Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wein

  • Erfahrungsaustausch?

    Simon, der junge Betriebsleiter vom Weingut Böcking in Trarbach hatte zur Jungweinprobe eingeladen. Mehr oder minder bekannte oder renommierte Winzer brachten einige Ihrer Weine zum probieren mit. Neben dem Probieren war natürlich der Erfahrungsaustausch sehr wichtig. Dachte ich mir. Aber anders als in den Winzerkreisen in denen ich meistens verkehre – in denen sehr offen gesprochen wird und heftigste Diskussionen statt finden – gab es von vielen Anwesenden nur spärliche Informationen über den Weinbau und den Weinausbau. Es erinnerte mich eher an eine Werbeveranstaltung für ausgewiesene Weinkenner oder an Geheimwissensschaften. Schade…

    Ich habe zwar nichts Neues dazu gelernt, jedoch einige Winzer/innen kennen gelernt und viele interessante Weine getrunken. Der Erfahrungsaustausch wird dann mit den offeneren Kollegen bei einem persönlichen Gespräch stattfinden.

  • Abgefüllt

    Das Wetter hat sich seit meinem letzten Eintrag hier im Blog stark verbessert, so Richtung Frühling. Es wird wieder wärmer und hoffentlich können wir dem Winter endlich ade sagen.  Nach dem massivem Schneetreiben am Dienstag, lachte am Mittwoch die Sonne wieder vom Himmel und die Mosellandschaft war winterlich weiß. Leider konnte ich den Schnee, der mittlerweile gänzlich weg getaut ist,  nur von der Kellertüre aus anschauen, da wir in den letzten Tagen unsere 2012er Ökorieslinge abfüllten.

    Bis auf den noch im Keller lagernden Sektgrundwein sind alle Holzfässer und Stahltanks leer und warten auf die nächste Ernte. Nun noch die Weinliste schreiben, eine Menge Briefmarken auf Kuverts kleben, den Shop auf der Homepage aktualisieren und der Druckerei Dampf machen, damit die Etiketten gedruckt werden. Dann kann der 2012er in den Verkauf gehen.

  • Den Mangel verwalten

    Da standen sie am letzten Sonntag zum Probieren, die 2012er Weine. Wenig im Vergleich zum Vorjahr. Die Freunde probierten mit, um der Betriebsblindheit vorzubeugen. Die Qualitätserwartungen, die ich schon während der Weinernte geäussert hatte, sind  eingetroffen.  Die Qualität sehr gut, frische Frucht, Eleganz und saftig. Die Alkoholgehalte  bei den Basisweinen wie immer  moderat, so das diese wieder als Spaßweine bezeichnet werden können.

    Wenn da nur die kleine Ernte nicht wäre. Ich kann es drehen und wenden wie ich will, es ist zu wenig da. Viel zu wenig! Das dürfte kann hinten und vorne nicht bis zur nächsten Ernte reichen. Von den Basisweinen aus 2012 ist, durch die größe Erntemenge 2011  zwar noch einiges da, aber den 2012er Nachfolger gibt es nur in bescheidenen Mengen. Zudem haben wir für einige Weine größere Vorbestellungen, die dann erst gar nicht in den allgemeinen Verkauf kommen oder in solch geringen Mengen vorhanden sind, dass sie nur einige Wochen zum Kauf zur Verfügung stehen.

    Wie immer, kurz vorm reich werden, es reisst immer wieder ab. Entweder geht irgend etwas ungeplant kaputt und Ersatzinvestitionen müssen getätigt werden oder die Weinernte ist klein. Und wenn man es dann doch bis kurz vors reich werden geschafft hat, meldet sich das Finanzamt. Ich gebe es so langsam auf… 😉

  • durchsoffen

    Nein, nicht besoffen, sondern durchsoffen! Dieses Wort und seine Bedeutung dürften den wenigsten bekannt sein. Hat nichts mit Trunkenheit oder ähnlichen Exzessen zu tun. Es ist schlicht und einfach ein Weinfehler, der sich ganz langsam entwickeln kann. Für den Weintrinker, der später davon eine Flasche trinkt, nicht bemerkbar!

    Es beginnt ganz langsam. Man zieht eine Probe aus dem Fass für eine Analyse oder um den Neuen Jahrgang in Ruhe zu probieren – der Neue 2012er wird übrigens richtig gut – und das Fass ist nun nicht mehr Spundvoll. Das so entstehende Luftpolster würde der unerwünschten Oxidation Vorschub leisten und das feine Aroma schädigen. Deswegen werden regelmäßig die Fässer beigefüllt bis sie spundvoll sind. Mindestens mit einem gleichwertigem Wein oder einem qualitativ höherwertigem. Dabei kann es mitunter zu diesem Weinfehler kommen.

    „Durchsoffen: Diesen Fehler kann ein großer Wein (Spitzenwein) z.B. aufweisen, wenn er wegen seiner besonderen Qualität zu oft verkostet wird und das Gebinde immer wieder mit einem geringeren Wein aufgefüllt wird…. „

    Ernst Klenk, Weinbeurteilung, Ulmer Verlag 1950

    Eigentlich logisch. Der Winzer und seine Freunde probieren natürlich sehr gerne den besten Wein im Keller und da nichts gleichwertiges oder besseres zum Beifüllen des Fasses da ist, sinkt ganz langsam die Weinqualität durch das beifüllen mit einem geringeren Wein. Heute nicht mehr das große Problem. Es gibt mittlerweile sogenannte Immervolltanks, in denen ich in der Regel die besten Weine vinifiziere. Es sind runde, nach oben offene Tanks. Nach der Befüllung wird ein sogenannter Schwimmdeckel auf die Weinoberfläche gelegt. Ein Luftschlauch (Fahrradschlauch aus Silikon) der rundum an diesem Deckel befestigt ist, wird aufgepumpt und presst sich an die Behälterwand.  So ist der Tank, egal wie hoch der Wein in diesem steht, immer voll und dieser Weinfehler bei uns unbekannt.

     

  • In dieser Reihenfolge

    Der Weihnachtsmann kam gestern auch zum bloggenden Winzer und hatte sehr kreative Geschenke dabei. Neben einem Wein, der in den nächsten Tagen hier in den Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß besprochen wird, obiges, nettes Flaschentool. Ein abschließbarer Weinflaschenverschluß, damit die Familienangehörigen oder Freunde nicht heimlich die angebrochene Weinflasche leeren können. In unserem Haushalt selten von Nöten, angebrochene Weinflaschen gibt es bei uns fast nicht.

    Der Knaller, das Geschenk von meiner persönlichen Weinprinzessin: Ein Flaschenständer aus alten Weinfassdauben!

    Sie erinnern sich noch? Genau! Aus den Weinfässern, die ich vor der Weinernte aus dem Keller entfernen musste. Ich berichtete hier und hier davon. Jetzt weiss ich wenigstens, was ich mit dem Rest der Fässer machen werde. Ich werde mal meinen Schreiner fragen… Interessensbekundungen meiner Leser nehme ich schon gerne im Vorfeld entgegen.

    Und genau in dieser Reihenfolge wurde gestern abend getrunken. Von oben nach unten. Mit dabei Wein von meinen bloggenden Kollegen Bernhard Fiedler, Armin Kobler und Thomas Lippert. Dann die dicke Auslese von mir und da die ganzen Weine doch recht kräftig im Alkoholgehalt waren, zum Schluß ein leichtes Möselchen aus der Literpulle.

    Nun ist mein Weinkühlschrank mit den Gastgeschenken und Weintauschpaketen, über den ich vor einigen Monaten berichtete, fast geleert und wartet auf Nachschub.

  • Bio-Glühwei(h)n-Nacht: Bitte vormerken!

    Gemütliches Beisammensein bei leckerem Bio-Wein und Bio-Glühwein – natürlich aus Riesling –  Infos und Gespräche zum Öko-Landbau und eine kleine Überraschung.

    Am Samstag, den 08. Dezember, ab 16.oo Uhr, findet zum x-ten Mal in unseren Kellerräumen die Bio-Glühwei(h)n-Nacht statt.

    Wie gehabt geht der Erlös an die Villa Kunterbunt in Trier, ein Nachsorgezentrum für chronisch- und schwerstkranke Kinder. Über weitere reichliche Spenden würden wir uns und auch die Villa Kunterbunt herzlich freuen.

    Für die, die von weiter herkommen: Der letzte Zug ab Reil fährt um 21.55 nach Bullay, dort besteht Anschluß nach Trier bzw. Koblenz. In Richtung Tr.-Trarbach fährt der letzte Zug um 22.23 Uhr.

  • Erwartungsgemäß

    In den letzten Tagen wurden die ersten  jungen Weine von der Grobhefe, die sich am Faßboden abgesetzt hat, abgezogen. Der junge Wein reift nun mit der Feinhefe weiter.

    Wenn ich zitieren darf:

    “Der Abstich der Weine ist nicht nur ein Fasswechsel, sondern eine der Notwendigkeiten in der Kellerwirtschaft, deren Bedeutung für Ausbau, Haltbarkeit und Wohlgeschmack der Weine  man meist nicht besonders herausstellt. Für sich genommen ist der Abstich das Umfüllen eines Weines aus einem Behälter in den anderen, unter gleichzeitiger Abtrennung des Trubes. In Verbindung mit Schwefeln, Lüften, Schönen oder Klären und bei Zeitgerechter Durchführung ist er aber eine der grundsätzlichen Maßnahmen zur Beeinflussung des Weinausbaus.”

    Handbuch der Getränketechnologie von Gerhard Troost

    Natürlich wurde auch probiert. Wir können sehr zufrieden sein. Es ist eingetroffen, was ich schon vor der Weinernte prognostiziert hatte. Die kühleren Nächte während der Reifephase haben erwartungsgemäß zu einer sehr guten Aromaausprägung geführt. Die noch hefetrüben Rieslinge machen schon richtig viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines bei jeder Menge Trinkspaß.

  • Urkunden und kleine Häppchen

    Fast wie jedes Jahr – wird aber nicht langweilig – war heute die Siegerehrung für die deutschen Teilnehmer der 20. internationalen Bergweinverkostung. Ich berichtete hier schon einmal darüber.

    Arno Simonis, der die deutschen Steillagenweinbaugebiete bei CERVIM, dem Forschungs- und Studienzentrum zur Wertschätzung des Weinbaus in den Bergregionen (Centro di Ricerca, Studi, Salvaguardia, Coordinamento e Valorizzazione per la Viticoltura Montana), vertritt, hatte wieder zu einer netten Prämierungfeier eingeladen. Immer an anderen Orten, andere Rahmenprogramme, die Häppchen wie immer lecker und mein Grund der Teilnahme war mal wieder eine Urkunde. Logisch, denn sonst wäre ich heute nicht dabei gewesen. Wie im letzten Jahr in Gold! Bin stolz darauf und das gibt für die kommende Weinernte die Motivation, das Gleiche bei der 21. Bergweinverkostung erreichen zu wollen.

  • In trockenen Tüchern?

    In trockenen Tüchern? Noch nicht ganz, aber fast! Ich berichtete unter anderem hier über den extrem nassen Sommer und über die dadurch bedingten Widerwärtigkeiten hier und hier. Mittlerweile sind wir der Ernte um einiges näher gerückt und die Ernte fast in trockenen Tüchern. Die Trauben sind nicht mehr anfällig gegen die vor Wochen allgegenwärtigen Pilzkrankheiten. Die jetzt herrschenden hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad dämmen z.B. den Infektionsdruck des falschen Mehltaues stark ein. Etliche nachwachsende junge Rebblätter sind zwar teilweise von diesem Pilz befallen, werden aber weiterhin Assimilate, also Zucker und Geschmack, für die Rieslingbeeren bilden können. Nur noch Hagel oder Traubenfäule wie in den letzten Jahren kann die Erntemenge verringern.

    Nun könnte man schon an eine Ernteschätzung wagen, aber da bin ich ganz schlecht und ich möchte den Tag nicht vor dem Abend loben. Da halte ich es lieber so wie Dirk Würtz, der die Erntemenge so einschätzt: „Mehr als 2010, weniger als 2011 – oder vereinfacht ausgedrückt – der Keller wird wohl nicht ganz voll.“ Zwei in der Erntemenge total gegensätzliche Jahre und in dieser Spanne werden wir sicherlich liegen. Ich hoffe in Richtung des 2011er, der doch eine sehr gute Quantität brachte. Weniger glücklich wäre ich natürlich bei Annäherung an den 2010er.

  • Feste feiern!

    Hoch her geht es an diesem Wochenende in Reil. Das alljährliche Weinfest! Die Weinmajestäten eröffneten am Freitag nach ihrer Krönung das Weinfest. Dieses Mal war es aber anders als sonst.

    Unsere Tochter Sophie – rechts im Bild –  durfte neben der Weinkönigin Verena als Weinprinzessin zusammen mit Caroline den Reiler  Wein präsentieren.

    Die Weinprinzessinnenmutter ist mächtig stolz auf unsere Tochter,

    der Prinzessinnenvater bastelte noch ein Sonderetikett für den auf dem Weinfest ausgeschenkten Prinzessinnenwein. Ich möchte Ihnen diesen nicht vorenthalten und darum ist er auch hier käuflich zu  erwerben.

    Neben Wein präsentieren zeichnen sich Weinköniginnen und Weinprinzessinnen durch ihre Multitaskingfähigkeiten aus. Wer kann denn ausser den Weinhoheiten drei Weingläser gleichzeitig bedienen?

    Die anwesenden Jungwinzer probierten  zu später Stunde noch die Weine der Festweinkarte mit „unserer“ Prinzessin und nun folgt bis zum nächsten Weinfest die reguläre Amtszeit unserer Tochter.