Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Schlagwort: Wetter

  • Rebblüte

    Eine der ganz wenigen Ereignisse über die ich mit schöner Regelmäßigkeit berichte, ist neben dem obligatorischen Weihnachtsgruß die Rebblüte. Die sommerlichen Temperaturen beschleunigen die Blüte rasant. Die Rahmenbedingen sind hervorragend. Wir erwarten eine hohe Bestäubungsrate.

    Rasend schnell ist auch das Wachstum der Reben. Im Unterboden ist noch genügend Wasser vorhanden, um das Triebwachstum der Rieslingreben zu beschleunigen. Das Einschlaufen der schnell wachsenden Rieslingtriebe hält uns im Weinberg auf Trab.

    Gänzlich anders sieht es bei den Weinbergsbegrünungen aus. Hier macht sich der Wassermangel im Oberboden bemerkbar. Am Wegesrand sind die Begrünungspflanzen bereits vertrocknet und gelb. Sommerliche Temperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit und ein ständig wehender Wind haben an der Feuchte gezehrt. Vor nicht einmal vier Wochen hatten wir große Probleme mit den nassen Böden. Jetzt warten wir sehnsüchtig auf Regen. Mitte nächster Woche soll er kommen, sagen die Wetterfrösche. Gewitter sind angesagt! Die Gefahr dabei ist, vor allem wegen des Klimawandels, dass zu viel in kurzer Zeit und im schlimmsten Fall in fester Form als Hagel fällt.

  • prächtig

    Besser geht’s nicht! Wassergefüllte Böden, fast alle Rebknospen sind ausgetrieben und an den jungen Reben hängen große, gut ausgebildete Blütenstände. Diese so genannten Gescheine sind voll entwickelt und die einzelnen Blüten werden sich in den nächsten Tagen auseinander spreizen. Und dann beginnt in wenigen Tagen die Rebblüte.

    Die Weinbergsböden sind in den Steillagen wieder gut befahrbar. Inzwischen hat der Sommer mit angenehmen Temperaturen Einzug gehalten und die angekündigten sommerlichen Temperaturen werden das Wachstum der Reben weiter beschleunigen. Zudem haben Pilzkrankheiten (echter und falscher Mehltau) bei dieser trockenen Witterung keine Chance, die Reben zu schädigen. Nächste Woche können wir dann mit der Laubarbeit, d.h. das Einflechten der Rebtriebe in die Drahtrahmen, beginnen.

    Bis jetzt sieht alles prächtig aus!

  • Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel

    Durch die maximal gefüllten Bodenwasservorräte sind unsere Weinbergsbegrünungen extrem üppig gewachsen. Stellenweise hüfthoch. Das Mulchgerät hatte Schwierigkeiten, den dichten Bewuchs zu mähen.

    Morgendlicher Tau und leichte Regenfälle in den letzten Tagen sorgten für ein angespanntes Fahren im Steilhang. Des Öfteren rutschte ich, verschärft durch die nasse Begrünung, auf den feuchten Böden mit dem Raupenschlepper ab. Allerdings war das relativ ungefährlich, da der Schwerpunkt sehr tief liegt und die Kippgefahr gering ist.

    Trotz meiner Fahrkünste und jahrzehntelanger Erfahrung gab es dann aber doch noch ein größeres Problem. In einer Rebzeile rutschte ich zur Seite und landete im Drahtrahmen. Bergauf ging nichts mehr. Bergab auch nicht, der Unterstockmulcher hatte sich hinter einem Rebstock verhakt.

    Den Berg runter helfen alle Heilige, den Berg rauf kein Teufel. Daher musste ich einen Kollegen anrufen, der nach kurzer Zeit erschien und mich mit der Seilwinde aus meiner misslichen Lage befreite.

  • Bilderbuchstart

    Die Rebknospen sind dick und der Austrieb steht kurz bevor. Zuerst dachten wir, dass der Austrieb der Rieslingreben früher erfolgen würde. Kalte Tage bremsten den Austrieb etwas.

    Reichliche Niederschläge haben in den vergangenen Tagen und Wochen die Bodenwasservorräte aufgefüllt. Es gibt fast keine Verluste durch Austriebsschädlinge, die die Knospen ausfressen. Es ist auch kein Frost in Sicht, der die jungen Rebtriebe schädigen könnte.

    Ein Bilderbuchstart in die neue Vegetationsperiode. Die spannendste Zeit des Winzerjahres fängt an: Mit der Natur arbeiten, täglich von dieser abhängig zu sein, allen Wetterkapriolen strotzend und in einigen Monaten, wenn alles klappt, wie ich es mir vorstelle, gesunde, vollreife Rieslingtrauben ernten.

  • Weinernte 2022: Winzerwunschwetter

    Die ergiebigen Regenfälle nach der extremen Sommertrockenheit sind in den Weinbergen sichtbar. Die Begrünungen leuchten wieder in grün statt gelb und auch junges Grün wächst, als ob es Frühling wäre. Gleichzeitig ist auch richtiges Pilzwetter, und das nicht nur im Wald. Auch in den Weinbergen sprießen sie zwischen den Reben.

    Per Zufall entdeckte ein Erntehelfer sogar ein Exemplar, das auf einem Rebstock auf dem dort beheimateten Moos wuchs.

    Der am vergangenen Wochenende gefallene ausgiebige Regen hatte zum Glück keine qualitativen Auswirkungen auf die noch hängenden Trauben. Sie sind von Pilzbefall und Verderb verschont worden. Nun haben wir trockenes Wetter mit morgendlichem Nebel und nachmittags strahlender Sonnenschein, Winzerwunschwetter für die Weinernte. So soll es die nächsten Tage bleiben und wir hoffen auf eine weiter fortschreitende Traubenreife.

    Wir ernten mittlerweile mit großer Erntemannschaft. Nach der ersten selektiven Ernte hängen nun ausschließlich gesunde Trauben in den Weinbergen. Die meisten Basisqualitäten sind im Keller. Ein spannendes Weinjahr mit extremem Wetter fordert uns jedoch immer noch, während wir die Ernte einkellern. Die Quantität ist bisher gut, eine qualitative Aussage ist aktuell noch schwer möglich.

    Etwas Geduld bitte! Der Winzer kann noch keine Auskunft geben, orakeln will er nicht und so heißt es abwarten bis alle Trauben geerntet sind, der Wein vergoren ist, damit verwertbare Aussagen getroffen werden können. Unser Gefühl ist schonmal positiv!

  • Weinernte 2022: Die Planungen stehen

    Die Weinberge haben wir in den letzten Tagen intensivst begutachtet. Die Trauben sind bisher noch weitestgehend gesund. Der Traubenbehang ist sehr gut. Das gemeldete Wetter wurde auch berücksichtigt. Die vorläufigen Ernteplanungen stehen.

    Dort, wo der Behang etwas niedriger ist und die Beerenstruktur aufgelockerter, ist an der Beerenfarbe schon die sehr gute Qualität der Rieslingtrauben ersichtlich.

    Der Wetterwechsel mit Regen hat natürlich seine Spuren hinterlassen. Rebstöcke, die im Sommer gut mit Wasser versorgt waren und kompakte Trauben gebildet hatten, bereiten leichte Probleme.  In den kompakten Trauben platzen die mit Wasser gesättigten Beeren. Beginnende Fäulnis (im Bild bräunlich) ist die Folge. Das sind die ersten Trauben, die wir in den kommenden Tagen ernten werden. Danach der Sektgrundwein, die Basisqualitäten usw. Der Reihe nach, wenn es das Wetter und die Traubengesundheit zulässt.

    Fragen werfen die extrem vom Trockenstress geplagten Trauben auf. Es sind nicht sehr viele, da wir in den betroffenen Arealen die meisten Trauben und Fruchtruten abgeschnitten hatten, damit die Reben bei der extremen Trockenheit überleben konnten. Die Trauben schmecken aromalos, bitter durch die Notreife und eine stark verminderte Zuckereinlagerung ist feststellbar. Sie werden wahrscheinlich verworfen, damit wir unser Qualitätsniveau bewahren.

  • Schwitzwasser

    Frisch aus dem Haushaltskühlschrank! Gut gekühlter Riesling Sekt bei circa 5 Grad. Ein herrliches Trinkvergnügen bei warmem Wetter.

    Das Schwitzwasser, die kondensierte Feuchtigkeit, die sich bei kühlen Getränken am Glas niederschlägt, fehlt dieses Jahr größtenteils. Die Luftfeuchtigkeit ist dermaßen gering, dass an kalten Gegenständen sich keine (bzw. fast keine) Feuchtigkeit und Kondenswasser bildet. Ein Nebeneffekt der derzeit extremen Trockenheit. Morgendlicher Tau findet man aus den gleichen Gründen nicht. Auch der Boden in unserem kalten Holzfasskeller, der in einem normalen Sommer immer durch auskondensierte Feuchtigkeit nass ist, ist trocken.

    Etwas Entspannung kommt beim Blick auf die Wettervorhersage. Die Temperaturen sinken und etwas Regen ist gemeldet. Wir hoffen, dass er im richtigen Maß kommt. Nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel. Die Rieslingtrauben sind in der Reifephase und die Beerenschalen werden so langsam dünn. Es wäre fatal, wenn sich die Beeren mit Wasser vollsaugen und dann aufplatzen würden. Wir befinden uns auf der Zielgeraden zur Weinernte 2022. Wie jedes Jahr wird es spannend. Wir sind voller Erwartung auf die kommende Weinlese.

  • Der Stand der Dinge

    Es ist ein spannendes Weinjahr. Im Vorjahr eine sehr geringe Erntemenge durch Pilzbefall nach Dauerregen. Dieses Jahr extreme Trockenheit. Jedes Jahr anders. Der Klimawandel lässt grüßen.

     

    Bei Rieslingreben, die schon seit der Blüte unter Wassermangel leiden, wird die Quantität unterdurchschnittlich sein. Die Beeren sind klein geblieben, zudem Blattvergilbungen und vorzeitiger Blattfall. Zudem noch die Weinbergsareale wo wir die Fruchtruten und Trauben abschneiden mussten, damit die Reben überlebten. Dort, wo noch länger Wasser zur Verfügung stand, sieht es bedeutend besser aus. Die Trauben sind größer, jedoch fehlte in der entscheidenden Beerenwachstumsphase wieder Wasser. Eine Mengenprognose für die kommende Ernte kann ich jetzt noch nicht abgeben. Es gibt viele verschiedene Faktoren, die das noch gravierend beeinflussen können, z. B. die Saftausbeute beim pressen, Regenfälle vor der Ernte (???) usw.

     

    Das Gleiche gilt für die Qualität.  Auch hier kann noch keine allgemeine Aussage getroffen werden. Ok, durch den Klimawandel sind schlechte Qualitäten abgeschafft. Daher werden die Einstiegsqualitäten schon sehr gut sein. Wie weit es denn qualitativ in den Spätlese- oder Auslesebereich geht oder die Trockenheit sich auf die Qualität auswirkt, wird sich bei der Weinernte zeigen.

    Bis auf die noch grünen Reben überall verbrannte Erde. Die Niederwälder oberhalb der Weinberge sehen verbrannt und braun aus. Viele Bäume sind vertrocknet.

     

    Die Rieslingreben konnten bisher das zum Überleben notwendige Wasser aus tiefen Gesteinsschichten gewinnen. Keine Tage mit Rekordtemperaturen und „kühlere“ Nächte verlangsamten die Verdunstung gegenüber anderen Trockenjahren.

    Seltsamerweise gibt es immer noch einige Stellen in den Weinbergen, an denen zwischen Mauer und Weg noch Wasser aus dem Fels läuft. Die Quelle der Mosel in den Vogesen ist mittlerweile versiegt, aber ersatzweise kann man ja in Reil fündig werden…😉😉

    So sehen Rebanlagen aus, die eine bessere Wasserversorgung hatten. Guter Traubenbehang und Rebblätter, die sich von der Sonne wegdrehen, um weniger Wasser zu verdunsten.

    Die Farbe der Mosel hat sich der Farbe des Rieslings angepasst. Mehr oder minder ein sattes Grün. Durch die Stauhaltung ist die Mosel ein stehendes Gewässer geworden und Blaualgen haben sich massiv vermehrt. Vom Baden in der Mosel ist abzuraten. Ohne Stauhaltung könnte man sicherlich mit hochgekrempelter Hose problemlos die Mosel queren ohne nass zu werden.

  • Das Ende der Trockenheit…

    Das Ende der Trockenheit ist nicht absehbar. Es herrscht eine ausgesprochene Dürre. In der langfristigen Wettervorhersage kommt das Wort Regen oder Niederschlag nicht vor. Die Begrünungen sind fast gänzlich vertrocknet, in den Wäldern oberhalb der Weinberge sind man die ersten vertrockneten Bäume sichtbar. Alleine die Reben stehen größtenteils noch grün da.

    Die Weinrebe gilt traditionell als eine Pflanze, die „resistent“ gegenüber Trockenheit ist. Dass sie einen Wassermangel verkraften kann, verdankt sie ihrer ausgeprägten Fähigkeit, den Boden dank eines stark entwickelten Wurzelsystems bis in tiefe Schichten zu nutzen. Außerdem ist ihr Wasserbedarf im Vergleich zu anderen Kulturen relativ bescheiden.

    In einigen Weinbergen, die jünger sind und/oder der Fels sehr hoch ansteht, sieht man immer mehr Blattvergilbungen. Wassermangel und intensive Sonnenstrahlung setzen dort den Rieslingreben massiv zu. Wir schneiden an diesen gestressten Reben die Fruchtruten nebst Trauben ab, damit sie entlastet werden. Das schmerzt des Winzers Seele, aber bevor die Pflanzen Schaden nehmen, ist dies das Mittel der Wahl.

  • Entlasten

    Erwartungsgemäß sehen wir seit einigen Tagen die ersten stärkeren Trockenstresssymptome. Vertrocknete Triebspitzen, Rebblätter, die sich von der Sonne wegdrehen und beginnende Blattaufhellungen sind fast überall zu sehen. Baldiger Regen ist dringend notwendig, aber leider nicht in Sicht.

    Die Reben schaffen es bei jüngeren Weinbergen oder wenn der Fels hoch ansteht, nicht mehr genügend Wasser aus dem Boden zu ziehen. Wir haben in den betroffenen Weinbergen reagiert und ganze Fruchtruten mit Blättern und Trauben abgeschnitten. Dieses Entlasten bewahrt die Stöcke vor dem Kollabieren bzw. schützt vor längerfristigen Schädigungen.

     

    Ich habe dieses Jahr das ungute Gefühl, dass wir diese Entlastung in weiteren Weinbergen durchführen müssen.