Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Wetter

  • Kalt, zu kalt…

    Kalt, zu kalt war es in den beiden letzten Nächten. Heute sah die Welt beschissen aus. Die Polarluft hat massive Schäden in den Weinbergen hinterlassen. Viele junge Rebtriebe sind gänzlich oder teilweise erfroren. Es sieht übel aus.

    Nach vorsichtigen Schätzungen meinerseits – ich bin nicht wirklich gut im Schätzen, einer meiner Mankos – gehe ich davon aus, dass durch den Spätfrost ca. ein Drittel der Rebfläche komplett geschädigt wurde, etliche Weinberge so Daumen mal Pi 30 bis 60 % Schaden haben, aber gibt auch einige, die verschont geblieben sind.

    Der oben genannte Schaden ist aber auch relativ zu betrachten. Die Rebe ist durchaus in der Lage, diese Ertragsverluste teilweise auszugleichen. Zu einem können an den verbliebenen Rebtrieben die Trauben größer werden, zum anderen gibt es neben den jetzt verlorenen Rebknospen noch die sogenannten Nebenaugen, die beim Riesling in der Regel nur austreiben, wenn das Hauptauge ausfällt. Dort ist der Blütenansatz und später der Traubenbehang geringer als beim Hauptauge.

    Bleibt zu hoffen, dass die Blüte gut verläuft und nicht andere Widrigkeiten der Natur zu weiteren Ertragseinbußen führen. In einigen Monaten werde ich mehr wissen. Aber schon jetzt weiß ich, dass es eine kleine Ernte geben wird.

    Die massiven Spätfrostschäden sind nicht auf die Mosel beschränkt. Schadensmeldungen liegen bereits aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Österreich (Wachau, Kamptal, Steiermark), Südtirol, Frankreich, der Schweiz und vielen deutschen Anbaugebieten vor.

    Eine genaue Schadensbilanz wird sicherlich erst in den nächsten Tagen vorliegen.

     

  • Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

    Glück beim Fotografieren! Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein Naturspektakel in der grauen Winterlandschaft.

    Im Winter gab es reichlich Niederschläge. Mehrmals wurde der Parkplatz vor unserem Weingut von der Mosel überflutet. Einmal besuchte sie uns im Weinkeller. Die Bodenwasservorräte dürften nach mehreren trockenen Jahren wieder aufgefüllt sein. Für uns gute Vorzeichen zum Beginn der Vegetationsperiode in einigen Wochen. Was danach kommt, ist ungewiss.

    In Zeiten des Klimawandels kann alles oder nichts passieren. Und dieses Jahr? Extreme Sommertrockenheit wie 2022 oder 2023? Oder gemischt wie im letzten Jahr mit extremer Frühjahrsnässe, gefolgt von Trockenheit, heimtückischem Pilzbefall und einer Weinlese bei hohen Temperaturen mit starkem Essigfäulebefall der Trauben?

    Es ist wie ein Überraschungsei. Keiner weiß was passiert. Jedes Jahr neue klimatische Rahmenbedingungen. Die Klimaänderung wird herausfordernd für uns Winzer und Landwirte.

    Der „Winter“ war bis auf wenige Tage mit Minustemperaturen sehr warm. Januar und Februar gehören mit zu den wärmsten Monaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das einzig Positive daran ist, dass der Rebschnitt schon weit fortgeschritten ist. Nur noch wenige Tage..

  • Weinernte 2023: Tag drei

    Seit drei Tagen sind wir nun am Ernten. Morgens bei dichtem Nebel und wärmer angezogen.

    Mittags bei hochsommerlichen Temperaturen im T-Shirt. Fast zu warm um zu ernten, etwas kühler wäre angenehmer.

    Lockerbeerig, gesund und sehr schön präsentieren sich größtenteils die Rieslingtrauben.  Die Saftqualitäten sind analytisch im optimalen Bereich und sie schmecken sehr gut.

    Die Wärme hat aber auch Ihre Schattenseiten. Überall findet man mittlerweile Essigfäule, die sich rasch ausbreitet. Normalerweise kein Problem. Diese rosa schimmernden Beeren findet jeder Erntehelfer schnell und kann sie aussortieren. Beeren, deren Schale vorgeschädigt ist, wie z.B. bei der Edelfäule, werden ebenfalls durch die Essigfäule infiziert. Dann wird aus der Edelfäule schlicht und einfach Essigfäule.

    Das beschert uns zusätzlichen Selektionsaufwand mit Mengenverlusten, um einwandfreie Trauben in die Weinpresse zu bekommen. Gut, dass wir eine große Erntemannschaft haben, die morgen noch um fünf Köpfe anwachsen wird.

    Ab Morgen soll es kühler werden und immer noch trocken bleiben. Wir werden uns beeilen müssen, damit wir alle Trauben in bestmöglicher Gesundheit ins Weingut bekommen.

    „Klimawandel sei dank“ Der wärmste September seit Messbeginn.🙁

  • Weinbauernherz, was willst du mehr?

    Letzte Woche hoffentlich das letzte Mal vor der Ernte den Regenmesser geleert. Sechs Wochen mit feuchtem Wetter liegen hinter uns. Nach dem sehr trockenen Sommer war der Regen sehr willkommen. Jetzt sind wir in der Reifephase und die Trauben werden anfällig für Fäulnis. Da braucht es nicht mehr zu regnen.

    Ein sehr stabiles Hoch wird uns den nächsten Tagen und ggf. Wochen trockenes Wetter mit Spätsommertemperaturen bescheren. Winzerwunschwetter! Die Rieslingtrauben sehen gut aus und davon gibt es reichlich.

    Abgesehen von den kleinen Schäden durch den Peronosporapilz im Juni, haben einige, wenige Trauben leichte Sonnenbrandspuren. Nicht der Rede wert. Das könnte ein Jahrgang ganz nach dem Geschmack des Winzers werden. Also Wein vom glücklichen Winzer!

    Weinbauernherz, was willst du mehr?

  • Hanneke sei Dank!

    Wir haben es dieses Jahr nicht gemacht! Sie wissen schon, Fenster putzen und Auto waschen: Sobald eines von beiden sauber ist, regnet es, sagt man. Und wenn man den Regen dringend braucht, klappt es nicht.

     

    Was nun? Hilfe kam von Winzerkollegin Hanneke vom Weingut Schönhals in Rheinhessen. Sie hat es auf ihre Art versucht und vor ein paar Tagen einen Regentanz im Weinberg aufgeführt. Und wissen Sie was? Es hat geholfen! Bis gestern Abend waren schon 28 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Heute kam noch einiges dazu. Die Sorgen wegen der Trockenheit sind vorerst wie weggeblasen.

     

    Danke Hanneke! 🙂

  • knapp

    Die Bodenwasservorräte sind knapp, sehr knapp. Es wird langsam Zeit, dass es regnet. Aber ich vermute, es wird ähnlich wie letztes Jahr. Die Trockenheit wird durch den Klimawandel immer mehr zum Problem. In den meisten Weinbergen sind die Triebspitzen der Rieslingreben noch gebogen, vital und auf Wachstum ausgerichtet. Auch wenn das Wachstum sehr gering ist.In den bekannten Weinbergen, d.h. in einigen jüngeren Anlagen und einem Weinberg mit hohem Fels, wo die Rebwurzeln kein Wasser finden, sind erste Trockenstresssymptome sichtbar. Die Triebspitze wird gerade und hört auf zu wachsen. Später stirbt sie ab und vertrocknet.Die Rebe befindet sich nun im Überlebensmodus. In der Folge werden die Rebblätter von der Sonne weggedreht, um weniger Wasser zu verdunsten. Bei anhaltender Trockenheit beginnen dann die untersten Rebblätter zu vergilben.Wir haben begonnen, die betroffenen Rebstöcke zu entlasten, damit die Reben keinen dauerhaften Schaden nehmen.

    In den betroffenen Weinbergen – im Moment sind es nur „wenige“ Reben – haben wir ganze Fruchtruten mit Blättern und Trauben abgeschnitten. Diese Entlastung verhindert, dass die Rebstöcke kollabieren oder längerfristig Schaden nehmen.

    In diesem Jahr habe ich das ungute Gefühl, dass wir diese Entlastung wie im letzten Jahr ausdehnen müssen.

    Bis auf die oben beschriebenen trockengestressten Einzelreben sehen die Weinberge noch sehr gut aus. Saftig grün, mit vielen Trauben behangen.  Wie es mit der Qualität und Quantität weitergeht, entscheidet allein das Wetter. Wir hoffen, dass es bald ausreichend regnet. Wir nehmen alles!

  • Extrem heimtükisch

    Man denkt an nichts Schlimmes: Bestes Sommerwetter, warm, fast keine Luftfeuchtigkeit, kein Tau und sehr wenig Regen. Und dann das: Extrem heimtückisch zeigt sich dieses Jahr der Peronosporapilz. Am vergangenen Montag staunte ich ungläubig, als ich die gelblichen Flecken auf der Blattoberseite sah. Aus der Inkubationszeit konnte ich das Datum der Infektion berechnen. Das kleine Gewitter an Fronleichnam hatte zu Infektion geführt. Trotz Pflanzenschutzmaßnahmen mit unseren ökologischen Pflanzenpflegemitteln einen Tag vorher wurden die Reben infiziert. Ein größerer Weinberg im Burger Hahnenschrittchen war stärker betroffen. Andere nur leicht oder gar nicht. Infektionen sind überall in der Gemarkung zu finden. Konventionell oder ökologisch arbeitend spielt keine Rolle. Der eine etwas mehr, der andere Weinberg weniger.

    Einen Tag später, es hatte etwas über Nacht geregnet, sah man den Pilzrasen auf der Unterseite der Blätter. Der Pilz hatte durch die Feuchtigkeit begonnen zu sporulieren, d.h. seine Sporen in die Reben zu schleudern.

    Jetzt haben wir ein kleines Problem. Normalerweise reifen die Pilzsporen auf dem Boden, wenn es feucht genug ist . Sie werden dann durch Regen und Wind auf die Blätter geweht und der Infektionszyklus beginnt. Mit jeden Zyklus ohne Bekämpfung steigt das Gefahrenpotential. Jetzt haben wir die Sporenbildner in den Reben, die bei Feuchtigkeit, Blattnässe, Dunkelheit und anderen Faktoren den Vermehrungszyklus massiv forcieren. Dort sind dann nach der Rebblüte der vergangenen Tage, die jungen, sehr empfindlichen Träubchen. Jetzt heißt es aufpassen mit den Pflanzenschutzmaßnahmen. In kurzen Abständen müssen unsere ökologischen Präparate nun auf die Beerchen aufgebracht werden. Bei dem schnellen Beerenwachstum muss immer eine Schutzschicht auf der Beerenhaut und den Blättern sein, damit der Pilz nicht eindringen kann. Das angekündigte trockene Wetter spielt uns dabei in die Hände. Niedrige Luftfeuchtigkeit und kein Regen in den nächsten Tagen ist für uns vorteilhaft. Wir werden uns heftig wehren! In den Peronosporajahren 2009 und 2016 haben wir es auch geschafft und die Lage war weitaus schlimmer als dieses Jahr.

  • Rebblüte

    Eine der ganz wenigen Ereignisse über die ich mit schöner Regelmäßigkeit berichte, ist neben dem obligatorischen Weihnachtsgruß die Rebblüte. Die sommerlichen Temperaturen beschleunigen die Blüte rasant. Die Rahmenbedingen sind hervorragend. Wir erwarten eine hohe Bestäubungsrate.

    Rasend schnell ist auch das Wachstum der Reben. Im Unterboden ist noch genügend Wasser vorhanden, um das Triebwachstum der Rieslingreben zu beschleunigen. Das Einschlaufen der schnell wachsenden Rieslingtriebe hält uns im Weinberg auf Trab.

    Gänzlich anders sieht es bei den Weinbergsbegrünungen aus. Hier macht sich der Wassermangel im Oberboden bemerkbar. Am Wegesrand sind die Begrünungspflanzen bereits vertrocknet und gelb. Sommerliche Temperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit und ein ständig wehender Wind haben an der Feuchte gezehrt. Vor nicht einmal vier Wochen hatten wir große Probleme mit den nassen Böden. Jetzt warten wir sehnsüchtig auf Regen. Mitte nächster Woche soll er kommen, sagen die Wetterfrösche. Gewitter sind angesagt! Die Gefahr dabei ist, vor allem wegen des Klimawandels, dass zu viel in kurzer Zeit und im schlimmsten Fall in fester Form als Hagel fällt.

  • prächtig

    Besser geht’s nicht! Wassergefüllte Böden, fast alle Rebknospen sind ausgetrieben und an den jungen Reben hängen große, gut ausgebildete Blütenstände. Diese so genannten Gescheine sind voll entwickelt und die einzelnen Blüten werden sich in den nächsten Tagen auseinander spreizen. Und dann beginnt in wenigen Tagen die Rebblüte.

    Die Weinbergsböden sind in den Steillagen wieder gut befahrbar. Inzwischen hat der Sommer mit angenehmen Temperaturen Einzug gehalten und die angekündigten sommerlichen Temperaturen werden das Wachstum der Reben weiter beschleunigen. Zudem haben Pilzkrankheiten (echter und falscher Mehltau) bei dieser trockenen Witterung keine Chance, die Reben zu schädigen. Nächste Woche können wir dann mit der Laubarbeit, d.h. das Einflechten der Rebtriebe in die Drahtrahmen, beginnen.

    Bis jetzt sieht alles prächtig aus!

  • Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel

    Durch die maximal gefüllten Bodenwasservorräte sind unsere Weinbergsbegrünungen extrem üppig gewachsen. Stellenweise hüfthoch. Das Mulchgerät hatte Schwierigkeiten, den dichten Bewuchs zu mähen.

    Morgendlicher Tau und leichte Regenfälle in den letzten Tagen sorgten für ein angespanntes Fahren im Steilhang. Des Öfteren rutschte ich, verschärft durch die nasse Begrünung, auf den feuchten Böden mit dem Raupenschlepper ab. Allerdings war das relativ ungefährlich, da der Schwerpunkt sehr tief liegt und die Kippgefahr gering ist.

    Trotz meiner Fahrkünste und jahrzehntelanger Erfahrung gab es dann aber doch noch ein größeres Problem. In einer Rebzeile rutschte ich zur Seite und landete im Drahtrahmen. Bergauf ging nichts mehr. Bergab auch nicht, der Unterstockmulcher hatte sich hinter einem Rebstock verhakt.

    Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel. Daher musste ich einen Kollegen anrufen, der nach kurzer Zeit erschien und mich mit der Seilwinde aus meiner misslichen Lage befreite.