Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Flucht

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    Schon fast als Tradition zu werten: Unsere alljährliche Wanderung am Rosenmontag, die Flucht vor Narren und Karnevalstrubel. Der Klettersteig im Erdener Treppchen wurde dieses Jahr als Ziel gewählt. Wir starteten einige Kilometer vorher und näherten uns unserem Ziel über den Moselhöhenweg.  Das auf der anderen Moselseite liegende Erden wirkte vom Berggipfel wie aus der Vogelperspektive.

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    Da die Ausschilderung des Klettersteiges nicht optimal war, wurden einige Pfade doppelt gegangen. Es war nicht weiter tragisch, denn es machte sehr viel Spaß die steilen Felsformationen mit den Weinbergen zu erkunden.

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    Da Wandern und Klettern hungrig macht, gab anschließend im Hotel Heil in Lösnich ein ordentliches Riesenschnitzel. Machte richtig satt und schmeckte sehr gut.


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  • Dauerwinter

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    Wir hatten schon lange nicht mehr einen so langen kalten Winter gehabt. Gestern Morgen Schnee, heute früh Frost und morgen soll es nochmal richtig kalt werden. Gottseidank mittags strahlender Sonnenschein, der beim Rebschnitt wärmt. Wir sehnen uns nach dem Frühling mit seinen wärmeren Temperaturen. Im Zeichen der Klimaänderung von den meisten nicht mehr erwartet, jedoch noch immer möglich.

    Um der Kälte zu trotzen und um im Weinberg mit der Arbeit voran zu kommen, habe ich diesen Winter einiges in wärmende Arbeitskleidung investiert. Unter dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung, kann ich mittlerweile fast sämtlichen Temperaturen im Weinberg trotzen. Falls ich nicht den warmen Platz am Ofen vorziehe…

  • Stehimbiss

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    Die Abfüllmaschine läuft bei uns den ganzen Tag ununterbrochen. Das Mittagessen wird am Weinfass in Stehimbissmanier zu sich genommen. Hirschkeule mit Rotkohl und Bratkartoffeln: Da könnte ich jeden Tag abfüllen und meine Mittagspause am Fass verbringen.

  • Weinrallye 20: Wein zum Fisch, aber nicht weiß und trocken

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    Das aktuelle Weinrallythema wurde von Wolf Hosbach von Hausmannskost vorgegeben:

    „Wein zum Fisch, aber kein trockener Weißer. Erlaubt ist also Rot, Rosé, oder süßer Weißer.“

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    Mmh! Nachgedacht und meinem Magen gefragt auf was er Appetit hat und sogleich hatte ich die schönen Mies- oder Pfahlmuscheln vor meinem geistigen Auge, die ich des öfteren bei meinen Urlauben an der französischen Ärmelkanalküste esse. Schnell und einfach in der Küche zubereitbar, fast so schnell wie Sägemehlbratlinge aber ungleich schmackhafter.

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    Zwei Weine kamen in die Auswahl. War nix anderes im Keller. Martin Müller, Weinhändler im Westerwald, hatte mir die Rotweine als Gastgeschenk mitgebracht. Zu einem ein 2005er Bordeaux Superior Barrique von Chateau Perayne und ein 2006er Nero D`Avola von Militello & Voss aus Sizilien. Interessanterweise haben beide Weingüter deutsche Besitzer. Halt, es waren sogar mehr Weine! Die Muscheln wurde natürlich in einem Moselriesling gegart. Da führt bei uns im Haus kein Weg dran vorbei.

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    Die Muscheln:

    Na ja, da bin ich besseres gewohnt, frischer, größer und appetitlicher. Steht ja auf dem Etikett: Wie frisch gefangen…aber nur wie!

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    Der Bordeaux:

    Wuchtig mit ausgeprägter Barriquenote. Meuchelte brutal den Muschelgeschmack. Hatte aber einen lustigen Plastikkork, der mir bis dato unbekannt war.

    Der Sizilianer:

    Auch ein sehr kräftiger Wein mit Holznote, die Fruchtigkeit des Weines kam jedoch viel stärker zum Ausdruck. Passte auch nicht zu den Muscheln.

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    Dazu gab es noch ein leckeres selbstgebackenes Baquette von Ulrike, die bei uns zu Besuch war.

    Etwas  gewagt, diese kräftigen Rotweine, aber ich wollte sie unbedingt probieren und diese Weinrallye war der Anlass dazu. Wie immer hatte mir Martin Müller große und sehr gute Weine mitgebracht. Solo oder zu einem anderen Essen der Knaller, hier Thema verfehlt. Ich hatte es gewusst geahnt… Ein leichter Trollinger oder ein Portugieser hätte sich wahrscheinlich besser mit den Muscheln vertragen. Hatte ich jedenfalls nicht zur Hand und Gottseidank war vom Riesling, in dem die Muscheln gebadet hatten, noch etwas in der Flasche übrig…

    Wie immer: Die Zusammenfassung dieser Weinrallye gibt es in einigen Tagen hier.

  • Schwarzes Gold oder Schwarzer Freitag?

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    Wie ich hier und hier geschrieben hatte, sollen einige Weinberge mit Kompost, bzw. Häckselgut versorgt werden. Gestern war es soweit. Einige Fuhren des Schwarzen Goldes wurden wieder angeliefert und ich wollte das Schreddermaterial umgehend in den Weinberg bringen. Doch weit gefehlt. Der Kettenschlepper brauchte etwas Anlaufzeit um nach der Winterpause anzuspringen, nach einer Stunde schwächelte das Material der Kompostschaufel und ein Pause zum Schweissen musste eingelegt werden. Kurz vor der Mittagspause platze noch ein Hydraulikschlauch, der umgehend beim Hydraulikspezialisten angefertigt wurde. Bei einbrechender Dunkelheit flog noch der Keilriemen des Motores weg, konnte aber mit „bordeigenen Mitteln“ und dem auf dem Tieflader vorhandenen Ersatzkeilriemen schnell repariert werden. Ein Schwarzer Freitag…

  • Abfüllen

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    Die Basisqualitäten in der Literflasche wurden in den letzten Tagen abgefüllt und sind wieder käuflich erwerbbar.

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    Große Hilfe gab es beim Abfüllen vom kleinen Hennes, der bei uns zu Gast war. Erinnert mich an die eigenen Kinder, die, als sie noch klein waren, beim Wein abfüllen bespaßt werden mußten, Kreidezeichnungen auf Kellerboden und Weinfässer malten, Chaos verursachten und anderen Blödsinn machten.

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    „Für die Abfüllung ist ein Tag eingeplant, wird hart genug, wir haben dann ein extremes Pensum zu absolvieren. Es darf nichts passieren, ansonsten werden wir die ganzen Sorten nicht bewältigen können an einem einzigen Tag.“

    So schreibt Thomas Lippert in seinem Winzerblog über die Vorbereitungen zum Abfüllen. Wunschgedanken. Meistens geht was schief. Bei uns machten die Staplerbatterien schlapp und das Ladegerät mußte bemüht werden.

  • Seltsam

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    Ein seltsames Weinprobierglas bekam ich geschenkt. Die Ausbuchtung ist nicht dazu da schlechten Wein wegzugießen. Es ist eine Aussparung für die Nase, die dadurch tiefer in das Weinglas ragt und das Bouquet besser wahrnehmen soll. Eher lustig als gebrauchstauglich. Die Kuppa ist viel zu klein um den Duft einzufangen. Da hilft auch die Aussparung am Glas nichts.

    Ich bevorzuge größere Gläser wie diese hier. Daumenbreit Riesling ins Glas, der Duft sammelt sich in der Drittel Liter großen Kuppa und lässt sich gut abriechen.

  • Rebschnitt

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    Bei so schönem Wetter macht es Spaß die Reben zu schneiden. Nachdem sich Morgennebel und Frost verzogen hatten ging es noch einige Stunden in den Weinberg. Es ist noch einiges zu tun. In den letzten Wochen gab es wenige Tage, die wir dem Rebschnitt gewidmet haben. Es ist der zeitaufwändigste Arbeitsgang im Weinberg und nicht  gut mechanisierbar. Dafür gab es heute eine neue Klinge für die Schere und die Rebschnitt ging leichter von der Hand.

  • Füllvorbereitungen

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    Die kalten Tage in den letzten Wochen haben wir genutzt um unsere Weine zu filtrieren. Idealer geht es nicht. Da der Weinkeller sehr kalt war, wird die gärungseigene Kohlensäure bei der Filtration nicht zum Ausgasen gebracht und die Fruchtaromen werden ebenfalls geschont. Die niedrigen Temperaturen lassen zudem die Weinsäure als Weinstein auskristallisieren und der Wein ist Weinsteinstabil. Unser Kollege Berhard Fiedler berichtet ebenfalls über dieses Thema.

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    Wie in jedem Jahr findet nach der Filtration eine Finalprobe mit Freunden und Kollegen statt.  Die Weine standen gestern Abend alle auf dem Tisch und wurden gegeneinander probiert, diskutiert und bewertet. Eine wichtige Hilfe bei unseren Entscheidungen. Zehn Nasen riechen mehr wie eine und der eigenen Betriebsblindheit wird vorgebeugt.

    Die ersten Weine sollen in der ersten Februarwoche abgefüllt werden und sind dann umgehend lieferbar.

  • Messebesuch

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    In diesen Tagen finden die Rheinhessischen Agrartage statt. Eine kleine aber feine Messe für Weinproduzenten. Thomas Lippert vom Winzerblog schwärmt für diese kleine Messe, wird sie morgen besuchen und ebenfalls berichten. Heute war es sehr entspannt, keinerlei Parkplatzprobleme und null Eintritt, die Aussteller hatten sehr viel Zeit und noch mehr Kugelschreiber zu verteilen.

    Für meinen Kettenschlepper gibt es neu entwickelte Raupenkette aus Gummi. Für den Grip sorgen aufgeschraubte Eisenwinkel. Vorteilhaft auch die Dämpfung des Gummis. Bei der zur Zeit von mir verwendeten Volleisenketten spüre ich jeden überfahrenen Stein in der Wirbelsäule und ich freue mich auf den Kettenwechsel.

    Um die Arbeitszeit beim Rebschnitt zu senken, interessierte ich mich weiterhin für einen Rebvorschneider. Nach intensiven Informationsgesprächen mußte ich leider feststellen, dass es für meinen leichten Kettenschlepper kein entsprechendes Gerät zum Anbau gibt, bzw. die ganze Sache sehr kippelig werden würde und ich daher aus Sicherheitsgründen darauf verzichte.

    Interessant auch das Gespräch mit dem Lieferanten meiner Abfüllanlage. Nicht nur in der Bratpfanne befindet sich eine Beschichtung, auch das Korkschloß der Verkorkmaschine kann veredelt werden um den Verschleiß zu veringern und die Lebensdauer der Mechanik zu erhöhen.

    Heute fehlte nur noch ein Goldesel um richtig shoppen gehen zu können.