Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Kategorie: Wetter

  • Tribus Agrotini

     2015-04-19 Original 2009-04 HausBinnen weniger Tage ist bei den warmen Temperaturen die Natur förmlich explodiert. Alles ist gleichzeitig am ergrünen und die Obstbäume stehen in voller Blüte.  2015-04-18 Knospe2

    Auch die Rieslingreben sind kurz vor dem Austrieb, im sogenannten Wollestadium. Jetzt, bei den kühleren Wetterbedingungen stockt das Wachstum der Reben etwas. Leider!2015-04-18 Erdraupe

    Foto: Stefanie Vornhecke

    So haben die Knospenschädlinge wie diese Eulenraupe (Tribus Agrotini) mehr Zeit, sich satt zu fressen, bevor der Rebtrieb ihnen „aus dem Maul wächst“. Ich berichtete letztes Jahr schon darüber.

    Kollegin Stefanie Vornhecke berichtet in Ihrem Facebookaccount: Zurück von nächtlicher Jagd. Zwei Stunden, 4000m2 Weinberge abgegangen um Knospenschädlinge aufzuspüren. Rund 150 gefrässige Erdraupen und nur ein Rhombenspanner.“

    Macht ungefähr 400 Liter Wein aus, die nicht durch diesen Schädling als Minderertrag anfallen.

    Nur nächtens auf den Reben zu finden und bei diesem Gelegenheitsschädling ist nur mühsames Absammeln im Schein der Taschenlampe per Hand ist möglich. Die Alternative wäre Hühnerhaltung im eingezäumten Weinberg, aber das mit den Zäunen wäre nun doch zu arbeitsaufwendig.

  • dunstig

    2015-02-12 Nebel2

    Morgens ist das Moseltal bei fast frostigen Temperaturen mit Nebel gefüllt. Die Sonne braucht lange, bis dieser verschwunden ist. Aber dann, sobald der letze Dunst verflogen ist, wärmende Sonnenstrahlen, die mich beim Rebschnitt ins Schwitzen bringen. Der Frühling naht, langsam und sicher.

  • Endlich wieder…

    2007-12-22 RauhreifEndlich wieder Jahreszeitgemäß. Nach dem kurzen Wintereinbruch nach Weihnachten und den vergangenen warmen Wochen gibt der Winter endlich wieder sein Stelldichein. Frost in der Nacht und tagsüber knapp über null.

    2015-01-11 Rauhreif1

    Jetzt nur noch Sonne, damit das ganze etwas „aufgehübscht“ wird. So ähnlich wie vor drei Wochen, als die Frostgrenze genau oberhalb der Weinberge lag und der Wald weiß bestäubt war.

    Natürlich wäre es ideal, wenn es auch tagsüber in die dicken Minusgrade gehen würde. Wichtig wäre dies z.B. für die Reduktion der Wildschweine, die durch den vergangenen warmen Winter nicht in ihrer Populationsdynamik gebremst wurden. Das gleiche gilt auch für die Wühlmäuse, deren Wühlgänge zahlreich den Boden durchziehen.

  • wie ein nie endender Altweibersommer

    2014-10-26 Calmont

    Wir schreiben zwar mittlerweile November, aber auf das Wetter ist in diesem Jahr leider keinen Verlaß. Seit ca. einer Woche haben wir typisches Oktoberwetter, wie ein nie endender Altweibersommer. Das Reblaub, bei der Ernte noch giftig grün, hat mittlerweile die typische gelbe Herbstfärbung angenommen.

    Das farbenfrohe Schauspiel wird sicherlich nur noch wenige Tage andauern. Wer sich beeilt, kann es noch an der Mosel geniesen, z.B. am bei einer Wanderung duch den Bremmer Calmont , wo obiges Bild vor einigen Tagen entstand.

  • Weinernte 2014: Regenzeit

     2014-10-10 FreddyUnsere Erntemannschaft ist hoch motiviert. Kiste für Kiste Riesling wird sauber selektiert.2014-10-09 Frühstück2

    Beim zweiten Frühstück wird sich das passende Brötchen aus der Tupperdose ausgesucht – so ähnlich wie bei der Wundertüte, wenn der Deckel geöffnet wird: Überraschung! 2014-10-11 FrühstückNatürlich noch ein Schwätzchen und sich kurz erholt, bevor es wieder in den Weinberg geht. ……………………………………………………………………………………………………..2014-10-08 Riss1Es wäre alles noch schöner, wenn das Wetter mitspielen würde. Wie beim ersten Starkregen vor einigen Wochen, konnten wir letzten Freitag nach der ergiebigen Niederschlägen vom Mittwoch und Donnerstag wieder aufgeplatzte Beeren sehen. Gestern abend auch wieder ausreichend Wasser vom Himmel. Anne, eine unserer Erntehelferinnen die einige Jahre in der Entwicklungshilfe gearbeitet hatte, meinte nur „Regenzeit“. ………………………………………………………………………………………………………….2014-10-12 Riesling

    Rasent schnell macht sich im Moment wieder frische Fäulnis in den vorselektierten Weinbergen breit oder die Rieslingtrauben kollabieren regelrecht wie im obigen Bild.  Es ist alles andere als erfreulich. Dazu T-Shirtwetter und nahezu 100% Luftfeuchte. Keine idealen Bedingungen für unseren Riesling. Dazu der Regen, der aus den aufgeplatzten Trauben die Inhaltsstoffe auswäscht. Weiterer Regen ist für die Woche vorhergesagt. Wir geben Vollgas!

    Einige Tage noch… und dann ist Bestandsaufnahme beim 2014er.

  • Weinernte 2014: Es stinkt

    2014-10-08 Riesling Rohfäule

    Es stinkt und müffelt teilweise in den Weinbergen. Das kleine Problemchen ist erwachsen geworden und damit hat sich für uns einiges erledigt. Bei stark wachsenden Rebstöcken, also die mit den dicken Trauben und Beeren ist der Gammel so weit fortgeschritten, das teilweise ganze Rebstöcke nicht mehr abgeerntet werden können. Auch nicht mehr selektierbar. Ich habe noch nie so viele essigstichige Trauben beim Riesling gesehen gerochen.

    2014-10-08 Riesling gesund

    Aber nun zur Sonnenseite des Winzerdaseins: Wir haben haben noch viele, sehr viele Rebstöcke, die schwächer wüchsig sind, mit lockerbeerigen Trauben, mit Trauben, die durch den starken Regen von vor drei Wochen nicht aufgeplatzt sind. Dort lohnt sich das selektieren. Befallene Trauben werden geerntet, die negative Fäulnis auf den Boden geschnitten. Die verbleibenden Trauben sehen noch stabil aus, als ob sie noch Wochen hängen könnten zum Weiterreifen.2014-10-08 Erntekisten

    Im Vergleich zum letzten Jahr, als der zu erwartende Ertrag niedrig war und Wetterbedingt täglich weit nach unten korrigiert werden musste, sieht es dieses Jahr ganz anders aus. Die diesjährige Fäulnis hat bisher nur die Trauben betroffen, die durch den Regen Ende September aufgeplatzt sind. Es bleibt noch sehr viel für den Winzer übrig, wenn der in den vergangenen zwei Tagen reichlich gefallene Regen  kein weiteres Unheil für den Riesling bringt.

    Die erwartete Erntemenge ist im Moment immer noch sehr groß. Wir werfen einiges weg, haben nach der Vorlese immer noch vieles am Rebstock hängen und alle Erntekisten auf dem Anhänger sind voll.

  • Weinernte 2014: Das Problemchen ist erwachsen geworden

    2014-10-01 Schimmel

    Es ist alles nicht so einfach. Das kleine Problemchen, über das ich berichtete, ist erwachsen geworden. Bei den warmen Temperaturen wurde es sehr schnell kritisch, sehr schnell. Man kann förmlich zusehen, wie die aufgeplatzten Beeren sich verändern.

    Obiger Befall von Sekundärpilzen (Aspergillus, Trichothecium, Penecillinum) ist nicht das Problem. Werden bei der Handlese ausgesondert und weggeworfen.2014-10-01 Schwarzfäule

    Auch die schwarz verfärbten Beeren der Schwarzfäule – extrem bitter schmeckend und der Befall nicht vom jetzigen warmen Wetter abhängig – werden aussortiert. 2014-10-01 Essigfäule

    Ernst wird es erst, wenn die aufgeplatzten Beeren von Essigfliegen mit Essigbakterien infiziert werden. Auch noch kein Problem. Wird mittlerweile von der bestens geschulten Erntemannschaft sofort erkannt und auf den Boden geschnitten.

    Bislang mussten wir wenig auf den Boden fallen lassen. In den bisher vorgeernteten Weinbergen hängen jetzt nur noch gesunde Trauben. Hoffentlich lange noch!

    Aber die Entwicklung in den Weinbergen überholt uns. Rasend schnell!

    „Was dann am Samstag doch noch ganz gut aussah, hat sich in den letzten drei Tagen und Nächten doch dramatisch verändert.“ so Dirk Würtz in seinem Blog. „Jetzt passiert nämlich das, was nicht passieren soll – die Trauben reißen auf und fangen sofort an zu faulen.“ und nun haben wir das Problem.  Die Trauben fangen nicht nur an zu faulen, sondern viel schneller, rasend schnell sind die Trauben teilweise vermufft/pilzig riechend und weiß der Teufel was und nicht für die Weinbereitung geeignet.

    Ich verzichte jetzt auf Bilder.

    Nicht in allen Weinbergen sieht es so aus, aber die Situation wird bedenklich. Stellenweise ist eine vernünftige Selektion nicht mehr machbar und die Trauben bleiben vorausichtlich einfach hängen. Das beste mit nach Hause nehmen.

    Erinnert mich an die letzte Ernte, bei der wir sehr viel vergammelte Trauben hängen ließen und eine der kleinsten Ernten in unserer Weingutsgeschichte im Keller liegen hatten.

    Die alte Hassliebe: Wenns für den Winzer gut läuft ist es die Edelfäule, wenn es die negativ läuft steht Qaulität und Ertrag auf dem Spiel.

    Sie wissen schon, kalte Temperaturen und null Regen mit einem kalten Ostwind wünscht sich der Winzer!

    Ach so, bevor ich es vergesse: Der Saft schmeckt sehr gut und aromatisch, ebenso die gärenden Jungweine. Lohn harter Selektionsarbeit.

     

  • Weinernte 2014: Kleines Problemchen?

    2014-09-28 Riesling

    So sieht der Idealzustand aus, aber leider nicht überall. Der nasse August ist zu spüren. Der Regen vom vergangenem Wochenende noch mehr. 2014-09-28 RissDie Beeren sind bis zum platzen gefüllt. Die Beerenhäute sind sehr dünn geworden und reissen dann auf. Die Fäulnisserreger können nun ungehindert ihr Werk tun. Ich berichtete letztes Jahr schon einmal über die Problematik der Seneszenz und der dadurch entstehenden Problematik der Traubenfäule. Auch dieses Jahr bewahrheitet sich, das von der Fäulniss besonders die stärker wachsenden Reben betroffen sind.

    Hoffentlich gibt es nicht noch einmal ein solches Desaster wie im letzten Jahr, als die Ernte vor unseren Augen wegfaulte. Gut, dass wir dieses Jahr eine sehr große Erntemannschaft haben, denn der Selektionsbedarf wird sicherlich sehr hoch sein. Ich rechne mit einer schnellen Ernte und mit einer Katastrophe, wenn weiterer Regen kommt.

    Viele Kollegen berichten von der sehr schnellen Weinernte und von sehr aufwändiger Selektionsarbeit bei den frühen Rebsorten. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Südtirol und Österreich war aufgrund der hohen Regenmengen und dadurch bedingten Problemen eine schnelle Ernte nötig.

    Jetzt hilft nur der Wettergott, der uns das Winzerwunschwetter bringen soll: Trocken, trocken, trocken, ein kalter Ostwind, kalte Nächte und tagsüber unter 20 Grad. Der Riesling kommt mit diesem Wunschwetter und Wunschtemperaturen gut klar, lagert weitere Aromen in die Trauben ein und die Schadorganismen werden unter Kontrolle gehalten.

    Erntebeginn bei Riesling ist übermorgen. Leider mit kleinerer Mannschaft, da der Erntebeginn, schon vorausschauend am 22 Juli geplant, erst am 06. Oktober sein sollte und die große Mannschaft erst dann verfügbar ist. Wer Lust auf Weinernte hat: Am Dienstag, den 30 September  ist um 8.30 Uhr Abfahrt im Weingut.

  • Was der August nicht kocht, brät der September nicht mehr

     2014-08-16 Riesling

    „Was der August nicht kocht, brät der September nicht mehr“ so eine alte Bauernregel aus der Zeit vor der Klimaänderung. Gilt heute nicht mehr, da durch die Klimaänderung der Oktober auch noch kochen und backen kann – ich erinnere mich ungern an die kalten Finger bei der oktoberlichen Weinernte als ich noch ein Kind war  – . Durch das kühle Wetter konnten die Regenfälle in den vergangenen Wochen den Trauben nur sehr wenig anhaben. Fäulniss ist fast keine zu sehen.

    Leider sind für die nächsten Tage weitere Niederschläge gemeldet. 2014-08-16 Sauerwurm

    Selten sieht man den Sauerwurm, der sich in eine Beere hineinbohrt.  Die einzelne Beere fault und kann weitere Beeren mit Fäulniss infizieren. Das ist diese Geschichte mit „Schluß mit lustig“ bei der Sexualduftstoffe aufgehangen werden. Die Männchen des Traubenwicklers werden dadurch dermassen verwirrt, das sie die Weibchen nicht finden und ohne Sex keine Nachkommen und keinen Sauerwurm.

    Wie Sie auf dem obigen Bild sehen, hat das heiße Blütewetter die Trauben nicht optimal bestäubt. Zwischendurch immer eine kleine Beere, die nicht bestäubt wurde. Durch diese Lockerbeerigkeit wird verhindert, das faulende Beeren die umgebenden gesunden Beeren anstecken.

    Jetzt noch etwas höhere Tagestemperaturen – für den Riesling reichen 20 bis 25 Grad – nachts kanns wie bisher bleiben, der Aromaausbildung wegen, und trocken bis in den November hinein.

    Aber wie immer, das ist des Winzers Wunschdenken…

  • Boletus edulis

    2014-08-16 Steinpilze

    Boletus edulis, der gemeine Steinpilz.  Reichlich findet man davon im Wald. Ideales Pilzwetter durch den vielen Regen der letzten Tage und Wochen. Gut für die Pilzsammler, schlecht für die Trauben. Man hört immer öfter von Kollegen Klagen über beginnende Fäulnis im Weinberg. Erste Fäulnis habe ich auch schon in einem unserer Weinberge gesehen.

    „Wenn das nicht trocken wird, wird 2014 schlimmer als 2013… Wenn das trocken wird, wird alles gut“ so ein Kollege, dem ich mich voll anschließe und mir wünsche, das es trocken wird.

    Aber zurück zum Steinpilz: Sorgfältig putzen und in dünne Scheiben schneiden. In heißem Olivenöl die Pilze goldbraun braten. Knoblauch dazu, mit Salz und Pfeffer abschmecken, mit einem Schuss Riesling verfeinern. Der Rest der Flasche Riesling kann dann beim Essen dazu getrunken werden. Mit reichlich geschnittener Petersilie servieren. Ein Scheibchen Brot noch und Guten Appetitt!

    Die Pilze können Sie sich selbst suchen, Öl und Riesling gibt es hier.