Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Weinberg

  • Weinernte 2022: Helfende Hände

    Viele helfende Hände werden für die Handlese im Steilhang benötigt. Unterstützung bekamen wir einen Tag lang von der 12. Klasse des Landesmusikgymnasiums in Montabauer. Die hoch motivierten Schüler arbeiteten einige Stunden im Weinberg und schauten bei der Traubenverarbeitung zu.

    Viele Trauben hängen in den Weinbergen und die Schüler waren eine willkommene Hilfe. Eine der längsten Weinernten bei uns im Weingut. Noch einige Tage, dann sind wir mit der Weinernte 2022 fertig.

  • Weinernte 2022: Wetterwechsel

    Ein kräftiger Wetterwechsel mit ausgiebigen Regenfällen hat die extreme Trockenheit beendet. Die Begrünungen und die Reben profitieren davon. Während die Weinbergsbegrünung, wie der Name schon sagt, wieder ergrünt, sehen die Reben erfrischt aus. Anfängliche Befürchtungen, dass die Trauben sich durch die Niederschläge mit Wasser vollsaugen und aufplatzen, haben sich bisher nicht bestätigt.

    Fäulnis an den Rieslingtrauben ist selten zu sehen. Die Trauben sind ausnahmslos sehr gesund. Der Beereninhalt wird so langsam saftig und die Pressausbeute wird zunehmen. Die analytischen Eckdaten sind auch in Ordnung. Das für die nächsten Tage gemeldete Wetter mit kühlen Nächten ist ideal, um Fruchtaromen in der Traube einzulagern. Der Riesling als „cool climate“ Pflanze braucht diese kühlen Nächte, um sein volles Aromenspektrum zu bilden.Die Vorbereitungen für die Weinernte sind fast abgeschlossen. Im Weinkeller kann man vom „Boden essen“, die Holzfässer liegen mittlerweile in Reih und Glied und in den Edelstahltanks kann man sich spiegeln. Die Erntehelfer sind informiert, erntefreundliches Wetter ist bestellt und dann kann die Weinernte 2022 starten.

    Erntebeginn ist am Montag, dem 26. September um 9,00 Uhr!

  • Der Stand der Dinge

    Es ist ein spannendes Weinjahr. Im Vorjahr eine sehr geringe Erntemenge durch Pilzbefall nach Dauerregen. Dieses Jahr extreme Trockenheit. Jedes Jahr anders. Der Klimawandel lässt grüßen.

     

    Bei Rieslingreben, die schon seit der Blüte unter Wassermangel leiden, wird die Quantität unterdurchschnittlich sein. Die Beeren sind klein geblieben, zudem Blattvergilbungen und vorzeitiger Blattfall. Zudem noch die Weinbergsareale wo wir die Fruchtruten und Trauben abschneiden mussten, damit die Reben überlebten. Dort, wo noch länger Wasser zur Verfügung stand, sieht es bedeutend besser aus. Die Trauben sind größer, jedoch fehlte in der entscheidenden Beerenwachstumsphase wieder Wasser. Eine Mengenprognose für die kommende Ernte kann ich jetzt noch nicht abgeben. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die das noch gravierend beeinflussen können, z. B. die Saftausbeute beim pressen, Regenfälle vor der Ernte (???) usw.

     

    Das Gleiche gilt für die Qualität.  Auch hier kann noch keine allgemeine Aussage getroffen werden. Ok, durch den Klimawandel sind schlechte Qualitäten abgeschafft. Daher werden die Einstiegsqualitäten schon sehr gut sein. Wie weit es denn qualitativ in den Spätlese- oder Auslesebereich geht oder die Trockenheit sich auf die Qualität auswirkt, wird sich bei der Weinernte zeigen.

    Bis auf die noch grünen Reben überall verbrannte Erde. Die Niederwälder oberhalb der Weinberge sehen verbrannt und braun aus. Viele Bäume sind vertrocknet.

     

    Die Rieslingreben konnten bisher das zum Überleben notwendige Wasser aus tiefen Gesteinsschichten gewinnen. Keine Tage mit Rekordtemperaturen und „kühlere“ Nächte verlangsamten die Verdunstung gegenüber anderen Trockenjahren.

    Seltsamerweise gibt es immer noch einige Stellen in den Weinbergen, an denen zwischen Mauer und Weg noch Wasser aus dem Fels läuft. Die Quelle der Mosel in den Vogesen ist mittlerweile versiegt, aber ersatzweise kann man ja in Reil fündig werden…😉😉

    So sehen Rebanlagen aus, die eine bessere Wasserversorgung hatten. Guter Traubenbehang und Rebblätter, die sich von der Sonne wegdrehen, um weniger Wasser zu verdunsten.

    Die Farbe der Mosel hat sich der Farbe des Rieslings angepasst. Mehr oder minder ein sattes Grün. Durch die Stauhaltung ist die Mosel ein stehendes Gewässer geworden und Blaualgen haben sich massiv vermehrt. Vom Baden in der Mosel ist abzuraten. Ohne Stauhaltung könnte man sicherlich mit hochgekrempelter Hose problemlos die Mosel queren ohne nass zu werden.

  • Reichlich

    Die jungen Beeren sind nach der Rebblüte gut gewachsen. Reichlich Trauben hängen in den Rebstöcken.

    Aus jeder Rebknospe kam ein Trieb, da die Knospenschädlinge keine Zeit hatten, diese zu schädigen. Der Blütenansatz war sehr gut und die Blüte ist, bis auf einige Ausnahmen, gut verlaufen. Die Mengenaussichten für den 2022er Jahrgang sind bis jetzt hervorragend.

    Die Weinberge sehen zurzeit vital und saftig grün aus. Der Vegetationsvorsprung liegt bei ca. zwei Wochen. Die bisherigen, wenigen Sommerregenfälle kamen an unserer Moselschleife immer im letzten Moment. So langsam dürfte muss es wieder regnen. Das chronische Wasserdefizit kann man an den Triebspitzen sehen. Normalerweise gekrümmt und Wachstum anzeigend, richten sie sich zurzeit auf und hören mit dem Wachsen auf. Der Wassermangel wird immer sichtbarer.

    Ich rechne damit, dass nächste Woche die ersten Trockenstresssymptome auftreten. Die Temperaturen sollen ansteigen und damit die Verdunstung. Es ist kein weiterer Regen in Sicht. Durch die UV Strahlung aufgehellte Blätter, diese dann noch durch den Wassermangel von der Sonne weggedreht und verkümmerte Triebspitzen dürften dann zu sehen sein.

  • Mickrig

    Mickrig, wie sich zurzeit die Begrünungen in unseren Weinbergen präsentieren. Schwach wachsend, durch die Trockenheit schon aufgehellt und gelblich werdend.  Seit  Wochen gab es keinerlei Regen. Dazu sehr trockene, teils windige Luft, die dem Boden weiteres Wasser entzieht.

    Während die Landwirtschaft stark am Klagen ist, haben ältere Rieslingreben im Untergrund noch genügend Wasser. Nachgepflanzten Reben sieht man den Wassermangel schon an. Nachschub von oben ist baldigst willkommen.

    In den vergangenen Tagen gab es die Chance, Regen zu bekommen. Die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes füllten das E-Mailpostfach. Beim Blick auf das Regenradar jedoch Enttäuschung. Die Regenwolken streiften nur unsere Gemarkung und das bisschen, was an Regen fiel, hatte nur den Staub abgebunden.

    Am morgigen Montag haben wir laut den Wetterfröschen noch einmal eine Chance auf Regen. Dann ist wieder Trockenheit bei kühlen Temperaturen gemeldet. Wir hoffen auf reichlich Niederschläge. Am liebsten in Form eines langanhaltenden Landregens.

     

  • Frühling

    Mit aller Macht wird es Frühling. Früh morgens noch etwas Raureif in der Weinbergsbegrünung und mittags kurze Hosen Wetter. Jeden Tag Kaiserwetter mit blauem Himmel. Besser geht es nicht!

    Jetzt kommt Schwung in die Natur. Das allgemeine Ergrünen der Landschaft wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Weinbergspfirsich haben mit seiner wunderschönen Blüte den Anfang gemacht. Die anderen Obstbäume werden binnen weniger Tagen folgen. Die Weinreben brauchen noch etwas länger, bis das Wachstum beginnt.

    Wir sind mit dem Rebschnitt fertig. Zurzeit werden die verbliebenen Fruchtruten der Rieslingreben im Drahtrahmen nach unten gebogen und festgebunden. Noch einige Tage und dann sind diese sogenannten Winterarbeiten erledigt. Noch Haus, Hof und Garten für den Sommer vorbereiten und dann können wir die Terrassensaison eröffnen.

  • Rebschnitt

    Der Rebschnitt ist bei uns weit fortgeschritten. Es gab nur wenige Tage, an denen wir wetterbedingt nicht in den Weinberg gehen konnten. Bedingt durch die Gefahr einer Ansteckung durch Corona und der damit verbundenem Ausfall der Arbeitskraft, haben wir uns mit der Arbeit beeilt. Entsprechende Zeitreserven sind nun vorhanden.

    Wir hatten frühzeitig mit dem Rebschnitt angefangen. Zuerst wurden die alten Fruchtruten abgeschnitten und aus dem Drahtrahmen herausgezogen, dann die beiden diesjährigen Fruchtruten angeschnitten. Jetzt das arbeitsintensive Ausheben und Abschneiden der nicht benötigten Rebtriebe.

    Sehr auffällig ist das hohe Auftreten von Esca und der Schwarzholzkrankheit, die durch starken Rückschnitt der Rieslingreben bekämpft werden. Die vorangegangenen trockenen Jahre haben die Reben geschwächt, sodass diese Krankheiten ein leichtes Spiel hatten. Der Klimawandel lässt grüßen, beschert uns Mehraufwand und einen kleinen Ertragsausfall bei den betroffenen Rebstöcken.

  • Stolperfallen

    Beim Rebschnitt finden wir täglich frische Spuren in unseren Weinbergsbegrünungen. Auf der Suche nach tierischem Eiweiß, wie etwa Engerlingen, anderen Larven und Würmern, durchwühlen Wildschweine den Erdboden systematisch. Unsere Ökoweinberge sind besonders beliebt. Durch die ökologische Bewirtschaftung ist der Humusgehalt hoch und viele Larven und Würmer finden sich im Boden, die den Schweinen schmecken.

    Bisher waren die Wühlschäden der Wildschweine noch im erträglichen. In diesem Winter hat die Wühltätigkeit massiv zugenommen. Man muss aufpassen, dass man nicht in die gewühlten Stolperfallen tritt und sich verletzt. Zusatzarbeit im Frühjahr. Die Bodenverwerfungen müssen in einem extra Arbeitsgang mit der Kreiselegge geglättet werden, damit der Kettenschlepper ohne großartiges Geschaukel fahren kann.

    Die Wildschweinpopulation ist seit Jahren am Steigen. Ursachen sind Veränderungen in der Landwirtschaft. Erhöhter Maisanbau oder die Verbuschung nicht mehr genutzter Land- bzw. Weinbaufläche, die mehr Rückzugsräume für die Tiere schafft. Auch die Klimaänderung ist neben weiteren Faktoren dafür verantwortlich.  Coronabedingt waren zudem weniger Jäger unterwegs oder konnten aus dem benachbarten Ausland nicht einreisen. Die Bejagung, die das ökologische Gleichgewicht herstellen soll, war daher nicht intensiv genug.

    Ich denke, dass ich beim Jäger mal wieder ein Reiler Goldlayschwein bestellen muss. Diese Spezies habe ich lieber im Backofen als im Weinberg.

  • Weinernte 2021: Reifefortschritt

    Die Erntevorbereitungen sind weitestgehend abgeschlossen. Weinkeller, Tanks, Holzfässer und alle Gerätschaften sind gründlich gesäubert. Die Weinpresse wurde einem Funktionstest unterworfen und die Erntehelfer sind bereit. Wir stehen in den Startlöchern für die Weinernte 2021.

    Dank des trockenen Wetters sind die verbliebenen Rieslingtrauben noch sehr gesund und können weiter reifen. Der Reifefortschritt ist gut. Der Geschmack der Trauben nimmt mit jeden Tag zu, der Zuckergehalt steigt und die Traubensäuren werden weniger. Die ersten Rebblätter verfärben sich jetzt ins herbstliche Gelb, Seneszenz genannt. Der Alterungsprozess der Rebblätter, der ganz wichtig ist für die sogenannte physiologische Traubenreife oder auch Aromareife genannt!

    Zum Nachlesen hier ein älterer Blogeintrag zum Thema Senszenz.

    Die Wetteraussichten sind hervorragend und sehr winzerfreundlich. Es wird spannend und wir freuen uns auf die Weinernte.

  • Weinernte 2021: Mal mehr, mal weniger

    Wir sind bei den ersten Vorbereitungen für die Weinernte. Es wird eine späte Weinernte geben. In den letzten Jahren begannen wir Klimawandel bedingt meistens in der ersten Oktoberwoche mit der Ernte. Dieses Jahr war es eher ein kühler Sommer, von den wenigen heißen Tagen im Juni einmal abgesehen. Der Vegetationsrückstand gegenüber den letzten Jahren war groß. Der bisher warme September hat die Reife der Rieslingtrauben beschleunigt und die weiteren Wetterprognosen sind positiv. Kühle Nächte und warme Tage sind sehr förderlich für das Rieslingaroma!

    Ich hatte schon im Juni den Erntebeginn auf den 11. Oktober terminiert. Da meine hellseherischen Fähigkeiten doch etwas begrenzt sind, muss ich etwas korrigieren:

    Erntebeginn ist am Samstag, dem 16. Oktober um 9,00 Uhr! Sollte jedoch Fäulnis auftreten, stehen eine Woche vorher schon Lesehelfer bereit um mit der selektiven Ernte zu beginnen.

    Bedingt durch den Klimawandel werden wir dieses Jahr federn lassen müssen. Kräftig! Die extremen, bisher nie dagewesenen massiven Niederschläge im Sommer, haben Ihre Spuren in den Weinbergen hinterlassen. Teilweise massiver Befall mit Peronospora und Schwarzfäule haben die Trauben dezimiert. Mal mehr, mal weniger. Leider ist das weniger sehr häufig im Weinberg zu sehen. Wir rechnen mit einer weit unterdurchschnittlichen Erntemenge.