Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Wetter

  • Mickrig

    Mickrig, wie sich zurzeit die Begrünungen in unseren Weinbergen präsentieren. Schwach wachsend, durch die Trockenheit schon aufgehellt und gelblich werdend.  Seit  Wochen gab es keinerlei Regen. Dazu sehr trockene, teils windige Luft, die dem Boden weiteres Wasser entzieht.

    Während die Landwirtschaft stark am Klagen ist, haben ältere Rieslingreben im Untergrund noch genügend Wasser. Nachgepflanzten Reben sieht man den Wassermangel schon an. Nachschub von oben ist baldigst willkommen.

    In den vergangenen Tagen gab es die Chance, Regen zu bekommen. Die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes füllten das E-Mailpostfach. Beim Blick auf das Regenradar jedoch Enttäuschung. Die Regenwolken streiften nur unsere Gemarkung und das bisschen, was an Regen fiel, hatte nur den Staub abgebunden.

    Am morgigen Montag haben wir laut den Wetterfröschen noch einmal eine Chance auf Regen. Dann ist wieder Trockenheit bei kühlen Temperaturen gemeldet. Wir hoffen auf reichlich Niederschläge. Am liebsten in Form eines langanhaltenden Landregens.

     

  • Frühling

    Mit aller Macht wird es Frühling. Früh morgens noch etwas Raureif in der Weinbergsbegrünung und mittags kurze Hosen Wetter. Jeden Tag Kaiserwetter mit blauem Himmel. Besser geht es nicht!

    Jetzt kommt Schwung in die Natur. Das allgemeine Ergrünen der Landschaft wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Weinbergspfirsich haben mit seiner wunderschönen Blüte den Anfang gemacht. Die anderen Obstbäume werden binnen weniger Tagen folgen. Die Weinreben brauchen noch etwas länger, bis das Wachstum beginnt.

    Wir sind mit dem Rebschnitt fertig. Zurzeit werden die verbliebenen Fruchtruten der Rieslingreben im Drahtrahmen nach unten gebogen und festgebunden. Noch einige Tage und dann sind diese sogenannten Winterarbeiten erledigt. Noch Haus, Hof und Garten für den Sommer vorbereiten und dann können wir die Terrassensaison eröffnen.

  • Weinlese 2021: ruhiges Erntewetter

    Fleißig haben wir in den letzten Tagen unseren Riesling geerntet. Das Wetter hat mitgespielt. Morgens war es meistens kühl und das Moseltal noch nebelverhangen.Mittags war es dann oft sonnig und warm. Das bisschen Regen, der uns zwischendurch leicht ärgerte, ist schon vergessen. Ebenso der vergangene Montag bei fast frostigen Temperaturen, der die Finger im Morgennebel erstarren ließ. Insgesamt typisches, ruhiges Erntewetter im Oktober!

    Die Traubengesundheit ist sehr gut! Wir haben fast keine Traubenfäulnis und nur einen sehr geringen Selektionsbedarf. Allerdings lässt die Erntemenge sehr zu wünschen übrig, aber dazu in einem späteren Artikel mehr.

    Die 2021er Rieslingtrauben finden regen Zuspruch: Vögel haben uns einige Trauben weggefressen. Ein erstes Indiz für gute Qualität!

    Als die ersten Reifemessungen unserer Agrarberatung veröffentlicht wurden, hatte ich noch große Sorgen. Zum Glück waren diese jedoch vollkommen unbegründet: Der Riesling ist als Cool Climate Pflanze bestens angepasst an unser nördliches Klima. Er konnte im Oktober einiges an Reife, Aroma und Zuckergehalt zulegen. Qualitativ dürfte er nahtlos an die vorangegangenen Ernten anschließen. Die gärenden Moste schmecken gut und auch die analytischen Eckdaten stimmen.

     

  • Weinernte 2021: Mal mehr, mal weniger

    Wir sind bei den ersten Vorbereitungen für die Weinernte. Es wird eine späte Weinernte geben. In den letzten Jahren begannen wir Klimawandel bedingt meistens in der ersten Oktoberwoche mit der Ernte. Dieses Jahr war es eher ein kühler Sommer, von den wenigen heißen Tagen im Juni einmal abgesehen. Der Vegetationsrückstand gegenüber den letzten Jahren war groß. Der bisher warme September hat die Reife der Rieslingtrauben beschleunigt und die weiteren Wetterprognosen sind positiv. Kühle Nächte und warme Tage sind sehr förderlich für das Rieslingaroma!

    Ich hatte schon im Juni den Erntebeginn auf den 11. Oktober terminiert. Da meine hellseherischen Fähigkeiten doch etwas begrenzt sind, muss ich etwas korrigieren:

    Erntebeginn ist am Samstag, dem 16. Oktober um 9,00 Uhr! Sollte jedoch Fäulnis auftreten, stehen eine Woche vorher schon Lesehelfer bereit um mit der selektiven Ernte zu beginnen.

    Bedingt durch den Klimawandel werden wir dieses Jahr federn lassen müssen. Kräftig! Die extremen, bisher nie dagewesenen massiven Niederschläge im Sommer, haben Ihre Spuren in den Weinbergen hinterlassen. Teilweise massiver Befall mit Peronospora und Schwarzfäule haben die Trauben dezimiert. Mal mehr, mal weniger. Leider ist das weniger sehr häufig im Weinberg zu sehen. Wir rechnen mit einer weit unterdurchschnittlichen Erntemenge.

  • Ungerecht verteilt

    In diesem Jahr ist alles ungerecht verteilt. Nördlich der Alpen ergiebigste Niederschläge, Hochwasserkatastrophen und viele Infektionen mit dem Peronospora- und Schwarzfäulepilz mit entsprechenden Ernteverlusten. Wenigstens sind die Grundwasservorräte aufgefüllt!

    Südlich der Alpen das Gegenteil. Bei einem Besuch bei Maurizio von der Cantina Wilma in den Abruzzen, sah man schon von weitem, dass dort starker Wassermangel herrschte. Am Himmel kreiste ein Löschflugzeug

    Seit Mai hatte es dort nicht mehr geregnet. Die extreme Hitzewelle im August mit weit über 40 Grad Hitze, hatte den Reben stark zugesetzt.

    Das Wachstum der Rebtriebe extrem verhalten, die Rebblätter von der Sonne abgewendet und im welkezustand. Die Trauben, weiß (Verdicchio) wie rot (Montepulciano), vom Wassermangel gekennzeichnet und mit kleinen Beerchen.

    Im am Weinberg grenzenden Olivenhain, sah es nicht besser aus. Auf meine Frage hin, wo denn die Oliven sind, kommentierte Maurizio mit einem Fingerzeig gen Himmel: „Aqua!“ Durch Wassermangel hatten die Bäume ihre Früchte abgeworfen, um selbst zu überleben. Die wenigen an den Bäumen verbliebenen Oliven hatten eine mickrige Größe.

  • „Es regnet gerne, wo es schon nass ist“

    „Es regnet gerne, wo es schon nass ist.“ besagt ein althergebrachtes Sprichwort.

    Ein übler Nebeneffekt der Regenfälle, die zum sehr hohen Moselhochwasser vor zwei Wochen geführt hatten, sehen wir seit einigen Tagen im Weinberg. Zur Peronospora hat sich noch die Schwarzfäule gesellt. Viele Beeren sind befallen. Diese trocknen jetzt ein und fehlen bei der Weinernte.

    Ein anstrengendes Weinjahr! Die Infektionen mit dem falschen Mehltau vor vier Wochen hatten wir glimpflich überstanden. Nun ein massiverer Befall durch diesen Pilz, der aus Nordamerika stammt und erst seit 2004 eine wesentliche Rebkrankheit darstellt.

    Nach der Rebblüte hatte alles sehr gut ausgesehen. Es sah mengenmäßig nach einer guten Ernte aus. Wir werden allerdings Abstriche machen müssen. Wie groß diese sind weiß ich noch nicht. Es sind noch einige Wochen bis dahin. Es kann noch viel passieren oder gar nichts. Ich ziehe das „gar nichts“ vor und bitte keinen Regen mehr!

  • 900 cm, mindestens..

    Weltuntergangsstimmung beim Blick auf die Regenmesser. Beide, das stylische Teil und das Werbegeschenk aus Plastik, laufen über. Nach drei sehr trockenen Jahren ist es dieses Jahr anders rum. Gewaltig anders! Seit Mai sind bis gestern 265 Liter Regen je qm gefallen. Im Vergleich dazu von Mai bis Juli 2020 nur 43 Liter.

    Gestern Morgen noch eine Anfrage von Fernsehen gehabt, es soll doch Hochwasser kommen, wir möchten drehen kommen. Ich verneinte die Hochwassergefahr. Nachmittags wurde ich des besseren belehrt, als die erste Warnmeldung kam, die vor 8 Meter Pegelstand warnte. Heute haben wir erste Vorbereitungen im Weinkeller getroffen.

    Die Sache mit der Decke scheidet leider aus. Es ist ein Pegelstand von über 900 cm, Tendenz steigend, für morgen Nachmittag gemeldet. Wir müssen die Mosel in den Keller lassen. Morgen wird der Weinkeller Hochwasserfest gemacht. Wir sind geübt, allerdings ist ein Sommerhochwasser in dieser Höhe im Juli noch nicht da gewesen. Die Klimaänderung lässt grüßen!

    Zunehmend bereiten mir die Pilzkrankheiten im Weinberg Sorgen. Große Sorgen. Weitere Infektionen durch den echten und falschen Mehltau sind bei diesem Dauerregen vorprogrammiert.

    Zum Nachlesen hier weitere Blogeinträge über das Hochwasser.

  • Spuren

    Das rasante Rebwachstum hat im Weinberg seine Spuren hinterlassen. Der heimtückische Peronosporapilz hat bei uns zugeschlagen. Seit letzter Woche sieht man auf der Blattoberseite vereinzelt den sogenannten Ölfleck, eine gelbliche Aufhellung.

    Auf der Blattunterseite dann der Pilzrasen, von dem weitere Infektionen ausgehen. Insgesamt sind bisher zum Glück noch wenige Blätter befallen.

    Aber es finden sich im Rebstock leider auch einige befallene Trauben. Ursache für den diesjährigen Pilzbefall ist das wahnsinnig schnelle Rebwachstum. Binnen weniger Tage wurden die Wirkstoffe, die gegen die Peronospora helfen, durch das Wachstum dermaßen verdünnt, dass sie keinerlei Wirksamkeit mehr entfalten konnten. In den „Peronosporajahren“ 2016 und 2009 lagen die Gründe für den Pilzbefall dagegen vor allem im dauerhaft feuchtem und regnerischen Wetter.

    In jedem Jahr müssen die Reben in den Sommermonaten durchgehend gegen Pilzkrankheiten (Peronospora, Mehltau und Schwarzfäule) geschützt werden. Gegen diese aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten haben die europäischen Reben keine Abwehrmaßnahmen. Wetterbeobachtungen, Prognosemodelle und biotechnische Maßnahmen im Weinberg helfen uns bei der Bekämpfung.

    Bis jetzt haben wir dieses Jahr Glück gehabt. Auf der anderen Moselseite, in der nächsten Gemeinde, an jeder anderen Windung der Mosel sieht es ganz anders aus. Kleinste Unterschiede entscheiden darüber, ob Weinberge von den Pilzen befallen werden: ein wenig kälter oder wärmer, ein trocknendes Lüftchen, die Ausrichtung zur Sonne, oben oder unten im Moseltal, ein Quäntchen mehr oder weniger Regen, bzw.  Luftfeuchtigkeit, Blütezeit und der Zeitpunkt der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln durch den Winzer. Insgesamt ist es eine Gratwanderung, auf die wir nur begrenzten Einfluss haben.

  • Rasend schnell

    Rasend schnell wachsen die Reben. Zwei Wochen Sommerwetter haben den Vegetationsrückstand gegenüber letztem Jahr schrumpfen gelassen. Die Reben sind wieder saftig grün und morgen beginnen wir mit den Laubarbeiten. Zur Unterstützung kommen morgen noch zwei Helfer, da wir bei diesem enormen Wachstum nicht mit der Arbeit hinterherkommen würden,

    Unser Hausrebstock im Weingut ist in der Blüte. In einigen Tagen müsste auch der Riesling am Blühen sein. Beste Bedingungen herrschen im Weinberg für die Reben. Der Bodenwassergehalt ist für diese Jahreszeit immens hoch, trockenes und sehr warmes Wetter gemeldet. Sogenanntes Winzerwunschwetter, auch als Kaiserwetter bekannt

  • Montag, den 11. Oktober, morgens um 8.30 Uhr

    Endlich Sommer! Es wurde so langsam Zeit. In der letzten Woche noch Langeunterhosenwetter und nun Kurzehosenwetter. Wir sind gegenüber dem letzten Jahr ca. drei Wochen später mit der Vegetation.

    Die Rebblätter sind kältebedingt gelblich geworden. Nährstoffe konnten wetterbedingt nicht von der Rebe aufgenommen werden und ein Chlorophyllmangel entsteht. Chlorose sagt der Winzer dazu. Das dürfte aber kein Problem sein. Reichlich Regen hat den Bodenwassergehalt bis ans Maximum aufgefüllt. Weitere Regenfälle sind prognostiziert. Wenn jetzt die Temperaturen sommerlich warm bleiben, verschwindet die Chlorose, setzt rasantes Rebwachstum ein und der Wachstumsrückstand wird verkleinert.

    Eine etwas spätere Weinernte ist auch nicht schlecht. Langsame Rieslingreife bei kühleren Temperaturen fördert die Aromatik und hemmt unerwünschte Fäulnis.

    Ich bin jetzt einmal etwas mutig: Montag, den 11. Oktober, morgens um 8.30 Uhr Erntebeginn Riesling. Wird natürlich ein Jahrhundertjahrgang… 🙂