Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Wetter

  • Schwitzwasser

    Frisch aus dem Haushaltskühlschrank! Gut gekühlter Riesling Sekt bei circa 5 Grad. Ein herrliches Trinkvergnügen bei warmem Wetter.

    Das Schwitzwasser, die kondensierte Feuchtigkeit, die sich bei kühlen Getränken am Glas niederschlägt, fehlt dieses Jahr größtenteils. Die Luftfeuchtigkeit ist dermaßen gering, dass an kalten Gegenständen sich keine (bzw. fast keine) Feuchtigkeit und Kondenswasser bildet. Ein Nebeneffekt der derzeit extremen Trockenheit. Morgendlicher Tau findet man aus den gleichen Gründen nicht. Auch der Boden in unserem kalten Holzfasskeller, der in einem normalen Sommer immer durch auskondensierte Feuchtigkeit nass ist, ist trocken.

    Etwas Entspannung kommt beim Blick auf die Wettervorhersage. Die Temperaturen sinken und etwas Regen ist gemeldet. Wir hoffen, dass er im richtigen Maß kommt. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Die Rieslingtrauben sind in der Reifephase und die Beerenschalen werden so langsam dünn. Es wäre fatal, wenn sich die Beeren mit Wasser vollsaugen und dann aufplatzen würden. Wir befinden uns auf der Zielgeraden zur Weinernte 2022. Wie jedes Jahr wird es spannend. Wir sind voller Erwartung auf die kommende Weinlese.

  • Der Stand der Dinge

    Es ist ein spannendes Weinjahr. Im Vorjahr eine sehr geringe Erntemenge durch Pilzbefall nach Dauerregen. Dieses Jahr extreme Trockenheit. Jedes Jahr anders. Der Klimawandel lässt grüßen.

    Bei Rieslingreben, die schon seit der Blüte unter Wassermangel leiden, wird die Quantität unterdurchschnittlich sein. Die Beeren sind klein geblieben, zudem Blattvergilbungen und vorzeitiger Blattfall. Zudem noch die Weinbergsareale wo wir die Fruchtruten und Trauben abschneiden mussten, damit die Reben überlebten. Dort, wo noch länger Wasser zur Verfügung stand, sieht es bedeutend besser aus. Die Trauben sind größer, jedoch fehlte in der entscheidenden Beerenwachstumsphase wieder Wasser. Eine Mengenprognose für die kommende Ernte kann ich jetzt noch nicht abgeben. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die das noch gravierend beeinflussen können, z. B. die Saftausbeute beim pressen, Regenfälle vor der Ernte (???) usw.

    Das Gleiche gilt für die Qualität.  Auch hier kann noch keine allgemeine Aussage getroffen werden. Ok, durch den Klimawandel sind schlechte Qualitäten abgeschafft. Daher werden die Einstiegsqualitäten schon sehr gut sein. Wie weit es denn qualitativ in den Spätlese- oder Auslesebereich geht oder die Trockenheit sich auf die Qualität auswirkt, wird sich bei der Weinernte zeigen.

    Bis auf die noch grünen Reben überall verbrannte Erde. Die Niederwälder oberhalb der Weinberge sehen verbrannt und braun aus. Viele Bäume sind vertrocknet.

    Die Rieslingreben konnten bisher das zum Überleben notwendige Wasser aus tiefen Gesteinsschichten gewinnen. Keine Tage mit Rekordtemperaturen und „kühlere“ Nächte verlangsamten die Verdunstung gegenüber anderen Trockenjahren.

    Seltsamerweise gibt es immer noch einige Stellen in den Weinbergen, an denen zwischen Mauer und Weg noch Wasser aus dem Fels läuft. Die Quelle der Mosel in den Vogesen ist mittlerweile versiegt, aber ersatzweise kann man ja in Reil fündig werden…😉😉

    So sehen Rebanlagen aus, die eine bessere Wasserversorgung hatten. Guter Traubenbehang und Rebblätter, die sich von der Sonne wegdrehen, um weniger Wasser zu verdunsten.

    Die Farbe der Mosel hat sich der Farbe des Rieslings angepasst. Mehr oder minder ein sattes Grün. Durch die Stauhaltung ist die Mosel ein stehendes Gewässer geworden und Blaualgen haben sich massiv vermehrt. Vom Baden in der Mosel ist abzuraten. Ohne Stauhaltung könnte man sicherlich mit hochgekrempelter Hose problemlos die Mosel queren ohne nass zu werden.

  • Das Ende der Trockenheit…

    Das Ende der Trockenheit ist nicht absehbar. Es herrscht eine ausgesprochene Dürre. In der langfristigen Wettervorhersage kommt das Wort Regen oder Niederschlag nicht vor. Die Begrünungen sind fast gänzlich vertrocknet, in den Wäldern oberhalb der Weinberge sind man die ersten vertrockneten Bäume sichtbar. Alleine die Reben stehen größtenteils noch grün da.

    Die Weinrebe gilt traditionell als eine Pflanze, die „resistent“ gegenüber Trockenheit ist. Dass sie einen Wassermangel verkraften kann, verdankt sie ihrer ausgeprägten Fähigkeit, den Boden dank eines stark entwickelten Wurzelsystems bis in tiefe Schichten zu nutzen. Außerdem ist ihr Wasserbedarf im Vergleich zu anderen Kulturen relativ bescheiden.

    In einigen Weinbergen, die jünger sind und/oder der Fels sehr hoch ansteht, sieht man immer mehr Blattvergilbungen. Wassermangel und intensive Sonnenstrahlung setzen dort den Rieslingreben massiv zu. Wir schneiden an diesen gestressten Reben die Fruchtruten nebst Trauben ab, damit sie entlastet werden. Das schmerzt des Winzers Seele, aber bevor die Pflanzen Schaden nehmen, ist dies das Mittel der Wahl.

  • Entlasten

    Erwartungsgemäß sehen wir seit einigen Tagen die ersten stärkeren Trockenstresssymptome. Vertrocknete Triebspitzen, Rebblätter, die sich von der Sonne wegdrehen und beginnende Blattaufhellungen sind fast überall zu sehen. Baldiger Regen ist dringend notwendig, aber leider nicht in Sicht.

    Die Reben schaffen es bei jüngeren Weinbergen oder wenn der Fels hoch ansteht, nicht mehr genügend Wasser aus dem Boden zu ziehen. Wir haben in den betroffenen Weinbergen reagiert und ganze Fruchtruten mit Blättern und Trauben abgeschnitten. Dieses Entlasten bewahrt die Stöcke vor dem Kollabieren bzw. schützt vor längerfristigen Schädigungen.

    Ich habe dieses Jahr das ungute Gefühl, dass wir diese Entlastung in weiteren Weinbergen durchführen müssen.

  • Reichlich

    Die jungen Beeren sind nach der Rebblüte gut gewachsen. Reichlich Trauben hängen in den Rebstöcken.

    Aus jeder Rebknospe kam ein Trieb, da die Knospenschädlinge keine Zeit hatten, diese zu schädigen. Der Blütenansatz war sehr gut und die Blüte ist, bis auf einige Ausnahmen, gut verlaufen. Die Mengenaussichten für den 2022er Jahrgang sind bis jetzt hervorragend.

    Die Weinberge sehen zurzeit vital und saftig grün aus. Der Vegetationsvorsprung liegt bei ca. zwei Wochen. Die bisherigen, wenigen Sommerregenfälle kamen an unserer Moselschleife immer im letzten Moment. So langsam dürfte muss es wieder regnen. Das chronische Wasserdefizit kann man an den Triebspitzen sehen. Normalerweise gekrümmt und Wachstum anzeigend, richten sie sich zurzeit auf und hören mit dem Wachsen auf. Der Wassermangel wird immer sichtbarer.

    Ich rechne damit, dass nächste Woche die ersten Trockenstresssymptome auftreten. Die Temperaturen sollen ansteigen und damit die Verdunstung. Es ist kein weiterer Regen in Sicht. Durch die UV Strahlung aufgehellte Blätter, diese dann noch durch den Wassermangel von der Sonne weggedreht und verkümmerte Triebspitzen dürften dann zu sehen sein.

  • Sixpack?

    Falsch sitzende Sixpacks? Kampfanzug á la Batman, Superman oder ähnlicher Comic Superhelden?

    Weit gefehlt! Zwar auch eine Art „Kampfanzug“, aber für den Winzer und gegen hohe Temperaturen. Kühlbekleidung heißt das Zauberwort. Die tragbare Klimaanlage für Berufe, die bei hohen Außentemperaturen arbeiten müssen. Vor längerer Zeit bin ich über die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft darauf aufmerksam geworden. Da die Arbeitsleistung bei hohen Temperaturen abnimmt, kam uns diese „mobile“ Kühlanlage genau recht, damit die Arbeitsleistung und das persönliche Wohlempfinden gesteigert wird.

    Bei der Klimaanlage zum Anziehen sind in den sogenannten Sixpacks spezielle Kunststofffasern eingenäht. Das Shirt wird unter dem Wasserhahn gut durchnässt und anschließend das überschüssige Wasser ausgedrückt. Das Shirt ist innerhalb von Sekunden trocken und einsatzbereit. Nun sind etwas über einem halben Liter Wasser im Gewebe gespeichert. Durch langsames (!) Verdunsten über viele Stunden wird die Haut darunter um bis zu 12 Grad abkühlt.

    Durch den körpernahen Schnitt, und die gute Passform auch gut unter dem Hemd oder T-Shirt tragbar. Aber dann gibt es den Batmaneffekt mit breiten Schultern und großen Brustkorb. 😉

    Mehr Information gibt es unter https://www.e-cooline.de/technologie/ und Nein, ich wurde nicht vom Hersteller bezahlt oder gesponsort. Also unbezahlte Werbung, weil ich das Produkt sehr gut und innovativ finde.

  • Rieslingblüte

    Alle Jahre wieder, so sicher wie das Amen in der Kirche: Der Riesling ist am Blühen. Auf dem Bild sieht man die Details. Sobald das Blütenkäppchen abgeworfen ist, erscheint der Fruchtknoten mit Narbe und die Staubgefäße. Und dann ist es auch schon passiert und die Bestäubung ist erfolgt.

    Das Rebwachstum ist im Moment verhalten durch die kühlen Temperaturen der letzten Tage und dem sich abzeichnenden Wassermangel. Bei der letzten Regenfront, die über die Mosel zog, gingen wir fast leer aus. Wir hoffen, dass am kommenden Wochenende doch der eine oder andere kräftige Regenschauer – bitte ohne Unwetter – das beginnende Wasserdefizit verringert.

    Entspannt laufen die Arbeiten im Weinberg. Wir kommen beim Einschlaufen der Rieslingreben in den Drahtrahmen gut mit der Arbeit voran. Eine positive Nebenwirkung des verlangsamten Wachstums und der kühlen Temperaturen, die unsere Arbeitsgeschwindigkeit auf einem hohen Level hält. Kein Vergleich zu den Vorjahren mit schnellem Rebwachstum, als bei hohen Temperaturen und schwülem Wetter noch Helfer gebraucht wurden.

  • Mickrig

    Mickrig, wie sich zurzeit die Begrünungen in unseren Weinbergen präsentieren. Schwach wachsend, durch die Trockenheit schon aufgehellt und gelblich werdend.  Seit  Wochen gab es keinerlei Regen. Dazu sehr trockene, teils windige Luft, die dem Boden weiteres Wasser entzieht.

    Während die Landwirtschaft stark am Klagen ist, haben ältere Rieslingreben im Untergrund noch genügend Wasser. Nachgepflanzten Reben sieht man den Wassermangel schon an. Nachschub von oben ist baldigst willkommen.

    In den vergangenen Tagen gab es die Chance, Regen zu bekommen. Die Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes füllten das E-Mailpostfach. Beim Blick auf das Regenradar jedoch Enttäuschung. Die Regenwolken streiften nur unsere Gemarkung und das bisschen, was an Regen fiel, hatte nur den Staub abgebunden.

    Am morgigen Montag haben wir laut den Wetterfröschen noch einmal eine Chance auf Regen. Dann ist wieder Trockenheit bei kühlen Temperaturen gemeldet. Wir hoffen auf reichlich Niederschläge. Am liebsten in Form eines langanhaltenden Landregens.

     

  • Frühling

    Mit aller Macht wird es Frühling. Früh morgens noch etwas Raureif in der Weinbergsbegrünung und mittags kurze Hosen Wetter. Jeden Tag Kaiserwetter mit blauem Himmel. Besser geht es nicht!

    Jetzt kommt Schwung in die Natur. Das allgemeine Ergrünen der Landschaft wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Weinbergspfirsich haben mit seiner wunderschönen Blüte den Anfang gemacht. Die anderen Obstbäume werden binnen weniger Tagen folgen. Die Weinreben brauchen noch etwas länger, bis das Wachstum beginnt.

    Wir sind mit dem Rebschnitt fertig. Zurzeit werden die verbliebenen Fruchtruten der Rieslingreben im Drahtrahmen nach unten gebogen und festgebunden. Noch einige Tage und dann sind diese sogenannten Winterarbeiten erledigt. Noch Haus, Hof und Garten für den Sommer vorbereiten und dann können wir die Terrassensaison eröffnen.

  • Weinlese 2021: ruhiges Erntewetter

    Fleißig haben wir in den letzten Tagen unseren Riesling geerntet. Das Wetter hat mitgespielt. Morgens war es meistens kühl und das Moseltal noch nebelverhangen.Mittags war es dann oft sonnig und warm. Das bisschen Regen, der uns zwischendurch leicht ärgerte, ist schon vergessen. Ebenso der vergangene Montag bei fast frostigen Temperaturen, der die Finger im Morgennebel erstarren ließ. Insgesamt typisches, ruhiges Erntewetter im Oktober!

    Die Traubengesundheit ist sehr gut! Wir haben fast keine Traubenfäulnis und nur einen sehr geringen Selektionsbedarf. Allerdings lässt die Erntemenge sehr zu wünschen übrig, aber dazu in einem späteren Artikel mehr.

    Die 2021er Rieslingtrauben finden regen Zuspruch: Vögel haben uns einige Trauben weggefressen. Ein erstes Indiz für gute Qualität!

    Als die ersten Reifemessungen unserer Agrarberatung veröffentlicht wurden, hatte ich noch große Sorgen. Zum Glück waren diese jedoch vollkommen unbegründet: Der Riesling ist als Cool Climate Pflanze bestens angepasst an unser nördliches Klima. Er konnte im Oktober einiges an Reife, Aroma und Zuckergehalt zulegen. Qualitativ dürfte er nahtlos an die vorangegangenen Ernten anschließen. Die gärenden Moste schmecken gut und auch die analytischen Eckdaten stimmen.