Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Sonstiges

  • Wundertüte

    2014-01-10 MachBaboWie die Jungfrau zum Kind, kam ich die letzten Tage zu einer Wundertüte. Besser gesagt zu einem Wunderkarton.

    „Ich denke, dass Du damit etwas anfangen kannst, bei mir schimmeln die noch im Keller“,

    sagte ein Freund. Der erste Blick in den Karton war schon vielversprechend. Obenauf Weinlyrik und -prosa zu sehen, typisch 50ziger und 60ziger Jahre. Literatur über Wein und die Mosel.

    Meine kleine Sammelleidenschaft!2014-01-10 BaboMach

    Zuhause beim Sichten des Kartons die Überraschung! Es war noch alte Fachliteratur dabei, ganz unten im Karton. Aus den 20er, den 50er und den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Knüller aber, neben der sachgemäßen Anleitung zur Weinverbesserung, „Das Handbuch des Weinbaues und der Kellerwirtschaft“, erster Band Weinbau, von Frhr. A. von Babo und E.Mach. Das erste Standardwerk über den Weinbau und die Kellerwirtschaft. Erstausgabe 1881.

    Übrigens, Babo ist das Jungendwort des Jahres 2013. Nur so nebenbei.2014-01-10 Presse

    Für mich ist es immer wieder spannend, etwas über die Weinbereitung in vergangen Zeiten zu erfahren. Das Handwerk, insbesondere im Weinkeller an sich, hat sich nicht so viel geändert. Moderne Technik, die Klimaänderung, andere Verbrauchererwartungen und das Wissen über die Weinbereitung sind die größten Änderungen gegenüber der „Guten alten Zeit“.

    Teilweise wurden die Trauben noch wie bei den alten Römern gekeltert. Hieß dann rheinische Spindelpresse. Natürlich gab es auch schon „moderne“ Pressen, wie die klick-klack Kelter oder die damals hypermodernen hydraulischen Pressen. Beide Keltertypen kenne ich noch aus meiner Jugend.

    2014-01-10 Riesenfilter

    Es gab auch schon Filterapparate. Müssen unheimlich groß gewesen sein. Nicht umsonst der Namen „Riesenfilter“. 2014-01-10 Blasebalg

    Pumpen waren damals noch selten und teuer. Ein einfacher Blasebalg aufs Fass gesetzt und der Wein wurde mittels Luftdruck ins nächste Fass gedrückt. Schonender geht es nicht. Kenne ich auch noch aus meiner Jugend. War die modernere Ausführung und sah aus wie eine überdimensionierte Fahrradluftpumpe.2014-01-10 RichtigFalsch

    Wenn statt der einfach zu druckenden Strichgrafiken und Zeichnungen richtige Bilder ins Buch sollten, wurden diese extra auf besserem Papier gedruckt, ausgeschnitten und in das Buch eingeklebt.

    Schon damals wollte man die Fässer im Herbst voll haben. Aus einen Ratgeber für den Winzer aus den 20er Jahren dieser Bildvergleich: Falsch und Richtig.  Schon damals galten volle Fässer mehr als weniger Ertrag mit besserer Qualität.

  • Allerneueste Neuigkeiten

    2013-10-10 Höfgen

    Die Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, Dagmar Barzen, hatte mich persönlich eingeladen. Heute stand Ministerbesuch in der Avelsbach an. Natürlich unsere Weinbauministerin Ulrike Höfgen und Avelsbach ist Winzerumgangssprachlich die Staatliche Weinbaudomäne in Trier an der Avelsbach. Da ich Zeit und Lust hatte und persönlich eingeladen war, folgte ich heute der Veranstaltungseinladung zum Thema „Entwicklung der Staatlichen Weinbaudomaine“. Neben Vertretern von Agrarberatung, Politik und Presse war auch die Führungsspitze unsere Verbandes ECOVIN anwesend. 2013-10-10 Avelsbach

    Nach dem üblichen Begrüßungszeremoniell mit Präsidentin, Ministerin und Dienststellenleiter der Agrarberatung gab es dann die Überraschung:

    Der 24 ha Betrieb wird auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt und bewirbt sich um eine Mitgliedschaft in unserem Verband ECOVIN!

    Sehr gut! Ein Leitbetrieb mit Vorbildfunktion für andere Weingüter. Ein wichtiger Schritt in der Ökologisierung des Weinbaues an der Mosel. Als Regionalgruppenvorsitzender von ECOVIN Mosel freue ich mich schon auf diesen Neuen Mitgliedsbetrieb und auf die Zusammenarbeit mit den Betriebsleitern.

  • arte, Teil 4: unspektalulär

    2013-10-01 Hubschrauber

    Nach mehreren abgesagten Drehterminen wegen schlechten Wetters wurden heute Luftaufnahmen gedreht. Die Mosel wurde im Ganzen abgeflogen. Bei den einzelnen Akteuren, darunter auch ich, wurden diese bei der Arbeit aus der Luft gefilmt. Also die Kamera an unauffälliger Stelle platziert und auf  Automatikaufnahme gestellt… Beim Herannahen des Hubschraubers mit dem Raupenschlepper in den Steilhang zum Mähen gestürzt.

    Ich hatte es mir spektakulärer vorgestellt. Erwartet hatte ich, dass der Hubschrauber sich so richtig ins Tal senkt, ich dem Piloten ins die Augen sehen kann und der Kameramann festgeschnallt an der Türöffnung hängt, so quasi. Vielleicht noch einmal Klappe die erste, die zweite, die dritte… Aber nein, in weiter Entfernung zog der Heli seine Kreise, vorne eine Riesenkamera montiert, die sicherlich soweit heranzoomen konnte, das der Kameramann das Weiße meiner Augen sehen konnte.

    Sendetermin soll im Frühjahr 2014 sein. Ich lasse mich überraschen, welche der vielen gedrehten Szenen es denn nun in den Film schafft.

    Hier geht es zu den bisherigen Berichten über die Dreharbeiten:

    Teil 1: Drehbeginn

    Teil 2: Wagemutig

    Teil 3: Rein und raus

     

  • Crème brûlée auf Teppich

    2013-09-25 Winzer

    Nach der letzten gemeinsamen Touristenweinprobe der Reiler Winzer war die Kasse gut gefüllt. Da auf dem Winzerverbandskonto noch genügend Reserve ist, wurde der Gewinn zur Wirtschaftsförderung eingesetzt. Als Förderziel wurde der Reiler Hof erkoren. Der Etat wurde dem jungen Küchenchef genannt. Davon sollte das Korkgeld für die mitgebrachten Weine bezahlt werden und ein 3-Gänge Menü, welches er nach seinem Gusto zusammenstellen konnte.

    Die mitgebrachten Weine wurden kunterbunt durcheinander probiert. Jeder teilnehmende Winzer sollte eine Flasche mitbringen. Die einzige Bedingung war, dass er nicht aus dem eigenen Weingut stammte. So gab es beim Menü eine breite Palette Weine zu probieren. Als Aperitif gab es einen 2010er Gewürztraiminer von meinem bloggenden Kollegen Armin Kobler, gefolgt von verschiedenen Rieslingen u.a. aus Rheinhessen und Mosel, Sauvignion blanc aus Chile, Riesling Sekt, Silvaner aus Franken, einige Rotweine und weiß der Teufel noch welche Weine auf dem Tisch standen.

    2013-09-25 Möhren IngwersuppeDie Suppe am Anfang begeisterte schon! Karotten-Ingwer Suppe vom feinsten. Hervorragend dekoriert und noch besser im Geschmack! Ich müsste nochmals einen Kochkurs im Reiler Hof belegen, damit Küchenchef Christoph mir das Rezept verrät.

    Der Hauptgang – leider ist keines der Bilder etwas geworden – die Überraschung: Hirschfilet auf Spitzkohl mit Pfifferlingen und weiteres drumherum. Spitzenküche wie ich es von diesem Restaurant erwarte!

    2013-09-25 Dessert

    Zum Dessert Crème brûlée auf Teppich auf Schälchen. Optisch nicht so aufgemotzt wie die zwei Gänge vorher, aber geschmacklich auf dem gewohnten Niveau.

    Gut gegessen und gut getrunken machten wir Winzer uns zu später Stunde auf den Nachhauseweg, nicht ohne den Vorsatz gefasst zu haben, nach der nächsten gemeinsamen Winzeraktion noch einmal Wirtschaftsförderung zu betreiben.

  • arte, Teil 3: Rein und raus

    2013-08-30 Marita FaßKlappe die Erste, die Zweite, die Dritte…

    Wie sollte es auch anders sein. Rein ins Fass, raus aus dem Fass. Holzfassreinigen mit der Bürste war gestern geplant.  Bis es jedoch dazu kam, musste meine Frau gefühlte 10mal ins Fass klettern, bis alle zufrieden waren.2013-08-30 Faß

    Zuerst wurde durch das Fasstürchen die Reinigung gefilmt,2013-08-30 Philip Faß

    dann musste der Kameramann auch noch ins Fass, um das ganze aus der Nähe zu filmen. Beim Rauskrabbeln machte er einen glücklichen Eindruck. Der Enge entflohen? Gute Filmaufnahmen? Nette Winzerin?2013-08-30 Interview

    Das Interview mit meinem Töchterchen, die als Weinprinzessin gerade das an diesem Wochenende stattfindende Straßenweinfest mit der Weinkönigin eröffnet hatte, ging sogar ohne Wiederholung über die Bühne. Filmproduzent Thomas war sehr zufrieden mit den an diesen beiden Drehtagen aufgenommenen Aufnahmen.

    In einigen Wochen noch ein Drehtermin. Es wird der unspektakulärste sein. Für mich auf jeden Fall. Im Film wird er sicherlich das Highlight.

  • arte, Teil 2: Wagemutig

    2013-08-29 KranDas gestern für den heutigen Drehtag bestellte Sommerwetter kam heute morgen pünktlich zum Drehbeginn der arte Dokumentation. Die Profis der Produktionsgesellschaft bauten zuerst das Equipment auf, bevor es ans Filmen ging.

    2013-08-29 Pigott

    Als Gast durfte ich heute Morgen den bekannten Weinjournalisten Stuart Pigott begrüßen, den ich schon seit langer Zeit kenne. Zuerst eine gemeinsame Weinbergsbegehung mit Stuart, danach erfolgten etliche Interviews mit uns beiden, bzw. mit jedem einzeln. Das ganze im Weinberg, später im Weingut auf der Terasse, vor, während und nach dem gemeinsamen Mittagessen. Dazu noch das übliche zuprosten, und das natürlich mehrfach, wie ich schon im ersten Teil meiner Berichterstattung über diese arte Produktion berichtet hatte. Nebenbei stellte ich Stuart noch unsere aktuelle Weinkollektion vor und das Kamerateam probte während der Mittagspause ebenfalls unsere Weine.2013-08-29 Raupe

    Wagemutig ging es gesättigt weiter: Aufnahmen im steilsten Weinberg! Tags vorher hatte ich eine provisorische Transportpritsche gebaut. Der Kameramann sollte eigentlich sitzen. Relativ ungefährlich. Falls er Angst hätte, hätte ich ihn noch mit einem Zurrgurt festschnallen können, aber nein!

    2013-08-29 Raupe steilFast freihändig mußte ich mit ihm bei ca. 60% Steigung in den Weinberg einfahren, Rebzeile runter- und wieder rauffahren. Und als ob das nicht ausgereicht hätte – wie beim ersten Dreh: Klappe die Erste, die Zweite. die Dritte….

  • arte, Teil 1: Drehbeginn

    2013-08-14 Monorack

    „Entstehen werden drei Hochglanz-Dokumentationen a 45 Minuten, die beeindruckende Landschafts- und Luftaufnahmen mit spannenden Geschichten rund um Land und Leute verbinden sollen; Sendetermin ist in der Primetime um 19:30 Uhr im Jahr 2014.“

    so der Produzent in einer mail an mich.

    Dieser Tage war Drehbeginn. Im Auftrag von arte wird von ThoRa Film ein dreiteiliger Film über die Mosel gedreht. Einmal die französische, einmal luxemburger und einmal deutsche Mosel. Für den Moselteil habe ich als Statist eine der Hauptrollen (?). Der erste Auftritt war bei Kilian Franzen und Angelina Lenz in Bremm. Ich traf das Filmteam am Bremmer Calmont, dem steilsten Weinberg Europas. Da kein Weg und Steg in diesem steilen Gelände ist, sind die Weinberge mit der Monorackbahn erschlossen.  Ein wahres Paradies für Filmer, um Videos zu drehen. Zwei Beispiele finden Sie hier und hier.2013-08-14 KameramannIm Weingut von Kilian dann natürlich auch Riesling trinken und zuprosten, nebenbei mit Kilian und Angelina noch ein Interview. Und da, wie beim öffentlich-rechtlichem TV in der Regel üblich, der Qualitätsgedanke ganz oben steht, natürlich Klappe die Erste, die Zweite. die Dritte….

    Selten, dass ich so oft meinen Mittrinkern zuprosten und mit den Gläsern anstoßen musste, zeitgleich aber sehr wenig Riesling getrunken wurde.

    Mein Statistendasein wird noch für zwei weitere Drehtage andauern. Die „Dramaturgie“  ist mir grob bekannt, spontane Ideen werden kreativ umgesetzt. Man merkt, das Profis die ihr Handwerk verstehen am Werk sind.

  • In Reil steppt der Bär

    2013-08-10 Tröte

    Wie jedes Jahr: In Reil steppt der Bär! Weinfestzeit. Gestern war Weinköniginnenabholung mit Blasmusik und Empfang im Elternhaus der Weinkönigin.2013-08-10 Königinnen

    Mit dabei die trinkfesten, gekrönten Häupter der umliegenden Gemeinden. 2013-08-10 Umzug

    Mit einem Festumzug ging es dann zum Festgelände.2013-08-10 Weinköniging

    Zuerst die üblichen Reden der örtlichen Politprominenz, dann ganz launig und lustig der Redebeitrag der Reiler Weinkönigin Verena mit ihren Prinzessinnen Caroline und Sophie, die alle Drei mangels Nachfolger nun in ihr zweites Amtsjahr gehen.

    2013-08-10 Feuerwerk3

    Danach konnte dann das Feiern beginnen, welches durch ein Feuerwerk in der Reiler Goldlay kurz unterbrochen wurde.

  • verloren

    2013-07-29 MulcherNicht das erste mal, aber das erste mal beim Mulchgerät. Schlicht und einfach im Weinberg verloren! Mit den Jahren wird das Material schwach. Materialermüdung, bzw. Ermüdungsbruch  nach 16 Jahren Einsatz.

    Mit etwas Glück, Kraft und Nachdenken schaffte ich es, das Gerät aus dem Weinberg und auf den Anhänger zu bekommen.

    Mittlerweile, nach zwei Stunden brutzeln und braten, geschätzten 15 Schweißelektroden und einigen Kilo Verstärkungsstahl ist der Mulcher wieder einsatzbereit. Sieht zwar nicht hübsch aus, müsste aber halten und seinem Zweck dienen.

  • Angelica

     2013-07-18 BlasenDas das Klettenlabkraut, welches dieses Jahr sehr üppig in unseren artenreichen Weinbergsbegrünungen vertreten ist, das mit seinen Borstenhaaren auf der verschwitzten Haut Hautreizungen und Hautirritationen hinterlässt, ist für mich normal. Das man ab und zu auch von Dornen gepeinigt wird, ist auch im Rahmen des Daseins als Ökowinzer. Auch die Rheumafreiheit des Biowinzers ist willkommen, da er des öfteren während des Arbeitens die Brennesseln übersieht und sich dann inmitten dieser befindet. Alles keine Gründe, die bei den jetzigen Hochsommertemperaturen obligatorische kurze Hose, gegen eine lange zu tauschen.

    Nur Angelica ist dazu in der Lage, den Winzer von der langen Arbeitshose zu überzeugen. Angelica, zu der Familie der Engelwurzen gehörend, bildet wie der Riesenbärenklau (Herculesstaude) Furocumarine, die mit UV Strahlung zusammen die Wiesengräserdermtitis verursachen.

    Vor Jahren hatte ich schon einmal massiv Engelwurz in den Weinbergen und entsprechende Probleme. Dieser Tage der wohl einzigsten Angelica in meinen Weinbergen über den Weg gelaufen. Massive Blasenbildung wie bei einer starken Verbrennung, es Juckt dauernd, schlechtes Abheilen der Wunde und ein dunkel pigmentierte Narbe, die sehr, sehr lange sichtbar bleibt.