Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Handschmeichler

     2014-05-23 Kunst1Ein Kunstwerk ziert seit einigen Monaten unseren Hof. Ein sogenannter Handschmeichler. Jeder der an ihm vorbeikommt streichelt ihn.

    Auch einer der Wissenschaftler, die Anfang April ihr Forschungsprojekt in unseren Weinbergen fortgesetzt hatten, streichelte ihn. Beim Abschiedstrunk mit dem Zehnköpfigen Wissensschaftlerteam im Weingut, berührte dieser Wissenschaftler –  ein bekennender Junggeselle –  gedankenverloren den Stein und murmelte „kommt mir bekannt vor“. Gelächter der anderen, insbesondere der weiblichen Umtrunkteilnehmer, folgte postwendent.

    Scherz beiseite, lassen wir die Künstlerin, die aus Reil stammende Maria Hill,  über ihren „Landschaftskörper“ sprechen:

    „Ich bin Bildhauerin und Moselanerin. Eigentlich reicht das als Erklärung für die Entstehung meiner „Landschaftskörper“ aus, denn die Begeisterung für die Wirksamkeit des Wassers in seiner mäandernden Bewegung prägt seit Jahren meine Arbeit.

    Die Formel panta rhei – alles fließt  – braucht hier nicht nur auf den Riesling bezogen zu werden, denn sie ist hier als formgebendes Prinzip in der Landschaft unmittelbar zu begreifen.

    Für mich ist die Mosellandschaft eine überdimensionale begehbare Skulptur, ein riesiges plastisches Gebilde aus konkaven und konvexen Flächen, die das Wasser geformt hat. Und immer wieder drängen sich dazwischen figurative Aspekte auf, so dass Körperhaftes mit der Landschaft verschmilzt.

    Ich nehme Landschaft auf, spüre den bildenden Kräften des Wassers nach und gebe sie – nach einem Prozess innerer Umwandlung – in Steinskulpturen wider.

    In den vergangenen Jahren sind ganze Reihen von „Landschaftskörpern“ entstanden, in denen ich konkav und konvex angelegte Flächen mit Vorstellungen liegender weiblicher Körper verbinde. Dabei entstehen durchweg abstrahierte bis völlig gegenstandslose anthropomorphe Objekte, die Geschmeidigkeit ebenso wie entschlossene Klarheit und Strenge zeigen.

    Der „Landschaftskörper“ für Marita und Harald ist aus einem Muschelkalk aus der Nähe von Metz (Mosel). Auf dem sonnigen Muschelkalk fließt das Licht besonders weich und moduliert so die plastische Form.“

  • optimal

     

    2014-06-08 BlüteAlles läuft im Moment optimal. In den letzten Tagen wurden gemütlich bei kühlerem Wetter, ohne allzu viel zu schwitzen, die erste Runde bei den Laubarbeiten erledigt. Das jetzt heiße Sommerwetter hat die Rebblüte ungemein beschleunigt, das Längenwachstum auch. ………………………………………………..2014-06-08 Blütenkäppchen

    Sobald das Blütenkäppchen  abgeworfen ist, erscheint der Fruchtknoten mit Narbe und die Staubgefäße. Und dann ist es auch schon passiert und die Bestäubung ist erfolgt. Da die Reben Selbstbestäuber sind, werden keine Insekten benötigt. Die Blütenkäppchen sind größtenteils abgeworfen und sammeln sich im obigen Bild auf einem Blatt unter dem Blütenstand.

    Ich rechne mit einem guten Blühverlauf und sehr vielen bestäubten Fruchtknoten. Die frühe Blüte lässt auf eine qualitativ sehr gute Ernte hoffen.  In den nächsten Tagen sollen die Temperaturen wieder sinken, und der dann anstehende zweite Durchgang bei den Laubarbeiten wird hoffentlich bei angenehmeren Temperaturen erfolgen.

    Jetzt noch etwas Regen, dann wäre es perfekt, aber leider kommen die Niederschläge in den Sommermonaten meistens als Gewitterregen zu Boden und ganz aktuell, soeben vor einigen Minuten schon wieder eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes:

    „VORABINFORMATION UNWETTER
    vor SCHWEREN GEWITTERN

    für Kreis Bernkastel-Wittlich

    gültig von: Montag, 09.06.2014 19:00 Uhr
    bis: Dienstag, 10.06.2014 06:00 Uhr

    ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
    am: Montag, 09.06.2014 18:05 Uhr

    Von Frankreich ziehen heftige Gewitter auf. Dabei geht die
    Hauptgefahr von Hagel mit Korngrößen von loakal um 4 cm aus. Auch
    schwere Sturmböen, sowie heftiger Starkregen mit Niederschlagsmengen
    um 30 mm sind möglich.“

    Den Regen hätte ich gerne, aber nur die flüssige Form. Es wird spannend!

  • Das Reiler Goldlayschwein

     

      2014-06-01 Schwein1Fressen und gefressen werden, das Grundprinzip in der Natur. Jetzt bin ich beim Fressen dran! Das Reiler Goldlayschwein, zumindest ein Exemplar der Wildschweine die mir des öfteren den Boden aufwühlen, wurde letzte Woche vom Jäger erwischt.…………………………………………..

    Mit Hilfe eines Freundes wurde es gestern zerlegt. …………………………………………..2014-06-01 Soße

    Heute die Weiterverarbeitung, also Fleisch parieren, portionieren und einfrieren. Die braune Sauce aus den Knochen und Fleischresten, nebst Verwendung von Wurzelgemüse, Zwiebeln, Kräutern und reichlich Rotwein, köchelt momentan noch auf dem Herd.

    Jetzt noch genügend Mitesser finden – die halbe Familie isst vegetarisch und fällt daher aus -, eine der beiden Keulen aus der Tiefkühltruhe nehmen, diese drei Tage in unserem Riesling-Weinessig und einer Flasche Reiler Goldlay beizen baden. Das Bad mit den üblichen Zutaten von Zwiebeln, Möhren, Lorbeer und einigem mehr verfeinern. Scharf anbraten und bei Niedertemperatur garen.

  • gemütlich

    2014-05-29 heften2

    Die Rebtriebe werden zur Zeit in den Drahtrahmen eingeschlauft damit kein Windbruch entsteht und die Reben eine optimale Belichtung und Besonnung bekommen. Das ganze dazu noch ganz gemütlich und stressfrei.

    Das Rebwachstum ist bei den jetzigen Temperaturen bei so knapp über 20 Grad etwas ruhiger und wir kommen mit der Arbeit gut nach. Es ist bei diesen Temperaturen auch viel angenehmer im Steilhang zu Arbeiten als bei hochsommerlichem Wetter wie im letzten Jahr. Auch arbeitet unser Praktikant schnell und selbstständig, was eine enorme Beschleunigung der Arbeit bedeutet.

    Für das Festbinden von Trieben nachgepflanzter Rebstöcke, die nicht in den Drahtrahmen eingeschlauft werden können, hängt ein Bündel Naturbast am Gürtel. Einfach zu verarbeiten und ökologisch absolut korrekt!

  • Die Details wahrnehmen

    2014-05-23

    Die Details wahrnehmen, das, was sonst noch im Weinberg drumherum passiert. Sei es nur ein Marienkäfer (Coccinella septempunctata), seine Larven oder2014-05-23 Erdbeerendie Walderdbeeren Weinbergserdbeeren (Fragaria vesca), die vor zwei Wochen trockenheitsbedingt klitzeklein, mittlerweile, nach ausreichenden Nieder- schlägen, normal groß sind, jedoch kleiner als im letzten Jahr.…………………………….2014-04-29 KäferOder die verschiedenen Insekten an der Rebe oder im Weinberg. Man muss einfach nur die Augen offen halten, es gibt viele Dinge im Kleinen zu entdecken. Ich berichtete schon einmal: Mein persönlicher Mikrokosmos

  • Eine Handvoll

    2014-05-17 Kräuter

    Eine Handvoll Kräuter aus dem Kräutergarten, alternativ ergänzt durch im Weinberg wachsende Kräuter wie Allium vineale, Pfefferminze, Oregano oder Zitronenmelisse. Nach Belieben Knoblauch. Das ganze mit einem scharfen Messer klein hacken. Kräftig Salz und Pfeffer dazu, mit Riesling-Weinessig ansäuern. Mit einem halben Pfund Butter vermischen und fertig ist die Kräuterbutter.

    Auf ein frisches Baguette gestrichen, ein Glas Riesling dazu und der Sommer kann kommen, behaupten zumindest die Meteorologen für nächste Woche.

  • aufgefüllt

    2011-05-30 Mosel

    Die Mosel ist wieder aufgefüllt, die Weinbergsböden auch. In den letzten Tagen ist der lang herbeigesehnte Regen endlich gefallen. Es könnte zwar noch viel mehr sein, aber für den Augenblick sind wir zufrieden.

    Man hat den Reben den Wassermangel schon etwas angesehen. Beginnende Gelbfärbung und die Streckung der Triebspitzen waren schon erste Anzeichen von Trockenstress.

  • kalt erwischt

    2014-05-05 erfroren

    Die erste Runde hatten wir glücklicherweise gut überstanden, bei der zweiten Runde hat es uns kalt erwischt. In unserem Rivanerweinberg war es gestern Morgen einen Tick zu kalt gewesen. Geschätzte 30% der Rebtriebe sind erfroren: Teilweise ganz, teilweise nur die Triebspitze, leider auch viele Blütenansätze.  Es waren noch nicht die kalendarischen Eisheiligen, die sollen in ca. einer Woche kommen.

    Das Weinjahr fängt wieder spannend an, leider im negativen Sinn. Tröstlich ist, dass es nur unsere winzige Rivanerparzelle betroffen hat.

  • Wein trinken an schönen Orten

    2012-05-01 GoldlayUntrennbar mit der Mosel verbunden: Wein trinken an schönen Orten! Und diese schönen Orte werden an der Mosel immer mehr. Uns Einheimischen sind diese schönen Orte natürlich schon lange bekannt, aber jetzt auch für alle erwanderbar!2013-05-01 WanderungVor drei Wochen wurde der neue Fernwanderweg „Moselsteig“ offiziell eröffnet. Viele bekannte und schöne Wanderstrecken und Traumpfade wurde neu verknüpft und weitere Wege neu erschlossen. Noch vor seiner offiziellen Eröffnung des 365 Kilometer langen Fernwanderweges getestet und das Prädikat „Leading Quality Trail – Best of Europe“ verliehen bekommen. Der SPON berichtete schon im Vorfeld überschwänglich und ZEIT ONLINE war auch begeistert.

    2014-04-21 Rosi

    Und wenn Sie sich nun zeitlich mit Wein trinken an schönen Orten zu lange aufhalten oder Regen die Wanderung behindert: Einfach durch die Weinberge bergab abkürzen, das nächste Winzerdorf ist bestimmt in der Nähe.

  • Samstag Nacht: Ganz sacht, wie gewünscht

    2014-04-23 Tautropfen

    Samstag Nacht: Ganz sacht, wie gewünscht, nicht heftig und ohne Wasser in fester Form, aber leider viel zu wenig: Regen!

    Seit über einer Woche angekündigt, zuerst für den letzten Freitag von den Wetterfröschen gemeldet, dann auf Sonntag verschoben, dann wieder auf null gesetzt, am folgenden Tag wieder in der Prognosen angekündigt. Jedes mal in der Summe ausreichend für die ausgetrockneten Böden. Eine Moselschleife weiter ein ausgiebiges Gewitter mit Hagel nahe der Rebschädigung, leider bei uns nix, fast nix.

    Am Mittwoch und am Donnerstag die nächste Chance, wenn man den Meteorologen glauben soll.

    Es wird Zeit das die Reben Wasser bekommen. Unsere einjährige Junganlagen macht einen nicht sehr glücklichen Eindruck – bilde ich mir zumindest ein -.