Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

Autor: Harald

  • aktuelle Weinbergsarbeiten

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    Das war Gestern der letze Schnitt in der diesjährigen Rebschnittsaison. Trotz des langen Winters haben wir den Rebschnitt in den letzten Wochen schnell erledigt.  Jetzt müssen nur noch die Fruchtruten im Drahtrahmen nach unten gebogen und befestigt werden und dann ist bis zum Ergrünen der Reben keine Arbeit mehr am Rebstock nötig.

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    Zwei Weinberge sind neu dazu gekommen. Da die Reben schon sehr alt und abgängig waren und die Erziehungsart nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht, werden diese Flächen neu gepflanzt.  Heute wurden die alten Rebstöcke mit der Rodezange aus dem Boden herausgezogen. In den nächsten Tagen wird die Fläche abgeräumt und notwendige Planierarbeiten können durchgeführt werden.

    Fast erwartungsgemäß gab es heute schon wieder die ersten Reparaturen an den Geräten. Ein Hydraulikzylinder ist verbogen und muß  ersetzt werden, ein Ölverlust an der Raupe erforderte einen neuen Wellendichtring und die selbst gebaute Rodezange ist aufs übelste verbogen und wird wohl auch nicht mehr lange durchhalten. Die Belastungsgrenzen  von Mensch und Maschine werden im Steilhang leider schneller erreicht als in der Ebene. Die Reparaturen an der Maschine sind für mich kein Problem, aber was ist, wenn es bei mir losgeht?

  • Weinrallye 31: Faszination Wein

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    Berhard Fiedler, mein Winzerkollege vom Neusiedler See in Österreich ist dieses mal der Ausrichter der Weinrallye:

    „Für jemanden, der noch nie zuvor mit dem Thema „Wein“ in Berührung gekommen ist, muß die Aura, die dieses Getränk umgibt einigermaßen befremdlich wirken. Schließlich wird Wein in vielen Fällen nicht nur einfach getrunken, sondern regelrecht zelebriert. …

    Was macht diese Faszination des vergorenen Traubensaftes aus?…

    Zugegeben, mein Thema ist einigermaßen vage. Damit es trotzdem keine Ausreden für eine Nicht-Teilnahme gibt, werde ich bis in der nächsten Zeit ab und zu kurz jene Aspekte anreißen, die mir spontan eingefallen sind.“

    So die Vorgabe zum Aufruf dieser Weinrallye. In weiteren Beiträgen auf seinem Blog gab er reichlich Anregungen, wie dieses Thema vielleicht zu behandeln ist:

    Faszinierende Metamorphose; Schmeckbare Herkunft; Big Business; Ein anregender Begleiter; Reife Leistung; Mystik, Kultur und Geschichte; Glanz und Glamour; Sensorische Herausforderung

    Fragezeichen bei mir. Was soll ich denn nun schreiben und/oder an Weinen probieren? Zu jedem Themenvorschlag könnte ich Seitenweise schreiben und probieren. Wenn ich es mir recht überlege, viele Themen hatte ich schon im Rahmen dieser im dritten Jahr laufenden Weinrallye angeschnitten:

    Das Big Bussines bei der Tütenweinrallye, Kultur und Geschichte bei der Weinrallye 25, die Schmeckbare Herkunft und Regionalität die mit Weinkönigin Theresa abgearbeitet wurde, eine Reife Leistung mit uralten Sekten bei der Weinrallye 18 und Nr. 6, viel Glanz und Glamour bei der Weinrallye 3 auf unserem Probiertisch stehend und es war immer eine sensorische Herausforderung an alle Freunde, die bei diesen Verkostungen mitgemacht hatten.

    Aber die faszinierende Metamorphose des Weines,  die Weinwerdung, der Werdegang von der Traube zum Wein, dass fehlt noch. Doch wie anfangen?

    Also zum Kühlschrank und die angebrochenen Flaschen von der heutigen Weiterbildungsveranstaltung der Ökokollegen kleinen Weinprobe nach der Weiterbildungsveranstaltung auf den Schreibtisch geholt. Vielleicht inspirieren ja die leckeren Rieslinge.

     Ja! Das ist es!

    Vielleicht sich einmal nicht mitteilen, wie der Wein schmeckt. Keine Geschichten um den edlen Rebensaft. Nur über die Faszination Wein bei einem Glas Moselriesling nachdenken und sinnieren, ohne viel Aufhebens zu machen. Ganz einfach!

    „Ein gutes Glas Wein ist geeignet, den Verstand zu wecken.“
    Konrad Adenauer

    Man muß nicht immer darüber reden!

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    Der Verstand wurde geweckt mit einer 2008er Riesling Spätlese feinherb vom Weingut Hubertushof aus Lieser. Übrigens: Großes Gold beim BioFach Weinpreis.

  • Der Frühling ist ausgebrochen

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    Die Vorboten des Frühlings waren letzte Woche schon überall zu sehen. Kraniche, die aus ihrem Winterquartier zurück kamen, Menschen, die allerorten in Ihren Hausgärten wühlten und die Moselausflugsschiffe, die die Anlegestellen, die vor Hochwässern und Eisgang im Hafen geschützt überwinterten, wieder an Ort und Stelle brachten.

    Heute ist es Frühlingshaft warm und es soll die nächsten Tage so bleiben. Die Arbeit macht bei diesen Temperaturen doppelt soviel Spaß wie in dem diesjährigen sehr langen und kalten Winter. Noch einige Tage Rebschnitt und die wichtigste Winterarbeit ist erledigt.

  • Traumstoff

     

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    Die 2009er Rieslinge sind abgefüllt und sind ab sofort lieferbar, wenn denn endlich die Druckerei die Etiketten fertig hätte. Wurden mir für Gestern Morgen zugesichert, dann für heute Morgen und jetzt heißt es Morgen…! Die Lieferzeiten auf der Homepage der Druckerei sollten vielleicht in „Morgen“ geändert werden.

    Ein verdammt guter Jahrgang! Schon an den Trauben während der Weinlese erkennbar: Extrem reife und gesunde Trauben deren Geschmack sich in den jungen Weinen wiederfindet. Viel frische Frucht im Auftakt, sehr elegante klare Struktur, intensives Bouquet mit betörender Aromatik nach Pfirsich, Mango und anderen tropischen Früchten und mit würziger Mineralität. Weine mit einer unnachahmlichen Konzentrierung von Bouquet und Aromastoffen; es ist fast zu schade sie schon jetzt zu trinken, sie könnten noch einige Monate Reifezeit vertragen.

    Würde das Wort Jahrhundertjahrgang nicht so inflationär gebraucht und hätten wir nicht die Kimaänderung: Ja würde ich sagen auf die Frage, ob es ein Jahrhundertwein ist. Jedoch die Jahrhunderte werden durch die Erderwärmung immer kürzer und die sogenannten Jahrhundertjahrgänge sind fast an der Tagesordnung. Zudem gab in den letzten 20 Jahren keine schlechten Jahrgänge mehr. Einfach abgeschafft!

    Am besten selbst probieren, ob es ein Superjahrgang ist. Die eigene Meinung bilden! Dafür haben wir wie in jedem Jahr ein Probesortiment geschnürt, damit sie sich selbst einen Überblick verschaffen können.

  • Flaschengeklapper


    Ein kleines Wackelvideo vom Abfüllen der ersten 2009er Rieslinge. Demnächst käuflich zu erwerben.

  • Xynthia

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    Sturm Xynthia mit seinen Niederschlägen, verbunden mit der Schneeschmelze in den höheren Lagen von Eifel und Hunsrück, ließ die Mosel wieder gewaltig ansteigen. Einige Nebenstraßen waren gesperrt, jedoch besteht keinerlei Gefahr eines größeren Hochwassers. Im Moseltal fegte zudem ein orkanartiger Wind, der  im Gegensatz zu den Höhenlagen, bis auf einige umgeknickte Bäume keinen Schaden hinterließ.

  • Leseempfehlung: „Jungweinwahn“

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    Kollege Dirk Würtz schreibt über den Jungweinwahn in seinem Blog, dem Run auf den allerneuesten Weinjahrgang. Hauptsache jung, egal ob der vorherige Jahrgang gereift ist und besser schmeckt.

    Unsere Leseempfehlung nebst den dazugehörigen Kommentaren.

  • Pudelwarm

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    Gestern war es Pudelwarm mit warmen Regen, heute frühlinghaftes Wetter. Wer hätte das vor 10 Tagen gedacht, als noch frieren und zittern angesagt war, die Temperaturen 10 Grad tiefer und die Landschaft in weiß gehüllt war.

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    Gefroren wird nur noch im Weinkeller bei der Arbeit.  Durch den kalten Winter zum Eiskeller mutiert, kondensiert die Feuchtigkeit der eindringenden warmen Aussenluft an den Edelstahltanks. Ich beneide meine Azubine, die in den Weinberg gehen darf.

  • Weinrallye 30: Naturwein

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    Matthias Metze hat das Thema der jetzigen Weinrallye vorgegeben:

    „Was ist eigentlich Naturwein? Genau das gilt es herauszufinden. Wer nach dem Begriff “Naturwein” googelt, bekommt höchst unterschiedliche Ergebnisse. Nach dem Weingesetz war die Bezeichnung Naturwein bis 1971 zulässig – für einen nicht mit Zucker angereicherten Wein; heute ist für viele Natur das gleiche wie “Öko” – so wird  Naturwein oft einfach mit einem Biowein gleich gesetzt. Andere wieder meinen damit einen Wein, der im Keller so wenig wie möglich manipuliert wurde – oder einen Wein, dessen Trauben biodynamisch angebaut wurden.“

    Gute Frage.  Bislang hatte ich noch nicht intensiv darüber nachgedacht, obwohl wir schon 28 Jahre ökologischen Steillagenweinbau machen, der diesem Ideal, nach der Meinung einiger Verbraucher, nahekommen soll.

    Wenn ich meinen Kollegen Bernhard Fiedler zitieren darf, der in seinem heutigen Weinrallyebeitrag folgendes schreibt:

    „Wein ist das Verderben von Obst unter kontrollierten Bedingungen.
    Jim Clendenen, Weingut Au bon Climat

    Für mich ist Wein – wie “puristisch” er auch immer gekeltert worden sein mag – kein Naturprodukt, sondern eine kulturelle Leistung.

    Ohne das jahrtausendealte Wissen und die leitende Hand von Weinbauern und Kellermeistern würde die Menschheit die Früchte der Rebe nämlich auch heute noch ausschließlich so genießen, wie die Tiere: Ungepreßt, süß und unvergoren.

    Nur durch die Beeinflußung und Kontrolle des natürlichen Verderbs von Trauben wird das Entstehen von Wein überhaupt erst möglich. Und allein mit dem Befüllen eines Gärbehälters prägt der Mensch die Ereignisse mehr, als das die Natur je könnte.“

    Genau das ist es, eine kulturelle Leistung! Das Obst sich selbst überlassen, würde vielleicht in den Augen einiger einen Naturwein ergeben, aber so etwas ähnliches bekam auch Jesus am Kreuze zu trinken: Essigstichigen Wein, das Alltagsgetränk eines römischen Soldaten. Die Kulturelle Leistung liegt woanders!

    Zuallererst die Gestaltung der Landschaft, der Weinkulturlandschaft, wie wir sie heute an der Mosel und anderen Weinbaugebieten erleben können. Dann die Kultivierung der Weinrebe mit dem Willen, ein Maximum an Geschmack in die Traube einlagern. Zuletzt die Weinbereitung mit dem Ziel, dieses Maximum an Geschmack was Natur und Winzer in der Traube konzentriert haben, nach Möglichkeit verlustfrei in die Flasche zu bringen.

    Die Zutaten sind eigentlich einfach: Zuerst eine gute Weinlage. Die Reben selbstverständlich ökologisch kultiviert und ein qualitätsbetontes Arbeiten bei niedrigen Erträgen um die Aromen in der Traube zu konzentrieren. Im Weinkeller den Wein begleitend, leicht lenkend. Ist ganz einfach und es braucht nicht viel dazu einen sehr guten Wein zu machen.

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    Der Wein und seine Zutaten: Eine extrem steiler terassierter Weinberg und den Willen, Weinkultur zu pflegen und zu erleben. Unser Freund und Hobbywinzer Michael bewirtschaftet seit etlichen Jahren einen sehr steilen und terassierten Weinberg. Schieferverwitterungsboden, südliche Hangausrichtung, Moselriesling und ökologischer Weinbau sind einige Merkmale.

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    Mit viel Liebe zur Kulturlandlandschaft erbaute Michael vor etlichen Jahren eine eingefallene Weinbergsmauer wieder  auf.

    Bei sehr moderaten Erträgen spiegelt sich der Schieferboden, das Mikroklima und die vielen anderen Faktoren aus dieser Lage in den Trauben wieder.

    2008 übte er sich erstmalig in der Weinbereitung, nur für den Hausgebrauch. Als Moselaner und Weintrinker hatte er schon viel Wissen, weitere Ratschläge kamen von mir und anderen Kollegen. Mit minimalstem technischen Equipment ging er die Sache an. Während Gärung und Weinausbau wurden weitere Fragen seinerseits von mir beantwortet.

    Das Endprodukt war überzeugend! Sauberst vinifiziert, klar in der Nase, dezente Aromatik, spritzig, lebendig und animierend. Mehr braucht man nicht für den täglichen Hausgebrauch.

    Andererseits aber auch etwas verwunderlich. Da schafft es ein Hobbywinzer – gut, ich muß zugeben, das er sehr engagiert ist – mit minimalster Weinkeller- ausstattung und minimalsten Eingriffen in den Weinausbau einen sehr guten Wein zu erzeugen, der fast Vorbildcharakter hat. Da könnten sich einige Profis eine Scheibe abschneiden.

    Für mich ein Naturwein, aber ich würde es besser anders nennen: Eine kulturelle Leistung die nur durch die Arbeit des Menschen in, an und mit der Natur geschaffen werden kann.

    Danke übrigens an Berhard Fiedler, der mir mit seinem Weinrallyebeitrag das Stichwort für diesen Artikel gab.

  • Morgen, spätestens übermorgen

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    Nach unserer gestrigen  Rosenmontagswanderung schneite es heftig. Hoffentlich der letzte Schnee in diesem sehr langen Winter. Der Rebschnitt drängt und die jungen Moselrieslinge sollen in den nächsten Wochen abgefüllt werden. Man hätte auch an den kalten Tagen abfüllen können, aber durch unseren steilen, verschneiten Hof wäre kein LKW mit Weinflaschen durchgekommen.

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    Morgen, spätestens übermorgen dürfte bei dem gemeldeten wärmeren Wetter der Schnee verschwunden sein und den weiteren Weinbergsarbeiten steht hoffentlich nichts mehr im Weg.