Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Weinberg

  • Weinernte 2023: Der Beginn der Weinlese rückt näher.

    Während vor einigen Tagen der Traubeninhalt noch sehr markig und die Traubenkerne noch grün waren, verflüssigt sich das Mark nun langsam durch traubeneigene Enzyme. Die Kerne sind braun verfärbt. Zeichen für die sogenannte „physiologische Reife“ oder Geschmacksreife. Mehr Aroma und eine höhere Pressausbeute beim Keltern sind die Folge. Zu diesem Thema können Sie bei meinen Kollegen Bernhard Fiedler mehr nachlesen.

    Bis auf einen kleinen Rieslingweinberg haben wir sehr wenig Fäulnis. Leichte Probleme bereiten die Sonnenbrandschäden von Anfang September. Die hohen Temperaturen auf der Sonnenseite der Rebzeilen führten zum „verkochen“ einzelner Beeren. Diese müssen aussortiert werden. Sie sind unreif und haben einen schlechten Geschmack.

    Selektive Handlese: die Guten in die Erntekiste, die schlechten auf den Boden…

    Trotz der Widrigkeiten mit Sonnenbrand und dem falschen Mehltau hängen sehr viele Trauben an den Rieslingreben. Die Tage und Nächte sind kühl geworden und werden die weitere Aromabildung fördern. Die langfristige Wettervorhersage prognostiziert ruhiges und trockenes Herbstwetter.

    Der Beginn der Weinlese rückt näher.

     

  • Weinbauernherz, was willst du mehr?

    Letzte Woche hoffentlich das letzte Mal vor der Ernte den Regenmesser geleert. Sechs Wochen mit feuchtem Wetter liegen hinter uns. Nach dem sehr trockenen Sommer war der Regen sehr willkommen. Jetzt sind wir in der Reifephase und die Trauben werden anfällig für Fäulnis. Da braucht es nicht mehr zu regnen.

    Ein sehr stabiles Hoch wird uns den nächsten Tagen und ggf. Wochen trockenes Wetter mit Spätsommertemperaturen bescheren. Winzerwunschwetter! Die Rieslingtrauben sehen gut aus und davon gibt es reichlich.

    Abgesehen von den kleinen Schäden durch den Peronosporapilz im Juni, haben einige, wenige Trauben leichte Sonnenbrandspuren. Nicht der Rede wert. Das könnte ein Jahrgang ganz nach dem Geschmack des Winzers werden. Also Wein vom glücklichen Winzer!

    Weinbauernherz, was willst du mehr?

  • Der Stand der Dinge

    Die Sommerarbeiten im Weinberg neigen sich dem Ende zu. Es ist wieder ein spannendes Weinjahr. Der Klimawandel lässt mit seinen Wetterextremen grüßen. So ist das Wetter über längere Phasen immer gleichbleibend stabil. Lange Trocken- oder Nässephasen.  Nichts mehr mit der kühl gemäßigten Klimazone mit öfter wechselndem Wetter. Die Extreme nehmen zu.

    Noch im Mai bereiteten uns extrem feuchte Böden Schwierigkeiten beim Befahren. Die nachfolgende Trockenheit wurde Gott sei Dank durch ergiebigen Landregen (über 100 l je qm) in den letzten zwei Wochen beendet. Die Trauben sind recht groß geworden. Dort wo schon die Trockenheit zu sehen war, sind sie etwas kleiner und lockerbeeriger. In der Summe aber eine ordentliche Menge, die in den Rebstöcken hängt. Wir freuen uns – falls nicht noch etwas Unerwartetes passiert – auf die kommende Weinernte.

    Den unerwarteten Befall des Laubes im Juni durch den heimtückischen Peronosporapilz haben wir gut überstanden. Je nach Weinberg sind einige, wenige Trauben befallen und vertrocknet. Nicht der Rede wert.

    Der viele Regen hat uns das Fahren mit der Raupe wieder schwer gemacht. Sie wissen ja, den Berg hinunter helfen alle Heiligen, den Berg hinauf kein Teufel.
    Nach der „kleinen Schlammschlacht“ im Hang heute Generalreinigung, die sich über einen längeren Zeitraum hinzog. Eine ganze Schubkarre Weinbergserde wurde aus dem Laufwerk der Raupe entfernt.

    Ab morgen soll der Sommer wieder zurückkehren und in der Langfristprognose der Meteorologen ist kein Regen vorgesehen. Es ist noch reichlich da…

  • The same procedure as every year

    The same procedure as every year. Beim „Dinner for one“ normal. Im Weinberg leider nicht. Durch den Klimawandel wiederholen sich die sommerliche Trockenperioden immer häufiger.

    Noch vor sieben Wochen hatte ich mit dem Raupenschlepper große Probleme, bergauf und bergab zu fahren. Die Böden waren maximal wassergesättigt. Seitdem hat es kaum nennenswert geregnet. Inzwischen sehen wir nur noch verbrannte Erde. Die Begrünung am Hang ist größtenteils vertrocknet. Die Reben sehen noch gut aus und zeigen bis auf wenige Ausnahmen keine Trockenschäden. Mit ihren langen Wurzeln finden sie noch Wasser im Untergrund. Nur in drei Weinbergen haben wir Rebstöcke, die aufgrund ihres jungen Alters und/oder des hoch anstehenden Felsens kein Wasser mehr bekommen und unter Trockenstress leiden. Dort müssen wir in den nächsten Tagen die Reben entlasten, damit sie überleben können.

    Regen ist willkommen. Möglichst bald und reichlich. Heute sind Gewitter gemeldet. Hoffentlich ohne Hagel, mit reichlich Regen, der über Stunden fällt, ohne Erosion zu verursachen.

  • Capreolus capreolus

    Capreolus capreolus, das europäische Reh. Eine eher seltene Begegnung im Weinberg. Fuchs, Hase, Wildschwein und weitere Tiere sind im Weinberg häufiger zu sehen. Ein Rehkitz ist da schon seltener. Unterwegs mit dem Raupenschlepper erschrak ich, als aus der benachbarten Rebzeile lautes Fiepen zu hören war. Es war der Angstschrei eines Kitzes.

    Als ich es fotografierte, verwechselte es mich wohl mit seiner Mutter und lief mir hinterher. Ich machte mich „aus dem Staub“, damit das Kitz keinen Menschengeruch annehmen konnte. Es kann passieren, dass die Ricke ihr Kitz bei ihrer Rückkehr verstößt, da der menschliche Geruch den Eigengeruch des Jungtieres überdeckt und das Muttertier ihr „Kind“ nicht mehr erkennt.

  • Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel

    Durch die maximal gefüllten Bodenwasservorräte sind unsere Weinbergsbegrünungen extrem üppig gewachsen. Stellenweise hüfthoch. Das Mulchgerät hatte Schwierigkeiten, den dichten Bewuchs zu mähen.

    Morgendlicher Tau und leichte Regenfälle in den letzten Tagen sorgten für ein angespanntes Fahren im Steilhang. Des Öfteren rutschte ich, verschärft durch die nasse Begrünung, auf den feuchten Böden mit dem Raupenschlepper ab. Allerdings war das relativ ungefährlich, da der Schwerpunkt sehr tief liegt und die Kippgefahr gering ist.

    Trotz meiner Fahrkünste und jahrzehntelanger Erfahrung gab es dann aber doch noch ein größeres Problem. In einer Rebzeile rutschte ich zur Seite und landete im Drahtrahmen. Bergauf ging nichts mehr. Bergab auch nicht, der Unterstockmulcher hatte sich hinter einem Rebstock verhakt.

    Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel. Daher musste ich einen Kollegen anrufen, der nach kurzer Zeit erschien und mich mit der Seilwinde aus meiner misslichen Lage befreite.

  • Felssturz

    Foto: Rudi Bucher

    Das mit dem respektablen Mittelgebirge hatte ich schon hier geschrieben. Gestern die Überraschung als ich im Weinberg am Mähen war. Der Gemeindearbeiter sperrte sämtlich Weinbergswege. Gegenüber von Reil, oberhalb der Burger Weinberge, hatten sich große Felsbrocken gelöst. Sie waren zum Glück auf einem Weg liegen geblieben. Ein wenig weiter und sie hätten zunehmend Schwung bekommen. Der Weg bis in die Mosel wäre ein Klacks gewesen. Nicht auszudenken, was beim Runterrollen durch die Weinberge, der Überquerung von vier Wirtschaftswegen und der Bundesstraße hätte alles passieren können. Aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass rollende Steine, auch wenn sie nur Faust- oder Pflastersteingroß sind, gravierende Wirkungen auf Autos und Scheunentüren haben. Von Menschen ganz zu schweigen

    Der alarmierte Bauunternehmer zerkleinerte die Felsen in kurzer Zeit und die Gefahr war gebannt.

  • Frühlingsstimmung

    Jetzt kommt Schwung in die Natur. Der Frühling ist da. Der Weinbergpfirsich ist in der Vollblüte, die anderen Obstbäume werden sicherlich binnen weniger Tagen folgen. Die Traubenhyazinthen zeigen sich trotz Morgenfrost in voller Pracht. Mit der Purpurnen Taubnessel und weiteren Blütenpflanzen sind es die ersten Farbtupfer in der Weinbergsbegrünung. Die Rieslingreben bereiten sich auf den Austrieb vor. Die Rebknospen fangen an zu „schieben“ und kommen bald in das sogenannte Wollestadium. Durch den warmen Winter etwas früher als im langjährigen Schnitt.

    Die Startbedingungen für das Rebwachstum sind bis jetzt hervorragend. Der in den letzten Tagen reichlich gefallene Regen hat die Bodenwasservorräte bis zum Überlaufen gefüllt. Der Rebschnitt ist beendet. Noch einige Tage müssen wir die Fruchtruten festbinden, dann sind die sogenannten Winterarbeiten im Weinberg erledigt.

    In einigen Tagen wird die Natur sicherlich explodieren. Endlich wieder eine grüne, farbige Landschaft. Nach dem grauen Winter tut das der Seele und dem Körper gut.

  • Eingenetzt

    Die Mosel hat sich ihr Tal in einem respektablen Mittelgebirge gegraben. An ihren Flanken die steilen Rieslingweinberge und noch steilere Felsformationen.

    Eine Felsnase bei Reil ist sehr morbide. Industriekletterer sichern schon seit Monaten den Fels. Der Bewuchs und lose Felsbrocken wurden komplett entfernt. Mit einer kleinen Sprengung wurde nachgeholfen. Mittlerweile sind etliche Felsanker gebohrt und der Fels ist teilweise eingenetzt. Felsbrocken können nun nicht mehr auf die darunterliegenden Schienen der Moselweinbahn und die Straße fallen.

    Eine mühsame Arbeit der Berufskletterer, die diese am Seil hängend verrichten müssen. Respekt!

  • Kleine Details

    Wir sind mit dem Rebschnitt gut fortgeschritten und gönnen wir uns ab und zu eine Pause. Interessante, kleine Details werden sichtbar, wenn man sich umschaut.

    Flechten, Moose, Dickblattgewächse und andere Pflanzen sind an den Weinbergsmauern oder auf alten Rebstöcken zu sehen. Mein eigener, persönlicher Mikrokosmos. Jeden Tag etwas Neues in diesem zu entdecken.