Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Ein Bäumchen pflanzen

    2014-03-22 Pfirsich1

    Ein bisschen spät zwar, bzw. die Natur ist dieses Jahr sehr früh, komme ich endlich dazu, wieder einige Bäumchen zu pflanzen. Natürlich in den Weinbergen. Oberhalb der Weinbergsmauern am Vorgewende  und bei einigen sogenannten Spitzzeilen soll gepflanzt werden.

    Selbstredend ausschließlich ausschließlich Prunus persica, der Rote Weinbergspfirsich. Heute habe ich einige Sämlinge bei einem befreundeten Hobbygärtner abgeholt. Nächste Woche wird gepflanzt.

    Ein bisschen warten, so ein, zwei Jahre, und dann könnten die ersten Früchte an den Bäumchen hängen. Der Pfirsich wird zwei bis drei Tage in mehreren Erntedurchgängen vor der Essreife geerntet. Man kann ihn dann nachreifen lassen, dann ist er bis zu sechs Wochen haltbar oder schälen und als halbe Frucht einkochen für den winterlichen Vitaminnachschub. Ganz lecker als Marmelade und bei vielen anderen Rezepten verwendbar.

  • Jedes Jahr das Gleiche

    2014-03-19 Kartons

    Nach dem Abfüllen der Neuen Weine den Shop auf der Homepage mit den aktuellen Weine gefüttert und freigeschaltet. Gerade den „Speichern“ Button gedrückt und binnen Minuten kamen die ersten Bestellungen. Gestern schnell etikettiert, heute die meisten Pakete gepackt, der Rest folgt morgen. Zwischendurch wird morgen noch die Weinliste gedruckt, kuvertiert und versendet. Evtl. die Chance danach wieder mal in den Weinberg binden zu gehen, bis die Weinliste beim Kunden eintrifft und weitere Bestellungen erfolgen – hoffentlich -. Kunden haben sich ebenfalls zum Verkosten schon angemeldet. Eigentliche wie immer: Jedes Jahr das Gleiche, nur die Reihenfolge etwas anders.

  • 2013er Burger Hahnenschrittchen Riesling trocken


    Das Abfüllen der 2013er Riesling geht weiter. Gestern im Füller: 2013er Burger Hahnenschrittchen Riesling trocken.

     

  • Flaschengeklapper

    2014.03.10 Abfüllen

    Heute wurden die ersten Weine abgefüllt. Hört sich immer wieder gut an, wenn die Flaschen klappern, wenn sie in die Gitterboxen gelegt werden. Vor Tagen schon mit den exakten Planungen begonnen. Verlässlich lieferte der Flaschenhändler und der Verschlusslieferant auf den Tag genau nach Absprache. Da es Druckereien nicht so genau nehmen, – zumindest meine –  werde ich mal morgen nachfragen, ob denn die Etiketten fertig sind. Diese werden zwar erst nächste Woche benötigt, aber lieber eine Woche vorher den Liefertermin setzen.

    Die täglichen Füllmengen und die Abfüllreihenfolge wurde auch exakt geplant, die Abfüllmaschine bereitete auch keine Probleme, aber dann!

    Keine Ahnung was falsch gelaufen ist! Der Sterilfilter vor der Abfüllanlage und auch der davor geschaltete gröbere Vorfilter verzeichneten beim zweiten Wein einen Druckanstieg. Ein Zeichen, das noch Trubstoffe in vorher mit Kieselgur grob filtriertem Wein vorhanden waren und den Filter verblockten. Ich vermute, dass es nicht sichtbare Trubstoffe waren, die durch diese erste Filtration nicht erfasst wurden. Es war einfach ärgerlich und es passierte mir zum ersten Mal, das beide Filter nicht mehr wollten. Der Vorfilter wurde neu mit Filterplatten bestückt und der Sterilfilter hielt, Gott sei dank, noch bis zum Schluss, bzw. bis die aktuelle Partie gefüllt war, durch. Die für heute noch geplante dritte und letzte Partie wird dann übermorgen, wenn es weiter geht mit dem Abfüllen, noch zusätzlich gefüllt und wird für Überstunden sorgen.

  • Biegen

     2014-03-07 BogrebeSo sollte es sein: Zwei im Drahtrahmen nach unten gebogene und festgebundene Fruchtruten. Biegen nennt man das Befestigen des Fruchtholzes. Dadurch sollen einerseits die Voraussetzungen geschaffen werden für eine gleichmäßige Verteilung der Sommertriebe in der Laubwand, andererseits soll das Biegen eine harmonische Saftverteilung gewährleisten, damit die über das ganze Fruchtholz verteilten Sommertriebe gleichmäßiges Wachstum aufweisen.2014-03-07 abgebrochen1

    Sehr viele unserer Reben haben durch den letztjährigen Hagelschlag Verletzungen (Sollbruchstellen). Da wir beim Rebschnitt nach Möglichkeit unverletzte, bzw. weniger verletzte Triebe angeschnitten hatten und jetzt beim Biegen der Fruchtruten vorsichtig sind, beschränken sich abgebrochene Triebe auf wenige Exemplare.

  • Zwanzigdreizehner Finalprobe

    2014-02-26 Weingläser

    Dieser Tage standen alle 2013er Weine wie jedes Jahr auf den Tisch.  Mittlerweile filtriert und abfüllfertig. Die jährliche Jungweinprobe mit Freunden und Winzerkollegen um der eigenen Betriebsblindheit vorzubeugen und um unser Neues Weinsortiment zu gestalten. Dazu kamen noch einige Weine der Mitverkoster.

    Ich schrieb schon einmal, das der 2013er schmeckt. Nun die Bestätigung. Bis auf einen Wein, den das Verkosterteam qualitativ gänzlich anders als ich bewertete, sind alle Weine gelungen. Bei den einzelnen Partien ist die selektive Arbeit während der Weinernte glasklar erschmeckbar! Wunderschöne Fruchtaromatik bei den Partien, die ausschließlich aus gesunden Trauben stammten, verhaltenere Fruchtaromatik bei den Weinen, die eine mehr oder weniger große Beeinträchtigung durch den Botrytispilz hatten. Ich schrieb schon mehrfach über diesen Pilz, der gute Seiten, aber auch schlechte Seiten hat. Eine Hassliebe.

    Das 2013er Sortiment wurde bei der Probe in einem Abwasch auch noch gestaltet. Witterungsbedingt keine Auslese, die Alkoholwerte auf moderatem Niveau, die Mengen teilweise bescheiden.

    Morgen in einer Woche starten wir mit dem Abfüllen, ab morgen in zwei Wochen können die 2013er Weine voraussichtlich käuflich erworben werden.

  • Was verpasst

    2014-02-24 Spinnennetz

    Nachdem wir gestern morgen im dicksten Nebel nur filigran benetzte Spinnweben bewundern konnten,2014-02-24 Marienburg

    ahnte ich, als der Nebel sich verzog, dass ich etwas verpasst habe. Gewissheit wurde es, als ich den gestrigen Blogeintrag meines Kollegen Alexander von Arnswein las.

    „Bei einer Inversionswetterlage steigt die Lufttemperatur mit der Höhe an. Das heißt also, dass sich kühle Luftschichten in Senken und Tälern sammeln und wärmere Luftschichten darüber lagern. Die Folge lässt sich auf den Bildern gut beobachten: In der kühlen Luft kondensiert Wasser und es bildet sich Nebel. Die wärmeren Schichten können die Luftfeuchtigkeit besser halten. Diese stabile Wetterlage entsteht bei windarmen Tagen und Nächten im Herbst und Winter, wenn die Sonne durch ihren flacheren Winkel nicht die Kraft hat kühlere Luftschichten am Boden aufzuwärmen.
    So konnte man auf den Anhöhen des Moseltals ein tolles Naturspektakel beobachten, das in echt noch eindrucksvoller war als die Bilder es erahnen lassen.“

    Inversionswetterlage mit Nebel im Tal und darüber herrlichstes Sonnenwetter! Ich habs verpasst Bilder von oben zu machen und daher können Sie sich die schönen Bilder des nebelgefüllten Moseltales auf den Seiten von Arnswein anschauen.

    2014-02-20 Nebel

    Aber in meinem Bilderarchiv habe ich auch noch ein Nebelbild gefunden. Blick von der Reiler Goldlay aus in das Alfbachtal. Fast so schön wie die Bilder von Alexander, so quasi.

  • Der letzte Weinberg…

    2014-02-20 SchneidenDer letzte Weinberg ist in Arbeit. So früh wie noch nie werden wir mit dem Rebschnitt fertig. Bis auf drei Nachmittage, in denen Regen zum vorzeitigen Abbruch der Rebschnittarbeiten geführt hatte, konnten wir seit der Weinernte durchgehend draußen arbeiten. Kein Frost und Schnee die ebenfalls gehindert hätten.

    Zudem ein flott arbeitender Praktikant, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die eine Ausbildung bei uns absolvierten, nicht in die Berufsschule muss. Jetzt noch die Fruchtruten nach unten biegen und festbinden. Geht hagelbedingt etwas langsamer wie in den letzten Jahren, aber trotzdem: Ich sehe schon kommen, dass uns im Frühjahr die Arbeit ausgeht. Zumindest die im Weinberg. Aber im Haus und Hof ist noch einiges zu tun. Renovierungsarbeiten an Gebäuden und Maschinen warten und dann wären noch nebst dem üblichen Kleckerkram die Weinbergswege und Mauerkronen zu reinigen.

    Oder wir bekommen ein frühen Rebaustrieb, der nach diesem sehr warmen Winter wahrscheinlich ist, und die Sommerarbeiten setzen früher ein. Dann wäre vorzeitig wieder ausreichend Arbeit vorhanden. Da denke ich jetzt lieber über einen kurzen Urlaub nach.

  • Vorher Nachher

    2014-02-13 Unfiltrat

    Der Neue Jahrgang liegt nun füllfertig im Weinkeller. In den letzten Tagen wurden die Weine filtriert. Vorher noch stark von der Hefe  eingetrübt,2014-02-13 Filtrat

    nachher blitzblank aus dem Kieselgurfilter kommend. Äußerst problemlos ließ sich der 2013er filtrieren, was wiederum bedeutet, dass die Filtration sehr aromaschonend für den Wein verlaufen ist. Problemlos auch der Filter in den letzten Tagen. Keinerlei Probleme wie vor zwei Jahren, als die halbe Werkstatteinrichtung im Weinkeller für kurzfristige Reparaturen war.

    Erst jetzt kann man die ganze Bandbreite der Aromen Riechen und Schmecken. Die vor der Filtration noch vorhandene leichte Hefetrübung behinderte das Freisetzen des Bouquets. Jetzt präsentieren sich die Jungweine noch viel klarer und bedeutend fruchtiger.

    Heute Abend habe ich das legendäre Steffens-Keß Verkosterteam eingeladen, um in der übernächsten Woche den 2013er gemeinsam zu probieren. Dann weiß ich mehr. Wie jedes Jahr, der eigenen Betriebsblindheit vorbeugend, mit Freunden und Kollegen das 2013er Sortiment gestalten. Ich freue mich darauf!

  • Genussreise: Tafelrunde und Bacchanal

    2014-02-07 Ulrike

    Ulrike Laun hatte am vergangenen Wochenende zur Tafelrunde in die Landlust Körzin in Brandenburg eingeladen. Ein sechsgängiges Menü, dazu meine Weine, die die Speisen begleiten sollten.

    „Sie möchten Lebensmittel, die nicht tausende von Kilometern hinter sich gebracht haben. Sie wissen, dass es Jahreszeiten gibt. Sie akzeptieren, dass das Frühjahr Rhabarber, Erdbeeren und Spargel gedeihen lässt. Sie wissen, dass dem Herbst das Reifen der Äpfel und Birnen vorbehalten ist.“

    so in der Homepage dieses kleinen Landgasthofes. Dazu nach Möglichkeit alles aus regionaler Erzeugung.

    2014-02-07 Speisekarte

    Die Speisenfolge hörte sich gut an. Aber überall trockenen Riesling dazu? Konnte ich mir nicht vorstellen. Also ließ ich mich von Ulrike überraschen, die selbst am Herd stand. Ich fungierte als Mundschenk und erklärte den Gästen die Welt des Weines und im speziellen unseren Bioriesling.  2014-02-07 Dessert

    Das Essen eine Wucht! Erste Sahne! Könnte mein Lieblingsrestaurant werden, wenn es denn um die Ecke bei Reil wäre! Jeder Gang eine neuer kulinarischer Höhepunkt! Kreative Regionalküche auf hohem Niveau.2014-02-07 Birne im Käsemantel

    Und interessanterweise, unsere trockenen Rieslinge passten! Der Sekt zum Empfang und zur Vorspeise bis hin zur Auslese zum Törtchen, welches zum Schluss gereicht wurde. Für mich am spannendsten war der vorletzte Gang. Birne im Käsemantel mit Zabaglione vom Mosto Cotto.  Meine Vorstellungskraft konnte sich das im Vorfeld überhaupt nicht vorstellen. Jetzt weiß ich aber wie gut so etwas schmecken kann. Ich hoffe, dass ich noch das Rezept dafür bekomme. Werde ich natürlich dann hier veröffentlichen.

    Das war einfach passend zum Riesling gekocht, auf höchstem Niveau.

    Am zweiten Tag meiner Genussreise war ich vom Polit- und Weinjournalisten Rainer Balcerowiak nach Berlin eingeladen worden.

    „Natürlich gibt es was zu essen, ich habe schließlich einen Ruf zu verteidigen. Ich dachte da an eine kleine Tofu-Lachsterrine mit Washabi-Ingwer-Vinaigrette (Dazu würde ein halbtrockener Riesling oder Muskateller passen) Und dann noch Gulasch vom Brandenburger Wildschwein mit hausgemachten Spätzle (klingt nach kräftigem Spätburgunder mit unaufdringlichem Holz. Blaufränkisch/Lemberger geht natürlich auch, aber AUF KEINEN FALL DORNFELDER!!).“

    Ich durfte die Weine mitbringen. Nicht die Eigenen, die kennt Rainer schon. Also auf gut Glück einen Spätburgunder vom Kollegen Richard Arns fürs Wildschwein und für die Vorspeise vom Staatsweingut in Bernkastel einen Riesling feinherb eingepackt und zum Essen geöffnet. Auch hier Riesenglück! Die beiden Weine passten hervorragend zum Essen. Kann gut kochen, der Herr Journalist. Natürlich blieb es nicht bei den von mir mitgebrachten Flaschen. Weitere wurde geöffnet und bis spät in die Nacht probiert. Rainer schreibt auf seinem Blog über diesen Abend zwar von einem mittelschwerem Gelage, da bin ich aber anderer Meinung. Eher ein Bacchanal, so in Richtung ausschweifendes Fest.