Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Weinberg

  • Planierarbeiten

    2017-03-24 Planierraupe im Weinberg

    Ein Kollege plant die Neuanlage eines Weinberges in der Reiler Goldlay. Heute wurde planiert, damit die Bewirtschaftung des neuen Weinberges unter rationellen Gesichtspunkten erfolgen kann. Ist auch bei uns geübte Praxis. Jedoch rede ich bei meinen eigenen Planierarbeiten mit der kleinen Weinbergsraupe eher von Erde schubsen. Berg runter geht immer, bergauf gar nicht.

    Eine richtig große Raupe war im Einsatz, die sogar jede Menge Erde nach oben schieben konnte. Es war faszinierend zuzusehen, wie geübt der Fahrer das Gelände im Steilhang planierte.

    Ein kleines Video von Planierarbeiten im Steilhang finden Sie hier.

  • leichte Nachwirkungen

    2016-08-23-pero-stiel

    Der letztjährige Befall der Reben mit dem falschen Mehltau, ich berichtete hier, hat noch leichte – Gott sei Dank! – Nachwirkungen auf die kommende Ernte. Im Extremfall wurden nicht nur Blätter und Trauben befallen, sondern auch das Rebholz, das für den 2017er wichtig ist.2016-12-22-pero-holz

    Die Saftleitbahnen geschädigter Rieslingreben sind beim Anschnitt teilweise oder ganz vertrocknet, die Knospen, aus denen sich die neuen Rebtriebe und Trauben bilden sollen, zerstört.

    Beim Rebschnitt achten wir darauf, das keine beschädigte Fruchtruten angeschnitten werden. In der letztjährig gepflanzten Rebanlage wird der Rebtrieb zum Stammaufbau benötigt und es wird penibel darauf geachtet, dass dieser Rebtrieb gesund ist. Eine Teilschädigung der Saftleitbahnen verringert die Vitalität und die Lebensdauer der Reben.

  • Weinernte 2016: Orakel?

    2016-10-06-kristallkugel

    Foto: Ralf Scholze

    Vor der Ernte noch etwas orakeln, also in die Zukunft blicken. Den Blick in die Kristallkugel brauche ich nicht, dafür habe ich heute intensiv meine Weinberge besichtigt. Eher eine Prognose als ein Orakel.

    Die Trauben erfreuen sich allerbester Gesundheit und sie schmecken hervorragend. Dürfte auch für den Wein gelten, der daraus entsteht. Zudem ist kühles, trockenes Wetter vorher gesagt. Ideal für unseren Riesling. Zudem habe ich in etlichen Weinbergen mehr Trauben gesehen, als ich nach dem sommerlichen Befall mit dem falschen Mehltau (Peronospora) geschätzt habe. Im gesamten erwarten wir eine unterdurchschnittliche Ernte.

    Ganz entspannt werden wir am kommenden Montag, um 8.30 Uhr, mit der Weinernte 2016 anfangen. Wir freuen uns schon darauf!

  • Weinernte 2016: Qualität kommt von quälen

    2016-09-26-trockenheit

    Qualität kommt von quälen: Zuerst quält sich der Winzer das ganze Jahr im Weinberg, um die bestmöglichste Qualität in die Trauben zu bekommen und dann muss die Rieslingrebe auch etwas gequält werden, damit die Qualität besser wird.

    Mit quälen ist Stress gemeint. Vergleichbar wie beim Menschen: Bei moderatem Stress liefern wir bessere Arbeitsqualität. So auch der Riesling. Durch die seit Wochen herrschende Trockenheit stehen die Reben unter leichtem Wasserstress – sichtbar an den Blättern, die von der Sonne weggedreht sind – und geben ihr Bestmöglichstes für die Qualität.

    Langsames weich kochen, wie der Geheimrat J. W. Goethe schon bemerkte:

    „Der Wein will magere Nahrung an Bergen und viel Sonne haben, in der Plaine (Ebene) wird er schwer. Die Feuchtigkeit, die zudringt, kann nicht ausgekocht werden, es gibt einen ungeschlachteten Trank.“

    2016-09-22-riesling

    Die Trauben sind ausnahmslos gesund, lockerbeerig und kurz vor perfekt. Jetzt noch ein leichter Landregen, nur ganz leicht, so um die 20 Liter auf einen ganzen Tag verteilt, dann wäre es perfekt. Aber es ist besser, wenn ich mir keinen Regen wünsche. Denn, wenn Petrus mir diesen Wunsch erfüllen würde, gäbe es sicherlich reichlich, viel zu reichlich Regen und das wäre dann überhaupt nicht gut.

  • Fundsache

    2015-08-12 Patrone

    Erstaunlich, was man so im Weinberg findet. Dürfte sicherlich noch aus dem letzten Weltkrieg stammen. Ist in all den Jahrzehnten im Weinberg nicht gefunden oder nicht beachtet worden.

    Das gibt mir Hoffnung, dass ich die beiden Ballastgewichte vom Kettenschlepper, die ich vor einer gefühlten Ewigkeit verloren habe,  irgendwann wieder finden werde. Dringlicher wäre jedoch, die im Sommer verlorene Rebschere zu finden, bevor sie durch Rost funktionsuntauglich wird.

  • Wer hätte das gedacht…

    2016-08-25 Trockenheit

    Foto: Weingut Viermorgenhof

    „Wer hätte vor 6 Wochen gedacht, dass die Bewässerungsanlage in diesem Jahr noch mal in Betrieb genommen werden muss?“ schreibt  Kollege Daniel Molitor vom Weingut Viermorgenhof auf Facebook.

    Während wir im Mai und Juni fast abgesoffen sind, gepeinigt mit großen Erosionsschäden und dem falschen Mehltau, war der Juli und August bisher von Trockenheit geprägt. Die wenigen Liter Regen die fielen, waren nicht der Rede wert.

    Auf einigen, wenigen Standorten, also da, wo eine geringe Bodenmächtigkeit vorhanden ist, die Rieslingreben jung und ihre Wurzeln noch nicht tief gewachsen sind, sieht man Aufhellungen an den unteren Rebblättern.

    Erste Anzeichen von Wasserstreß.2016-08-25 Wasserwagen

    Foto: Weingut Viermorgenhof

    Wer nun die Möglichkeit hat, kann die Reben bewässern. Unser Kollege hat direkt bei der Neupflanzung der Reben eine Tröpfchenbewässerung im Weinberg installiert (oberes Bild, die schwarze Rohrleitung unterhalb der Laubwand). Nun kann er im Bedarfsfall bewässern. Das Wasser muss mit dem Anhänger – leider gibt es keinen Wasseranschluss im Rebberg – den Berg hinauf gefahren werden und läuft über ein verzweigtes Rohrsystem in die Tröpfchenbewässerung.

    Der Klimawandel hält uns Winzer dieses Jahr europaweit in Bewegung, gewaltige Spätfröste im April, Regen ohne Ende im Mai und Juni, Hagelunwetter im August und stellenweise beginnende Trockenheit. Ein Extrem jagt das andere…

  • Leichte Begleitschäden

    2016-08-04 EndpfostenLeichte Begleitschäden gab es bei den sommerlichen Arbeiten im Weinberg. Einige Metallpfähle in unseren Drahtrahmen wurden dieses Jahr mit dem Kettenschlepper umgefahren bzw. angefahren und sind verbogen. Leichte Fahrfehler, bedingt durch den hohen Arbeitsanfall mit aufkommender Hektik, haben dazu geführt. Normalerweise, bei sorgfältigen Bau der Drahtanlagen, hat so eine Unterstützungsvorrichtung für die Reben eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten ohne Reparaturen.

    Einige habe ich wieder geradegebogen, andere müssen im Winter ausgetauscht werden. Das Profil der Pfähle sorgt für die Stabilität, und sobald sie zu stark verbogen sind, sind sie nutzlos. Also Drähte von Pfahl lösen, den kaputten Pfahl aus dem Boden ziehen, einen Neuen einschlagen, die Drähte wieder an diesem befestigen und während der Arbeit den guten Vorsatz für den Sommer formulieren: Beim Raupe fahren aufpassen!

  • Hieracium aurantiacum

    2016-06-20 Habichtskraut2

    Hieracium aurantiacum, auch als Orangerotes Habichtskraut bekannt: Mein Lieblingsunkraut Lieblingswildkraut!

    Die Blattrosetten dicht am Boden, der Stängel mit der Blüte max. 40 cm hoch wachsend. Ideal, braucht man nicht zu mähen, der Blütenstand wächst im Unterstockbereich nicht in die Laubwand und diese Pflanze kratzt und brennt nicht wie Brombeere oder Brennnessel.

    Die Wirkung dieses Krautes wird als schleimlösend, harntreibend, antibiotisch, krampflösend und entzündungshemmend beschrieben. In der alten Kräuterkunde wird das Habichtskraut innerlich bei Durchfall, grippalen Infekten, Blasen- und Nierenentzündung, Wurmbefall und Nierensteinen eingesetzt, äußerlich zur Wundbehandlung und als Augenspülung.

    Leider sind nur Teilflächen meiner Weinberge damit bewachsen und so ist der Winzer zur Zeit am mähen und im Unterstockbereich muß zur  leidigen Brennnessel- und Brombeerbekämpfung per Hand nachgearbeitet werden.

  • Etwas Ruhe kehrt ein

    2016-07-06 LaubschnittDie sommerlichen Hauptarbeiten sind erledigt. Die Rebtriebe sind geheftet, also in den Drahtrahmen eingeschlauft worden. Die Traubenzone wurde entblättert und der erste Laubschnitt ist auch schon gemacht.

    Die Weinberge sehen jetzt akkurat wie nach einem Friseurbesuch aus. Etwas Ruhe kehrt nun ein. Nicht, dass wir arbeitslos wären, aber, wie sagt man so schön, der Druck ist raus.2016-07-07 HackenZeit, sich jetzt intensiv um die im Mai gepflanzten Rieslingreben zu kümmern. Mittlerweile konnten wir mit dem Kettenschlepper eine Bodenlockerung durchführen. Im Unterstockbereich muss händisch gearbeitet werden. Eine reichhaltige Auswahl an Hacken steht für meine Helfer zur Verfügung. Jeder kann sich nach seinem Gusto das passende Gerät aussuchen.

    Die jungen Rieslingreben wachsen sehr gut und sind mittlerweile am Pflanzstab festgebunden.

    Der Sommer mit trockenem Wetter ist auch gekommen. Etwas aufatmen für uns. Neuinfektionen durch den gefürchteten falschen Mehltau (Peronospora) werden unwahrscheinlicher und durch das starke Beerenwachstum verringert sich die Empfindlichkeit der Trauben.

  • Etwas Entspannung

    2016-06-16 Blüte

    Mittlerweile sind wir etwas entspannter – aber nur etwas – was die Pilzkrankheiten im Weinberg betrifft. Ich berichtete hier. Nächste Woche ist weitestgehend trockenes, sommerliches Wetter gemeldet. Unsere Weinberge sind bisher immer noch befallsfrei. Ob der Pilz in den letzten Tagen in die Rebe eindringen konnte, wissen wir noch nicht, da er erst sichtbar wird, wenn die Inkubationszeit abgelaufen ist. Noch bin ich guter Dinge. Vielleicht hatte ich bisher Dummenglück, unsere Weinberge stehen an der richtigen Stelle oder unser Weinbergsmanagment hat mit einem Quäntchen Glück zur bisherigen Befallsfreiheit geführt.

    Jetzt muss noch die Rebblüte gut überstanden werden. Trocken soll es werden, also eine geringere Gefahr, dass die extrem empfindlichen Beerchen vom Peronosporapilz befallen werden. Die Temperaturen sollen steigen und die Wasserversorgung der Reben ist ja bekanntermaßen auch optimal. Das müsste eigentlich gut gehen.