Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Ökologie

  • Naturdünger

    2015-04-21 Guano

    Heute war es soweit. Der im Weingut zwischengelagerte Fledermausguano wurde in unseren Weinbergen ausgebracht. Dieses Jahr hatten wir reichlich davon. Nicht nur die ca. 4000 Fledermäuse im Dachstuhl der Reiler Kirche, – ich berichtete schon öfter darüber –   auch grob geschätzte 6000 weitere Fledermäuse aus Kirchendachstühlen am Mittelrhein, haben für den Naturdünger beim Biowinzer gesorgt.

    Dabei kam wieder das bekannte Schippchen zum Einsatz, ein Low Tech Werkzeug um den Dung zu verteilen, da der klebrige Dünger nicht mit meinem Düngestreuer ausbringbar ist.

    „Also den Fledermausmist in die Transportpritsche des Kettenschleppers füllen, ich sitze mit Schippchen in der Hand auf der Fledermauskacke und Lehrling fährt die Raupe. Den Dünger mit einer geschickten Handbewegung flächig zu verteilen klappt gut. Ich habe ja lange Jahre Erfahrung darin. Dem Lehrling gleichzeitig Fahruntericht zu geben und die eigene Angst zu unterdrücken ist eine andere Geschichte.

    Als altgedienter Steillagenwinzer gibt es immer noch Momente, in denen man doch etwas Muffensausen hat und die Hoffnung, dass der Azubi, entgegen seinem sonstigen Verhalten, die Anweisungen lückenlos versteht und auch fehlerfrei in die Tat umsetzt.“

    schrieb ich vor drei Jahren, als der damalige Azubi die Raupe fuhr und ich das Schippchen bediente. Heute war es anders rum, der Stift hatte die Ausbringtechnik schnell gelernt, ich fuhr die Raupe und Azubi saß in der Pritsche mit Schippchen auf der Fledermauskacke .

    Der Stift roch nach getaner Arbeit etwas streng… 🙂

  • Tribus Agrotini

     2015-04-19 Original 2009-04 HausBinnen weniger Tage ist bei den warmen Temperaturen die Natur förmlich explodiert. Alles ist gleichzeitig am ergrünen und die Obstbäume stehen in voller Blüte.  2015-04-18 Knospe2

    Auch die Rieslingreben sind kurz vor dem Austrieb, im sogenannten Wollestadium. Jetzt, bei den kühleren Wetterbedingungen stockt das Wachstum der Reben etwas. Leider!2015-04-18 Erdraupe

    Foto: Stefanie Vornhecke

    So haben die Knospenschädlinge wie diese Eulenraupe (Tribus Agrotini) mehr Zeit, sich satt zu fressen, bevor der Rebtrieb ihnen „aus dem Maul wächst“. Ich berichtete letztes Jahr schon darüber.

    Kollegin Stefanie Vornhecke berichtet in Ihrem Facebookaccount: Zurück von nächtlicher Jagd. Zwei Stunden, 4000m2 Weinberge abgegangen um Knospenschädlinge aufzuspüren. Rund 150 gefrässige Erdraupen und nur ein Rhombenspanner.“

    Macht ungefähr 400 Liter Wein aus, die nicht durch diesen Schädling als Minderertrag anfallen.

    Nur nächtens auf den Reben zu finden und bei diesem Gelegenheitsschädling ist nur mühsames Absammeln im Schein der Taschenlampe per Hand ist möglich. Die Alternative wäre Hühnerhaltung im eingezäumten Weinberg, aber das mit den Zäunen wäre nun doch zu arbeitsaufwendig.

  • Winterquartier

    2015-02-27 Höhle

    Am Wochenende, bei einer Wanderung über den Eifelsteig – übrigens sehr zu empfehlen -, sind wir an den Rother Eis- und Mühlsteinhöhlen vorbei gekommen. Sie sind durch den Abbau von Mühlsteinen entstanden – einem altem Industriezweig. Im offenen Tagebau wurden aus vulkanischen Schlacken Mühlsteine gewonnen. Der ehemals offene Tagebau ist zusammengestürzt, so dass er heute Höhlen bildet. Nur eine Höhle war begehbar, die andere gesperrt.

    Und das ist gut so, denn in der gesperrten Höhle überwintern ungestört unsere Düngerproduzentendas Große Mausohr, eine Fledermausart –, also zumindest etliche von Ihnen. Die Sommerfrische in der Reiler Kirche verbringend, werden diese und andere Höhlen in der Eifel als Winterquartier zum Winterschlaf verwendet.

  • Endlich wieder…

    2007-12-22 RauhreifEndlich wieder Jahreszeitgemäß. Nach dem kurzen Wintereinbruch nach Weihnachten und den vergangenen warmen Wochen gibt der Winter endlich wieder sein Stelldichein. Frost in der Nacht und tagsüber knapp über null.

    2015-01-11 Rauhreif1

    Jetzt nur noch Sonne, damit das ganze etwas „aufgehübscht“ wird. So ähnlich wie vor drei Wochen, als die Frostgrenze genau oberhalb der Weinberge lag und der Wald weiß bestäubt war.

    Natürlich wäre es ideal, wenn es auch tagsüber in die dicken Minusgrade gehen würde. Wichtig wäre dies z.B. für die Reduktion der Wildschweine, die durch den vergangenen warmen Winter nicht in ihrer Populationsdynamik gebremst wurden. Das gleiche gilt auch für die Wühlmäuse, deren Wühlgänge zahlreich den Boden durchziehen.

  • Frühlingsgefühle

    2014-12-09 Nachtschattengewächs

    Alles durcheinander, zumindest durch das Wetter in den vergangenen Wochen und Monaten. Ich schrieb hier schon einmal über den nicht enden wollenden Altweibersommer. In der Begrünung der Weinberge entdeckt man so manche Überraschung.

    Der schwarze Nachtschatten ist immer noch – oder schon wieder – am blühen,

    2014-12-09 Wilde Möhre

    die wilde Möhre ebenso.

    2014-12-09 Blüte

    Die Magerwiesen-Margerite sollte auch seit seit längerem verblüht sein

    2014-12-09 Oranges Habichtskraut

    und das orangerote Habichtskraut hat das Blühende, so normalerweise im August, schon lange verpasst.

    Die Reben haben bei uns mittlerweile das Laub fallen gelassen. Es gibt, nicht bei uns, aber z.B. beim Kollegen Bernhard Fiedler das Phänomen, das die Reben, bedingt durch die warme Witterung der vergangenen Wochen suggeriert bekommen hatten, es ist Frühjahr und ein erneuter Rebaustrieb im November (!) war zu sehen.

    Jetzt fehlen nur noch die Bienen um Honig zu sammeln…

  • Kacken für den Biowinzer

    2014.09.20m Spiegelkugel

    Unsere Fledermäuse in Dachstuhl der Reiler Kirche waren auch dieses Jahr sehr fleissig und haben für unsere Weinberge den Fledermausguano produziert. Heute wurde ausgemistet!

    Die Population der Tiere hatte im letzten Jahr stark gelitten. Im Frühjahr störte ein Waldkauz die Fledermäuse beim beziehen des Sommerquartiers. Zu Höchstzeiten waren bis zu 5000 Tiere im Dachstuhl, letztes Jahr waren es so um die 1500.

    Als Abwehrmaßnahme wurde eine Spiegelkugel vor die Haupteinflug- und Hauptausflugöffnung montiert. Funktioniert ganz einfach. Sie kennen das sicherlich, zumindest meine männlichen Artgenossen: Der morgendliche Blick nach einer kurzen und durchzechten Nacht in den Spiegel!

    Gegen den Waldkauz hat die Spiegelkugel geholfen und die Sommerkolonie wuchst dieses Jahr auf 2700 Tiere.

  • Urtica dioica L.

    2014-11-21 BrennesselSo sehr wie ich Urtica dioica L. hasse – ich berichtete hier schon einmal über die Große Brennessel als Wirtspflanze der Grasflügelzikade -, so vielfältig ist der Nutzen für den Menschen. Die Verwendungsmöglichkeit als Brennesselspinat dürfte den meisten bekannt sein.

    Aber auch heilende Wirkungen in der Medizin sind beschrieben. Brennessel bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, bei Arthritis, bei Harnwegserkrankungen, für die Prostata, zur Stärkung der Abwehrkraft und Blutdruckabsenkung.

    Dieses Zauberpflänzchen kann sogar noch viel mehr. Die Samen der Brennessel bergen die Sensation. Lässt Haare wachsen und soll als Pimpermittel eine aphrodisierende Wirkung haben. „Durch die Samen werden die Körperfunktionen angeregt, außerdem wirken sie tonisierend, was für die Luststeigerung vorteilhaft ist.“ schreibt diese Kräuterseite über den Brennesselsamen.

    Aber machen wir es nicht so kompliziert. Probieren sie einmal den Samen! Mit anderen Kräutern die ideale Zutat für einen pikanten Salat. Um den Geschmack zu verbessern, bei mittlerer Hitze 15 min in den Backofen, bis sie dunkelgrün bis leicht bräunlich geworden sind. Nicht rösten!

  • Drosophila melanogaster

    2014-10-31 Essigfliege2

    Ein ungeliebtes Haustierchen, Drosophila melanogaster, den meisten als Essigfliege bekannt. Ein Lästling, der dieses Jahr besonders nervt. Der warme und feuchte Oktober war förderlich für die Vermehrung der Essigfliege. Da es mittlerweile im freien kühler wird, zieht sie sich in die Häuser, in die Wärme zurück. Im Weinkeller kein Problem, aber in der Wohnung.

    Also zum sogenannten bewährten Hausmittelchen der Essigfalle gegriffen. Hat nix genutzt, wurde komplett von den Insekten ignoriert und verachtet.2014.10.31 Essigfliege

    Erst die Verfeinerung, bzw. die alleinige Gabe unseres kostbaren Riesling-Balsamessiges hat die verwöhnten Tiere davon überzeugt, sich freiwillig in das Schälchen zu stürzen und……………………………………………………………………………………………..2014-10-31 Essigfliege3massenhaft das Leben auszuhauchen. Ein interessanter Zusatz- oder Zweitnutzen unseres Balsam Essiges.

  • Es hört und hört nicht auf

    2014-09-09 Junges Grün

    Es hört und hört nicht auf zu wachsen. Nicht die Reben, über deren ungebremstes Wachstum ich hier berichtete, sondern die Begrünungen in den Weinbergen. Die immer noch feuchten Böden lassen die Wildkräuter sprießen. In den letzten Wochen konnte ich nur tageweise mähen gehen, da das Befahren der teilweise nassen Weinbergsböden diesen geschadet hätte oder andere Arbeiten anstanden.

    Mittlerweile bin fast durch und könnte wieder von vorne anfangen. Auch auf dem Mulcher kommt aus den Resten des letzten Mulchganges junges Leben zum Vorschein.

  • Boletus edulis

    2014-08-16 Steinpilze

    Boletus edulis, der gemeine Steinpilz.  Reichlich findet man davon im Wald. Ideales Pilzwetter durch den vielen Regen der letzten Tage und Wochen. Gut für die Pilzsammler, schlecht für die Trauben. Man hört immer öfter von Kollegen Klagen über beginnende Fäulnis im Weinberg. Erste Fäulnis habe ich auch schon in einem unserer Weinberge gesehen.

    „Wenn das nicht trocken wird, wird 2014 schlimmer als 2013… Wenn das trocken wird, wird alles gut“ so ein Kollege, dem ich mich voll anschließe und mir wünsche, das es trocken wird.

    Aber zurück zum Steinpilz: Sorgfältig putzen und in dünne Scheiben schneiden. In heißem Olivenöl die Pilze goldbraun braten. Knoblauch dazu, mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit einem Schuss Riesling verfeinern. Der Rest der Flasche Riesling kann dann beim Essen dazu getrunken werden. Mit reichlich geschnittener Petersilie servieren. Ein Scheibchen Brot noch und Guten Appetitt!

    Die Pilze können Sie sich selbst suchen, Öl und Riesling gibt es hier.