Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Weinberg

  • Wetterkapriolen, die 2te: Seltene Bilder

    2016-04-26 Schnee
    Foto: www.schalkstein.de

    Die derzeitigen Wetterkapriolen bereiten den Winzern derzeit viele Sorgen. Während in Südtirol und Österreich schon teilweise massive Frostschäden entstanden sind, wie mein Kollege Bernhard Fiedler berichtet, sind wir bisher an der Mosel mit einem blauen Auge davon gekommen.

    Ein Bild mit Seltenheitswert schickte mir gestern Eberhard Klein vom Weingut Schalkstein am Neckar. Ausgetriebene Reben mit Schnee bedeckt. Ich habe es in meinem, doch schon etwas längeren Berufsleben, erst einmal gesehen.

    Im Gegensatz zu einem Strahlungsfrost oder Kaltluft, die sich in Bodensenken sammelt, in der Regel harmlos für den Weinberg.

  • Eine Menge Arbeit

    2016-04-20 PlanierenEine Menge Arbeit liegt hinter uns. Drähte aus der Rebanlage entfernen, die Stahlstickel und die alten Reben mit der Rodezange aus dem Boden ziehen und alles entsorgen. Das Alteisen zum Schrotthändler, die brauchbaren Stickel zur Wiederverwendung einlagern und die alten Reben teilweise zum unserem Nachbarn, damit dieser Winzersteaks grillen kann.

    Mit dem Rest wurde heute ein Rebenfeuerchen gemacht. Zeitgleich wurde der Weinberg planiert und ein Vorgewende für die Raupe geschubst.2016-04-20 GerodetJetzt ist alles vorbereitet für den Lohnunternehmer, der mit seiner großen Raupe noch eine Tiefenlockerung des Bodens vor der Pflanzung macht.

    Selbstverständlich wird wieder Riesling gepflanzt.

  • Mit aller Macht…

    2016-04-01 Nebel2Mit aller Macht wird es Frühling und warm. Vor einigen Tagen war es noch kalt und dichter morgendlicher Nebel lag im Moseltal. Ich denke, es war der letzte Nebel in diesem Frühjahr und dieser wurde schnell durch die Sonne vertrieben .2016-03-20 BlüteDie Blüte des  Weinbergspfirsiches ist fast vorüber. Andere Obstsorten werden jetzt nach und nach farbenfrohe Blütenpracht zeigen. 2016-04-11 WollestadiumDie Rieslingreben bereiten sich auch schon auf den Austrieb vor. Die Rebknospen fangen an zu „schieben“ und kommen so langsam in das sogenannte Wollestadium. Genau zur rechten Zeit. Nicht zu früh und nicht zu spät.

    Ein neuer Jahreszyklus beginnt.

  • Extra schön

    2016-03-29 Bogrebe

    Extra schön rund sehen diese Rieslingfruchtruten aus, nachdem wir sie im Drahtrahmen nach unten gebogen und festgebunden haben.

    Gottseidank ist die Qualität der Trauben nicht von der Schönheit des zu einem Halbbogen gebogenen Rieslingtriebes abhängig. Unabhängig von der Optik müssen die Reben durch den Drahtrahmen Halt und Stabilität bekommen.

    Wie das technisch funktioniert habe ich bereits hier erklärt, dass passende Video gibt es hier.

  • Wie ein Schweizer Käse

    2016-03-09 Mauseloch

    Wie ein Schweizer Käse sehen die Böden in einigen Weinbergen aus. Die letzten warmen Winter haben die Population der Schermaus ernorm anwachsen lassen. Man findet Eingangsloch an Eingangsloch zu den unterirdischen Gangsystemen.

    Schäden haben wir bisher keine in den Weinbergen, mit Ausnahme der jungen Reben, die uns vor einigen Jahren abgefressen wurden.  In den jungen Weinbergen sind die Mäuse noch nicht vertreten und wir hoffen, dass es so bleibt. Die alten Reben haben ein so großes Wurzelwerk, dass es die Mäuse sicherlich nicht ganz abnagen können.

    Hoffen wir auf ökologische Lösungen:  z. B., dass der Fuchs, den wir letztes Jahr im Weinberg gesehen haben, sich an den Mäusen sättigt. Ebenso könnten Greifvögel, der nächste kalte Winter oder sich durch die Überpopulation der Mäuse verbreitende Krankheiten die Population dezimieren.

  • Darf ich vorstellen:

    2015-09-05 Federica

    Kellerreinigung und Fassreinigung ist schnell letzte Woche gelernt worden. Das Nachpflanzen der Topfreben vor zwei Wochen – trockenheitsbedingt extrem spät in diesem Jahr – klappte auch prima. Mit der Raupe fahren lernen, war jedoch eine andere Geschichte. Die Anspannung war sichtbar…

    Sie ist lernwillig und wir vertragen und verstehen uns. Bis jetzt alles bestens!

    Darf ich vorstellen: Federica, unsere neue Azubine aus Italien, die in den nächsten zwei Jahren ihre Ausbildung zur Winzerin bei uns absolviert.

  • Angespannt, sehr angespannt

    2015-07-22 Riesling

    In den guten Lagen, also den frühen, sind die Trauben sehr gut verblüht. Man sieht nur wenige kleine Beerchen, die von nicht bestäubten Blüten stammen.2015-07-22 Verrieselt

    Vollkommen gegensätzlich die Trauben in den späteren Lagen. Zwei Tage Kälteeinbruch während der Blüte sind deutlich zu sehen. Ganz extrem – wie im obigen Bild – ist das Blüteergebnis bei Rebstöcken, die zum Zeitpunkt der Blüte schon unter Wassermangel gelitten haben. Der Riesling ist sehr empfindlich in der Blütephase.

    2015-07-2 Triebspitze

    In einer jungen Rebanlage mit sehr vielen nachgepflanzten Rieslingreben haben wir das Wachstum wieder angekurbelt. Nach zweimaliger Wassergabe sind die kurz vor den vertrocknen stehenden Triebspitzen wieder ergrünt und das Längenwachstum hat wieder eingesetzt.

    Die Reben sehen besser aus, als aufgrund der hohen Temperaturen erwartet. Wir haben Weinberge, die immer noch ausreichend Wasser im Boden finden und an denen man die Trockenheit nicht ansieht, bis hin zu sehr stark trockengestressten Rebstöcken, bei denen die Triebspitzen und die unteren Blätter schon verdorrt sind. Leider auch schon Trauben, die ins bläuliche verfärben. Nicht so gut für die Qualität.

    Jetzt wäre es an der richtigen Zeit, die Reben zu bewässern. Leider haben wir diese Möglichkeit nicht. Da beneide ich Kollege Armin, der die Möglichkeit zum Bewässern hat.

    Uns bleibt nur die Möglichkeit zu warten. Die Lage ist leider angespannt, sehr angespannt.

    Letzte Woche gab es etwas Regen. Kommende Woche sind weitere Niederschläge gemeldet. Es wird ein hangeln von Regen zu Regen, jeweils ein Tropfen auf den heißen Stein.

  • knapp, sehr knapp

    2015-07-11 Triebspitze

    Die Bodenwasservorräte sind knapp, sehr knapp. Die Hitze der vergangenen Woche hat viel Wasser verbraucht. In vielen Weinbergen sieht man schon die ersten Anzeichen von Trockenstress. Die Triebspitzen richten sich gerade auf und ein Ende des Rebwachstums ist in Sicht.2015-07-10 UV Schäden

    Dort wo die Bodenmächtigkeit gering ist, der Fels hoch ansteht und die Reben schon seit längerem unter Wassermangel leiden, sieht man Blattaufhellungen aufgrund der übermässigen UV Strahlung der Sonne.2015-07-10 KurztriebStellenweise sind dort die Reben nur bis zum obersten Draht der Unterstützungsvorrichtung gewachsen. 2015-07-10 Trockenheit

    Zunehmend drehen sich die Blätter von der Sonne weg, um weniger Wasser zu verdunsten.

    Es wird allerhöchste Eisenbahn, dass es regnet. Die Trauben sind jetzt in der Phase des Dickenwachstums.

    Es wäre jetzt die richtige Zeit, um die Reben zu bewässern. Die ganz jungen Reben kann ich ja noch wässern, aber die Anderen? Die Mosel anzapfen? So einfach ist das nun auch wieder nicht. Mal abgesehen davon das mir die benötigten Wasserrechte nicht gehören, die Mosel hat nicht genügend Wasser. Durch die Stauhaltung sieht es so aus, als ob genügend drin wäre, aber es kommt einfach nichts nach, um die Rebflächen an der Mosel zu bewässern.

    Es wird wie jedes Jahr: Spannend!

  • Vulpes vulpes

    2015-05-28 FuchsVulpes vulpes, der gemeine Rotfuchs. Am helllichten Tag – heute Nachmittag – gesehen und mit dem Auto angehalten. Bilder gemacht, der Fuchs hat mich genauso angeschaut, wie ich ihn angeschaut habe. Keinerlei Scheu vor mir und meinem großem Auto. Er überquerte langsam den Wirtschaftweg und lief in einen Weinberg. Ich zu Fuß mit Kamera hinterher. Wie gesagt, das Tierchen hatte keinerlei Scheu vor mir.

    „Der Rotfuchs ist ein relativ anspruchsloser Allesfresser. Er stellt seine Ernährung bei Bestandsschwankungen der Beutetiere kurzfristig um und nimmt generell mit dem vorlieb, was leicht zu erbeuten ist und einen hohen Energiegehalt bietet.“ schreibt Wikipedia.

    Ganz wichtig: „Er stellt seinen Ernährung kurzfristig um und…, was leicht zu erbeuten ist“ und leicht zu erbeuten ist zur Zeit die Schermaus, die in auffallend übergroßer Anzahl in den Weinbergen wühlt und dort Schäden verursacht.

    Wie in der Natur üblich, wenn es viele Mäuse gibt, gibt es auch viele Füchse und Greifvögel, die die Mäusepopulation – habe ich  heute auch zu sehen bekommen –  dezimieren helfen. Fehlt nur noch ein unterstützender, sehr kalter Winter.

  • Fahrwerktuning

    2015-04-18 Raupenreparatur

    Nachdem ich in den letzten Tagen in einigen Weinbergen schwierigkeiten mit dem Bergauffahren hatte, wurde es Zeit, die Ketten des Raupenschleppers zu modifizieren. Durch das Aufschweißen von wenigen Vierkantstählen auf bestehende Kettenglieder – so mein Gedanke –  müsste eine bessere Verzahnung der Kette mit dem Boden gegeben sein. Die Fahreigenschaft auf der Straße würde sich dagegen verschlechtern und evtl. den Asphalt beschädigen.

    Soweit die Theorie. Also wie immer: Experimenteller Maschinenbau wenn der Winzer Flex und Schweissgerät handhabt.  Die erste, kurze Probefahrt verlief gestern wie angedacht. Die Steigfähigkeit und Lenkbarkeit im Steilhang ist verbessert, dass Fahrverhalten auf der Straße zwar schlechter, aber nicht so schlecht wie erwartet.

    Morgen nun den ganzen Tag „Probe fahren“. Ich hoffe, dass ich den zusätzlich aufgeschweißten Stahl auf den Raupen lassen kann und das Fahren im Hang besser und sicherer(!) wird. Andernfalls müssen die Schweißnähte mit dem Winkelschleifer wieder aufgetrennt werden. Aber darüber möchte ich jetzt nicht nachdenken. 😉