Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • Newsletter No. 8: Vom Netzwerken, der Stand der Dinge und wichtige Nebensächlichkeiten

    Schon lange her, dass ich meinen letzten Newsletter geschrieben habe. Also nun die Gelegenheit genutzt und im Bilderarchiv gekramt, um wieder über die lieben Nebensächlichkeiten zu schreiben, die sich angesammelt haben.

    „Die Funktionsweise des Netzwerkens basiert auf dem Prinzip der Freundesfreunde – Jede Person des Netzwerkes bringt wiederum Teile des eigenen Netzwerkes in das entstehende Beziehungsgeflecht ein und erweitert es so stetig. Egal, ob es sich hierbei um reale Freunde, Bekannte, Geschäftspartner oder Auftraggeber handelt – Jeder Teilnehmer eines Netzwerkes kann andere interessante Aspekte einbringen und den Mitmenschen auf die ein oder andere Art behilflich sein.“ so das Portal Gründerszene.

    Netzwerken, eigentlich ein moderner Begriff, ist aber als solches schon sehr alt. Viele denken, das es mit dem Internet zu tun hat. Hat es auch, aber im realen Leben gab es das „networken“ schon vor den Internet. Ideal ist heute die Verknüpfung von Internet und realem Leben. Und da ich mittlerweile schon eine lange Zeit auf dieser Erde bin, habe ich viele Menschen im laufe meines Lebens kennen gelernt, virtuell und in echt, und bin sehr gut vernetzt.2013-02-02 Scholze2

    So zum Beispiel Ralf Scholze, Weinliebhaber, Journalist und Fotograf. Via den sozialen Netzwerken persönlich kennen gelernt und mit ihm schon mehrfach Fototermine bei uns im Weingut gehabt.

    Anders zwei Veröffentlichungen bei der Zeitschrift essen & trinken. Eine Anfrage für ein Winzerinterview für das Online Magazin dieser Zeitschrift kam per Mail:

    „Dafür würde ich gerne Sie als „Botschafter“ für die Region Mosel gewinnen, nachdem ich ihre Hänge im Jahr 2006 als FÖJ-Bewerber (Freiwilliges ökologisches Jahr) besucht habe und im letzten Jahr durch den Eichelmann-Weinführer wieder auf Ihre hervorragenden Weine aufmerksam geworden bin.“

    Ich kann mich zwar nicht an diesen jungen Mann erinnern, jedenfalls bin ich ihm in Erinnerung geblieben und das führte zu diesem Winzerinterview. In diesem Zusammenhang – davon gehe ich aus – wurde auch unser Mosto Cotto im November in der Zeitschrift essen & trinken vorgestellt.

    2013-08-29 KameramannVia Internet fand ein Produktionsteam von Arte den Weg zu uns. Ein Dreiteiler über die Mosel soll es werden. Kein Problem für uns, wir machen bei fast allem mit. Ich berichtete hier über die Dreharbeiten.

    Auf Anfrage den Produktionsleiters, ob ich denn den Weinjournalisten Stuart Pigott kenne, bejahte ich und er bat mich, einen Kontakt herzustellen. Ich kenne Stuart seit vielen, vielen Jahren und treffe ihn ab und zu – besser gesagt eher selten – . Unsere Weine hatte er bis dato auch schon des öfteren probiert. Wahrgenommen hatte er uns als Betrieb mit guten Weinen aber nicht.

    Anlässlich der Dreharbeiten probierte er in der Mittagspause unsere Kollektion und war überzeugt von unseren Qualitäten. Es erfolgte eine sehr positiver Notiz  in der Frankfurter Zeitung am Sonntag.

    2012-06-07 Pokal

    Jetzt denken Sie, meine Lieben Leser, vielleicht, dass der Winzer den Wein demnächst aus goldenen Pokalen trinken kann, da der Weinabsatz ungemein beflügelt wird. Ist leider nicht. Kurz vor reich reißt es immer ab. Geht auch dieses Jahr mangels Masse nicht. Leider!

    2013-12-25 Probe

    Jetzt stehe ich mit meiner Meinung über den 2013er nicht mehr alleine da. „Gelbe Frucht Gut!“ notierte mein mich beratender Oenologe. Tut gut für meine Seele! Das Sortieren der Trauben und das Verwerfen der Faulen und Vergammelten hat sich gelohnt, zumindest für die Weinqualitäten.

    Das Manko ist jedoch die Quantität. Sehr, sehr wenig, der zweite Weinjahrgang in Folge. Unsere Ernteberichte finden Sie hie in unserem Blog.

    2010-09-10 streicheln

    Streicheln würde man ihn gerne. Aber das geht ja leider nicht. Wichtiger ist das Schwenken im Glas, bevor man probiert. Das ist eine wahre Kunst! Der Durchmesser des Weinglases, die Drehgeschwindigkeit und die dann wirkenden Fliehkräfte sind wichtig. Sogar eine mathematische Formel gibt es dazu. Dies kann man einer wissenschaftlichen Studie aus der Schweiz entnehmen. Folgend das Video zur Studie nebst mathematischer Formel:

    Der Einfachheit halber – ich muss das ganze ja nicht noch einmal in diesem Blog niederschreiben –  lesen Sie bitte bei Weinbilly nach: Die Kunst, Wein richtig zu schwenken. Bevor ich es vergesse, bei unserem Riesling rechtsrum schwenken, so ca. drei Meter pro Sekunde, sagt eine andere Quelle. Die verlinke ich jedoch nicht, da diese doch etwas dubios wirkt.

    Ach, die ewige Verschlussdiskussion beim Wein. Schrauber oder Kork! Hier im Internet die heißesten Diskussionen, jeder weiß es besser, zumindest mit seinem fundierten Nicht- oder Halbwissen und doch weiß keiner, wie so eine verschraubte Flasche richtig geöffnet wird. Ja, da staunen Sie, lieber Leser! Das ist nicht so einfach. So oben zupacken und dann drehen? Nein! Viel zu schwierig, es geht auch einfacher und viel besser!

    „…er hat Schwierigkeiten, die Flaschen zu öffnen! Am oberen Teil zuzupacken und drehen, wie viele es zuerst versuchen, ist sicher die ungeeigneteste Art; man übt nämlich dabei Druck auf das Gewinde aus, weswegen die Reibung  zunimmt…“

    so mein Kollege Armin Kobler in seinem Blog, der dieses Geheimwissen der gelernten Winzer und Kellermeister allen verrät. Aber lesen Sie bitte dort einfach nach, wie ein Profi die mit Schrauber verschlossene Weinflasche öffnet: Es geht auch anders — Si può anche diversamente

    Wer diesen Newsletter abonnieren möchte, kann sich in der linken Menüleiste registrieren.

  • Ausgefallen

    2014-01-30 Raupe

    Der Winter ist bisher fast komplett ausgefallen. Gerade mal – wenn ich mich recht entsinne – drei Tage  gab es morgens Frost. Während im Osten Deutschlands der Winter mit dicken Minusgraden eingezogen ist, herrscht bei uns warmes, fast mediterranes Frühlingswetter. Sogar eine Schmetterlingsraupe fand ich heute quitschfidel im Weinberg.

    Das könnte ein früher Rebaustrieb werden mit seinen angenehmen und unangenehmen Begleiterscheinungen. Evtl. angenehm für die Weinqualität, da dann die Vegetationsperiode länger wird und die Trauben eine längere Zeit haben zu reifen. Unangenehm, da es auch noch Spätfröste geben kann, bis in den Mai hinaus. Es gab da in den letzten Jahren einige Schreckensmomente und auch Schäden an den grünen Rebtrieben. Und wenn der Winter mit niedrigen Temperaturen doch noch kommt: Ich denke, das die Weinstöcke mit jeden Tag empfindlicher auf starke Kälte reagieren.  Aber daran will ich im Moment nicht denken bzw. darüber spekulieren.

    Auf jeden Fall fängt das Neue Weinjahr spannend an und ist wieder ganz anders als die Weinjahre vorher.

  • Etwas müde

    2014-01-01 Goldlay

    Mittlerweile etwas müde. Trotz warmer Lagerung im Keller eines Freundes nach mittlerweile 22 Jahren aber immer noch trinkbar (Die Meinungen der mitprobierenden Freunde waren geteilt). Der Spaßfaktor ist verloren gegangen und der Wein am abbauen. Aber was soll es, wir produzieren den Wein ja auch zum Trinken und nicht um ihn auf ewig in den Keller zu legen.

    Das war noch ein leichter Riesling Kabinett aus den ersten Jahren der Klimaänderung, die sich seit 1988 bemerkbar macht. Ein leichter Wein mit geringem Trunkenheitsfaktor von knappen 10% Alkohol.

  • Es ist schwierig

    2014-01-15 Hagelschaden2

    Es ist schwierig beim Schneiden. In den Fruchtruten überall die Hagelverletzungen des letztjährigen Hagelunwetters, über das ich hier und hier berichtete. Während es in der Reiler Goldlay noch harmlos ist, wird der Rebschnitt mit jedem Weinberg der weiter weg ist in Richtung Burger Hahnenschrittchen schwieriger.2014-01-15 Hagelschaden

    Jede Fruchtrute muss in Augenschein genommen werden und die ausgewählt werden, die am wenigsten oder gar keine Sollbruchstelle aufweist. Diese Sollbruchstellen sind beim herabbiegen und festbinden der Ruten im Drahtrahmen  im nächsten Arbeitsschritt ein Problem. Es muss zudem sehr vorsichtig und zeitaufwändig die Rebe nach unten gebogen werden, damit nicht  all zu viele Ruten abbrechen. Also ruhig, mit höherem Zeitaufwand binden, keine Hektik aufkommen lassen. Und hoffentlich feuchtes Wetter dabei, damit die Reben etwas geschmeidiger sind, wie ich hier nach einem anderen Hagelunwetter schrieb.

  • Neulich beim Wandern

    2014-01-18 Dornfelder

    Wein trinken an schönen Orten, unter anderem das Motto beim Wandern mit meinen Freunden. Auch andere Wanderer haben sehr oft ein Fläschchen im Rucksack dabei. Leider gibt es auch solche, die wandereruntypisch die leeren Flaschen ins Gelände werfen, aber das ist ein anderes Thema.

    Wenn mal denn ein Mülleimer an einem Rastplatz zu finden ist, – der Wanderer braucht eigentliche keinen, da er seinen Müll im Rucksack wieder mit nach Hause nimmt – findet man in der Regel auch etliche leere Weinflaschen darin. Interessehalber schaut man dann auf die Etiketten dieser Bouteillen. In der Regel Riesling, sehr oft trocken,von der Mosel und von bekannten Erzeugern.

    Neulich beim Wandern – mir ist immer noch richtig gruselig – ein Schrecken für den Weinliebhaber. Dornfelder, rosé und dann noch lieblich! Optisch aufgemotzte Flasche und garantiert unterstes Supermarktniveau. Ein absolutes No-Go für mich! Dann lieber Bier.

  • Jungweinproben und Weinbautage

    2014-01-15 Jungweinprobe

    Jedes Jahr im Januar drängeln sich die Informationsveranstaltungen, bzw. Weinbautage, und Jungweinproben. Der Moselweinbautag war letzte Woche. Als Referent durfte ich mit zwei weiteren Winzern unser Weingut und unsere Qualitätsphilosophie vorstellen. Untermauert mit drei mitgebrachten Proben.

    Gestern das Treffen der Moselökowinzer. Nach der Mitgliederversammlung – das zwingend nötige Vereinsprocedere wurde binnen kürzester Zeit erledigt – noch kurz die Vorstellung eines Forschungsprojektes zum Thema „Beratung ökologisch wirtschaftender Erzeuger in Deutschland“. Dann endlich trinken die Jungweinprobe. Trotz vorheriger Aufforderung weniger gut gelungene Weine zum probieren und diskutieren mitzubringen, kamen nur gute Weine auf den Tisch. Nicht, das sich die Kollegen geschämt hätten problematischere Weine zu präsentieren, es gibt sie anscheinend nicht. Durchaus gute und sehr gute Weine machten die Runde.

    Nächste Woche die Agrartage mit Maschinenausstellung in Nieder-Olm, die ich regelmäßig besuche. In der ersten Februarwoche dann das jährliche Treffen der Ökowinzer in Rheinhessen und für dieses Jahr wären die winterlichen Informationsveranstaltungen erledigt.

  • Wundertüte

    2014-01-10 MachBaboWie die Jungfrau zum Kind, kam ich die letzten Tage zu einer Wundertüte. Besser gesagt zu einem Wunderkarton.

    „Ich denke, dass Du damit etwas anfangen kannst, bei mir schimmeln die noch im Keller“,

    sagte ein Freund. Der erste Blick in den Karton war schon vielversprechend. Obenauf Weinlyrik und -prosa zu sehen, typisch 50ziger und 60ziger Jahre. Literatur über Wein und die Mosel.

    Meine kleine Sammelleidenschaft!2014-01-10 BaboMach

    Zuhause beim Sichten des Kartons die Überraschung! Es war noch alte Fachliteratur dabei, ganz unten im Karton. Aus den 20er, den 50er und den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Knüller aber, neben der sachgemäßen Anleitung zur Weinverbesserung, „Das Handbuch des Weinbaues und der Kellerwirtschaft“, erster Band Weinbau, von Frhr. A. von Babo und E.Mach. Das erste Standardwerk über den Weinbau und die Kellerwirtschaft. Erstausgabe 1881.

    Übrigens, Babo ist das Jungendwort des Jahres 2013. Nur so nebenbei.2014-01-10 Presse

    Für mich ist es immer wieder spannend, etwas über die Weinbereitung in vergangen Zeiten zu erfahren. Das Handwerk, insbesondere im Weinkeller an sich, hat sich nicht so viel geändert. Moderne Technik, die Klimaänderung, andere Verbrauchererwartungen und das Wissen über die Weinbereitung sind die größten Änderungen gegenüber der „Guten alten Zeit“.

    Teilweise wurden die Trauben noch wie bei den alten Römern gekeltert. Hieß dann rheinische Spindelpresse. Natürlich gab es auch schon „moderne“ Pressen, wie die klick-klack Kelter oder die damals hypermodernen hydraulischen Pressen. Beide Keltertypen kenne ich noch aus meiner Jugend.

    2014-01-10 Riesenfilter

    Es gab auch schon Filterapparate. Müssen unheimlich groß gewesen sein. Nicht umsonst der Namen „Riesenfilter“. 2014-01-10 Blasebalg

    Pumpen waren damals noch selten und teuer. Ein einfacher Blasebalg aufs Fass gesetzt und der Wein wurde mittels Luftdruck ins nächste Fass gedrückt. Schonender geht es nicht. Kenne ich auch noch aus meiner Jugend. War die modernere Ausführung und sah aus wie eine überdimensionierte Fahrradluftpumpe.2014-01-10 RichtigFalsch

    Wenn statt der einfach zu druckenden Strichgrafiken und Zeichnungen richtige Bilder ins Buch sollten, wurden diese extra auf besserem Papier gedruckt, ausgeschnitten und in das Buch eingeklebt.

    Schon damals wollte man die Fässer im Herbst voll haben. Aus einen Ratgeber für den Winzer aus den 20er Jahren dieser Bildvergleich: Falsch und Richtig.  Schon damals galten volle Fässer mehr als weniger Ertrag mit besserer Qualität.

  • Kratzen und kehren

    2014-01-07 Kratzen

    Kratzen und kehren, die jetzige Nebenbeschäftigung im Weingut. Hochwasser und vor allen Dingen unser Kettenschlepper bringen Erde auf das Kopfsteinpflaster im Hof. Alle Jahre wieder müssen die Fugen ausgekratzt werden und die dabei anfallende Erde muss wieder in den Weinberg verbracht werden. Vor Jahren, beim letzten Mal, sind wir tagelang auf den  Knien herumgerutscht um mit dem Fugenkratzer zu arbeiten. Der ist mittlerweile modifiziert und ist rückenschonend an einem alten langen Hackenstiel befestigt. Geht schneller und entspannter.

    Beim nächsten mal, die Planungen laufen bereits, hoffentlich noch bequemer mittels einer an den Kettenschlepper angebauten Wildkrautbürste. Binnen Minuten die Erde aus den Fugen kratzen und keine Blasen mehr an den Händen. Lediglich das aufkehren müsste dann noch handbetrieben mit dem Besen erfolgen. Aber da habe ich schon die nächste Idee.

  • genau da

    2014-01-02 Regenbogen

    Das heutige wechselhafte Wetter bescherte uns diesen schönen Regenbogen. Und genau da, da wo der Regenbogen in den Himmel steigt, liegt einer unserer Weinberge in der Reiler Goldlay. Der Name sagt es bereits: Gold wie das heutige güldene Sonnenlicht nach dem Regen und Lay das Gestein.

  • Frohe Weihnachten

    2012-12-24 Weihnachtsbaum2

    Wir wünschen ein besinnliches Weihnachtsfest

    Harald Steffens, Marita Keß und die Kinder Felix, Sophie und Alice