Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Weinberg

  • Eine Winzerreise, Teil 1: Die Weinpräsentation

    Zum zweiten mal bin ich auf Einladung von Luca, einem ital. Sommelier, zum „wine tasting & street food festival“ nach Gradara eingeladen worden. In dem kleinen, wunderschönen Dorf mit seiner mittelalterlichen Festung  waren wir Winzer über das ganze Dorf verteilt und präsentierten unsere Weine. Dazu gab es Leckereien der besseren Art von der örtlichen Gastronomie und für die Stimmung sorgte eine sehr gute Jazzband.

    Wie auch vom letzten Jahr gewohnt, stürmten die Besucher abends zu hunderten in das kleine Dörfchen. Freitags war das Interesse an unserem Riesling riesengroß und ich fürchtete schon, dass meine mitgebrachten Flaschen schon vorzeitig geleert sein würden.

    Leider kam es ganz anders.

    Ein aufkommender Gewittersturm am Samstag führte zum Abbruch des Festivals, am Sonntagabend – gut für Winzer und Landwirte, nicht gut für die Veranstaltung – regnete es in Strömen und wieder nix mit „wine tasting & street food festival“.

    Zu später Stunde dann, als der Regen aufhörte, im kleinen Kreis ein „mini wine tasting & street food festival“ mit den verbliebenen Winzern und den Veranstaltern. Das angrenzende Lokal lieferte ital. Spezialitäten und wir Winzer hatten ja genügend Wein „übrig“. Direkt angrenzend, man durfte gerne zuschauen, wurde frische Pasta hergestellt. Sehr appetitanregend!

  • Weinernte 2018: Nächste Woche

    Nächste Woche meinte mein Kollege Alessandro vom Weingut La Valle Del Sole, Offida,  Italien, als wir soeben seine Weinberge besichtigt haben: Erntebeginn bei den weißen Rebsorten. Ganz gemütlich und entspannt.

    Nicht diese „Panikstimmung“ wie in Deutschland, wo sich alle gegenseitig verrückt machen,  die Journaillie entsprechende Verlautbarungen über eine sehr frühe Ernte verbreitet und ich von Kunden schon gefragt werde, ob die Trauben schon geerntet sind usw. Vom prognostizierten Jahrhundertjahrgang einmal abgesehen.

    Im Vorfeld meiner Italienreise – ich werde noch darüber berichten – hatte ich mich schon darauf gefreut, einmal dort zu ernten. Geplant war schon vor längerer Zeit die Mithilfe bei Armin Kobler in Südtirol. Jetzt die Hoffnung,  dass einer meiner Kollegen in den Marken schon am Traubenpflücken ist.  Aber leider Pustekuchen. Ich hätte gerne einmal solch riesengroße Trauben geerntet, die im Gegensatz zu unseren viel kleineren Rieslingtrauben den Ernteanhänger rasant schnell füllen.

  • Weinernte 2018: Terminierung

    Die Terminierung der diesjährigen Weinernte ist etwas komplizierter als in den letzten Jahren. Bedingt durch die Trockenheit gibt es sehr starke Reifeunterschiede bei den Rieslingtrauben. Dort wo „noch“ genügend Wasser zur Verfügung steht, schreitet die Reife fort. Wo Knappheit herrscht, stockt die Reifeentwicklung.

    Das Problem ist nur, dass diese unterschiedlichen Reifestadien sogar innerhalb eines Weinberges vorhanden sind. Hatten wir so ähnlich schon einmal vor zwei Jahren.

    Die Trauben sind sehr gesund und lockerbeerig. Ich gehe davon aus, dass, falls es wieder regnet, keine Fäulnisgefahr durch sich gegenseitig abquetschende Beeren besteht. Der Boden kann bei evtl. übergroßen Niederschlägen einiges an Wasser aufnehmen, bevor ein Wasserüberschuss zum Aufplatzen der Beerenhäute mit nachfolgender Fäulnis beiträgt, wie wir es schon vor einigen Jahren hatten.

    Die letzten Wochen vor der Weinlese werden spannend.

    Der Erntebeginn ist für die letzte Septemberwoche geplant. Die Erntemannschaft ist informiert, der Weinkeller ist bis dahin auch generalgereinigt.

  • Erfrischung

    Riesenglück für uns. Ein ergiebiges, gemütliches Gewitter regnete sich am vergangenen Samstag über unseren Weinbergen aus. Eine erfrischung für die Rieslingreben.

    Mit sagenhaften 35 Liter Regen wurde der Böden befeuchtet. Es regnete sozusagen Geld vom Himmel und bewahrt uns vorerst vor Trockenschäden bei der jetzigen Hitzewelle.

    Andere Kollegen hatten weniger Glück.  Zwei Orte moselaufwärts gab es nur 5 Liter, an der nächsten Moselschleife waren es etwas mehr als 10 Liter. Zu wenig für die Weinberge.

    Ein wichtiger Grundstein für eine gute qualitative und qualitative Ernte. Das könnte Wein vom glücklichen Winzer werden.

  • grandios

    Der Blick in die Traubenzone beim Riesling ist grandios. Jede Knospe ist im April ausgetrieben und der Blütenansatz war überaus reichlich. Die Rebblüten sind nicht alle bestäubt worden, so das größtenteils lockerbeerige Rieslingtrauben zu erwarten sind, die eine frühzeitige Fäule durch gegenseitiges Abquetschen der Beeren verhindern.

    Die Rebstöcke hängen voll mit Trauben und wir erwarten eine sehr gute Erntemenge.

    Das Wetter war bisher auch perfekt. Jetzt dürfte müsste es noch etwas regnen, da die Böden schon stark ausgetrocknet sind.

    Unsere jungen Reben merken schon den Wassermangel und stellen die sonst gebogene Triebspitze gerade. Ein Hinweis auf beginnenden Wassermangel bzw. Trockenstress.

  • Besuch von Terroirmarche

    Der Gegenbesuch unserer ital. Winzerfreunde von Terroirmarche erfolgte vergangenen Wochenende. Es machte  sehr viel Spaß, den Freunden unsere Mosellandschaft zu zeigen und diese von der Mosel zu begeistern. Während ich nur spärlich Fotografierte, werden in Italien jetzt sicherlich Tausende Bilder von der Mosel betrachtet, da die Kollegen dauernd am Knipsen waren.

    Ein Spaziergang an der Pündericher Marienburg mit Blick ins Moseltal und auf die Moselschleife begeisterte am ersten Tag die Italiener.

    Der Bremmer Calmont war am zweiten Tag das Ziel. Der Klettersteig mit den grandiosen Ausblicken auf die Mosel und die extrem steilen Weinberge faszinierten Gastgeber wie Gäste.

    Da gutes Essen und Trinken die Seele zusammenhält, hatten wir gut vorgesorgt. Der im Rucksack mitgebrachte Imbiss der im Calmont mit Blick auf die Mosel verzehrt wurde,

    das abendliche Grillen im Weingut bis hin zur Trierer Spezialität Pferdesteak mit geschmorten Zwiebeln und Knoblauchsoße im Restaurant Zur Glocke in Trier.

    Über das abendliche Trinken Wein probieren brauche ich weniger zu schreiben. Gehört berufsbedingt dazu.

    Tagsüber wurden noch einige Weingüter und deren Weinkeller besichtigt und natürlich gefachsimpelt, soweit die Verständigung auf Englisch möglich war.

    Die gemeinsame Weinpräsentation anlässlich der 60-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Trier und Ascoli Piceno, Italien, fand im wunderschönen Ambiente des Frankenturmes statt. Leider war der Besucherandrang etwas schwach und so hatten wir Zeit um untereinander die Weine zu probieren und zum Erfahrungsaustausch.

    Spannend natürlich die kurze Stadtbesichtigung in Trier mit den imposanten antiken Baudenkmälern und ihre Geschichte als einer der Hauptstädte des Römischen Reiches.

    Selbstverständlich wurde die Karl-Marx-Statue in Augenschein genommen, die am 5. Mai 2018 zum 200. Geburtstag von Karl Marx vom Bildhauer Wu Weishan gestaltet wurde und ein Geschenk der Volksrepublik China ist.

    Vielen Dank für das schöne Wochenende an die Winzer und Winzerinnen Federica Pantaloni, Paolo, Rocco Vallorani und Stefano ValloraniGiorgio Santini und Allessandro Stortini, Frank und Jutta Brohl, Jan Klein, Christian Klein, Ulricke und Markus Boor und Sven Zerwas.

  • ungebremst

    Ausreichende Wasservorräte im Boden und hohe Temperaturen lassen die Rieslingreben ungebremst wachsen. Binnen kürzester Zeit mussten die Rebtriebe in den Drahtrahmen eingeschlauft werden. Dank zweier Aushilfen konnten wir diese Arbeit in den beiden vergangenen Wochen zeitnah erledigen.

    Ebenfalls ungebremst erhalten wir laufend Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes. Bisher sind wir verschont geblieben. Die gestrigen Gewitter entluden sich in der Eifel und lösten Kathastrophenalarm aus. Mehr als 900 Rettungskräfte kämpften gegen überflutete Straßen und vollgelaufene Keller. Aus kleinen Bächen wurden reißende Flüsse, wie in diesem Video zu sehen ist.

  • Wir haben Mai

    Wir haben Mai und der Riesling ist am blühen! Ungefähr drei Wochen vor der normalen Zeit. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Rieslingblüte jemals so früh erfolgte.

    Der Klimawandel lässt grüßen.

    Die Rahmenbedingungen sind sehr gut. Warme Tage und Nächte dürften sich positiv auf eine optimale Bestäubung auswirken. Zusammen mit der sehr hohen Anzahl an Blütenständen könnte eine quantitativ große Ernte bevorstehen.

  • Infloreszenz

    Die Infloreszenz – der Winzer sagt Geschein – oder der Blütenstand der Rieslingrebe. Dieses Jahr sind reichlich Blütenstände vorhanden, die auf viele Rieslingtrauben und volle Keller hoffen lassen.

    Einige Gescheine sind riesig geraten. Das könnten Monstertrauben werden. Da man ja den Tag nicht vor dem Abend loben soll und der volle Weinkeller noch nicht in Sicht ist, beschränke ich mich auf die nahe Zukunft. Ich wünsche mir einen ordentlichen Regenguss – es wird so langsam trocken – und optimales Wetter für die Rebblüte, die in einigen Wochen beginnt.

  • Das alte Teil

    Gestern den Mulcher an die Raupe angebaut und heute fing ich an, unsere Begrünungen zu mähen. Klappte alles Prima. Das alte Teil mit den vielen Schweißnähten und Verstärkungseisen funktionierte wie am ersten Tag, der schon über 20 Jahre zurückliegt. Zwischendurch mal einen der vier Antriebskeilriemen gewechselt, ganz normaler Verschleiß. Dann jedoch kam die Stelle in unseren Weinbergen, in denen das Reiler Goldlayschwein im Winter sein Unwesen getrieben hatte.

    Ich schrieb schon damals, dass das Mulchgerät sich „freuen“ wird. Die Mulchmesser hatten durch die Wühlarbeiten der Wildschweine des Öfteren Bodenkontakt und eine sogenannte Reibscheibe, die größere Beschädigungen am Antrieb verhindern soll, musste mehrfach ausgetauscht werden. Lästig, das Teil zu wechseln und die Rebzeile, die nur teilweise gemäht war, nochmals zu mulchen. Zudem in kurzer Zeit mehr Reibscheiben verschlissen, wie ich sonst im ganzen Jahr benötige.