Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wein

  • Gastgeschenke, Tauschpakete und ähnliches

    Voll, fast randvoll: Mein privater Weinkühlschrank wurde in den letzten Tagen gut gefüllt. Gefüllt mit  Gastgeschenken, Tauschpaketen und ähnlichen wohltätigen Gaben.

    Winzertauschpakete sind ja bekannt. So unter dem Motto tausche meinen Wein gegen Deinen. Nun bin ich bestens sortiert mit Weinen von Bernhard Fiedler, Reinhard Schäfer und anderen Kollegen.

    Die Weine von Thomas Lippert sind als Gastgeschenk seines Besuches vor drei Wochen als Gastgeschenk in meinem Kühlschrank gelandet. Es gibt sogar Weinkunden, die zum Weineinkauf beim Winzer ein Fläschchen als Geschenk mitbringen. Ich freue mich immer auf Herrn Baum aus Thionville in Frankreich, der mir so manch gutes Tröpfchen in die Hand drückte.

    Mit freundlichen Grüßen schickte mir gestern Herr Hoffman von VinArTours, ein Veranstalter von Weinerlebnissreisen, gestern eine Bouteille Sangiovese aus Italien. Er hatte den Wein auf einer Weinreise kennengelernt, findet ihn sehr gut – nein, er schrieb : Der Wein hat mich begeistert! – und will mich mit seiner Begeisterung anstecken. Wird in den nächsten Tagen verkostet.

    Auch Weine von Frank Brohl sind es öfteren in meinem Bestand. Maschine verliehen, einige Tage später sauber und geschmiert zurück, als Miete ein Riesling aus der Nachbargemeinde daneben stehend.

    Sogar ein Gewinn eines Preisauschreibend hat sich angesammelt. Vin et Vie, ein Weingroßhandel aus Koblenz schickte mir ein sechserkistchen französischer Weine, die auch bald degustiert werden.

    Jetzt einfach mal ein Dankeschön an alle, auch die, die  hier nicht genannt sind. Danke für die leckeren Weine, die mein Weinverstand, meinen Weinhorizont erweitern und die den Fundus bilden, aus denen ich die Weine für die Weinrallye auswähle.

  • Will ich auch haben

    So einen Pokal will ich auch! Bei meinem Lieblingsmetzger stehen diese Pokale massenhaft im Verkaufsraum. Zum Blutwurstritter geschlagen, Europameister in der Wurstherstellung, Großer Preis für die besten Würstchen, Gewinner des Fleischwurstpokals, um nur einige seiner Ehrungen zu nennen, die mit einem Pokal geehrt wurden.

    So etwas gibt es leider im Weinbereich nicht. Keine schönen Pokale, aus denen man Wein trinken könnte, bestenfalls eine Münze zum umhängen und die obligatorische Urkunde. Mit diesen könnte ich mittlerweile Probierstube und Flur tapezieren.

    Trotzdem freue ich mich, wenn wieder eine Urkunde ins Haus flattert. Wir machen nur bei wenigen Weinwettbewerben mit. Ich schrieb hier schon einmal über diese Wettbewerbe. Aber es gibt einige Pflichtveranstaltungen. Da muss ich mitmachen! Z. B. bei ECOVIN, unser Anbauverband, der jährlich  die EcoWinner Verkostung durchführt.

    Meistens bei den trockenen Rieslingen immer vorne dabei, mehrfach schon die ersten Plätze belegt. So auch dieses Jahr. In der Kategorie kräftige Rieslinge belegten wir mit unserer 2011er Reiler Goldlay Auslese trocken den ersten Platz. Das schmeichelt unserem Ego, zeigt, dass unsere Weine nicht so schlecht sein können und hilft natürlich beim Weinverkauf.

  • WtasO

    „Einfach guten Wein einpacken und mit netten Menschen auf öffentlichen, schönen Plätzen trinken. Nicht verkosten, einfach trinken, nippen, probieren, bereden, genießen und darüber schreiben! Du kannst gerne auch hier über deine Weingenusserfahrungen an schönen Orten erzählen, nutze dazu einfach die Funktion Notizen. „

    so die Aufforderung von Thomas Lippert auf der Facebookseite „Wein trinken an schönen Orten“ (WtasO).

    Ganz einfach nach dem Motto: Wein als alltägliches Getränk –  ist sowieso besser als Bier -, raus aus der elitären Ecke! Wein für alle, macht spaß, ist schick und hip!

    Machen Sie mit! Stellen Sie Bilder ein, wie ich es schon gemacht habe und schreiben Sie darüber, welchen Wein Sie trinken und wo!

  • „Geh ich nicht ran“

    Wieder Festtage überstanden. Neben Weihnachten sind auch die Ostertage mit reichlich Essen und trinken verbunden. Natürlich Lamm, gehört einfach zum Osterfest und wurde in Form einer Haxe in meinem Lieblingsrestaurant genossen. Schneller weggegessen wie fotografiert.

    Natürlich war auch selber kochen angesagt. Der Rotwein wanderte ausschließlich in die Soße für die Keule. Für mich beim Kochen noch eine angebrochene Flasche Chardonnay aus Kalifornien im Kühlschrank gefunden. Aus der Rubrick „Geh ich nicht ran“. Mein Sohn hatte diese Flasche geschenkt bekommen. Einfachste Ware aus dem Supermarkt.  In der Aromatik an Fisch  erinnernd. Geruchlich Richtung Miesmuschel beim Kochen. Nach der Probe wieder zurück in den Kühlschrank, wo sie jetzt noch steht und wahrscheinlich bald entsorgt wird.

    Die Kategorie „Geh ich nicht ran“ wird z.B. durch Reste der Partys meiner Kinder immer wieder in meinem Weinkühlschrank aufgefüllt.  Am Etikett teilweise schon anzusehen, das es sich um dürftigste und für das körperliche Wohlbefinden gefährliche Weine handelt. Wie dieser Riesling aus Brasilien, der vor einigen Monaten verkostet wurde. Mehr als zehn Freunde verkosteten, geschmacklich fast wie Jauche, der Rest fand den Weg zur Kläranlage.

    Da lobe ich mir Gastgeschenke von Kunden, Winzerkollegen oder die berühmten Winzertauschpakete. So dieser Trollinger aus Württemberg, den ich nebst anderen Weinen gegen ein Rieslingpaket von uns getauscht hatte.  Typisch helle Farbe, sehr erfrischend mit guten Trinkfluss. Für einen Rotwein sehr hell, aber das sogenannte Schwabenblut sollte man als eigene Kategorie verstehen. Es muss nicht immer ein tiefroter, marmeladig und holzbetont schmeckender Rotwein sein. Darf auch mal leichter schmecken mit weniger Alkohol. Passte auf jeden Fall sehr gut zur Keule.

  • Reklame

    Ein Hinweis oder Reklame in eigener Sache. Unsere Basisweine, die Literflaschen,  haben wir in den letzten Tagen abgefüllt. Gibt es hier schon zu kaufen. Nach Karneval geht es weiter mit dem Abfüllen. In der ersten Märzwoche ist dann unser Sortiment mit dem 2011er Wein komplettiert. Die Weinliste wird dann anschließend per klassischer Briefpost mit einer echten Briefmarke verschickt. Nicht mit so einem Freistempel, der inclusive Briefumschlag direkt, ungeöffnet ins Altpapier fliegt. Eine klassische Reklame, die auch in Zeiten von Internet und Facebook bei uns im Weingut eine sehr wichtige Rolle spielt.

  • Das Steffens-Keß Verkosterteam

    Das Steffens-Keß Verkosterteam hat gestern wieder zugeschlagen. Offiziell bei der Weinrallye 1: Reif für die Insel erstmalig hier im Blog öffentlich aufgetreten, ansonsten für jeden Quatsch zu haben, helfen mir meine Freunde jedes Jahr bei der Finalprobe der Faßweine für die Abfüllplanung. Vorbeugen vor der eigenen Betriebsblindheit heißt das Motto. Heiße Diskussionen, ergiebiges Probieren, heute nochmals nachgetestet ob die gestrigen Geschmackseindrücke richtig gewesen sind und in den nächsten Tagen werde ich das 2011er Weinsortiment zusammen stellen. Ein sehr guter Jahrgang, erinnert mich in der Fruchtausprägung an den 2009er oder 2005er, jedoch etwas filigraner, eleganter. Noch sehr jung, aber mit Potential, das sich im Laufe der Weinreifung zunehmend zeigen wird.

  • Eiswürfelwetter

    Wenn man den Wetterfröschen glauben darf, war heute die kälteste Nacht in der jetzigen Kälteperiode. Trotz der im letzten Jahr an den Fenstern angebrachten Vorsatzscheiben, findet man hin und wieder Eisblumen, die bizarre Muster auf den äusseren Fensterscheiben bilden.

    Bisher wurde es mir erspart bei diesen Temperaturen in den Weinberg zu gehen um das Zwiebelschalenprinzig, über das ich hier berichtete, zu testen. Im Weinkeller hat sich bisher noch genügend Arbeit gefunden und beim Etikettieren einer Kleinmenge Wein gabs es im ungeheizten Weinlager schon genug kalte Finger.

    Vorteilhaft ist das kalte Wetter auf jeden Fall für den 2011er. Der Keller kühlt ab! Die dann kalten Weine verlieren bei der bald erfolgenden Abfüllung viel weniger Gährungskohlensäure- und Aroma. Natürliche Aromaschonung, über die ich auch schon einmal schrieb.

  • Gestern und heute im Filter: Die besten Rieslinge aus 2011

    Zwei Tage problemloses filtrieren. Ich war richtig stolz, denn so problemlos hatte ich bisher noch nie filtriert. Bis gestern Nachmittag, aber dann…

    Es muß mit meinem Ökoriesling zu tun haben, anders kann ich es mir nicht erklären. Die wollen einfach nicht durch den Filter. Rasend schneller Druckanstieg bis hin zur Verblockung der Filtrationsschicht. Ärgerlich, wenn der Filter dann außerplanmäßig geleert und gereinigt werden muß. Es waren, Gott sei Dank, nur zwei Fässer, die diese Probleme bereiteten.

    Geschmeckt haben die Weine alle, bei den Besten habe ich natürlich mehrfach probiert.

    Der Weinstein, der sich in den Fässern abgesetzt hat, nimmt zuweilen bizarre Formen an.  Statt schöne Kristalle, wie in meinem vorgestrigen Blogeintrag, gab es heute stäbchenförmigen Weinstein zu bewundern.

  • Heute im Filter: Elbling

    Zur Zeit sind wir damit beschäftigt unsere Weine zu filtrieren. Heute wurde unser Elbling, eine alte autochthonte Rebsorte, durch den Kieselgurfilter geschickt. Gefällt mir, schmeckt einfach gut, frisch, fruchtig und unkompliziert. Anfang Februar soll er gefüllt werden und ist dann sofort in unserem shop erhältlich.

    Morgen kommen die besten Rieslinge dran. Ich freue mich schon darauf und werde sicherlich des öfteren probieren. Hoffentlich nicht zu oft…

    Beim 2011er setzt sich sehr viel Weinstein in den Fässern ab. Die Säure hat sich durch die  Abbindung der Weinsäure mit dem ebenfalls im Wein vorhandenen Kalium vermindert, so das die Weine etwas weicher im Geschmack werden.

    Mittlerweile ist auch die halbe Werkstatteinrichtung im Keller zu finden. Undichtigkeiten am alten Filter mussten abgedichtet werden, ein Weinschlauch platzte – erfreulicherweise liefen nur wenige Liter Wein aus – ansonsten macht der Filter seine Arbeit noch tadellos. Zwei Tage muss er in meinem Keller noch arbeiten, dann geht er zum nächsten Mitbesitzer. Ähnlich wie bei der Nachbarschaftshilfe gibt es die Maschinengemeinschaft. Weniger benutzte oder terminlich unabhängigere Maschinen werden gemeinschaftlich gekauft und eingesetzt, um Kosten für den einzelnen zu minimieren.

  • Analysen

    Die ersten Weinanalysen sind da und die chemischen Parameter sind alle in Ordnung. Insbesondere der Alkoholgehalt ist in einem moderaten Bereich. Damit liegt der 2011er größtenteils im Spaßweinbereich. Ich berichtete hier schon einmal über das Thema Alkohol und Trinkfreude und mein Kollege Berhard Fiedler hat auch schon über den Alkohol-Zunahmi geschrieben.

    Da man den Geschmack nicht aus den Weinanalysen herauslesen kann, muss der Menschen mit seiner Nase und Zunge den Geschmack beurteilen. Die sogenannte organoleptische oder sensorische Analyse die ich des öfteren beim neuen Jahrgang mache und die mich jedes mal aufs neue begeistert.