
Endlich mal wieder Trauben wie aus dem Bilderbuch. Perfekte, gesunde Trauben wie wir seit Jahren nicht mehr hatten. Bis auf einige Trauben mit Sonnenbrandschäden gibt es keinerlei Selektionsbedarf. Die Ernteleistung unserer Helfer ist entsprechend hoch. Kein Zeitaufwendiges sortieren in Gut und Böse – so macht ernten Spaß.
Die Beerenhäute sind im Gegensatz zu den vorherigen reifen Jahrgängen noch nicht goldgelb gefärbt. Stattdessen liegt ein leichter Grauschleier auf den Trauben. Eine Folge der hohen Sommertemperaturen und der intensiven UV-Strahlung. Die Reben haben als Schutzreaktion unter anderem Phenole und Gerbstoffe eingelagert, die für den späteren Weingeschmack keine Rolle spielen.

Während der Traubeninhalt vor einigen Tagen noch fest war und die Kerne grün, verflüssigt sich das Mark nun langsam durch traubeneigene Enzyme. Die Kerne sind braun verfärbt. Das ist ein Zeichen für die sogenannte „physiologische Reife“. Die Folge sind mehr Aroma und eine höhere Pressausbeute beim Keltern. Zu diesem Thema können Sie bei meinen Kollegen Bernhard Fiedler mehr nachlesen.
Wir sind qualitativ auf der Zielgeraden. Auch die analytischen Werte passen perfekt. Die noch kommenden kühleren Nächte sind jetzt sehr wichtig für die weitere Aromaausbildung. Der bislang ausbleibende Regen ist dagegen für die Traubengesundheit geradezu ideal. Je länger die Trauben trocken bleiben, desto geringer ist das Risiko, dass sich jetzt kurz vor der Ernte noch Fäulnis entwickelt.
Am vergangenen Wochenende haben wir bereits den Rieslingsektgrundwein mit perfekten analytischen Daten geerntet. Ein sehr guter Auftakt für die diesjährige Weinernte.
Heute ist Ruhetag. Meine Nachfolger vom Weingut von Vielen werden heute entscheiden, wo es morgen weitergeht. Für die anstehende Lese stehen jedenfalls genügend fleißige Hände bereit: Viele freiwillige, motivierte Erntehelfer sind in diesem Jahr wieder mit dabei. Bei solchen Trauben macht die Weinlese natürlich besonders viel Spaß.
Viele Hände, schnelles Ende …






Zum dritten Mal in diesem Jahr erleben wir eine Hitzewelle mit Temperaturen von über 30 °C. Die Auswirkungen auf die Weinberge werden immer deutlicher. Der bislang im Juli gefallene Regen ist nahezu wirkungslos verdunstet, und die Weinbergsbegrünungen sind weiterhin vollständig vertrocknet.




Die Bodenwasservorräte sind knapp – sehr knapp. Es wird höchste Zeit, dass es regnet. Die zunehmende Trockenheit entwickelt sich durch den Klimawandel immer mehr zu einer großen Herausforderung im Weinbau. Die Begrünungen sind nahezu vollständig vertrocknet. Nur die Reben selbst präsentieren sich größtenteils noch in einem erstaunlich satten Grün.
Doch auch die Widerstandskraft der Rebe hat ihre Grenzen. Vor allem bei jüngeren Reben oder an Standorten mit flach anstehendem Fels treten zunehmend Blattvergilbungen auf. Dort setzen Wassermangel, Extremhitze und intensive Sonneneinstrahlung den Rieslingreben erheblich zu. Erste Blattvergilbungen sind zu sehen.

Beispielhaft für meinen Standort Reil die Temperaturkurve von 1980. Wichtig: Dargestellt sind die Tageshöchsttemperaturen!







