Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Weinkeller

  • Zipfelmützenwetter

    Gestern während dem Abfüllen ein Anruf: „Es soll morgen schneien, können wir die Flaschen noch heute vorbei bringen?“. Kein Problem, eine Stunde später waren die für heute georderten Flaschen geliefert. Gut, dass im Büro meines Flaschenlieferanten ein Hobbymeterologe sitzt, der auch während der Arbeit auf die Wettervorhersage schaut. Heute massivstes Schneetreiben beim Blick aus dem Weinkeller, die andere Moselseite nicht zu sehen.

    Wären die Bouteillen gestern nicht geliefert worden, heute wäre für den Lieferwagen kein durchkommen gewesen, zumindest in unseren steilen Hof. So kann nun morgen abgefüllt werden.

    Letzte Woche hatten wir warmes und schönes Frühlingswetter, aber im Weinkeller sind immer noch eisige Temperaturen.

    Für den Wein ist das sehr gut! So können wir aromaschonend Abfüllen.

    Als Bekleidungsstück ist die Zipfelmütze zum Wärmen obligatorisch. Chefin Marita mit einem modischen und schicken Mützchen stellt die leeren Flaschen auf die Abfüllmaschine und beaufsichtigt diese.

    Unser Sohn entnimmt die gefüllten Flaschen vom Band und legt sie in Gitterboxen. Der Winzer selbst führt die Aufsicht, ist für Flaschenzufuhr und -abfuhr zuständig, schaut nach den Weinfässern und macht nebenbei noch Fotos für die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß.

  • Neues „Spielzeug“

    Winterbedingt war der Weinkeller und die Neuen Weine in den letzten Wochen stark abgekühlt. Optimal um in den letzten Tagen die Jungweine zu filtrieren. Frieren für die bessere Weinqualität und für spritzige Moselrieslinge, wie ich hier schon einmal über die Aromaschonung schrieb.

    Die Holzfassreinigung haben wir dieses Jahr optimiert. Bisher hatten wir eine modifizierte Rohrreinigungsdüse an der Lanze des Hochdruckreinigers. Die Lehrlinge durften dann  diese Lanze im Fass hin und her bewegen. Ohne Bewegung keine Reinigung. Man merkte an der Reinigungsqualität  die Agilität des Azubis. Leider, oder vielleicht besser  Gottseidank, verstopften sich unwiderruflich die Bohrungen der Düse. Zu den alten Methoden der Holzfassreinigung wollte ich wegen des hohen Wasserverbrauches nicht zurück. Also auf die Suche gegangen.

    Behälterinnenreiniger, Orbitalreiniger, Fassinnenreiniger und sämtliche Abwandlungen dieser Suchbegriffe in die Internetsuchmaschine eingegeben. Fündig wurde ich schnell, aber entweder zu groß um es in ein Spundloch einzuführen, schlicht überdimensioniert oder preislich jenseits von gut und böse. Weiter gesucht und fündig geworden, am Telefon nachgefragt und mittlerweile ist mein Neues „Spielzeug“ seit einigen Tagen im Einsatz.

    Heisst IVAT 30, passt in jedes noch so kleine Spundloch, ist leicht und bezahlbar. Und es macht Spaß! Einfach oben ins Fass, Hochdruckreinger anschließen, einschalten und dann den Getriebemotor drehen lassen. Binnen kürzester Zeit säubern zwei rotierenden Düsen das Fass!

    Damit Sie sich das bildlich vorstellen können, hier ein Video. Der Reiniger ist zwar etwas größer, funktioniert aber nach dem gleichen Prinzip.

  • durchsoffen

    Nein, nicht besoffen, sondern durchsoffen! Dieses Wort und seine Bedeutung dürften den wenigsten bekannt sein. Hat nichts mit Trunkenheit oder ähnlichen Exzessen zu tun. Es ist schlicht und einfach ein Weinfehler, der sich ganz langsam entwickeln kann. Für den Weintrinker, der später davon eine Flasche trinkt, nicht bemerkbar!

    Es beginnt ganz langsam. Man zieht eine Probe aus dem Fass für eine Analyse oder um den Neuen Jahrgang in Ruhe zu probieren – der Neue 2012er wird übrigens richtig gut – und das Fass ist nun nicht mehr Spundvoll. Das so entstehende Luftpolster würde der unerwünschten Oxidation Vorschub leisten und das feine Aroma schädigen. Deswegen werden regelmäßig die Fässer beigefüllt bis sie spundvoll sind. Mindestens mit einem gleichwertigem Wein oder einem qualitativ höherwertigem. Dabei kann es mitunter zu diesem Weinfehler kommen.

    „Durchsoffen: Diesen Fehler kann ein großer Wein (Spitzenwein) z.B. aufweisen, wenn er wegen seiner besonderen Qualität zu oft verkostet wird und das Gebinde immer wieder mit einem geringeren Wein aufgefüllt wird…. „

    Ernst Klenk, Weinbeurteilung, Ulmer Verlag 1950

    Eigentlich logisch. Der Winzer und seine Freunde probieren natürlich sehr gerne den besten Wein im Keller und da nichts gleichwertiges oder besseres zum Beifüllen des Fasses da ist, sinkt ganz langsam die Weinqualität durch das beifüllen mit einem geringeren Wein. Heute nicht mehr das große Problem. Es gibt mittlerweile sogenannte Immervolltanks, in denen ich in der Regel die besten Weine vinifiziere. Es sind runde, nach oben offene Tanks. Nach der Befüllung wird ein sogenannter Schwimmdeckel auf die Weinoberfläche gelegt. Ein Luftschlauch (Fahrradschlauch aus Silikon) der rundum an diesem Deckel befestigt ist, wird aufgepumpt und presst sich an die Behälterwand.  So ist der Tank, egal wie hoch der Wein in diesem steht, immer voll und dieser Weinfehler bei uns unbekannt.

     

  • Erwartungsgemäß

    In den letzten Tagen wurden die ersten  jungen Weine von der Grobhefe, die sich am Faßboden abgesetzt hat, abgezogen. Der junge Wein reift nun mit der Feinhefe weiter.

    Wenn ich zitieren darf:

    “Der Abstich der Weine ist nicht nur ein Fasswechsel, sondern eine der Notwendigkeiten in der Kellerwirtschaft, deren Bedeutung für Ausbau, Haltbarkeit und Wohlgeschmack der Weine  man meist nicht besonders herausstellt. Für sich genommen ist der Abstich das Umfüllen eines Weines aus einem Behälter in den anderen, unter gleichzeitiger Abtrennung des Trubes. In Verbindung mit Schwefeln, Lüften, Schönen oder Klären und bei Zeitgerechter Durchführung ist er aber eine der grundsätzlichen Maßnahmen zur Beeinflussung des Weinausbaus.”

    Handbuch der Getränketechnologie von Gerhard Troost

    Natürlich wurde auch probiert. Wir können sehr zufrieden sein. Es ist eingetroffen, was ich schon vor der Weinernte prognostiziert hatte. Die kühleren Nächte während der Reifephase haben erwartungsgemäß zu einer sehr guten Aromaausprägung geführt. Die noch hefetrüben Rieslinge machen schon richtig viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines bei jeder Menge Trinkspaß.

  • dickflüssig

    Zunehmender Beliebtheit erfreut sich unser Mosto Cotto, über den ich schon mehrfach berichtete. Heute musste wieder abgefüllt werden. Da dieses Rieslingtraubensaftkonzentrat sehr dickflüssig ist, ist die Abfüllung mit einer für den Winzer normalen Abfüllanlage, ob groß oder klein, nicht möglich. Mittels eines Glasballons mit Auslaufgarnitur wurden die Flaschen gefüllt. Damit die Füllhöhe in den dunklen Flaschen genau eingestellt werden konnte, wurde eine Leuchte montiert. Sieht vielleicht etwas provisorisch aus, erfüllt aber bestens und günstig seinen Zweck. Leider langweilig für den, der die Flaschen füllte: Es dauerte lange, bis die Flaschen voll waren, insbesondere bei den kalten Kellertemperaturen, bei der der Mosto Cotto noch dickflüssiger ist.

    Meine Empfehlung: Überbackener Ziegenkäse! Gibt dem warmen Käse den letzten geschmacklichen Pfiff und und würde obigen noch zusätzlich dekorieren.

  • Nebel

    Noch zweimal Nebel im Weinkeller, dann sind alle Weine abgefüllt: Morgendliches sterilisieren der Weinfilter und der Abfüllmaschine mit Heißdampf vor dem Abfüllen des 2011er Jahrgangs.

    Am Freitag sollen die Etiketten fertig gedruckt sein, unser shop hier auf der Homepage wird am Samstag aktualisiert, die Rohfassung der Weinliste ist auch schon fertig und wird am Samstag zur Druckreife gebracht. Briefmarken und Versandkuverts kamen heute per Post, evtl. wird die Weinliste schon am Wochenende eingetütet und ist Anfang nächste Woche in den Briefkästen meiner Kunden.

  • Reklame

    Ein Hinweis oder Reklame in eigener Sache. Unsere Basisweine, die Literflaschen,  haben wir in den letzten Tagen abgefüllt. Gibt es hier schon zu kaufen. Nach Karneval geht es weiter mit dem Abfüllen. In der ersten Märzwoche ist dann unser Sortiment mit dem 2011er Wein komplettiert. Die Weinliste wird dann anschließend per klassischer Briefpost mit einer echten Briefmarke verschickt. Nicht mit so einem Freistempel, der inclusive Briefumschlag direkt, ungeöffnet ins Altpapier fliegt. Eine klassische Reklame, die auch in Zeiten von Internet und Facebook bei uns im Weingut eine sehr wichtige Rolle spielt.

  • Eiswürfelwetter

    Wenn man den Wetterfröschen glauben darf, war heute die kälteste Nacht in der jetzigen Kälteperiode. Trotz der im letzten Jahr an den Fenstern angebrachten Vorsatzscheiben, findet man hin und wieder Eisblumen, die bizarre Muster auf den äusseren Fensterscheiben bilden.

    Bisher wurde es mir erspart bei diesen Temperaturen in den Weinberg zu gehen um das Zwiebelschalenprinzig, über das ich hier berichtete, zu testen. Im Weinkeller hat sich bisher noch genügend Arbeit gefunden und beim Etikettieren einer Kleinmenge Wein gabs es im ungeheizten Weinlager schon genug kalte Finger.

    Vorteilhaft ist das kalte Wetter auf jeden Fall für den 2011er. Der Keller kühlt ab! Die dann kalten Weine verlieren bei der bald erfolgenden Abfüllung viel weniger Gährungskohlensäure- und Aroma. Natürliche Aromaschonung, über die ich auch schon einmal schrieb.

  • Gestern und heute im Filter: Die besten Rieslinge aus 2011

    Zwei Tage problemloses filtrieren. Ich war richtig stolz, denn so problemlos hatte ich bisher noch nie filtriert. Bis gestern Nachmittag, aber dann…

    Es muß mit meinem Ökoriesling zu tun haben, anders kann ich es mir nicht erklären. Die wollen einfach nicht durch den Filter. Rasend schneller Druckanstieg bis hin zur Verblockung der Filtrationsschicht. Ärgerlich, wenn der Filter dann außerplanmäßig geleert und gereinigt werden muß. Es waren, Gott sei Dank, nur zwei Fässer, die diese Probleme bereiteten.

    Geschmeckt haben die Weine alle, bei den Besten habe ich natürlich mehrfach probiert.

    Der Weinstein, der sich in den Fässern abgesetzt hat, nimmt zuweilen bizarre Formen an.  Statt schöne Kristalle, wie in meinem vorgestrigen Blogeintrag, gab es heute stäbchenförmigen Weinstein zu bewundern.

  • Heute im Filter: Elbling

    Zur Zeit sind wir damit beschäftigt unsere Weine zu filtrieren. Heute wurde unser Elbling, eine alte autochthonte Rebsorte, durch den Kieselgurfilter geschickt. Gefällt mir, schmeckt einfach gut, frisch, fruchtig und unkompliziert. Anfang Februar soll er gefüllt werden und ist dann sofort in unserem shop erhältlich.

    Morgen kommen die besten Rieslinge dran. Ich freue mich schon darauf und werde sicherlich des öfteren probieren. Hoffentlich nicht zu oft…

    Beim 2011er setzt sich sehr viel Weinstein in den Fässern ab. Die Säure hat sich durch die  Abbindung der Weinsäure mit dem ebenfalls im Wein vorhandenen Kalium vermindert, so das die Weine etwas weicher im Geschmack werden.

    Mittlerweile ist auch die halbe Werkstatteinrichtung im Keller zu finden. Undichtigkeiten am alten Filter mussten abgedichtet werden, ein Weinschlauch platzte – erfreulicherweise liefen nur wenige Liter Wein aus – ansonsten macht der Filter seine Arbeit noch tadellos. Zwei Tage muss er in meinem Keller noch arbeiten, dann geht er zum nächsten Mitbesitzer. Ähnlich wie bei der Nachbarschaftshilfe gibt es die Maschinengemeinschaft. Weniger benutzte oder terminlich unabhängigere Maschinen werden gemeinschaftlich gekauft und eingesetzt, um Kosten für den einzelnen zu minimieren.