigend und ausreichend. In einer jungen Rebanlage wird es nur noch wenige Tage dauern, bis die ersten Trockenstressanzeichen massiv auftreten. Zumindest sind die Weinbergserdbeeren, die am verdorren waren, wieder ins Leben zurückgekehrt.

     

    Die Meteorologen machen uns für die nächsten Tagen Hoffnung. Ich lasse mich überraschen.

     

    Ich will nicht jammern und zu laut Regen herbei wünschen. Das ging schon im letzten Jahr schief, als wir bei der damals herrschenden Trockenheit viel Regen wünschten. Leider wurden diese Wünsche reichlich erfüllt und es regnete ab Juli fast ununterbrochen und wir hatten eine problematische Weinernte. Ich berichtete auch hier und hier.