Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wein

  • Wertigkeit

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    Als mein Kollege Thomas seine jetzige Lagerhalle gekauft hatte, fand er einen alten Weinprobenkoffer der dort damals ansässigen Weinkellerei. Dieser diente einem Weinkommisionär für den Weinverkauf an Weinhändler. Die Doppelwandigen Glasisolierbehälter fassten gerade mal einen viertel Liter. Mehr wie ein kleiner Probenschluck gab es nicht für den evtl. Käufer und auf dieser Basis wurden die Geschäfte getätigt.

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    Dem Etikett zu entnehmen, enthielt diese Flasche einen 1934er Riesling Reiler Moullay-Hofberg für sage und schreibe 1,20 Reichsmark pro Liter. Dies entspricht einer heutigen Kaufkraft von 4,00 EURO. Kein Wunder, das die Probeflaschen so klein waren. Der Wein hatte damals noch eine hohe Wertigkeit, finanziell und kulturell.

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    Heute leider zu einem Produkt verkommen das billigst im Discounter verramscht wird.  Die Qualität soll mit Analysen und Zertifikaten belegt werden und der Geschmack, falls vorhanden, wird ebenfalls durch diese Institute als vorhanden bestätigt. Könnte es sein, das früher alles besser war?

  • Internationale Steillagenweinprämierung

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    Heute war die Preisverleihung für den Internationalen Bergweinwettbewerb auf der Marienburg bei Pünderich. Der Organisator ist Cervim, das internatioale Forschungs- und Studienzentrum zur Pflege und Förderung des Steillagenanbaues mit Sitz im Aostatal in Italien.

    Unsere Qualitätsarbeit in den Steillagen wurde mit zwei Ehrendipolmen für unsere beiden 2008er Spätlesen gewürdigt.

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    Nach Grußworten und Preisverleihung konnten wir alle deutschen Siegerweine verkosten und gegenseitig die prämierten Qualitäten vergleichen.

  • Tanz auf der Zunge, Nachbericht

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    Die gestrige Jahrgangspräsentastion unseres ECOVIN Regionalverbandes war ein voller Erfolg. Es war teilweise brechend voll im Ballsaal des Weinromantikhotels Richtershof in Mülheim. Das Interesse am neuen 2008er Jahrgang war sehr groß und die Resonanz der Besucher auf die vorgestellten Weine positiv.

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    Die Küche des Hotels  versorgte das Publikum mit Bio-Imbiss auf fliegenden Tellern aus der Restaurantküche.

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    Im Garten stellte die Künstlerin Mana Binz Ihr Kunstwerk “Welten im Wein“ vor. In hochformatigen Bildern aus Glas spiegelt das Werk die imaginative und lustvolle Wirkung des Weingenusses. Das Werk ist das erste nachwachsende Kunstwerk dieser Art. Es wurde als Projekt für die Weinkultur in 2008 begonnen. Die ersten vier Bildfindungen wurden im letzten Jahr auf der Jahrgangspräsentation 2007 von ECOVIN gezeigt. Das Kunstwerk soll auf insgesamt 49 Bilder heranwachsen.

  • Tanz auf der Zunge

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    Unsere alljährliche Jahrgangpräsentation von ECIVIN Mosel-Saar-Ahr e.V. Im Gegensatz zu den Vorjahren schon im Mai und an einem Neuen Ort.

    Unter dem Motto Tanz auf der Zunge findet die Veranstaltung im Jugendstil-Ballsaal des Weinromantikhotel Richtershof statt. Es stehen die Bio-Weine des Jahrgangs 2008 zur Probe bereit. Am Samstag, den 9. Mai von 14.00 bis 20.00 Uhr sind Weinfreunde aus Nah und Fern eingeladen, die Weine mit allen Sinnen zu erleben und mit ihren Machern in den Austausch zu gehen.

    Für interessierte Weinblogger gibt es noch Pressekarten. Bitte bei mir melden, damit ich die Karten an der Tageskasse hinterlegen kann.

    09.05.2009
    14.00 Uhr bis 20.00 Uhr

    Relais & Châteaux Weinromantikhotel Richtershof

    Hauptstraße 81-83, 54486 Mülheim/Mosel

    14 Weingüter von Mosel, Saar und Ahr präsentieren ihren neuen Jahrgang

    24.- Euro Eintritt
    Kontakt: Ecovin Mosel trossenwein@web.de 06532/2714

    Die vollständige Pressemitteilung gibt es hier.

    Die Liste der teilnehmenden Weingüter hier.

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    Dazu die lustvolle bacchantische Glaskunst von Mana Binz und Bio-Imbiss auf fliegenden Tellern aus der Restaurantküche.

  • Seltsam

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    Ein seltsames Weinprobierglas bekam ich geschenkt. Die Ausbuchtung ist nicht dazu da schlechten Wein wegzugießen. Es ist eine Aussparung für die Nase, die dadurch tiefer in das Weinglas ragt und das Bouquet besser wahrnehmen soll. Eher lustig als gebrauchstauglich. Die Kuppa ist viel zu klein um den Duft einzufangen. Da hilft auch die Aussparung am Glas nichts.

    Ich bevorzuge größere Gläser wie diese hier. Daumenbreit Riesling ins Glas, der Duft sammelt sich in der Drittel Liter großen Kuppa und lässt sich gut abriechen.

  • Füllvorbereitungen

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    Die kalten Tage in den letzten Wochen haben wir genutzt um unsere Weine zu filtrieren. Idealer geht es nicht. Da der Weinkeller sehr kalt war, wird die gärungseigene Kohlensäure bei der Filtration nicht zum Ausgasen gebracht und die Fruchtaromen werden ebenfalls geschont. Die niedrigen Temperaturen lassen zudem die Weinsäure als Weinstein auskristallisieren und der Wein ist Weinsteinstabil. Unser Kollege Berhard Fiedler berichtet ebenfalls über dieses Thema.

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    Wie in jedem Jahr findet nach der Filtration eine Finalprobe mit Freunden und Kollegen statt.  Die Weine standen gestern Abend alle auf dem Tisch und wurden gegeneinander probiert, diskutiert und bewertet. Eine wichtige Hilfe bei unseren Entscheidungen. Zehn Nasen riechen mehr wie eine und der eigenen Betriebsblindheit wird vorgebeugt.

    Die ersten Weine sollen in der ersten Februarwoche abgefüllt werden und sind dann umgehend lieferbar.

  • Faßproben

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    Die ersten Faßproben zur Groborientierung wurden gezogen und probiert. Richtig lecker, die 2008er Rieslinge. Die Aromatik ähnlich dem 2007er und etwas leichter im Alkohol. Eigentlich war ja auch nichts anderes zu erwarten, wenn man sich an die schönen Trauben bei der Weinernte erinnert.

    Noch sind die jungen Weine hefetrüb und das Bouquet hat sich noch nicht richtig entfaltet. Wir freuen uns schon darauf, wenn die Weine in den nächsten Tagen filtriert werden und wir mit unseren Freunden anschließend die Weine verkosten. Die Abfüllplanung wird dann umgehend in Angriff genommen.  In der ersten Febraurwoche sollen voraussichtlich die ersten Weine gefüllt werden.

  • Die Sache mit dem Plop: Stimmungsmache

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    Stimmungsmache ist in den Medien angesagt. Der Naturkork wird immer wieder niedergemacht und dem Schraubverschluss  nur positives nachgesagt. Da werden schon mal die Naturwissenschaften vergewaltigt bemüht und orakelt behauptet, dass durch den osmotischen Druck einer Trockenbeerenauslese der Kork wegschrumpeln kann. Die vermeintlichen Korkgeschmacksquoten werden heillos übertrieben. Es werden Zahlen mit über 30% Korkgeschmack aus dem blauen Himmel gegriffen. Eine Hetzjagd auf dieses Naturprodukt und Ihre Verwender wird gestartet und die Schraubverschlusswinzer werden in den Weinhimmel gelobt.

    Nicht, dass ich Werbung für den Korken machen möchte, aber mich stören diese einseitigen dümmlichen und stimmungsmachenden Berichte. Auch andere stört diese Einseitigkeit.

    Es ist gut, dass es auch andere Verschlüsse für Weinflaschen gibt. Ich berichtete hier über die verschiedenen Verschlüsse . Aber der Reihe nach.

    Bis zur Jahrtausendwende hatte die Korkindustrie quasi eine Monopolstellung beim Wein und gab sich wenig Mühe mit Qualitätsmanagment. Durch den Druck des Marktes hat sich hier ein gewaltiger Wandel vollzogen, auch Dank der alternativen Verschlüsse, und die Qualität der Korken ist sehr stark angestiegen.

    Auch sind viele Winzer, die sehr hohe Reklamationsquoten hatten, auf andere Verschlüsse umgeschwenkt. Darunter viele Kollegen, die immer nur den billigsten Müll als Verschluss genommen hatten. Wenn Tannenzapfen billiger gewesen wären, dann wären auch diese verwendet worden.

    Ein erstaunliches Phänomen gibt es aber immer noch: Etliche Winzer haben trotz Schraubverschluß oder Plastikkork immer noch Korkgeschmack! In meiner Lehrzeit als falscher Korkgeschmack bekannt.

    Ich möchte hier aus einer Untersuchung der Agrarberatung Mosel zitieren:

    „Mit der Verwendung von alternativen Flaschenverschlüssen müsste der lästige „Korkgeschmack“ eigentlich endgültig der Vergangenheit angehören. Allerdings besteht seit langem der Verdacht, dass der „Korkgeschmack“ auch durch andere Ursachen als durch kontaminierte Korken hervorgerufen werden kann..

    …Um Holz und Kartonagen dennoch gegen Mikroorganismen, vor allem gegen Zelluloseverwerter wie Pilze zu schützen, wurde alternativ 2,4,6-Tribromphenol (TBP) angewandt. Der Stoff wirkt ebenso wie das PCP als Fungizid und zusätzlich als Flammschutzmittel. Wegen der feuerhemmenden Wirkung des TBPs werden auch Kunststoffe und Anstrichfarben damit versetzt. Leider kann aus dem TBP unter bestimmten Umständen ein Molekül namens 2,4,6-Tribromanisol (2,4,6-TBA, TBA) gebildet werden. Sensorisch wird die Substanz mit Attributen wie „muffig, erdig, chemisch, nach Lösemitteln riechend“ beschrieben…

    …Ende 2004 schilderte ein Hersteller von Kunststoffstopfen einen Fall, bei dem Kunststoffstopfen in einem Schiff aus den U.S.A. nach Europa transportiert wurden und bei der Ankunft eindeutig muffig rochen. Nach den durchgeführten Laboranalysen tellte sich heraus, dass die Ursache des „Korkgeschmacks“ 2,4,6-TBA war. Recherchen des Herstellers ergaben, dass kurz vor dem Auslaufen die Laderäume intensiv mit einem Dampfstrahler gereinigt wurden. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die mangelhafte Belüftung schuf optimale Lebensbedingungen für die Mikroorganismen, die während der Schiffsreise aus dem TBP TBA bildeten. Nachgewiesen werden konnte das TBA im Holzboden und im Wandanstrich der Container.TBA ist wie TCA und andere unpolare Stoffe in Kunststoffen hervorragend löslich und wurde deshalb in den Verpackungsfolien der synthetischen Korken angereichert. Weil die synthetischen Korken ebenfalls aus Kunststoff bestehen, wanderte das TBA durch die Kunststofffolie und reicherte sich auch in den synthetischen Korken an…

    ..Die analytische Untersuchung der Weine ergibt aber keine Belastung durch TCA aus den Korken, sondern eine intensive Kontamination mit TBA. In weiteren Untersuchungen kann TBA auch in anderen Materialien dieses Kellers nachgewiesen werden, unter anderem in Filterschichten und Kunststofffolien…

    …Möglichkeiten der Kontamination. Durch eigene Untersuchungen des DLR Mosel in den letzten Jahre konnten TBA nachgewiesen werden in :
    – Kunststoffstopfen
    – Filterschichten
    – Holzpaletten
    – Kartonagen
    – Kunststoffumverpackungen
    – In den Kunststoffdichtungen von
    Kronkorken (Sektgrundweine)
    – In den Kunststoffdichtungen von
    Schraubverschlüssen.“

    Zum weiterlesen oder vertiefen: DLR Mosel

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    Das Thema Ausläufer kann auch nicht gänzlich vernachlässigt werden. Folgend noch weitere Zitate:

    „…Die Flaschen werden nach dem Verschlussvorgang nicht sorgfältig genug behandelt, hier ist insbesondere das leider viel zu oft beobachtete „Werfen“ der Flaschen in die Gitterbox zu nennen. Dadurch kann die Dichtung beschädigt werden…

    …Auch bei Schraubverschlüssen bietet die stehende Lagerung Vorteile. Neben der Reduzierung von Ausläufern…

    Weil das Flaschenglas bei Schraubverschlüssen im Mündungsbereich dünner ist als bei Flaschen für innenabdichtende Verschlüsse, gibt es hier mitunter Probleme. Ein großer Teil der Reklamationen wegen Ausläufern geht auf Risse im Mündungsbereich der Flasche zurück. Um ein perfektes Abdichtverhalten zu ermöglichen, muss das Schraubgewinde frei von Rissen sein.“

    Quelle: Der Deutsche Weinbau

    Daraus ergeben sich weitere Probleme:

    Im Idealfall sollten die Flaschen stehend gelagert werden damit die Schraubverschlüsse nicht gegeneinander schlagen und der Verschluss damit undicht wird.  Das bedeutet für das Weingut, dass  ein ca. 30% höherer Lagerraumbedarf gegenüber liegenden Flaschen besteht. Dieser kostet natürlich einiges an Geld.

    Die Anfälligkeit der Flaschenmündung für mechanische Beschädigungen ist um einiges höher wie bei innenabdichtenden Verschlüssen (Naturkork, Plastikkork). Mehrweg ist dadurch ausgeschlossen und die Ökobilanz freut sich nicht.

    Apropos Ökobilanz, folgend noch zwei links zu diesem Thema: Nabu und save miquel

    Über Migration von Plastikbestandteilen der Dichtungsmasse in den Wein oder andere unangenehme Sachen könnte ich auch noch schreiben, aber ich belasse es beim bisher geschriebenen.

    Nein, ich habe nichts gegen alternative Weinflaschenverschlüsse. Es ist sogar sehr gut, dass es sie gibt. Ich wollte nur Beispielhaft aufzeigen, dass diese Verschlussdiskussion viel komplexer ist, wie sie in den Medien dargestellt wird oder ich sie hier darstellen kann.

    Da jedes Ding zwei Seiten hat, haben wir uns beide Seiten angesehen und den unter unseren Gegebenheiten optimalen Verschluss gewählt.  Für unser Weingut heißt das Naturkork. Unsere Kunden und wir können damit sehr gut leben und bei den von uns verwendeten Korken ist die Quote an Korkschmäckern sehr, sehr gering.

    Ich habe etwas dagegen, wenn Weintrinker aufgrund einseitiger und falscher Berichterstattung total verunsichert werden. Es ist fast Alltag bei uns im Weingut, dass Kunden, bevor sie dem Winzer die Hand zur Begrüßung geben, schon nach den verwendeten Verschlüssen fragen um daraus Rückschlüsse zu ziehen.

  • Nicht nachdenken! Hauptsache nachgeplappert…

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    Ohne nachzudenken wird hier, hier und hier von der „Journaille“ über Wein in Plastikflaschen berichtet. Kritiklos werden Pressemeldungen von Unternehmen übernommen. Einfach so nachgeplappert. Ebenso nachgeplappert wird ein Testergebnis der Stiftung Warentest über Geschmacksbeeinträchtigungen bei Mineralwässern in der Pet-Flasche. Dabei steht es sogar auf Mineralwasserflaschen drauf, das Geschmacksbeeinträchtigungen möglich sind. Man muss nur des Lesens und Denkens fähig sein, sich eine Meinung bilden und einen mal kritischeren Beitrag schreiben.

    An der guten alten, absolut geschmacksneutralen, Glasflasche führt beim Wein kein Weg vorbei, wenn man hochwertige Weine zum Verbraucher bringen will. Zudem sehr gut recycelbar oder im Idealfall wieder befüllbar. Der einzigste Diskussionspunkt ist dann nur noch der Verschluss, aber davon ein andermal mehr.

  • 2006er

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    Dieser Tage verkosteten wir einige 2006er Rieslinge mit Freunden und hatten jede Menge Spaß dabei. Im Gegensatz zu den immer noch sehr jugendlichen 2007er Rieslingen einiges reifer schmeckend, das Bouquet intensiver und subtiler. Der Riesling braucht im Gegensatz zu anderen Rebsorten etwas mehr Zeit um zu reifen und um seine Aromatik zu entfalten.

    Teilweise schade, dass die Weine zu früh getrunken werden und immer nur der letzte Jahrgang im Weingut nachgefragt wird.