Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wein

  • Es gärt

    Die Berliner Theatergruppe Weinkörper war gestern Gast im alten Casino in Trarbach.

    „Die Theatertruppe inszeniert in dem Stück, deutsche Weine auf völlig neue Art. Die Schauspieler von WEINKÖRPER performen Weine, sie verwandeln sich in Rebsorten, reißen das Publikum in die rauschende Gärung aus Kultur und Genuss. In einem Roadmovie durch die deutschen Weinprovinzen entfalten sich skurrile Geschichten über wahllose Geschmäcker und eine neue Lust zu genießen. … Die Weine entdecken Verwandtschaften, Anknüpfungen, Inspirationen. Sie gären, verwandeln sich im Rausch der Erzählungen; in rasanter Geschwindigkeit entfalten sich Szenen deutscher Weinkultur über Eisweine im Klimawandel, Schlägereien mit Weinkritikern in Düsseldorf und Riesling-Ekstasen in Berliner Szene-Clubs, bis eine neue Genusskultur aufscheint und die Sinne des Publikums provoziert – der Theaterraum wird zum Gärtank.“

    So ein Auszug aus der Pressemitteilung der Trarbacher Tourisstinformation.

    Und so war es: Wir wurden in den Rausch der Gärung mit hinein gerissen und in rasanter Geschwindigkeit erzählten die Akteure auf der Bühne mit Ihren Körpern, Mimik und Sprache Weingeschichten!

    Für alle Weinlienhaber ein muss! Leider gibt es dieses Jahr nur noch eine einzige Show, heute abend, im alten Casino in Trarbach. Termine für die nächste Saison können sie demnächst der Homepage von Weinkörper entnehmen.

  • Den 2011er erfassen

    Den Jahrgang 2011 so langsam erfassen! Ab und zu einen jungen, hefetrüben Wein vom Faß zapfen und intensiv verkosten. Kellerkalt, dann wärmer werdent, den Einfluss des Luftsauerstoffes  wahrnehmend. Vom kleinsten, dem Literwein, bis hin zu den besten Tropfen: Trotz Hefetrübung schon eine sehr klare Nase, höchst aromatisch für das jugendliche Alter und einen guten Trinkfluss bietend.

    Bisher bin ich sehr zufrieden mit dem neuen Jahrgang. Könnte fast nicht besser sein.

  • Großes Bohei

    Wie jedes Jahr: Großes Bohei in den entsprechenden Internetforen, bei Facebook und anderen Medien,  wenn die Weinführer wie Gault Millau, Eichelmann und Feinschmecker erscheinen.

    Immer die gleichen Diskussionen, ob die oder die Wein- oder Betriebsbewertung korrekt ist und wer ist denn der führende Weinführer, der am meisten recht hat. Das Wein nur subjektiv zu beurteilen ist, wird immer wieder vergessen. Auch die dort verkostenden Profis haben ihre Vorlieben oder unterschiedliche Tagesformen. Der eine mag dicke, fette Weine, der andere schlanke, fruchtige usw.  Ich berichtete hier und hier schon darüber und unser Kollege Bernhard Fiedler hat auch schon des öfteren über Weinverkostungen und die subjektiven Wahrnehmungen geschrieben.

    Allen gemeinsam ist, das in der Regel hohe und höchste Betriebsbewertungen fast nur durch edelsüße Weine erreicht werden können. Minimengen, die das Gesamtprofil eines Weingutes bestimmen. Der Alltagswein, also der Wein, der uns täglich begleitet,  wird in der Regel bei diesen Führern nicht beachtet oder erst gar nicht zu den Verkostungen eingereicht. Das schränkt die Betriebsbewertung für unser Weingut natürlich stark ein, da wir ausschließlich trockene Weine produzieren, die zudem noch klar wie ein Bergquell, schlank und fruchtig sind. Dem wahren Leben jedoch werden diese Weingutsbewertungen nicht gerecht.

    Aber trotzdem freuen wir uns immer wieder, wenn wir wie in den letzten Jahren in diesen Weinführern vertreten sind und dieses Jahr der „Feinschmecker“ unseren 2010er Burger Hahnenschrittchen Riesling zu den besten Weinen 2011 zählt.

  • 19. internationale Bergweinverkostung

    CERVIM, das Forschungs- und Studienzentrum zur Wertschätzung des Weinbaus in den Bergregionen, hatte zur Preisverleihung für die deutschen Teilnehmer geladen. Bei der internationalen 19. Bergweinverkostung, gab es für die deutschen Steillagenwinzer jede Menge Medaillen abzuholen.

    Empfang vor dem Steillagenkompetenzzentrum in  Bernkastel-Kues mit Trommelwirbel (Weltklasse!), dann die Begrüßung durch deren Leiter Hubert Friedrich, eine Laudatio des scheidenden Präsidenten  der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier, Herrn Dr. Peter Mertes, danach die Politiker, die das übliche Nichtssagende als Laudatio von sich gaben. Unsere Blicke richteten sich währenddessen durch die Innenfenster zum Weinprobenraum – die Probenweine wurden so langsam warm – aber die Laudatoren bemerkten nicht unsere sehnsüchtigen Blicke. Kurz und schnell die Verleihung der Urkunden und die Siegerweine konnten im Anschluss verkostet werden.

    Auch ich konnte mir eine Goldene Medaille umhängen. Die dazu gehörende Urkunde wird neben vielen anderen nun unsere Probierstube schmücken. Wieder eine Bestätigung für uns, das unsere Weine nicht zu den schlechtesten gehören, egal, was man über solche Weinwettbewerbe denken mag.

  • Newsletter No. 4: Rechtsdrehend wie Joghurtkulturen, Nebensächlichkeiten und der Stand der Dinge

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    Rechtdrehend wie Joghurtkulturen war bis letzte Woche. Bei der Endabnahme im Werk war das Rechtskurvenfahren übersehen worden. Dauerndes Gegenlenken war die Folge. Nachdem die Raupe letzte Woche beim Hersteller zum neu justieren der Hydraulikanlage war, ist dieses Problem behoben. Ein zusätzlich eingebauter Lenkungsdämpfer erhöht die Sicherheit im Steilhang und den Fahrspaß. Für die hier mitlesenden Winzerkollegen: Gegenüber den Vorgängermodellen eine technische Innovation, sozusagen ein Quantensprung.

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    Die Mosel ist wieder zum Fließgewässer geworden. Im Mai durch die fehlenden Niederschläge ein stehendes Gewässer mit Algen- und Geruchbildung, nun wieder ein Paradies für Schwimmer und Kanufahrer, wie ich hier berichtete. Die dazu passenden sommerlichen Temperaturen sind für nächste Woche gemeldet.

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    Nach der Frühjahrstrockenheit haben sich die Weinberge durch die Juniregenfälle gänzlich erholt.  Äußerst vital sehen die Reben aus, als ob es keine Trockenperiode gegeben hätte.

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    Die sommerlichen Hauptarbeiten sind fast gänzlich erledigt und nun kommt eine arbeitsruhigere Zeit. Gelegenheit die Maschinen zu warten, die Böschungen am Vorgewende zu mähen, Wege zu säubern und den Müll anderer wegzuräumen, der bewusst in der Landschaft entsorgt wird. Wenn ich mal einen dieser Landschaftsvermüller in die Finger kriege…

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    Die Rebblüte ist nicht so optimal verlaufen. Durch den Wassermangel sind nicht alle Beeren befruchtet worden. Wir haben größtenteils lockerbeerige Trauben hängen. Feuchtigkeit kann gut verdunsten und die Beeren drücken sich nicht gegenseitig ab, so das die Traubenfäule während der bald einsetzenden Reife weniger Chancen hat.

    Ein sehr hoher Blütenansatz und die gute Wasserversorgung der Böden zum Zeitpunkt des Beerenwachstums lassen auf eine sehr gute Erntemenge hoffen. Der Vegetationsvorsprung von ca. drei Wochen zur Zeit der Blüte dürfte durch das kalte Juliwetter kleiner geworden sein. Für die Aromaausprägung des Rieslings ist dies sehr vorteilhaft. So verschiebt sich die Reifephase nach hinten. Als cool climate Pflanze braucht der Riesling kühle Nächte in der Reifephase, um Aroma zu bilden.

    Die Vorzeichen sind gut, sehr gut!  Natürlich kann immer noch etwas schief gehen. Unwetter oder ungünstige Wetterbedingungen, die die Erntemenge oder die Qualität bedrohen, kann es noch in den letzten Wochen bis zur Ernte geben. Ich möchte nicht orakeln wie andere, die schon einen Spitzenjahrgang ausrufen.

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  • Rotweinprobe

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    Spannend hörte sich die Einladung an: Weine von 4 Kontinenten – Weine aus 15 Ländern – Weine von 30 Rebsorten. Jeder Wein hatte einen Steckbrief, aus dem weitere Informationen über den Wein und das jeweilige Anbaugebiet hervorgingen. Gemeinsam wurden die einzelnen Weine probiert, besprochen und diskutiert. Ein reger Wissenstauch fand unter den Verkostern statt.

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    Es handelte sich mehrheitlich um Basisweine, einfachste, günstige Weine für jeden Tag. Spitzenweine befanden sich ebenfalls darunter, die dann sehr ausgiebig degustiert wurden. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten, wie man der Mimik vom Gastgeber Albrecht Eggert vom Weingut Caspari entnehmen kann.

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    Diesen Wein fand ich persönlich am interessantesten. Erinnerte mich am meinen Sohn, der in Brasilien einen Sozialdienst ableistet und dem ich hiermit viele Grüße schicke.

  • Im Land der Riesenweingläser

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    Mit Freunden wurde in den letzten Tagen ein kleine Wanderreise an die südliche Weinstraße unternommen. Bemerkenswert die Trinkgefässe, bzw. Weingläser die zum Einsatz kamen. Während wir bei den Wanderungen durch den Pfälzer Wald und die Weinberge stets darauf bedacht waren, stilvolle Weingläser zu benutzen und auch sicher zu transportieren, gab es abends beim Vesper die regionaltypischen, traditionellen Trinkgefäße.

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    Das sogenannte Dubbeglas, ein Schoppenglas mit einem halben Liter Fassungsvermögen. Der Innbegriff für die Verzahnung von Trink- und Lebenskultur. Wein als alltägliches Getränk und nicht als abgehobener Luxus. Heutzutage vornehmlich für Weinschorle gebraucht, wobei dann am Mineralwasser gespart wird.

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    Die Krönung ist der Rhodter Piff, ein Weinglas mit sage und schreibe einem Liter Inhalt. Wird natürlich nicht alleine getrunken sondern in der Gruppe geleert. Wird auch als Trollschoppen bezeichnet. Der letzte Schluck oder Schoppen in der Runde bevor man sich nach Hause „trollt“, falls man noch gehen kann.

  • Rieslingkonzentrat: Mosto Cotto

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    Wir haben im letzten Jahr ein Neues Projekt gestartet: Während der Weinernte wurde fleißig eingedampft und heraus kam ein Rieslingkonzentrat, das ich zum Anlass nahm, mich zum Öchslekönig zu küren.

    Die Rede ist von unserem neuen Projekt der Riesling-Balsamessigherstellung. Der Balsamessig ruht seit Oktober vergangenen Jahres in kleinen Holzfässern und braucht noch etliche Monate Reifezeit.

    Das Rieslingtraubenkonzentrat, ein Vorprodukt der Balsamessigherstellung, können Sie jetzt schon erwerben. Es wurde im Herbst schonend auf sehr kleiner Flamme eingedickt und hat dunkelbraune Farbe.

    In Italien als Mosto Cotto oder Saba bekannt. Der Rieslingtraubensirup ist geeignet zum süßen und aromatisieren. Der aromatische, fruchtig-karamellige Geschmack passt hervorragend zum Verfeinern von Suppen, Soßen, Desserts, Salaten und ist perfekt bei überbackenem Ziegenkäse. Nicht nur die Süße ist die Stärke, die Aromatik stellt alle anderen Sirupe in den Schatten.

    Die alten Römer verwendeten ihn schon: sapa (defrutum, caroenum): angenehme Farbe, riecht gut und schmeckt süß. Hierzulande in Vergessenheit geraten und nun von uns wiederentdeckt. Natürlich aus Riesling, wir können ja sonst fast nichts anderes.

    Die Bestellmöglichkeit  finden Sie hier.

  • Sorgen

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    Während es sich bei dem derzeit herrschenden Hochdruckwetter mit Sonnenschein und blauem Himmel herrlich auf der Terasse bei einem Glas Moselriesling sitzen läßt, mache ich mir große Sorgen.

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    In einigen Weinbergen fängt die Begrünung schon an zu welken. Die Begrünungen sehen mickrig aus. Das Bodenwasser wird so langsam knapp und die Reben haben erst gerade begonnen zu wachsen. Die letzte Woche gemeldeten Gewitter sind ausgeblieben, morgen soll es sogar Bodenfrost geben, der in tieferen und weniger guten Weinlagen vielleicht zu Schäden führen kann.

    Gegenüber dem langjährigen Mittel sind ca. 70% weniger Niederschläge in diesem Jahr gefallen. Da wünscht man sich, das das diesjährige Januarhochwasser gleichmässiger übers Jahr verteilt wäre.

    Das Vegetationsjahr fängt mal wieder spannend an.

    Nachtrag 04.05.2011:

    Heute morgen gab es einen Spätfrost, der zu bedeutenden Schäden führte, siehe Kommentare zu diesem Artikel und ein Bericht von Dirk Würtz zu diesem Schadensereigniss.

  • Muß das sein?

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    Die erste Plastikweinflasche ist mir über den Weg gelaufen. Ich berichtete hier schon vor einiger Zeit über dieses Behältniss. Es ist zwar nicht der Untergang der Weinkultur, für die Qualität des Weines auf jeden Fall abträglich.

    Die hohe Gasdurchlässigkeit ist ein Problem. Sauerstoff rein, dazu noch die Düfte aus der Lagerumgebung der Flasche, Weinaromen können zusätzlich durch den Werkstoff abgebunden werden. Über Weichmacher und sonstige Chemikalien können sie sich hier und hier sachkundig machen. Die Ökobilanz wird immer schön geredet, genaue Zahlen gibt es fast nicht in der Öffentlichkeit.

    In der gestrigen Ausgabe des deutschen Weinmagazin fand sich passenderweise ein Fachartikel zum Thema CO2 Bilanzierung von Weingütern aus dem ich kurz zitieren möchte: „…CO2 Ausstoß bei der Produktion einer 400 gr schweren Weinflasche… mit etwa 200 gr. Bei der PET-Flasche lieger der Ausstoß etwa doppelt so hoch… “

    Der Einfachheit halber können sie weitere Informationen über den CO2 Ausstoß hier oder hier nachlesen.

    Obige Flasche brachte mein Freund Michael, Oberkellermeister, mit.  Eine Sonderfüllung für die Lufthansa. Dort hat dieses Plastikbehältniss aus Gewichtsgründen seine Berechtigung. Der Wein, frisch gefüllt, hat geschmeckt. Aber wie schmeckt der Wein in einigen Tagen, Wochen, Monaten?