Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Weinberg

  • Weinernte 2025: Vorfreude

    Auch wenn man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte, blicken wir mit großer Vorfreude auf die bevorstehende Weinlese. In den Weinbergen präsentieren sich gesunde, vielversprechende Rieslingtrauben.

    Bei einigen Reben finden sich sehr kompakte Trauben, bei denen eine erhöhte Gefahr besteht, dass sich einzelne Beeren gegenseitig zerdrücken und dadurch Fäulnis begünstigt wird.Sehr viele Trauben, die weniger dicht gepackt sind.

    Etliche Trauben, die je nach Blütetag bei kühlem Wetter schlecht verblüht und sehr lockerbeerig sind. Man beachte die kleinen jungfernfrüchtigen Beeren, die mittels mangelhafter Bestäubung klein geblieben sind. Kleine Beeren mit viel Aroma und wenig von Fäule bedroht. Das ist das Potenzial für die besten Weine!

    Die Witterungsverhältnisse im bisherigen Vegetationsverlauf waren nahezu ideal. Einzig ein angekündigtes Unwettergebiet in den kommenden Tagen bereitet noch gewisse Sorgen. Die Prognosen schwanken derzeit zwischen leichtem Landregen und potenziell schweren Unwettern.

    Erntebeginn ist am 29. September, morgens um acht! Wahrscheinlich etliche Tage Vorselektion, damit die verbleibenden Trauben weiter reifen können. Danach die Haupternte, und mit etwas Wetterglück dürfen wir uns zum Abschluss auf eine besonders hochwertige Selektion freuen.

    Prognose: Es sieht nach einem Traumjahrgang aus. Qualitativ ist alles drin, quantitativ wirds richtig gut. 🙂

     

     

  • letzte Pflegearbeiten

    Bevor die Weinlese beginnt, stehen im Weinberg noch einige wichtige Pflegearbeiten an. Dazu gehört insbesondere das jährliche Abmähen der Böschungen oberhalb der Weinbergsmauern mit dem Freischneider – eine der letzten Maßnahmen vor der Ernte. In Weinbergen mit üppiger Begrünung wird zusätzlich gemäht, damit die Erntehelferinnen und -helfer nicht durch hohe, taunasse Begrünungen laufen müssen.

    Ein weiteres Augenmerk gilt der Reinigung der Wirtschaftswege, sofern in den nächsten Tagen noch ausreichend Regen fällt. Denn nur bei feuchtem Boden lassen sich Pflanzen leichter mitsamt der Wurzeln aus den Fugen entfernen. Besonders am Mauerfuß ist die Wasserführung von Bewuchs und Geröll zu befreien, um langfristige Schäden an Mauern und Wegen zu verhindern. Für die Grobarbeiten kommt ein kräftiges Planierschild an der Raupe zum Einsatz – für die Feinarbeit stehen Besen und Schippe bereit.

    Die Weinernte rückt näher und die ersten Ernteplanungen sind gemacht. Um den Monatswechsel September/Oktober beginnen wir mit der Ernte. Unsere Erntehelferinnen und -helfer stehen bereit. Die langfristige Wettervorhersage sieht gut aus und verspricht kühle Nächte – gut für die Aromaausbildung der Rieslingtrauben – und warme Tage.

    Die Reifemessungen der Agrarberatung sind vielversprechend. Bei Zuckereinlagerung und Säureabnahme ist der 25er überdurchschnittlich. Die Prognose: Qualitativ ist alles drin, quantitativ sieht es ebenfalls sehr gut aus. Dazu später mehr…

  • Winzerwunschwetter

    Der Wunsch nach Regen kam vor nicht einmal zehn Tagen auf. Man merkte den Rieslingreben an, dass das Wasser im Boden knapp wurde. Das Wachstum hatte sich stellenweise stark verringert und die Triebspitzen begannen sich aufzurichten – ein erstes Anzeichen von Wasserknappheit. An wenigen Stellen, wo nur wenig Boden den felsigen Untergrund bedeckt oder bei jungen, nachgepflanzten Reben, die noch nicht so tief wurzeln, sah man schon eindeutige Trockenstresssymptome: aufgerichtete Triebspitzen und Blätter, die sich schützend von der Sonne wegdrehten.

    Unsere Wünsche wurden auch prompt erfüllt. Seit dem sind 44 Liter Regen je qm gefallen. Schon fast eine Luxusversorgung für die Reben. Nicht als Landregen, meistens kräftige Schauer mit heftigem Wind. Zeitweise war die gegenüberliegende Moselseite nur schemenhaft zu erkennen.

    Wettertechnisch zeigt sich die aktuelle Vegetationsperiode bislang von seiner unkomplizierten Seite. Die bisherigen Trockenphasen wurden stets rechtzeitig durch Regen unterbrochen, und die Temperaturen bewegten sich – abgesehen von einigen sehr heißen Tagen zum Monatswechsel – im angenehmen Bereich.

    Für die Reben ideale Bedingungen, um sich gesund und ausgeglichen zu entwickeln. Da schlägt das Winzerherz ein wenig höher.

  • So spät wie noch nie

    So spät wie noch nie haben wir den Laubschnitt in unseren Rieslingweinbergen gemacht. Hochsommerliche Temperaturen und eine gute Wasserversorgung ließ das Rebwachstum explodieren. Fast waagerecht ragten die Rieslingreben oberhalb des Drahtrahmens in die Rebzeile.

    Es hat sich richtig gelohnt, mit dem Laubschneider zu fahren.

    Jetzt sehen die Rebzeilen wieder ordentlich aus. Wie frisch vom Frisör😉

    Eine in der Regel wichtige Arbeit werden wir dieses Jahr allerdings nicht durchführen. Das entlauben der Traubenzone werden wir uns ersparen. Durch das sehr schnelle Wachstum haben wir den richtigen Zeitpunkt verpasst. Um den optimalen Effekt der Abhärtung der Traubenschale gegen Traubenfäulniss und insbesondere Sonnenbrand zu erreichen, muss diese Arbeit bis zur Schrotkorngröße der jungen Trauben erledigt sein. Diese Zeitspanne war dieses Jahr viel zu kurz.

    Das Risiko für Sonnenbrand ist auch immer relativ zu sehen. Es gibt eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die ich hier nicht alle erläutere, denn das würde zu kompliziert werden.

    Der späte Laubschnitt könnte sich jedoch vorteilhaft gegen späte Fäulnis auswirken. Die Traube und die Triebspitze konkurrieren um die gebildeten Assimilate. Schneide ich früh die Triebspitze (Laubschnitt) ab, gelangen die Assimilate der Rebe bevorzugt in die Trauben, die dadurch groß und kompakt werden. Leider kann der Riesling so kompakt werden, dass sich die Beeren gegenseitig zerdrücken und Fäulnis entsteht. Bei spätem Laubschnitt kann die Traube lockerbeeriger werden, ohne dass sich die Beeren gegenseitig zerdrücken.

    Aber wie schon oben geschrieben: Es gibt eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die ich hier nicht alle erläutere, denn das würde zu kompliziert werden.

    Der Weinbau ist ein äußerst komplexes System. Jeder einzelne Parameter ist wichtig. Dazu gehören die Arbeit des Winzers, die Rebsorte, der Standort, der Boden, die Temperatur, die UV-Strahlung, die Niederschläge, die Luftfeuchtigkeit und vieles mehr. Einiges kann der Winzer beeinflussen, vieles nicht. Während einige dieser Variablen – etwa Bodenpflege, Rebschnitt oder Lesezeitpunkt – gezielt gesteuert werden können, entziehen sich andere, wie Wetterextreme oder klimatische Schwankungen, jeglicher Kontrolle. Die Herausforderung besteht in der kontinuierlichen Optimierung dieses Zusammenspiels. Ziel ist die Herstellung eines Weines, der die spezifischen Merkmale seines Ursprungs mit bestmöglicher Traubenqualität authentisch widerspiegelt.

  • Alles bestens!

    Zunächst hatte die Rebblüte aufgrund des kühlen Wetters nur zaghaft begonnen. Warmes Sommerwetter beschleunigte die Blüte letztes Wochenende jedoch so stark, dass sie binnen weniger Tage der Vergangenheit angehörte. Das Bestäubungsergebniss dürfte gut sein.

    Die jungen Beerchen sind rasend schnell gewachsen und das Dickenwachstum wird weiter zunehmen. Ich rechne damit, dass die Beeren Ende der kommenden Woche erbsengroß sein werden. Ab diesem Wachstumsstadium nimmt die Empfindlichkeit der Trauben gegenüber den Pilzkrankheiten ab.  Die Spaltöffnungen der Beeren verschließen sich. Der Peronosporapilz kann dann nicht mehr in die Beere eindringen und sie nicht mehr infizieren. Zudem unterstützt uns der Sommer mit trockenem, pilzfeindlichem Wetter. Ich rechne dieses Jahr nicht mehr mit Problemen durch die für die Rebe gefährlichen Pilzkrankheiten.

    Die Ernteaussichten sehen bislang gut aus. Alles bestens! Der Start in die Vegetationsperiode war sehr gut. Aus jeder Knospe kam ein Rebtrieb mit vielen Blütenständen und die anfängliche Trockenheit ist kein Thema mehr. Bislang keine Wetterunbilden wie Spätfrost, Hagel, übermäßiger Regen und Krankheitsbefall. Die Weinernte ist zwar noch einige Monate entfernt, aber wir blicken positiv in die Zukunft.

  • Ixodes ricinus, die 7te

    Ixodes ricinus, allgemein als Zecke bekannt und wegen Borreliose und Meningoenzephalitis (FSME) gefürchtet.

    Im Wald oder auf Wiesen hatte ich mir hier und da schon einige eingefangen. In unseren Steillagen scheinen dieses Tierchen jedoch nicht existent zu sein. Ihr Vorkommen ist durch ihre Ansprüche an die Luftfeuchte begrenzt, da sie Mikrohabitate mit 80-prozentiger Sättigung über den größten Teil des Jahres benötigt. Die Art ist daher auf gehölzbestandene, beschattete Orte angewiesen. Während meiner jahrelangen Weinbergarbeit bin ich nicht auf eine Zecke gestoßen und umgekehrt. Normalerweise ist es in den Weinbergen zu trocken.

    Aber keine Regel ohne Ausnahme oder eine neue Unterart? Killerzecken? Die obige Zecke ist die 7te, die ich in den letzten zehn Tagen mit der Zeckenkarte entfernt habe. Etwas seltsam. Auch andere Winzerkollegen berichten von Zeckenbefall.

    Gut, dass wir nicht in einem Risikogebiet mit hoher FSME Gefährdung leben. Vorsorge ist trotzdem nötig.

  • ein sehr guter Start

    Bis jetzt haben wir einen sehr guten Start in die Vegetationsperiode. Aus jeder Rebknospe ist ein Trieb gekommen. Es gab keine Schäden durch Knospenschädlinge. Auch gab es keinen desaströsen Spätfrost und Hagelschlag wie im letzten Jahr.

    Das Wetter zeigt sich derzeit von seiner typischen, eher kühlen Mai-Seite. Von den Auswirkungen des Klimawandels ist bei den Temperaturen momentan wenig zu spüren – wohl aber beim Niederschlag. Seit März hat es, abgesehen von ein paar Tropfen, praktisch nicht geregnet. Den tief wurzelnden Reben macht die Trockenheit noch nichts aus. Lediglich bei einigen Begrünungspflanzen sieht man leichte Welkeerscheinungen, und in der Landwirtschaft gibt es die ersten Probleme.Bild: Archiv

    Noch sehe ich die Wetterbedingungen für uns positiv. Im Gegensatz zu den beiden letzten Jahren sind Pilzkrankheiten weit und breit nicht zu sehen und auch momentan nicht zu erwarten.

    Die Befahrbarkeit unserer Steillagen ist ausgezeichnet. Es gibt kein nerviges Rumgerutsche mit dem Kettenschlepper im Steilhang wie in den letzten Jahren. Jede Steigung wird problemlos bergauf bewältigt.

    Trotzdem wünsche ich mir bald Regen!

     

     

  • Vegetationsstart

    Früher als im langjährigen Mittel, aber später als in den letzten Jahren hat der Austrieb begonnen. Die Rebknospen sind dick geschwollen und erste Blättchen sind teilweise sichtbar. Bei den jetzt gemeldeten höheren Temperaturen wird das Rebwachstum gefördert. Die Weinbergarbeiten wie Rebschnitt und binden der Reben sind erledigt. Die Pheromondispenser zur Bekämpfung des Traubenwicklers haben wir in den letzten Tagen aufgehängt. Sie wissen schon, das ist die Sache mit „Schluss mit lustig“. Hier nachzulesen.

    Auch haben Knospenschädlinge, wie z.B. der Rhombenspanner kaum Schäden verursacht. Das Zeitfenster, in dem der Wurm die Knospen ausfressen kann, ist dieses Jahr sehr kurz. Die jungen Rebtriebe wachsen schneller als der Rhombenspanner, die für ihn schmackhaften Knospen fressen kann.

    Jetzt fehlt nur noch Regen für einen guten Start in die Vegetationsperiode. Dieser März ist äußerst trocken gewesen, einer der trockensten seit Messbeginn im Jahr 1881, heißt es vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Für die Landwirtschaft ist das ein großes Problem. Für uns Winzer noch nicht so sehr, denn die Reben wurzeln sehr tief und finden dort noch Wasser. Hat was mit Klimawandel zu tun…

    Die Mosel führt ungewöhnlich wenig Wasser. Die unter Wasser gelegenen Böschungssteine sind alle trocken. Der Wasserpegel ist auf dem Tiefststand. Ohne die Staustufen wäre die Mosel ein Rinnsaal wie der Rhein.

    Kein Vergleich zu den extrem nassen letzten beiden Jahren. Riskante Fahrmanöver mit dem Kettenschlepper im Steilhang und extrem hohe Begrünungen infolge der überreichlichen Niederschläge sind dieses Jahr nicht zu erwarten. Die Grasnarbe ähnelt eher einem Magerrasen. Fast pflegeleicht!

    Die Wetteraussichten für die nächsten Tage sind bis auf den fehlenden Regen gut. Vor allem die Nachttemperaturen liegen deutlich im Plusbereich. In der vergangenen Woche gab es morgens noch leichte Minusgrade, die bei der extrem trockenen Luft den schon empfindlichen Rebknospen keinen Schaden zugefügt haben. Ein nochmaliger katastrophaler Spätfrost wie im letzten Jahr braucht keiner.

    Wir sind gespannt, was uns die kommende Vegetationsperiode bringt. Dürre oder Dauerregen mit nie dagewesenem Hochwasser und Pilzbefall, oder vielleicht doch ein normaler Sommer ohne Wetterextreme wie in den vergangenen Jahren.

    Wünsche an das Wetter hätten wir genug.

  • Weinernte 2024: Helfende Hände

    Weinernte ist immer Teamarbeit. Beim Transport vom Weinberg bis in die Weinpresse sind die Erntehelfer eingebunden.

  • Weinernte 2024: Eingetütet

    Bei schönem Herbstwetter konnten gestern mit kleiner Erntemannschaft die letzten Rieslingtrauben in den Burger Weinbergen geerntet werden und nun ist die Weinernte 2024 eingetütet.

    Wie jedes Jahr ein dickes Lob und ein Dankeschön an unsere Erntemannschaft, die wie immer ihr bestes beim Ernten gab. Rasant schnell, einsame Spitze im Selektieren und immer gut drauf: Nils, Max, Chefin Marita, Rosi und Lino (v.l.n.r.) und die heute nicht dabei gewesenen Felix, Vani, Sophie, Alice, Irene, Soffel, Helene, Stefan, Jonas, Jonte, Sören, Lukas, Margit, Michael, Max, Mia, Philipp, Britta, Uschi, Vali, Marilia, Andy, Paul und Sanne.

    Wie immer: Rasend schnell, einsame Spitze im Selektieren und trotz der Ernteumstände immer gut drauf. Klasse Mannschaft!